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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. Seite 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
Seite 599 (sequence 3)
Language
German
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Mk MWmUW - killt KllllSgebllllg M11 bMuW-Alöklins W M\m. - Gll Ales GehtzlMllt I. m\m. Ein farbenfreudiges Bild: Die Wände mit schwarzrotgoldenen Fahnentüchern geschmückt, bunt hängen die Banner der Korporationen herab, in langer Reihe sitzen in studentischem Wichs die Chargierten, vor ihnen am Ehren- Lisch die Vertreter der Universität, der Ve- Hörden, Parlamentarier, besonders bemerkt wurden auch eine Reihe von Vertretern des Reichsheers und der Reichsmarine, der großen jüdischen, dem K. C. befreundeten Organisationen, an langen Quertischen Hunderte von jungen und alten Akademikern, K. C.ern und Gästen — in solchem Rahmen spielte sich die Kundgebung ab: Für die deutsche Volksgemeinschaft! Gegen judenferndliche, staatsfeindliche und kulturfeindliche Strömungen an deutschen Hochschulen, mit der die Verbindung im K. C. „Sprevia" und der A. H. B. „Sprevia" im Kaisersaal des „Rheingolds" zu Berlin am 4. November d. I. den Festkommers aus Anlaß ihres 35. Stiftungsfestes einleiteten. „Die Verbindungen im K. C. ... haben zum Zweck ... die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die Politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten." Auf den Grundton echt vaterländischen Empfindens, der durch diesen Tendenzparagraphen hindurchklingt, waren die Kundgebung und der anschließende Festkommers gestimmt. Ihn unterstrich Rechtsanwalt Georg Cohn, der Vorsitzende des A. H. B. „Sprevia", Ln seiner Begrüßungsansprache, ihn ließ der Festprüside, Referendar Dr. Werner Rosenberg, stets von neuem anklingen; dieser Grundton schwang sich durch die Ansprachen, die Sanitätsrat Dr. G o l d s ch m i b t, Syndikus Dr. B e r l a k und Reichstagsabgeordneter Dr. Ludwig Haas, oft von stürmischem Beifall unterbrochen, an die Festversammlung richteten. Jeder der drei Redner behandelte einen Ausschnitt aus dem schmerzlichen Problemkreis des Judenhasses. Dr. Goldschmidt Zeichnete die psychologische Situation der jüdischen und nichtjüdischen Kindesseele. Dr. Berlak umriß in großen Zügen die hochschulpolitische Lage, und Abgeordneter Haas gab, aus reichem persönlichen Erleben schöpfend, mit zahlreichen bemerkenswerten Durchblicken die Antithese von Vorwärts und Rückwärts, von Jugend und Alter im politischen Kampf. Die Vaterlandsrede von Dr. Rosenberg wiederholte das Treugelöbnis des K. C. zum deutschen Vaterlande und zum Väterglauben. Die Nationalhymne wurde, von rhythmischem Schlägergeklirr begleitet, von der Festversammlung stehend gesungen. In langer Reihe betraten dann die Vertreter der befreundeten Parteien und Organisationen nacheinander die Rednertribüne, uni dem K. C. ihre Glückwünsche zu überbringen und zum Ausdruck zu bringen, was ihnen und dem K. C. gemeinsam sei. Unter den ersten nahm der Vorsitzende des Central- Vereins, Justizrat Dr. B r o d n i tz, das Wort, rnn unter begeisterter Zustimmung die Frage nach dem Ueberwiegen des Deutschen oder des Jüdischen in uns für gegenstandslos zu erklären, weil unser Dasein in jedem Augenblicke die Geschlossenheit unserer Persönlichkeit als Deutsche u n d Juden erweise. Alle Redner wandten sich gegen die Zersplitterung der deutschen Studentenschaft und forderten den Aufbau einer von engen, gehässigen Erwägungen freien neuen deutschen Studentenschaft. Auch zahlreiche schriftliche Sympathiekundgebungen betonten den gleichen Gesichtspunkt. So sprach der Rektor der Friedrich- Wilhelm-Universität zu Berlin, Erhardt Schmidt, der Verbindung „Sprevia" seine besten Wünsche für Erfolg und Gelingen des Stiftungsfestes aus und beauftragte den Präsidenten, zu erklären, daß er gewillt sei, während seiner Amtszeit gegen jede raffen- und parteipolitische Verhetz u n g der Studentenschaft mit allen Mitteln 5 u wirken und für Ausgleich und Versöhnung innerhalb der Studentenschaft tätig 3u sein. Von den weiter eingegangenen Schreiben seien besonders erwähnt das Schreiben des Seniors des deutschen Korpvrations-Studententums und Gründers der Reformburschenschaften des A. D. B., Gcheimrat Dr. Konrad Küster. Er schrieb an die „Sprevia": „Hochverehrte Kommilitonen der „Sprevia"! Ich begrübe auf das wärmste Ihre beabsichtigte Kundgebung gegen das Bestreben, den jüdischen Bestandteil aus dem Dasein des deutschen Volkstums auszumerz-en. Die verderblichen Folgen solcher Bestrebungen liegen auf der Hand. Eine wahre Volksgemeinschaft, die Hindenburg immer wieder bei seinen Kundgebungen fordert, kann auf diese Weise niemals Zustandekommen. Und eine solche ist beim Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes eine unbedingte Voraussetzung. In dieser Erkenntnis habe ich von Anfang an gegen fo!d>e Bestrebungen schriftlich und nründlich Stellung genommen und werde dies auch weiter tun. Ihrer Kundgebung aber wünsche ich lauten Widerhall, damit das Volk die Gefahren und Schädigungen erkennt, in die das Vaterland durch diese Bestrebungen gebracht wird." Es war lange nach Mitternacht, als die Teilnehmer des Festkommerses die Veranstaltung verließen. Allen werden die Stunden im Kaisersaal als ein lebendiges Beispiel für den starken unverrückbar-nationalen Gedanken im deutsch-jüdischen Akademikertum und im deutschen Judentum überhaupt in Erinnerung bleiben. — ib — Schimpfkanonade gegen den C. v. Wir sin- ^verlogene Sanöiten^. In der „Volkswacht" vom 23. Oktober: lesen wir den Bericht über eine Versammlung, die der Gau Schlesien der NSDAP kürzlich im „Schießverein" in Breslau veranstaltet hat. Der Redner, Gauleiter Brückner aus Zobten, überschlug sich dabei in Verdrehungen von Tatsachen und Haßfanfaren gegen das Judentum, insbesondere gegen den C. V. so, daß eine Widerlegung der einzelnen Behauptungen unnötig ist. Er führte u. a. aus: „Es wird in Breslau zu schweren politischen Kämpfen kommen. Es wird festgestellt werden müssen, ob die Straßen den deutschen Menschen oder den bezahlten Wächtern der Synagogengemeinde gehören sollen. Das gegenwärtige politische System steht vor seinem politischen Tod. Was wir am Tage des Tages machen werden, das werden die anderen schon erfahren. Vorläufig geht sie das einen Dreck an. Das Zentrum ist ein übelriechender Schwamm. Es wird der Tag kommen, wo die nationalsozialistischen Führer Mühe haben werden, ihre Massen Zurückzuhalten, das nicht zu tun, was das Volk gern tun möchte. Der Staat müßte verhüten, daß jüdische Radikalinskis in feinen Derwaltungsapparat kommen. Das Verbot der nationalsozialistischen Ortsgruppen in Schlesien ist ungesetzlich. Dr. Keßler von der politischen Polizei wird später einmal Gelegenheit haben, darüber nachzudenken, was er sich in unserem Staat erlauben kann. Der Untersuchungsrichter lehnte es ab, Verhaftungen vorzunehmen, die der Staatsanwalt nur verlangte, um befördert zu werden. Der jüdische Rechtsanwalt Förder bekommt in unserem Staat auch eine Stellung. (Brückner machte dabei eine Handbewegung, bei der sich die Zuhörer vorstellen konnten, daß Brückner meinte, man müsse Förder eine Schlinge run den Hals legen.) Bon heute ab geht die Generaloffensive los, die niemals mehr zum Stillstand kommen kann. Die Offensive wird getragen von den Frontsoldaten und von deutscher Jugend. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist ein Verein von verlogenen Banditen. Auf fein Geheiß sind unsere Ortsgruppen verboten worden. Wir haben aus allen Behörden Vertrauensleute sitzen und die tragen sich nicht in das Volksbegehren ein. Wir sind nicht so dumm, sie auszuliefern. Der Oberbürgermeister in Breslau ist die Wetterfahne aus dem Kirchturm. Es ist also verständlich, daß er seinen Namen unter den Gegenentwurs gesetzt hat. Der Oberpräsident Lüdemann (ist er hier rm Saal?) ist jüdisch. Er hat zwar den Glauben seiner Väter abgeschworen und ist nun Dissident. Regierungsrat Jaenicke, Oberpräsident Lüdemann und Rechtsanwalt Förder sind Mitglieder des Centralvereins. Wir fordern, daß die Ortsgruppen des Centralvereins ausgelöst und verboten werden. (Beisallsstürme.) Das Verbot muß erfolgen wegen unmoralrschen Verhaltens gegenüber der Oefsentlichkeit. Die Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und Landräte sind nicht Gewählte, sondern „Anserwählte", und um das zu werden, muß man entweder Bonze von der SPD. oder jüdischer Rasse sein." _______ zMhMchäiidmig lnRlldelsrr. In der Nacht vom 3. zum 4. November wurden auf dem israelitischen Bezirksfriedhof in Roedelsee bei Kitz i n g e n elf Grabsteine umgeworsen und acht von ihnen in vandalischer Weise zertrümmert. Unter den vollständig zerstörten befindet sich auch das Grabdenkmal des Rabbiners Thalheimer aus Mainbernheim. Zn den geschändeten Gräbern gehören fünf Kindergräber. Die Fußspuren zeigen nach M a i n b e r n h e i m. Da dort kürzlich eine rechtsradikale-Versammlung abgehalten wurde, in der bte Bevölkerung stark judenfeindlich verhetzt wurde, liegt die Vermutung nahe, daß die Tat eine Frucht dieser Hetze ist. Die Nachforschungen sind sofort energisch ausgenommen worden. Die Friedhofsverwaltung hat für die Ergreifung der Schuldigen 500 Mark Belohnung ausgesetzt.

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