Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1929-10-04 · 40 (4.10.1929) · p. Seite 534

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
40 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
Seite 534 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-2277833-2277873--05541-2286286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

534 (Fortsetzung des Artikels „Des Judentums kulturbildende Kraft“.) die persönliche Stellungnahme des Verfassers einslieht und eine Subjektivität aufkommt, die eine besondere Gefährlichkeit einschließt, weil das Problem für die Aufgaben des Tages von großer Wichtigkeit ist. Man denke nur an die Darstellungen aus dem judengegnerischen Lager, die unmittelbar der Parteipolitik dienen wollen. So ist durch die Literatur über das Judentum die Frage nicht geklärt, sondern eher verwirrt worden. Weil so widersprechende Auffassungen verbreitet sind, werden selbst gute Darstellungen mit Mißtrauen ausgenommen. Das Studium der Quellen, also der Bibel, des Talmuds, der jüdischen Neligionsphilosophie und Geschichte und nicht zuletzt der ausgedehnten ethischen Literatur wäre das Allheilmittel, — aber es erfordert einen Aufwand an Zeit und Arbeit, der nicht überall und höchstens von einigen aufgebracht werden kann. Bei dieser Sachlage ist es ein Verdienst des Verbandes der deutschen Juden, daß er von bewährten Fachleuten die „Lehren des Judentums" nach den Q u e l l e n *) hat darstellen lassen. In diesem Werke spricht die Lehre des Judentums in ihrer eigenen Sprache; die urkundlichen Quellen werden angeführt, aus denen sich die Grundsätze der jüdischen Lehre und ihre Auswirkungen im Leben ergeben. Nachdem die bereits seit längerer Zeit erschienenen vier Teile die Grundlagen der jüdischen Ethik, die sittlichen Pflichten des einzelnen und der Gesamtheit und die Lehre von Gott dargelegt haben, besaßt sich der eben veröffentlichte fünfte Teil des Werkes mit der Abgrenzung des Judentums gegen andere Anschauungen und mit seinem Einfluß aus die Kultur der Welt. — Der stattliche Band (503 Seiten) führt den Untertitel „Judentum und Umwelt", der an das bekannte Werk von Michael G u t t m a n n „Das Judentum und seine Umwelt"^) anklingt. Aber beide Werke behandeln keineswegs die gleichen Probleme, sie ergänzen sich vielmehr in fruchtbarer Weise. Michael Guttmann stellt die religiösen und rechtlichen Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden dar und untersucht vor allem mit seiner profunden Sachkenntnis die Stellung der talmudisch-rabbinischen Quellen zu den Nichtjuden. Der fünfte Teil der „Lehren des Judentums", an dein wiederum bewährte Forscher mitgearbeitet haben, erforscht die Beziehungen zwischen dein Judentum als religiös-sittlicher Lehre und den anderen großen Religionen; dabei spielt das Problem eine Rolle, welchen Einfluß das 3) Verlag Gustav Enge l, Leipzig. 2) Philo Verlag, Berlin 1927. Judentum auf die Kultur überhaupt gell onrmen hat. Die Lehren des Judentums wurden in einer Umgebung geboren, die grundsätzlich anderen Anschauungen huldigte, und stets mußte sich das Judentum mit fremden Aufsasiungen auseinandersetzen. Die Lehre von dem einen-einzigen Gott, das Prinzip von der Willensfreiheit nud von der unbedingten Verpflichtung zu sittlichem Handeln mußte gegen heidnische oder griechische Auffassungen verteidigt werden. Auch nachdem Grundlehren des Judentums durch Christentum und Islam eine weite Verbreitung gesunden hatten, blieb es für das historische Judentum eine Ausgabe von welthistorischer Größe, den ursprünglichen Gehalt feiner Lehre in reiner Form weiter zu erhalten. So viel auch die christlichen Religionen dem Judentum verdanken, eine wesentliche Abweichung in der Grundauffassung bildet die Trennungslinie. Die Lehre von der Erbsünde und von der Erlösung durch einen Mittler ist dem Judentum fremd und widerspricht der jüdischen Lehre von der Freiheit des Menschen, sein Leben zu gestalten. Die Erkenntnis dieser Wesensverschiedenheit ist ein wesentlicher Punkt für das Verständnis von Christentum und Judentum, und es ist ein besonderes Verdienst des vorliegenden Bandes, daß diese Abweichungen sowohl in den Grundgedanken als auch in den Erscheinungsformen genau untersucht und an Hand der Quellen herausgearbeitet werden; denn die Erkenntnis der Besonderheit ist Voraussetzung einer gerechten Würdigung. Der Einfluß des Judentums ist nicht nur spürbar in den Einrichtungen der Sonntagsruhe, in vielen christlichen Festen, in der Gestaltung des christlichen Gottesdienstes, in feinen Gebeten und in feiner Gottesvorstellung — weit darüber hinaus ist etwa die Philosophie i des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit! von jüdischen Lehren direkt abhängig. Ter - jüdische Philosoph Salomon ibn Gabirol findet. Allhänger in Alexander von Hales, Bonaveup tura und Duns Scotus, ja, sein Einfluß ist noch bei Giordano Bruno spürbar; so hat jüdische Lehre das moderne Kulturgefühl direkt bestimmt und gefördert. Maimomdes und seiner Lehre begegnen wir bei Thomas von Aguino, dem Philosophen des Katholizismus, aber auch bei Meister Eckehart, dem deutschen Mystiker, bei Nikolaus von Cusa,! bei Hugo Grotius und endlich bei Leibmzp Hier handelt es sich nicht um die ßeiftungen eines einzelnen Juden, sondern um den Einfluß des Judentums als einen wichtigen Formfaktor der modernen Kultur. Die Beziehungen Zwischen Philosophie und Judentum sind nur e i n Beleg dafür, wie stark das Judentum an den Leistungen der Kultur mitgearbeitet hat, auf allen Gebieten läßt sich bei vorsichtiger Analyse zeigen, daß die Grundlehren des Judentums ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Kultur sind. Selbst da, wo man sich bewußt gegen das Judentum kehrte, loie bei manchen Einrichtungen der christlichen Kirchen, zeigt sich eine wesentliche Abhängigkeit von jüdischen Gedanken. Nicht daraus kommt es an, nun überall etwa im judenseindlichen Sinne jüdischen Einfluß zu wittern, — das Wesentliche ist die Erkenntnis, daß das Judentum einen Wesenskern enthält, der für die Kultur von größter Bedeutung ist und der jedem Juden die Pflicht zu ernsthaftem Streben und unermüdlicher sittlicher Arbeit an sich selbst und für die Gesamtheit auferlegt. vr. 8. Weinberg. »WWW lfm WWWkkl M. Der Jugendarrsschutz des Centralvereins hatte am Sonnabend, 28., und Sonntag, 29. September, eine Anzahl jüngerer Freunde ans dem Reiche und aus Berlin zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen. Insgesamt waren etwa »0 Teilnehmer anwesend. Ein genauerer Bericht wird noch in der JugendbeiLage erscheinen. Hier wollen wir nur betrachten, welche Bedeutung diese Zusammenkunft für den Centralverein hat. öeschäftigung mit Ser Tagespolitik. Man hat häufig laut oder weniger laut Zweifel gehört, ob der Centralverein eine Jugend hat. Man hat mitunter behauptet, daß die jüngere Generation mit ideologischen Erörterungen so beschäftigt sei, daß ihr Sinn nicht aus die praktische Centralvereins-Arbeit gerichtet sei. Mit voller Absicht wurde diesmal beim Beginn der Tagung ein reinpolitisches Thema gewählt, das zur Information für die Jüngeren und die politische Arbeit des Centralvereins dienen sollte. Schon hier zeigte sich ein außerordentliches Interesse der Anwesenden und, was wichtiger ist, eine allseitige Bereitschaft, diese wichtige und wesentliche Arbeit des Centralvereins dort zu unterstützen, wo es der Jugend möglich ist, bei manchen sogar eine bereits gewonnene persönliche Erfahrung in politischen Fragen. Es zeigte sich, daß volles Verständnis für den Ernst der Situation, in der sich das deutsche Judentum befindet, vorhanden ist. Es ergab sich von selbst, daß das außerordentlich anregende und vor allem besonders lehrreiche Referat des Syndikus des Centralvereins Dr. Wiener nicht Gegenstand einer sehr ausgiebigen Aussprache werden konnte. Trotzdem zeigte auch diese kurze Aussprache, welch starken Eindruck das von Dr. Wiener vorgebrachte Material und sein Bericht über die Arbeit des Centralvereins auf die jungen Hörer machten. IugenSfragen. Für den zweiten Tag, der einer engeren Fühlungnahme der einzelnen untereinander und einer etwas zwangloseren Aussprache dienen sollte, wurde ein Versammlungsort außerhalb Berlins gewählt. Man besprach nach kurzen j Ergänzungen, die Dr. Alfred H i r s ch b e r g, | dem die Jugendarbeit des C. B. unterstellt ist, j zu seinem schriftlich vorgelegten Referate j gab, eingehend Fragen der Arbeitsgemeinj? schäften, der Beziehung der bündifchen und j nichtbündischen Jugend und die Frage, wie ( man die Aelteren aus der organisierten Bewegung für die Centralvereins-Arbeik gewinnen j < könne. Auch über die Landesverbandsausschüsse | \ wurde gesprochen und eingehend die Frage er- | örtert, ob es eine besondere Jugendforde- Z - r u n g in bezug aus Arbeitsmethode und Richtung an den Centralverein gibt. E Um Sen Palästinaaufbau. Hieran anschließend fand eine sehr lebendige Aussprache über die innerjüdischen Fragen statt. Es zeigte sich, daß auch hier im Kreise der Jüngeren die Aufsaffungen über die Stellungnahme zum Palästinaa u f b a u weit auseinandergehen. Der Tatsache daß ein Teil der Jugend sich f ü r die Ausbauarbeit Palästinas verpflichtet fühlt, steht die Tatsache gegenüber, daß ein anderer Teil — der vielleicht nur zufällig bei dieser Zuw ,ui 1,1""""

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.