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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-04 · 40 (4.10.1929) · p. Seite 538

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
40 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
Seite 538 (sequence 6)
Language
German
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M -je NawWWMM M Zeugenaussase W VeMmr VsüZeiviZSNtsMMn WOMm! In einem der Oranienburger Prozesse gegen den nationalsozialistischen Reichstagsabgeord» neten Straffer ist der Berliner Polizei' Vizepräsident Dr. Weih als Zeuge dernoimnen worden. Sr gab auf Befragen u. a. dahin Auskunft, daß der einzige im Groh- Berliner Bereich bekaimte Fall einer Beschädigung von Grabdenkmälern auf dem jüdischen Friedhof in Köpenick nicht als sogenannte FriedhofKMndnng zu werten fei. Er bestätigte aud), bah in diesem Fall Nationalsozialisten nichts damit zu schaffen Mten; die Täter waren Schulkinder. Die weitere Frage, ob Herrn Pokizeivizepräfidenten Dr. Weiß amtlich Friedhofsfchändungen bekannt feien, verneinte er; die amtliche Zuständigkeit des Berliner Polrzeivizepräfidenten erstreckt sich lediglich auf Berlin, und in Berlin find, wie bereits erwähnt. Friedhofsschändungen noch nicht vorgeko armen. Die nationalsozialistische Presse deutet nun diese völlig klare Aussage .....allb nun Kathreiner. örtmrä aucHÖir gut (chmecken! 4WbcrjBtont Deirre Äemnuni) Dem.Kerr/ des PolizeivizePräfiLenten Tr. Weih dahin um, daß er angeblich erklärt habe, friedhofsschändungen seien überau Pt nicht vorgekommen. Soweit diese Behauptungen in beledigende Form gekleidet waren, hat Herr Polizeivtzepräfidenß Lr. Weiß die no-troendigen Schritte unter- N0WWM. Jur Verhütung weiterer Verfälschung dieser Aussage stellten wir, wie bereits in Nr. .37 der „C. B.-Ieitung^ vom r3. September d. I. erwähnt, fest, daß im Laufe der letzten fünf Jahre mehr als 70 Zerstörungen jüdischer Friedhöfe vorgekoMMen find. In der Mehrzahl der Fülle find die Täter nich t ermittelt- Von den wenigen oufgMärten FWen seien die in Gladbeck, G e r o l z h o f e n und GöttiKgen erwähnt. In Gladbeck war der Täter bis wenige Tage vor der Schändung eingeschriebenes Mitglied der N. S. D. A. P., aus der er nach seiner Er- Wrrmg nur ausgetreten ist, weil ihm feine OrMnrsation nicht aktiv genug gewesen fei. In G e r o l z h o f e n war der ältere der beiden Täter Mitglied der N.S.D.A.P. Gegen diese Feststellungen mit Erfolg zu protestieren, haben die Nationalsozialisten bisher unterlassen.. Die Tatsache, daß die RationalfoZialisten vor der oben geschilderten VerMWMK einer eidlichen Aussage nicht Mruckschrecken, beweist, wie AMLMWWLhM MTLÄE ihnen das trLurige IeitdokuWent der FriedhofsschLlÄmugeu ist. Unsere Leser schreiben Wer kennt die jüdischen Kulturstätten in Ält-Berlin? An die Bchrijtleitmig der r>C. ¥ «-Zeitung“ l Berlin- Frieden cm, den 21. September 1929« Als ich ctm 200. Geburtstage Moses Mendelssohns dessen Grub mfmehte, kam ich ms Gespräch mit einem christlichen Schriftsteller, welcher den alten Friedhof in der Grossen Hmnb itrger Strasse in Berlin zum gleichen Zwecke aufgemeM halte. Dieser Herr war erstaunt, hier ein so altes Kulturdenkmal aus dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts vorzufinden, das, von der Jüdischem Gemeinde beschützt und behütet, eine Oase in der Wüste der grossstädfischen Bodenspekulatfcm bildet, imd stelite Vergleiche mit dem allen Judenfriedhof in Frag cm. Da kamen mir Gedanken, die meines Erachtens auch einem Beitrag zu den von den verschiedensten Beiten her in Angriff genommenen brennenden Tagmfmgem des deutschen Judentums liefern: Einkehr m unseren eigenen Reihen und Geivmmmg der Jugend für unsere Ideale. Abwehr und Aufklärung bei unseren christlichen Volksgenossen. Vor einigen Wochen schrieb in einer unserer grossen Berliner Tageszeitungen ein bekannt er Schriftsteller die Worte: „Eine. Gegenwart, die die Vergangenheit nicht verdaut hat, ist für die Zukunft nicht zu brauchenV Was bedeuten diese Worte speziell für uns Juden? In unserer grossen Vergangenheit. in dem umfangreichen jüdischen Schrifttum sollen wir forschen und daraus Immen! Wer vm uns Grossriadtmemchem findet aber kernte die Zeit dazu? Wohl liest der eine oder andere einen interessante» Aufsatz m einer jüdischen Zeitung, wohl geht er im Winter zu Vortragsabenden in die jüdischen Vereine oder besucht cm den hohen Feiertagen das Gotteshaus, um sich eine schöne Predigt anzukören; wie wenige aber wissen mehr vom Judentum, als was sie dort zu hören bekommen. Wer z.. B. vom dm Berliner Juden kenntdem altem Friedhof in der Grossen Hamburger Strasse mit dem Grabe des jetzt so viel gefeierten „Moses mm Dessau1", wer den Friedhof in der ^Schönhauser Allee mit dm Gräbern so vieler „Grossen, in Israel?, wer weis» z. B., dass hier dm Komponist Meg er'beer begraben ist? Wer kennt das alte jüdische Ghetto, von dem nur noch wenige Beste vorhanden sind, wer die dliesie Synagoge m der Heidermdergasse? Bas £sf mite KuUmrgeschmMe, ihr Merlmer Juden! Wandelt auf ihren Spuren, und ihr empfangt, wenn nicht mehr, so doch Rüstzeug im Kampfe gegen die Lügen der Judenfeindei Me K&mmimalwaklem stehen vor der Tür; lernt auch azis der jüngsten Vergangenheit vor dem Kriege vm dmz. T. vorbildlichem Emridk&m&gm, die Berlmer Juden wnd die Berliner Jüdische Gemeinde m Berlin geschaffen haben, was Berlin „ohne Jud&uF wäre. Und an euch, ihr Leiter der Gemeinde, Vorstände der Vcreme, cm alle, die es an gehtt ergeht der Ruf: Vermittelt im AmchairnngsuniemcM durch sachkundige Füknmgm und Besichtigungen Kenntnis vom Judentumim jüdischen und christlichen Kreisen! Es ist in leister Zeit so oft vm SwrsagogmbesicMigungm durch christliche Schüler und Lehrer berichtet An die Schriftleitung der „C. V.-Zeitung**! Etertm- WSmersdmf, dm IQ. Sepiem&er 1929« ln der Kr. 35 des „Ismelitisehm Fmiiliembkätes“ vom 29. August d. J. habe ich einen Ämfsaiz über die Möglichkeitder Rückeroberung des Sabbath“ veröffentlicht, ln diesem Aufsatz habe ich über die Grösse des Schadens gesprochen, „den unsere Gemeinschaft erlitten hat, seit der Sabbath, dm machtvollste Bollwerk unserer religiösen Verfassung, gefallen ist “ — Das in der ganzen Welt vorbildlich gewordene jüdische Gemeindelehm und m einem noch tieferen Sinne das jüdische Familienleben könne eine Schöpfung des Sabbath genannt werden. Wir müssen den Sdbh&th SMTMckerbberm, um um im dem Stürmen der modernen Zeit behaupten zu können. Die Entwicklung der Dinge ist uns günstig. Die Wöchemwdbenvegwwg auf der einen Seih, die Propaglerimg der „Fmmßage-Arbrit&w&cke“ au f der ander m Beite gdM um die Möglichkeit, eine Regelung derWeehmenämke ümchzusetzen, die den ganzen Sabbath m die Wochenendruhe einbezieht. An uns ist es zu worden. Folgt dem guten Beispiel auch m Berlin. Zeigt die wertvolle- Kunstsammlung der Gemeinde und die noch bestehenden Snmmhmgm m. Privafbesäzl Zeigt die umfangreichen WoMfakrtsemricMmngen der Gemeinde, wie Kramhenkems, Mtersvmmrgimgscm&faM, Kinderheim u« a„. wnd ihr werdet daraus Nutzenziehen. Auch die not-mendigen Mittel zur ÄufrecMerhaHung dieser „Werkzeuge der M msehenBebe! ‘ werden wieder reichlicher fBesmn, mmn man me mit eigmm Augen gesehen hat Führtunsere christlichen Mitbürger auf den Ehremfriedk&f im Weissemsee und sprecht zu Urnen dabei vom unserem zwÖlftaMseml jüdischen Gefallenem im Weltkriege. Und geht vor allem ohne MeMiche Bedenken und in grosszugigsler Weise ungesäumt ans Werk im Interesse unseres Judentums, um des Verständnisses mid der Versöhnung der damischen Volksgenossen wiUen, im Interesse aber ernck der grossen Mensckkeifsidm, der Veriämdigung und Versöhnung zwischen dem einzelnem Religi&mm und Völker si. Rudolf Simonis. handeln mid die Imimtive zu ergreifen. Bk bekannten Bestrebungen zur Kalenderreform, die vom Völkerbund amgegangen sind, könnten dazu führen, dass der Sabbaih beider künftigen intermaMonaten Neuregelung des Kalenders immer awf einen jeweils andere» Wochentag fiele. B&mjei-Russlamä kok in neuester Zeit die sogenamde mmnierbrmkem Arbeitswoche eingeführt, d. k. die fümfi ä g ige Ar be i ts w o c h e. Bei dieser Regehmg ist der Smmiag, der bisherige Ruhetag, ausser Kraß gesetzt. In ähnlicher Wesse würde bei Durchsetzung der Kalenderreform das Schicksal des Sabbath besiegelt sein. Es ist die höchste Zeit, dass wir die Massregeln ergreifen, durch die eine solche Katastrophe vom ms Juden dbgewmdet wird. Der Sabbaih Ist keime SmderangelegenkeM des geseizestrmmm Judentums. Seime Wiederemfüknmg würde vm den wohltätigsten Folgen fm vmsere engere G&memmhafisein. Die mtermtUmale Einführung zweier Wachemrühelage würde wesentlich sm Beruhigung einer Welt beifragen, deren dem Abgrund zu- Bk ,»Rückeroberung des Sabbath

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