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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-11 · 41 (11.10.1929) · p. Seite 555

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
41 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
Seite 555 (sequence 12)
Language
German
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Sie Wirkungen der paWnischen Unruhen. Langsam ist in Palästina äntzcrlich wieder Ruhe eingekehrt, wenn auch weiter die Befürchtung bestehen bleibt, datz dev Versuch wirtschaftlicher Drosselung die jüdische Minderheit noch lange nicht zu befreitem Aufatmen kommen lätzt. Allseitige Trauer und schmerzliches, gemeinsam erfahrenes Leid lebe» noch frisch in den Herzen der Menschen, deren Augen in diesen schicksalsschweren Tagen «ach Paläsiina gerichtet waren. Ob religiöse und stammesmätzige Bindungen eine besondere Stärke des Miterlebens bedingten, ob die immer bereite Kraft menschlichen Mit-Leidcns allein die Brücke schlug: der Schmerz um die Opfer ist groß und allgemein. Trotzdem konnte und durste er nicht verhindern, dasz noch mitten in den politischen Wirren die Meinungen der verschiedenen innerjüdischen Gruppen scharf anseiuauderplatzen. Und besonders uuter den Zionisten selbst haben sich alte Gegensätze verschärft aufgetau. Die bedeutsanicn, vielleicht entscheidenden Ereignisse zwangen alle Interessierte«, ihren Standpunkt zu überprüfe«. Die folgenden Auszüge ans einigen der wichtigsten Knudgebnngen mögen ein Bild davon geben. Autsch-jüdische Kundgebungen. Verschiedene Kundgebungen von Agencyunb Keren - Hajessod Seite haben zu Beunruhigungen und Mißdeutungen innerhalb des deutschen Judentums geführt. Der Centralverein hat dazu in einer Entschließung des Arbeitsausschusses vom 22. September d. I. und in einen: Aussätze von Ludwig Holländer, „Eine notwendige Klarstellung", in Nr. 39 der „C. V.-Zeitung" Stellung genommen. Auch die Jüdisch-liberale Vereinigung ist an den Ereignissen nicht vorübergegangen und hat ihrerseits das Folgende erklärt: „ . . . Der in der Tagespresse verbreitete Ausruf der deutschen Mitglieder der llwcvlsll Agency und des deutschen Keren Bujessoä e. V.: .Das jüdische Palüstmawerk', .Hilfe durch Ausbau' zwingt uns, folgendes zu erklären: Es ist unrichtig, daß, wie in dem Aufruf behauptet wird, die Einigung der Judenheit für den Palästina-Ausbau gelungen sei und daß .die Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaften aller Länder' sich verpflichtet haben, bei der Errichtung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina mitzuarbeiten. In Wahrheit steht die große Mehrheit der deutschen Juden dem jüdisch-nationalen Ausbauwerk ablehnend gegenüber, weil sie sich national als Deutsche fühlen und das Judentum ihnen nicht nationale, sondern religiöse Gemeinschaft ist. Deshalb haben große Vereinigungen der deutschen Juden die Beteiligung an der ckenasd Agency abgelehnt. Wir beklagen die Opfer der blutigen Unruhen in Palästina aufs tiefste. Jegliche Unterstützung des jüdisch-nationalen Aufbauwerkes lehnen wir ab; als die wahre Ausgabe der Juden erscheint uns die Arbeit an der Verwirklichung der religiössittlichen Ideale des Judentums in den Heimatländer!:." Wie weit -auch außerdem noch die Beunruhigung um sich gegriffen hat, beweist eine „Erklärung deutscher Juden und Jüdinnen", die in verschiedenen Tageszeitungen in Annoncensorm veröffentlicht wurde, und in der es heißt: „In einer Zeit, in der die Befriedung der Welt als das vornehmste Ziel der gefaulten Menschheit erkannt wird, kommen aus Palästina Nachrichten über blutige Kämpfe Zwischen Arabern und Juden. In tiefem Schmerz betrauern wir mit allen Teilen der Kulturwelt die Opfer dieser Vorgänge. Auf das entschiedenste aber leger: wir dagegen Verwahrung ein, daß die tiesbetrüblichen Vorkommnisse in Palästina in schärfstem Gegensatz zu der deutlichen Sprache der Tatsachen zu einer verstärkten Agitation für das zionistische, d. h. jüdisch-nationale Parteiwerk ausgenutzt werden. Die öffentliche Meinung Deutschlands wird irregeführt durch Kundgebungen der Zionisten und der Jewish Agency. Die nichtzionistischen Mitglieder dieser Körperschaft haben keine Vollmacht und kein Recht, sich als Vertreter der nichtzionistischen Juden Deutschlands zu bezeichnen. Die Unterzeichneten, den verschiedensten politischen und religiösen Parteien und Richtungen angehörenden deutschen Juden und Jüdinnen erklären: .Wir bekennen uns zum Judentum, lehnen aber jeden jüdischen Nationalismus ab. Wir betrachten uns mit der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden als Glieder des deutschen, nicht eines jüdischen Volkes. In der Errichtung einer jüdisch-nationalen Heinrstätte sehen wir einen Irrweg, der das Emanzipationswerk der Vorkämpfer des deutschen Judentums und die religiös-sittliche Aufgabe des Judentums in der Menschheit gefährde!: n:uß." Die Erklärung trägt eine Reihe von Unterschriften aus allen Teilen des Reiches. Als dieser Aufruf seinerzeit beschlossen wurde, war es den Veranlassern sichtlich unbekannt, daß sowohl der Centralverein wie die Jüdisch-liberale Vereinigung zu den Ereignissen Stellung nehmen würden. Aus den zionistischen Lagern. Diese Zusammenstellung wird durch einen kurzen Abschnitt aus dem von Weizmann und Melchett Unterzeichneten Ausruf der Jewish Agency „An das jüdische Volk" eröffnet, der etwa die offizielle Parole der Leitung der Jewish Agency wiedergibt: „ . . . Unser Werk geht weiter. An die Arbeit für das nationale Heim, ohne Verzug, in erhöhter Bereitschaft, mit vervielfachter Energie und mit vergrößerte!: Zielen: dieses ist unsere Verpflichtung. Sie weist uns klar unsere Aufgabe zu: wir sollen und müssen einer neuen, verstärkten Einwanderung die Bahn bereiten. Viele Tausende von Chaluzim in den Ländern der Ealuth warten arbeits- und opferbereit nur aus den ersten Ruf, und das Land wartet aus sie. Ein großzügiger Kvlonisationsplan soll unmittelbar in die Wege geleitet werden, der es möglich macht, die Ackerbau- und Pslanzungskolonien zu verstärken und sie mit einem Ring von Arbeitersiedlungen zu mngeben, die Tausenden von Arbeitern Gelegenheit zur dauernden Seßhaftmachung schassen sollen" Als weitere offizielle Stimme seien zwei Abschnitte eines nngezeichneten Leitartikels der „Jüdischen Rundschau" (Nr. 45) wiedergegeben, die deutlich zeigen, wie man im Lager der besonnenen zionistischen Mitte die Probleme sieht und wie man ihrer Herr zi: werden gedenkt. Nachdem von den innerpalästinischen Schwierigkeiten ausführlich die Rede ist, heißt es weiter: „Auf diesem Boden ist auch der Aufbau des jüdischen Nationalheims ohne Bedrohung anderer Volksteile durchführbar, wie es in klarer Form ausgesprochen ist in der einzigen authentischen IdiMdudldi verdienen, nicht lange geziert, Ylimm idtdiier-ßorax extremarfumieri du ej ü&Jffcrd.dte d&mtnnrd glatt undßin, 'jßidhreterddußhüllt deinen 'diprperein. Interpretation der Valfour-Deklaration, die wir besitzen, nämlich im Weißbuch von 1922, in welchem gesagt wird, daß das jüdische Nationalheim Zwar keine zwangsweise Unterwerfung der Araber unter jüdische Vorherrschaft bedeutet, aber eine internationale Garantie des jüdischen Rechtes aus Errichtung und ständige Vergrößerung des Nationalheims. Wir sind überzeugt, daß dies auch in Zukunst die Richtlinien der Palästina-Politik des Völkerbundes und der Mandatarmacht sein werden, und die Aufgabe der Zionistischen Politik ist es, ideologisch und praktisch nutzuarbeiten an der Entwicklung der inneren Gestaltung Palästinas auf Grund dieses fruchtbaren Gedankens... Durch »unsinnige Hetzereien und Vopkottparolen wird dem künftigen Zusammenleben der beiden Völker nicht gedient. Und dieses Zusammenleben, man mag es bedauern oder nicht, ist nun einmal eine unabweisliche Notwendigkeit. Je früher die Vernunft und Besonnenheit auf beiden Seiten wieder eintreten, um so besser für das Land und für alle, denen dieses Land teuer ist. Wer zu dieser Beruhigung beiträgt, wer dazu die Initiative ergreift, wer dann — immer in klarem Bewußtsein der bestehenden Gefahr, über die man sich jahrelang nur allzu leichtsinnig hinwegtäuschte — die Wege für die künftige Entwicklung Palästinas zu ebnen beginnt, der wird sich das größte Verdienst erwerben, auch mn die Idee der jüdischen Wiedergeburt." Ganz anders dagegen klingt es aus den Blättern der zionistischen Opposition. Hier will" man nichts von Verständigung, nichts von Airsgleich hören. Wie Keulenschläge sausen die Worte Richard L i ch t h e i m s int „Hed Bethar", Blätter des revisionistischen Brith Trumpeldor (September 1929), auf die Politik der Mitte herab: „In dem Augenblick, wo von Arabern jüdisches Blut in Palästina vergossen wird, wo die Führer der Araber sich in wütenden Proklamationen gegen den Zionismus wenden, wo England Truppen entsendet und unsere ganze Politik auf den: Spiele steht — in diesem Augenblick ist es jedenfalls ein Beweis politischer Blindheit, wenn die ,Jüdische Rundschau', selbstgefällig und eitel auf ihre Unparteilichkeit und hohe Moral', ihr hundertmal propagiertes, völlig irreales, papierenes Spstem sogenannter Verständigung' laug und breit erörtert, ja als den allein wichtigen Teil unserer jetzigen politischen Arbeit hin.znstellen sucht. Die jüdische Heimstätte schwankt, da ihre Basis (Kolonisationsregime und Schutz) viel zu schwach ist. Diese Basis zu verbreitern und Zu befestigen — das ist die Aufgabe der Stunde! Dies wird heute beinahe überall verstanden; möchten die deutschen Zionisten es endlich auch verstehen und sich von der geistigen und politischen Führung jener Narren und Schwätzer befreien, die den deutschen Zionismus zum Gespött der Welt machen!" Von tiefem Veranllvortungsgefühk getragen sind die Ausführungen in der „JüdischenZeitüng für Ostdeutschland" Nr. 37, in denen Dr. Rudolf Samuel unter dem Titel „Rechenschaft. Tie Lehren des arabischen Ausstandes" häufig den: Zionismus unbequeme Worte über den jüdischarabischen Konflikt und die Verstöße insbesondere auf jüdischer Seite findet: Am schwersten ist es, über die Nolle zu sprechen, die wir, die Inden selbst, in der Zeit gespielt haben, die dem Aufstand vorausgingen. An der aktuellen Schuld, den Ereignissen, die den Anlaß des Aufruhrs bildete!!, sind wir, und das ist in diesen Tagen beinahe das einzige

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