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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-01 · 44 (1.11.1929) · p. Seite 589

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
44 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 589 (sequence 5)
Language
German
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SS- ZARTE BISKUITS IEIBN Enthält nur feinste Molkereibutter SCHOKOLADEN UND D ERFRISCHUNGSWAFFELN Gerechtigkeitsgefühl aller Vernünftigen und Einsichtigen sich enrpört gegen sie wenden würde. Will es dann viel bedeuten, wenn Staat und Parteien erst in dem ihnen ausgezwungenen Kampf um das Volksbegehren gegen die Verwilderung des Kampfes, gegen das gefährliche Experiment dieses Volksbegehrens endlich Abwehr üben? Ja, es hat etwas zu bedeuten, aber nur dann, wenn diese Abwehr nicht das Ende, sondern der A n - fang d e s K a m pfes gegen eine Bewegung ist, die nicht nur in ihren Formen, sondern auch in ihrem Kern bekämpft werden muß. Was will der Anfang bedeuten, wenn wir sehen, wie Schüler und Studenten, Arbeiter und Jungbauern, Mittelständler und Beamte, wie insbesondere Lehrer, begeisterte Nationalsozialisten sind, wie Dutzende völkischer Hetzorgane ungestraft ihr /verleumderisches Wesen treiben. Im Rheinland, in Koburg wurden Verbreiter des Nitualmordmärchens bestraft, da wird im „Eisenhammer" ein lächerlich harmloser Vorfall in Ludwigshasen a. Rh. als Ritualmordplan kolportiert. Hinter solchen Ungeheuerlichkeiten stehen deutsche Menschen, stehen Lehrer! — In der Pfalz hat sich vor kurzem ein Verband nationalsozialistis ch e r Lehrer gebildet! In den Köpfen von Tausenden und Abertausenden spuken nationalsozialistische Schlagwörter, Tausende und Abertausende jugendlicher Herzen glühen dem „dritten Reich" entgegen, sticht nur die Kampfesmethode heißt es zu bekämpfen. Hier ist eine Aufgabe erwachsen, die an den Staat und an alle Parteien, denen das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt, große Anforderungen stellt. Hier ist viel Zu bekämpfen, und unendlich viel aufzuklären und zu erziehen. Wir „C. V.-Juden", so'nennt uns mit Vorliebe die völkische Presse, stehen mehr am Anfang als am Ende unserer Arbeit. Wir sehen die Stärke und die Waffen des Feindes. Aber es schlottern uns nicht die Knie, wie die völkische Presse mit Worten und mit mehr oder weniger geschmackvollen Bildern ihren Lesern weißmachen will, sie, die sonst stets von unserer „Weltmacht" spricht. Zwar sind wir wenige und haben nicht ein Tausendstel der Macht, die unsere Feinde uns nachrühmen. Aber mit uns ist die stärkste Macht, die es im Kampfe zwischen Menschen geben kann: dM Recht und die W a h r h e i t. Palatinus.' Mutiger Semesterbesinn in Budapest. Aus Budapest werden wieder blutige Ileberfälle aus jüdische Studenten in den Räumen der Universität gemeldet. Von Semesterbeginn zu Semesterbeginn wiederholt sich mit einer Beständigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, in Ungarns Hauptstadt Budapest das gleiche beschämende Schauspiel. Fleißig nehmen die jüdischen Studierenden ihre Plätze in Hörsülen und Laboratorien, in Kliniken und Seminaren ein, empfangen von einer johlenden Meute verhetzter Studenten, die sich nicht scheut, den Ehrennamen der magyarischen Ritterlichkeit durch brutalste Gewalt gegen eine wehrlose Minderheit vor ganz Europa zu schänden. Aus Tage hinaus werden meist die Hochschulen geschlossen, der ganze akadl> mische Betrieb wird zum Stillstand verurteilt, weil der Fanatismus und die Konkurrenzfurcht einer gewissen Gruppe es so will. Die Regierung und die Hochschulbehörden versprechen Abhilfe, ja der Rektor der Technischen Hochschule, geleitet, wie es jetzt vorgekommen ist, die Bedrohten sogar Persönlich ins Kolleg und appelliert mit eindringlichen Worten an die besseren Instinkte dieser „goldenen Jugend". Alles vergebens! Kaum hat er den Rücken gedreht, so bricht der Sturm von neuen: los. Die Vorgänge im einzelnen sind durch die Tagespresse bereits eingehend erörtert worden, wir können uns daher eine nochmalige Schilderung ersparen. Nur einige grundsätzliche " Bemerkungen seien gestattet. Man ist allgemein davon überzeugt, daß ein einziges Machtwort der Negierung, ein Exempel, das die Hochschulbehörden an ernigen der größten Rowdys statuieren würden, den ganzen Spuk vertreiben könnte. Die Negierung hat wiederholt die energischsten Maßnahmen a n g e k ü n d i g t, es ist bisher jedoch stets bei diesen Ankündigungen geblieben. Als die ungarische Negierung den „berüchtigten" Gesetzartikel Nr. XXV vom Jahre 1920 über die Regelung der Einschreibung an den Universitäten, dem Polytechnikum, der Budapester staatswissenschaftlichen Universitätssakultät und an den juridischen Akademien (Numerus clausus Gesetz) geschaffen hatte, da sollte sie vor dem Völkerbund zur Verantwortung gezogen werden. Der Völkerbundsrat beabsichtigte die Frage des „Numerus clausus" dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, dessen Entscheidung kaum zweifelhaft war. Die ungarische Negierung wurde damals vor dieser politisch wie moralisch gleich beschämenden Niederlage nur durch zweierlei bewahrt. Zunächst durch ihre eigene Erklärung, der Numerus clausus sei nur eine „ausnahmsweise" und „übergangsweise" getroffene Maßnahme, die bald abgeändert werden solle, vor allem jedoch auch, durch das patriotische Verhalten der ungarischen Juden, die damals mit Entschiedenheit erklärten, sie seien keine „nationale Minderheit", die Völkerbundsinstanzen seien zur Entscheidung dieser Frage daher unzuständig; sie betrachten vielmehr die ganze Frage als eine innerungarische Angelegenheit, die sie ohne Hilfe von außen mit ihren ungarischen Volksgenossen ausfechten wollten. Es soll nicht verkannt werden, daß die ungarische Negierung ihr Versprechen, das Gesetz des Numerus' clausus weitgehend allzu ändern, gehalten hat. Nicht ändern konnte sie jedoch Gesinnung und Haltung eines großen und besonders aktiven Teils der Studentenschaft. Alan kann der ungarischen Regierung den Vorwurf nicht ersparen, daß sie durch ihre ganze innenpolitische Haltung diese Exzesse nicht nur nicht unterdrückt, sondern sogar gefördert hat. Wenn führende „Rassenschützler", zuletzt erst der berüchtigte Gömbös, hervorragende Staatsämter' erhalten, dann muh jene Jugend, die ihre Führer Seite an Seite mit dem Ministerpräsidenten und Kultusminister das «Ltaatsschiff lenken sieht, annehmen, daß ihre Haltung von höchster Seite gebilligt wird. Gelegentliche Erklärungen der Negierung werden dann mit Recht nur als „Schreckschüsse" angesehen und entsprechend gewertet. Diese Haltung der Negierung ist angesichts der außenpolitischen Situation des heutigen Ungarns einfach unbegreiflich. Kein Staat hat mehr unter dem Verlust des Krieges gelitten als Ungarn, das mehr als 50 v. H. seines Staatsgebietes verloren hat. Millionen von Ungarn stehen in fremden Staaten in schwerstem Kampf gegen nationale Unterdrückung und Beschränkung ihrer einfachsten Menschenrechte. Keine Völkerbundstagung vergeht, ohne daß Ungarns ehrwürdiger Repräsentant beim Völkerbund, der greise Graf A P P o n h i, eine ungarische Minderst eitsbeschwerde vortrügt. Jede Session des Völkerbundes beschäftigt der ungarischrumänische Optantenstreit. Dabei muß die ungarische Negierung von den angegriffenen Staaten immer wieder hören, daß die Regierung eines Landes, das in der Vorkriegszeit wegen seiner brutalen Magharisierungs- Politik berüchtigt war, au: wenigsten legitimiert erscheine, sich gegen die nationale Indolenz anderer Völker zu wenden. Einer der ungarischen Verfechter des Numerus clausus, der Budapester Universitätsprofessor Dr. v. Hoor, schrieb einmal: „Diejenigen, die den Numerus clausus bei uns zu Fall zu bringen suchen, werden. — um mit einer ungarischen Redewendung zu sprechen — ihr Beil an einem Holz versuchen, das dem Beil sich als zu hart erweisen wird." Professor v. Hoor scheint leider recht zu behalten. Die ungarische Reglern na aber darf sich nicht wundern, wenn die Oefientlickkeit Europas Beschwerden eines Landes mit Skepsis aufnimmt, das friedliche und patriotische Bürger nur um ihres Glaubens willen den entwürdigsten Verfolgungen aussetzt. Werner Rosenberg. ^uöen unö Nationalsozialisten haben keinen Zutritt!^ Die Rationalisierungsbestrebungeu, die alle Kreise des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ergriffen haben, beginnen, in die Politik überzugreisen. Wozu, denken sich die Führer mancher Gruppen, soll man Zeit, Kraft und Mühe daraus verwenden, sich mit seinem Gegner in Versammlungen auseinanderzusetzen? Die Devise: „Wer nicht pariert, der fliegt", die bei diesen Leuten schon immer galt, haben sie umgewandelt. Jetzt heißt es: „Wer nicht schweigen will, der soll erst gar nicht hören". Tie Nationalsozialistenc vor allem glaubten, sich mit ihrer famosen Formel „Juden haben keinen Zutritt" vor Diskussionen, deren Ausgang ihnen zweifelhaft erschien, schützen zu müssen. Sie haben aber leider verabsäumt, sich dieses Sicherheitsverfahren patentieren zu lassen. So ist es ihnen, gerade ihnen, geschehen, daß L u d e n d o r s s s T a n n e n b e r g b u n d, Ortsgruppe Duisburg, Plakate mit der Aufschrift drucken läßt „Inden nnd Nationalsozialisten haben keinen Zutritt". Wir finden diese Erfindung großartig und möchten Vorschlägen, den Nationalisierungsgednnken noch weiter auszubauen. Wozu erst Erörterungen über Fragen, in denen man seine Meinung doch nicht ändern will, wozu überhaupt erst der Versuch, zur Verständigung mit Andersdenkenden zu gelangen?! Jede Aussprache bedeutet Komplizierung, darum: Es 'lebe das Selbstgespräch! Ridens.

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