Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 591 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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591 Zur Erinnerung an Rudolf Kittel. Von Dr. Hermann Vogelstein (Breslau). Vor kaum zwei Wochen erhielt ich die soeben erschienene zweite Hälfte des III. Bandes von Rudolf Kittels „Geschichte des Volkes Israel", mit der das Werk abgeschlossen ist. Noch hatte ich nur einen kleinen Teil des fast 30 Bogen starken Bandes durchgearbeitet, als ich in den Zeitungen die Nachricht von dem Tode des 70jährigen Gelehrten las. Die wundervolle Tragik dieses Sterbens hat etwas im Innersten Ergreifendes, — aber nichts Niederdrückendes, sondern Erhebendes. Das Lebenswerk, das der Stuttgarter Gymnasiallehrer vor 44 Fahren (1885) begann, das der Breslauer und später Leipziger Professor der Theologie weiterführte und mit unermüdlichem Fleiße immer wieder verbesserte, hat der im Ruhestand lebende Gelehrte 31t Ende geführt — und er hat dessen Veröffentlichung gesehen. Dann hat er die Augen geschlossen. Ein wundervolles Schicksal, und der Mann, dem dies Schicksal geworden, dessen würdig. Aber nicht x:\xx das menschlich Ergreifende dieses Schicksals, sondern mehr noch die wissenschaftliche Größe des Mannes verschaffen diesem Professor der evangelischen Theologie einen Anspruch aus Würdigung in einer jüdischen Zeitung. In der Vorrede zum ersten Halbband seiner 1888 erschienenen „Geschichte der Hebräer" heißt es: „Wie weit ich hier das Nichtige getroffen habe, wird verschieden beurteilt werden: es wäre mir lieb, wenn die Arbeit, auch wo sie irrt, doch das redliche Bemühen, der Wahrheit nahezukommen, an den Tag legte." Dieses unverkennbare Wahrheitssuchen, dieses ehrliche Streben nach vorurteilsloser, objektiver Beurteilung der Dinge, dieses unablässige Sichmühen, die Erkenntnis zu vertiefen und zu erweitern, sich niemals mit gewonnenen Ergebnissen zufrieden zu geben, sondern immer von neuem die Probleme zu prüfen und eigene Jrrtümer zu berichtigen, kennzeichnet Kittel als echten Mann der Wissenschaft. Man braucht nur die beiden Halbbände seiner „Geschichte der Hebräer" mit seiner jetzt vollendeten „Geschichte des Volkes Israel" zu vergleichen, deren beide ersten Bünde in sechster und siebenter Auslage vorliegen, um diesen nimmermüden Gelehrtenfleiß vollauf zu würdigen. Um dieses Hauptwerk ranken sich alle ferne anderen Schriften. Auch seine wertvolle Ausgabe der hebräischen Bibel, seine Uebersetzung und Bearbeitung biblischer und apokrypher Bücher in Kautzsch deutscher Bibelausgabe, seine Kommentare biblischer Bücher erscheinen, trotzdem sie in sich geschlossene, selbständige Arbeiten sind, bei der Betrachtung seiner Lebensarbeit dem einen großen Lebenswerk, der Geschichte, untergeordnet, — als Hilfsarbeit oder Vorarbeit. Das Werk hatte einen außergewöhnlich großen Erfolg. Es ist heute die allgemein anerkannte Geschichte Israels von der ältesten Zeit bis zu Alexander dem Großen, und es hat Stades Geschichte so gut wie vollständig aus der allgemeinen Geltung verdrängt. Vergleicht man die beiden Werke miteinander und überblickt man den Stand der israelitischen Geschichtsforschung wie der Bibelforschung, so erkennt man die Bedeutung Kittels für das Gebiet der alttestamentlichen Wissenschaft. Der Vorrang Kittels vor Stade ist keineswegs nur dadurch bedingt, daß Kittel neuere Entdeckungen — man denke an die Vell-el-^murnu-Briese — verwerten konnte, die Stade damals noch nicht kannte, daß also Stades Geschichte vielfach veraltet war. Kittels Stil ist flüssig und sehr gut lesbar, dabei durchaus ruhig. Er hält sich bewußt fern von allem glänzend Schillernden. Das Entscheidende ist aber, daß Kittel geschichtlichen Blick hatte, die Methode der Geschichtswissenschaft beherrschte, sich nicht dogmatisch an eine Auffassung gebunden fühlte, sondern mit besonnener Kritik die Geschichtsquellen prüfte. Sein geschichtlicher Blick ließ ihn die Geschichte Israels, nicht losgelöst von der allgemeinen, geschichtlichen Entwicklung betrachten, sondern in den großen Geschichtsverlauf hineinstellen und dadurch erst recht in ihrer Besonderheit würdigen. Die biblische Geschichtswissenschaft arbeitet unter eigenartigen Voraussetzungen. Ihre hauptsächlichste, ja für manche Gebiete einzige Quelle ist die Heilige Schrift., Diese Geschichtsquelle ist Zugleich die heutige religiöse Urkunde, der man mit ehrfurchtsvoller Scheu gegenübertritt. . ^wrnand wagte die Methoden literarischer und historischer Kritik auf die Erforschung der biblischen Literatur anzuwenden. Als man es schließlich tat, erregte man nicht nur den Widerspruch, sondern mehr noch, Empörung. Es schien als eine Verletzung des Glaubens an Gottes Wort. Wie fast auf allen Gebieten, hat auch die neue Wissenschaft der biblischen Kritik große Ergebnisse gehabt und ist in der berechtigten Entdeckerfreude einseitig geworden. Sie wurde literarische Quellenkritik, deren Ergebnisse schließlich durch die Ueberspitzung der Methode unsicher wurden. Dazu gesellte sich der dogmatische Glaube an die Unumstößlichkeit dieser bibelkritischen Ergebnisse. Die Mängel dieser rein literarkritischen Einstellung traten bei der Anwendung auf die Geschichte besonders zutage. Verneinte die Orthodoxie jede Entwicklung auf religiösem Gebiete, so erkannte die Wellhausensche Schule nur die Entwicklung an und bestritt die Nichtigkeit der biblischen Ueberlieferung, wenn sie nicht in dieses Schema paßte. Es ist trotz ihrer vielen Mängel meines Erachtens das große Verdienst der Graf-Wellhausenschen Schale, die kritische Methode in die Bibelwissenschaft eingeführt 31t haben. Wenn heute die Alleinherrschaft der Wellhauseuschen Schule überwunden, und wenn die biblische Wissenschaft an die literarischen und die historischen Probleme mit ruhiger, besonnener Kritik heraugeht, so haben an dieser Ulustellung selbstverständlich die zahlreichen großen Entdeckungen der letzten 40 Jahre hervorrageudenchAnteil. Aber die Hrno Holz der deutsche Lyriker, ist am 26. Oktober gestorben. Statt einer Würdigung seiner Persönlichkeit veröffentlichen wir nochmals die nachstehende Strophe aus der „Blechschmiede", die uns Arno Holz im Juli 1927 als Zeugnis seiner Stellung zunr Judentum übersandte. 'fc-* A. I I JofZ große Leistung der Männer, die diesen Umschwung herbeigesührt haben, darf nicht verkannt werden. Kittel war einer der ersten, die die methodischen Mängel jener Schule erkannt und die Wissenschaft in andere Bahnen gelenkt haben. So erst wurde wirkliche geschichtliche Erkenntnis und geschichtliche Darstellung möglich, während die unkritische wie die hyperkritische Richtung hier versagen mußten. Kittels auch für den Laien gut lesbares Buch behandelt die Geschichte von der Urzeit bis Ende der Perserherrschaft, stellt die israelitische Geschichte in die Kultur des alten Orients und wird doch ihrer Sonderart gerecht. Es ist weder eine Darstellung von Kriegen und politischen Verwicklungen noch eine Literaturgeschichte, sondern saßt diese und das wichtigste Gebiet, die Religiousgeschichte, zur Einheit zusammen. Den: Laien bieten seine „Religion des Volkes Israel" und seine „Gestalten und Gedanken in Israel" anregende Lektüre und reiche Belehrung. Mir die deutschen Juden hat sein 1914 in: Buchhandel erschienenes gerichtliches Gutachten „Judenseindfchaft oder Gotteslästerung?", das ebenfalls ein Zeugnis seines unbeirrbaren, ehrlichen Strebens nach Wahrheit ablegt, besonderes Interesse. Jeder §hi$äugiing, Jedes Masert, selbst der SKihönig muß vordem ersten Schneefall den neuen, reich illustrierten Pracht-Katalog für Skilauf und Wandern vom weltberühmten Sporthaus Schuster, München 2 C 7, Rosenstraße 6, studiert haben. Jedermann erhält denselben auf Verlangen unberechnet und postfrei und kann sich dadurch am zweiten großen alpinen Preisausschreiben kostenlos beteiligen.