Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 41 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- Seite 554 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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554 als eine Art Verbindungsmann zur Nationalliberaleu Partei und nationalliberalen Presse. Als im Novenlber 1870 der Anschluß Bayerns und Württembergs Schwierigkeiten machte, ließ Bismarck Bamberger 31t sich bitten und teilte ihm folgendes mit: Als er den Bayern erklärt habe, die ihm von ihnen angesonnenen Konzessionen würde ihm der Reichstag niemals bewilligen, hätten ihm die Bayern geantwortet, diese Punkte seien ihnen von den Nationalliberalen schon bei Lasters Anwesenheit in München konzediert worden. Bamberger erklärte das für undenkbar und erbot sich, an Laster Zit schreiben. Er tat dies am 21. November 1870, an demselben Tage, an dem er die Unterredung mit Bismarck gehabt hatte. Laster, der den Brief am 25. November empfing, antwortete arn 26. Novenlber 1870 mit folgendem Schreiben: „Lieber Freund! Gestern abend habe ich Ihren Brief vom 21. dieses Monats empfangen'und heute früh am Morgen beeile ich mich, ihn Zn beantworten. Ten Vertrag mit Bayern kenne ich noch nicht. Ich kann also keinen Vergleich anstellen, wie weit er den Erwartungen entspricht oder hinter ihnen zurückbleibt. Für alle vorbereitenden Schritte, welche ich mit Freunden gemeinschaftlich oder allein unternommen habe, itut die Regierungen zu ernsten Verhandlungen, sodann Zu Vertragsabschlüssen zu bringen, trage ich gern die volle Verantwortlichkeit. Mich hat die Ueberzeugung geleitet und sie leitet mich noch, daß dieser Krieg nicht ohne Einigung der deutschen Staaten in einem verfassungsmäßigen Bundesstaat zu Ende gehen darf, wenn die Nation nicht eine tiefe Demütigung ertragen solle. Aber ebenso streng habe ich mir die Linie gezogen, an der Lockerung der im Norddeutschen Bund begründeten Zentralgewalt und der dort gefundenen Einheitsmomente nicht mitzuwirken. Beide Grenzen habe ich stets zu wahren gestrebt. Als angemessener aber erschien mir, zunächst Verhandlungen Bayerns auf Grundlage der Norddeutschen Bundesverfassung herbeizuführen, hierdurch die Regierung in Württemberg so weit zu bringen, daß sie selbständig unterhandle und jedenfalls bis zum selbständigen Anschluß an den Bund, auch ohne Bayern, sich verpflichte; der sichere Gelvinn Württembergs mußte Bayern au§ der Gefahr völliger Isolierung Heraustreiben und dem Bunde unter günstigen Bedingungen zuführen. Sowohl meine Ansichten, wie die von mir nützlich gehaltene Methode, wie auch die Grundlage der mir zulässig erscheinenden Ein- .dämmungen sind durch Schriftwechsel genügend aufgestellt, namentlich sind meine Auszeichnungen bis zu einer einzigen Ausnahme vollständig, und ich habe alterst Grund anzunehmen, daß diejenigen, welche für den Bund verhandeln und aus Meinungen aus unserem Quartier Wert gelegt haben, mit den von mir vertretenen Grundzügen völlig vertraut gewesen sind. Vieles haben mündliche Rücksprachen erläutert, doch ist das Wesentliche schriftlich niedergelegt. Das Dokument, welches Sie mit meinem Namen bezeichnen, ist als Folge gewisser Erörterungen zwilchen nur und Bennigsen aus Norddeutschland mit nationalen Freunden aus München entsprungen. Vorangegangen war das andere Dokument von Marquard Barth, welches dieser dem Grafen B r a y auf dessen Wunsch überreicht hatte. Tie anscheinend von den Nationalen Bayerns gutgeheißenen Forderungen bayerischer Sonderrechte wiesen wir zurück, und weil die dortigen Freunde nicht mit der bloßen Verneinung sich begnügen wollten, bezeichneten nur, anlehnend an die von M. Barth behandelten Punkte, die äußersten Grenzen möglicher Einräunmngen. Irgendwelche Zugeständnisse umßten gernacht werden, um Bayern zu crnftcn Unterhandlungen zu bringen; davon waren wir durch die uns entgegengetretenen Verhältnisse und die gepflogenen Unterhaltungen überzeugt. Wir wehrten aber ab, daß die Zugeständnisse nicht oen Kern der staatlichen Einheit beschädigen." Nach einer eingehenden Darstellung der in Betracht konrmenden zehn einzelnen Prrnkte schließt der Briefschreiber mit folgenden Sätzen: „Wie vom ersten Augenblick des unvermeidlichen Krieges, ist auch jetzt mein voller Sinn der Aufgabe zugewendet, daß das ganze Deutschland in staatlicher Verbindung zusammen sei. Das letzte Stadium der parlamentarischen Verhandlungen werde ich der Erwägung widmen, ob etwa dort einheitsschüdliche Konzessionen sich eingeschlichen haben, und in welcher Weise solche mit Hilfe des Parlaments entfernt werden können. Meine Darstellung weicht mit keiner Silbe von der Wahrheit ab und alle entscheidenden Momente sind durch Zeugen und Schriftstücke erweisbar. Wie es auch kommen mag, vor der mir Laster führte aus: .. Ich habe — und das muß ich vorausschicken, wenn es daraus ankommen wird, Glaubwürdigkeit gegen Glaubwürdigkeit zu setzen — ich "habe mein ganzes Leben darauf eingerichtet, daß jeder meiner Schritte die öffentliche Prüfung in Beziehung auf Geldangelegenheiten bestehen kann, daß ich alles zurückgewiefen habe, was nicht allein in direktem Widerspruch, sondern überhaupt in irgendeiner Konkurrenz mit meiner öffentlichen Tätigkeit treten könnte. Nicht nur dies, sondern überhaupt in Beziehung aus die Pflicht eines Abg e0r d n e teu in p ar laurentarischer Hinsicht. Gestatten Sie mir aus meinem Leben einige Mitteilungen zu machen. Als ich im Wahlkreis Meimgen zum erstenmal als Fremder vorgeschlagen wurde zur Wahl für den Reichstag, da bewegte den größten Teil meines Wahlkreises die Frage, ob eine Eisenbahn durch diesen Wahlkreis gelegt werden sollte, und die Erfüllung dieses Wunsches wurde von der Reichsregierung und von Preußen in Aussicht genommen. Mein Gegner in diesem Wahlkampfe war ein Meininger, der irn übrigen meine Politische Tätigkeit anerkannte, aber vorgab, er, mit mir auf derselben Linie stehend, würde die Interessen Meiningens besser wahrnehmen können, und in einer Versammlung von Landmännern hob er namentlich hervor, er würde in der Lage sein, die Eisenbahn den Meiningern zu verschaffen. Darauf hat das für mich interessierte Komitee an mich die Aufforderung gerichtet, ich möchte mich doch Über die Bahn auslnssen, in welcher Weise ich tätig sein mürbe. Ich lehnte diesem gegenüber jede Auslassung ab und als ein Freund meiner Wahl dennoch die Frage an mich richtete, also eine Frage, die nur freundlich geneigt war, gab ich vor den Landmännern die Erklärung ab, es gäbe Personen, welche ihre Wähler oder sonstige Personen zu bestechen versuchten, indem sie ihnen Privatvorteile zuwendeten, es gäbe aber auch eine Art von Bestechung, i n d e nt in a n obliegenden Verantwortlichkeit scheue ich mich nicht. Denn ich trage in mir selbst die Sicherheit, niemals gefordert oder Zugestanden 51t haben, was den: Einheitsgedanken nachteilig lverden könnte." Auch in diesem Schreiben konunt der klare politische Blick, der vornehme, verantwortungsbewußte Charakter und die jedem Partikularismus absagende nationale Gesinnung Eduard L a s k e r s zum Ausdruck. Sie verband ihn aus das innigste mit dem persönlichen Freunde Ludloig Bamberger, und mit vollein Recht lautet die Inschrift, die das gemeinsanle Grab Ludwig B a m b e r g e r s und Eduard L a s - kers auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee schmückt, und deren Text Paul Nathan angegeben hat: „Hier ruhen im Tode vereint, die im Leben gemeinsames Streben für Deutschlands Größe und Einheit verband." im a l l g e m e i n e 11 Verspre ch u u g e n nt a ch t e und i ch enthielte mich d e s - h a l b, i r g e n d e i n e A e u ß e r n n g über mein V e r h alten z u eine m s 0 l ch e 11 E is e n b a h n p r 0 j e k t abzugeben, und hieraus sind Landleute cm mich herangetreteu und haben zu mir gesagt, Sie sind unser Kandidat. So viel Sinn war noch unter den Wählern vorhanden, daß ein Abgeordneter von all diesen Dingen sich sernhalten soll." Im weiteren Verlauf äußerte sich Laster: „. . . So habe ich Zuschriften mit der Drohung erhalten, man werde mit Namen hervortreten, die zu meinen Politischen Freunden gehören: man lvcrde den Skandal so groß wie möglich zu machen suchen, denn falle einer, so sollen viele mitfallen. Meine Herren, ich habe dieser Drohung gespottet. Wer ein gutes Gewissen hat, braucht sich um solche Dinge gar nicht zu kümmern, und wenn, was Gott verhüten möge, in die Reihen der anständigen Männer sich solche eingeschlicheu haben sollten, die nicht in diesem Kreise sich zu bewegen verdienen, dann hinaus mit ihnen. Die gute Gesellschaft scheidet sie aus von sich, und sie sind vergessen und die Moral des Volkes geht unverletzt weiter. Aber solange sie als heimliches Gift noch in der anständigen Gesellschaft sitzen, wirken sie schädlich, darum nusscheiden ..." ... ich will innerhalb dieses Hauses, innerhalb der Volksversammlung jeden Dienst leisten, will Helsen, das Wahre von dem Falschen aussondern, will unparteiisch untersuchen, und ich werde gewiß von der größten Freude erfüllt sein, wenn die Tatsachen so aufgeklärt lverden, daß das Hebet aus ein Minimum herabgedrückt wird. Aber, meine Herren, die Last möchte ich länger nicht allein tragen, sondern ich wünsche, möge das Abgeordnetenhaus, rnöge die Staatsregierung an ineine stelle treten. Ich wenigstens werde den Antrag ans Einsetzung einer Kommission zur Unterstützung der Tatsachen stellen." Kür Reinheit im öffentlichen Leben! Im Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhundert schwamm Tentschland im Milliardensegen, der sich von Frankreich über Deutschland ergoß. Gegenwärtig leidet Deutschland an Geldhunger. Aber beide Epochen gleichen sich in einem Punkte: Gründungen zweifelhafter Natur schießen wie Pilze aus der Erde. Ein unsterbliches Verdienst Eduard Laskers war es, daß er in feiner berühmten Etatsrede vom 7. Februar 1878 im Landtag den Eisenbahn-Gründungsschwindel anfdeckte. Gustav Schmoller schreibt über Laster ans Grund dieser Rede, „daß er — und zwar er allein — das Gewissen der deutschen Nation sowie das Ansehen und die Ehre der großen deutschen Körperschaften dadurch gerettet, daß er in einer Zeit unerhörter Mißbräuche, die in aller Munde waren, die Dinge bei ihrem wahren Namen nannte, sich nicht zu jenem Totschweigen hergab, wie es in die Karten aller derjenigen paßte, die damals außerhalb und innerhalb des Parlaments sich mit unsauberen Geschäften abgaben." Des aktuellen Interesses wegen, das Laskers Rede auch heute noch hat, geben wir einige Stücke aus ihr nachstehend wieder.