Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1929-10-04 · 40 (4.10.1929) · p. Seite 533

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
40 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
Seite 533 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277833-2277873--05540-2286285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

öerlin, 4. Gktsber 1-2- VIII. Jahrgang * Ar. 40 Einzelnummer 2- Pfennig greift PMter fürÄeolsrdtum^j mrOlluventmn.!oryan des LatrrüVerdvs üeutscker ^N^Srnsins Leitung des Judentums Bierteljahrsabonnement ö 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW. 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» strtbe G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 <7?^ für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosse» Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JIM, die 62 mm breite Reklamezeile 3,5Q Des Wenlums kulturWeude Kraft Ser Pfeil flieg! auf den Schützen zurulk Hugenberg und Hitler Die Aufgabe, die Wurzeln der modernen Kultur zu erkennen, ist keine Angelegenheit, die nur den gelehrten Fachmann angeht. Für jeden Menschen ist das Klarwerden über die Grundlagen seines Kulturbewußtseins eine Forderung der Selbsterkenntnis. Selbst wer der modernen europäischen Kultur kritisch und ablehnend gegenübersteht und an dem Aufkommen einer neuen gänzlich anderen Formung Mitarbeiten möchte, kann die klare Erkenntnis des Bestehenden nicht entbehren. Das Wissen um die Quellen der Kultur ist wesentliches Werkzeug für jedes lebendige Tun. Zu den bestimmenden Kräften der modernen Kultur gehören das Judentum und seine Lehre, vier ist nicht an den Einfluß gedacht, den e l n - 5 c Ine Juden als Philosophen, Wissenschaftler, Aerzte, Techniker oder Kallfleute aus die kulturelle Entwicklung ausgeübt haben. Mag die Leistung dieser Juden noch so hervorragend sein, sie beweist an sich nur den Anteil der Inden an dem Kulturleben, sie beweist, daß die moderne Kultur auch die Glieder des jüdischen Stammes in ihren Bann zieht, sie zeigt aber nicht 'umgekehrt den Einfluß des Judeutmns und seiner Lehre auf die Weltkultur. Um den Anteil jüdischer Lehre und jüdischer Einstellung an dem Kulturleben zu erkennen, dazu gehört in erster Linie eine gründliche Kenntnis des Judentunis. Es ist eine oft wiederholte und berechtigte Klage, daß wahres Wissen vom Judentum wenig ver- LAUS DEM INHALT: 4 Geist und Form. iNeujahrsbetrachtung von Rabbiner Dr. S. Weisse. n den Genossen Stalin! Brief eines russischen Juden. er erste Gesang. Legende von Ernst Lissauer. breitet ist — eine merkwürdige Tatsache in unserer Zeit, die sogar weitabliegenden und längst toten Kulturschöpfungen ein gelehrtes und oft liebevolles Interesse entgegenbringt. — An zusammensassenden.Darstellungen über das Judentum fehlt es gewiß nicht; aber diese berichten eben meist ü b e r das Judentum, so daß (Fortsetzung auf Seite 534.) Als kürzlich int Berliner Sportpalast Hugenberg und Seldte ihren großen Waffengang gegen den Foung-Plan mit einer Massenversammlung einleiteten, tauchte im Publikum und in der Presse die Frage auf: Warum ist der Dritte im Bunde, Adolf Hitler, bei dieser richtungweisenden Kundgebung nicht zu Worte gekommen? Die Antwort erfolgte postwendend. Am letzten Freitag hielten die Nationalsozialisten gesondert von ihren Bundesgenossen an gleicher Stelle ihre Kundgebung für das Volksbegehren ab, und Hauptmann Gör ing, und besonders der Führer der Berliner Nationalsozialisten, Dr. Goebbels, konnten nun, ungehemmt durch Rücksichten auf ihre Gesinnungsfreunde, ihrem Fanatismus die Zügel schießen lassen. Verächtlich sprach Goebbels von der „jüdischen Journalistik". Wir hörten wieder die Drohung: „Es werde ihr nicht gelingen, die jüdischen Parasiten dem Volksstrasgericht zu entziehen." Ein zuverlässiger Hörer schreibt uns: „Die Kundgebung war eine offenkundige Aufreizung zur Revolution gegen die bestehende Staatsreform, verbunden mit Aufhetzung zur Gewalttat gegen die Juden." Wir können lins denken, daß ein so kluger Alaun, wie Hugenberg, einen solchen gewalttätigen Antisemitismus nicht mitmachen, ja, nicht einmal anhören will. Aber uns scheint, als ob Hugenbergs Verantwortung für solche Aeußerungen und ihre Folgen dadurch nicht um einen Deut gemindert ist. Es ist anzunehmen, daß Hugenbergs „höhere Ziele" ihn um des Schicksals der deutschen Juden willen wenig besorgt sein lassen. Aber eine einfache Ueberlegung sollte diesem erfahrenen Politiker sagen, daß jede Förderung der Nationalsozialisten sich letzten Endes gegen die Deutschnationalen kehren wird. Durch das Hugenbergfche Volksbegehren sind Hitler und seine Leute sozusagen hoffähig geworden. Sie haben Gelegenheit, vor den deutschnat'ronalen Anhängern ihre Gedankengänge breit 51t entwickeln, und selbst deutschnationale Zeitungen vom Range des „Berliner Lokal-Anzeigers" sind, um die Bundesgenossen zu unterstützen, genötigt, große Berichte über die nationalsozialistischen Veranstaltungen im Berliner Sportpalast zu veröffentlichen, wenn auch hier mit dem Bestreben, judenfeindliche Ausfälle zu unterdrücken. Wo die Nationalsozialisten sich frei nuslassen können, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Dir Veröffentlichung aus Koburg in dieser Nununer spricht eine beredte Sprache. Der „Fränkische Volksfreund" in Würzburg ist in der Lage, das Referentenmaterial der Nationalsozialisten für das Volksbegehren auszugsweise zu veröffentlichen, und darin heißt es u. a.: „Insofern sind auch die Deutschnationalen, wenngleich sie diesmal Nein-Zettel abgeben werden und sich am Volksbegehren gegen den Joung-Plan beteiligen, für die Ionng- Gesetze verantwortlich. Ohne ihren am 29.8.24 erfolgten Umsall gäbe es keinen Uoung- Plan. Daraus können wir nicht oft genug hinweisen." Und an einer anderen Stelle wird geschrieben: „Es wäre sachlich falsch, wenn lvir sagen würden, wir hätten uns mit den Deutschnationalen, den christlich-nationalen Bauern, dem Stahlhelm usw. Zusammengeschlossen. Nein, diese haben sich uns angeschlossen." Sollte Herr Hugenberg nicht klar sehen, wohin er mit diesen Bundesgenossen steuert? Wenn die Nationalsozialisten aus dem Wege des Volksbegehrens Gelegenheit haben, ihren kaum noch zu überbietendenJudenhatz mi t zügellosenDrnhungen weiter zu steigern, so wird die geschichtliche Wahrheit den deutschnationalen Führer, Herrn Hugenberg, als den laut nennen müssen, der ihnen die ersehnte Gelegenheit dazu gegeben hat. Sache der deutschnationalen Parteianhänger, nicht aber unsere ist es, ihren -Führer zur Verantwortung zu ziehen, wenn sich die Folgen des politischen Zusarnnrengehens mit solchen ungebärdigen und rücksichtslosen Bundesgenossen für die Deutschnationale Volkspartei bemerkbar nrachen werden, wenn sich der Pfeil gegen den Schützen selbst richtet. A.W.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.