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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-18 · 42 (18.10.1929) · p. Seite 566

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
42 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
Seite 566 (sequence 6)
Language
German
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Söö den von uns beanstandeten Fehler des Verallgemeinerns zu verfallen. Zu unserem Bedauern hat aber keine Frau das Wort für uns ergriffen, etwa in dem Sinne, daß sie uns aus gemeinsamer Arbeit, z. B. in der Wohlfahrtspflege, kenne und unsere Mitarbeit ihnen wertvoll sei. So blieb im allgemeinen die Frage der „Verständigung" unbefriedigt. Wir haben aber trotzdem beschlossen, noch in diesem Winter die Veranstaltung zu wiederholen, da die Geladenen durchaus interessiert den Ausführungen und der Aussprache gefolgt waren, so daß wir glauben, auch bei denjenigen, die diesmal noch nicht dabei waren, ein gewisses Interesse voraussetzen zu dürfen. Ferner soll den Anwesenden von jetzt ab die Monatsnusgabe der ,.C-V.-Zeitung" zugehen, so daß das einmal geweckte Interesse für ein Problem, an dem sie z. T. bisher achtlos vorbeigegangen waren, erhalten bleibt. Wir glauben, auch den andern „Frauengruppen des C.-V." im Reich durchaus die Veranstaltung ähnlicher Aussprache-Nachmittage empfehlen zu sollen, denn die Notwendigkeit, daß sich die christliche gebildete Frauenwelt mit den zur Diskussion stehenden Fragen auseinandersetzen muß, und die Tatsache, daß durch den Besuch der Veranstaltung ein gewisses Interesse und guter Wille im voraus bewiesen wurden, möchten wir als sehr bescheidenen Erfolg Luchen. E. W. Die „Gelben". Auch unsere Haltung im Vemfsleden bedarf der Selb-ttM. / Von Zahnarzt Dr. med. Zritz Salomo». Die „C. V.-Zeitung" brachte kürzlich eine Aussatzreihe, in welcher an Erscheinungen des jüdischen Zusammenlebens die Sonde der Kritik gelegt war. Von Zeit zu Zeit sind solche Betrachtungen unbedingt nötig. Gehört es doch zu den wesentlichsten Aufgaben unserer Abwehrorganifation, auf gewisse Uebelstände in den eigenen Reihen hinzuweisen, schon uni die Angriffsfläche zu vermindern, die der gemeinsame Gegner sonst nur zu gern aufspürt. Diese Binsenwahrheit sollte den Centralverein immer wieder ermutigen, in seinen: Streben, das deutsche Judentum zu einer in jeder Beziehung vorbildlichen Haltung zu erziehen, nicht zu ermatten. Es scheint mir überdies ein bedeutungsvolles Zeichen für die Stärke einer Organisation, wenn sie sich nicht zu scheuen braucht, ihren Mitgliedern einmal den Spiegel vorzuhalten. Eine besondere Betrachtung verdient einmal die Stellung, die der erwerbstätige Jude innerhalb seines Berusskreises einniwmt. In Handel, Industrie und Gewerbe, die früher angeblich so zahlreichen jüdischen Kaufleuten eine Existenz boten, haben sich gewisse Wandlungen eingestellt. Wenn der Schein nicht trügt, hat der Judenhaß in den letzten Jahren verschiedentlich in Berusszweigen Boden gefunden, die früher sozusagen dagegen immun zu sein schienen. In'den Gewerkschaften und Verbünden der Arbeitnehmer haben sich jüdische Deutsche vielfach zu leitender Stellung emporgearbeitet. Sie genießen dort das Vertrauen der Hundert- Lausende aus den Volksmassen, welche die Zusehende Verknappung ihres Lebensraumes und die Verschärfung des Kampfes ums Dasein gezwungen hat, sich zu organisieren. Die Aufgabe dieser führenden Persönlichkeiten ist keine einfache. Sie sollen nicht einzelnen wenigen, sondern der Masse ihrer Berufsgenossen Brot schaffen und ihre soziale Lage heben. Bei den Akademikerorganisationen und freien geistigen Berufen ist die Frage, die uns hier beschäftigt, nicht einheitlich zu beantworten. Man kann sagen: dort, wo der Berufsstand zahlreiche Mitglieder jüdischen Glaubens zählt, befinden sich auch solche an leitender Stelle neben ihren christlichen Kollegen. Namentlich mit Aufträgen, die eine starke Arbeitslast bedingen, werden solche Organisationsvertreter gern versehen. Die mehr oder minder repräsentative Spitze hat man bisher wohl noch stets einem nichtjüdischen Berussangehörigen übertragen. In ben ersten 5 bis 6 Jahren nach dem Kriege, als die Wellen des Radau-Antisemitismus besonders hoch schlugen, fand diese Bewegung auch vielerorts in den genannten Verbänden Eingang. Die augenblickliche Lage ist vielleicht so zu charakterisieren, daß völkische Treibereien, die damals an der Tagesordnung waren und bis in die Zentralen der Organisationen Übergriffen — mehr oder weniger lokalisiert werden konnten. Es ist hierbei natürlich Voraussetzung, daß das jüdische Mitglied sich wie jedes andere in den organisatorischen Rahmen willig einordnet und etwaigen Versuchungen widersteht, aus eigene Faust Berufsgeschichte zu machen. Denn die Entwicklung aller Berufe, die im Erwerbsleben stehen, zeigt zur Genüge, daß nur im lückenlosen Zusammenschluß die Stärke liegt. Gerade wir Juden haben doch im Wandel der Jahrtausende Aehnliches hinreichend erfahren. Wenn trotzdem sich hin und wieder jüdische Akademiker berertfinden, eigenbrödlerischen Neigungen zu leben und dieses Eigenleben dazu führen lassen, um eine überall einmal austretende Zwangs¬ oder gar Notlage ihren organisierten Standesgenossen zu eigenem Vorteil auszunutzen, so ist diese Haltung aufs tiefste zu bedauern. Solche Beispiele hat gerade die letzte Zeit, namentlich in den akademischen Heilberusen, verschiedentlich gebracht. Wenn der Centralverein mit diesen Dingen besaßt wird, so kann dies keinesfalls mit dem billigen Argument abgelehnt werden, der C. V. dürste sich aus die Diskussion wirtschaftlicher Streitfragen einer Berussgruppe nicht einlassen. Nach meinem Dafürhalten ist dies abwegig! Jedem wirtschaftlichen Tun liegt, wie jeder Politischen Zielstrebigkeit, ein ethischer Kern zugrunde. Auch der äußere Mantel, mit dem sich sein Träger drapiert, weist für den die Dinge nicht nur nach ihrem Schein würdigenden Kritiker Merkmale auf, welche einen Rückschluß aus das Sein, die Gesinnung zulassen. Wirtschaftliche — materielle Einstellung entspringt in vielen Füllen nicht immer der bitteren Not, sondern oft nur einen: Mangel an Hemmungen. Auch das Ethos gerade solcher, nicht selten führend sich betätigenden, im Gewerkschaftsleben „Gelbe" genannten Persönlichkeiten hält einer Prüfung selten stand. Aber auch ein starker Mangel an Tradition, die wir in jüdischen Dingen doch so hoch einschätzen, spricht aus jener Wirtschaftsgesinnung, die dann nicht davor zurückschreckt, dem Stande in den Rücken zu fallen, um Schulter an Schulter mit gleichgerichteten Gruppenmitgliedern christlichen Glaubens sich die für wenige furchtbar leicht zu fassenden Fettstücke aus einer kargen Mahlzeit zu sichern. Hier wäre ein großes Maß von Selbstbesinnung und Einkehr nötig. Mehr- Hemmungen! Mehr Tradition! von jüdischem Sein und Verden. VolkstümlicheAufsätzeausdem Nachlaß von U n i v. - P r o f. D r. Isidor Pollak. Verlag Dr. Josef Fiesch (Prag). Friedrich T i e b e r g e r bringt im Verlag von F l e s ch, sechs Jahre nach dem Tode des bedeutsamen Semitologen der Prager Universität, Isidor Pollak, volkstümliche Aussätze von jüdischem Sein und Werden an die Oessentlichkeit. Die kleinen Arbeiten stellen kein einheitliches Gefüge dar, sondern, ähnlich den jüdischen Schristen Herrmann Cohens, eine Zusammenstellung von Einzelaussätzen und Vorträgen, die zumeist auf einen bestimmten äußeren Anlaß hin geschrieben wurden. Aus allen Aussätzen ist die einheitliche Art der jüdischen Weltanschauung und der jüdischen Bekenntnissorm Pollaks herausznlesen. Sie läßt sich in den Worten Zusammensassen, daß der Jude den Weg zu seinem Judentum nur durch das Wissen von demselben finden kann. Der Weg, sich die Kenntnis des Judentums Zu verschaffen, scheint ihm das Einleben in die jüdische Geschichte zu sein. Sie verschafft mir Klarheit über das von Geschlecht zu Geschlecht weitergetragene Ringen um eine Idee und die Verpflichtung, als Träger dieser Idee ihren tiefsten Sinn zu erfassen und sein eigenes Leben danach zu gestalten. Als Träger der Geschichte des jüdischen Volkes sieht Pollak nicht die Inden als einen Teil der „semitischen Rasse" an. Die anthropologische Gemeinsamkeit der Juden verneint er mit aller Entschiedenheit. Was die Juden als „Volt" Zusammenhält, was sie eint und bindet, ist die jüdische Religion. „Was haben wir mit den russischen, mit den arabischen Juden gemein? Wenige Körpermerkmale (der arabische Jude ist dem Araber viel ähnlicher als uns), nicht Sprache, nicht Sitten und Lebensgewohnheiten — aber das Schema Jisroel, das dort wie hier erklingt, das eint." Pollak steht seiner religionsphilosophischen Einstellung entsprechend nicht auf dem Standpunkt der Orthodoxie. Mit aller Schärfe übt er Kritik an den verschiedenen Richtungen des modernen Judentums. Von den Orthodoxen fordert er mehr als das Festhalten eines alleinrichtigen blinden Glaubens und strenger Jnnehaltung bestimmter Zeremonien. Von den Liberalen eine tiefere Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte. (b setzt sich mit dringenden Gegenwartsfragen des Judentums auseinander, nimmt Stellung zum Problem der Frau und der Jugend im Judentum. Er verlangt nach dem jüdischen Schulmeister, der, nur zum Lehren und Lernen bestimmt, unseren schweren Kamps gewinnen kann; denn, nach Zeiten der Erniedrigung der Religion gilt es durch Wissen und Glauben eine Neubelebung des Judentums insbesondere durch die Jugend Zu erkämpsen. vr. Relnruill klatdnn.

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