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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. Seite 523

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
Seite 523 (sequence 7)
Language
German
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S23 LVeltseßchichte. von Leo Saeck. Soeben erscheint im Philo-Verlag das Oktvberheft des „Morgen", das dem Gedenken seines Begründers und ersten Herausgebers Julius Goldstein gewidmet ist. Diesem Heft entnehmen wir nachstehenden Aussatz. Die Schrisileitung. Der Gedanke, daß die Epochen der Geschichte bei aller Besonderheit des historischen Klimas unb der kulturellen Lage doch wiederkehren, kann an wenigen Zeiten so sehr eine Unterstützung finden wie an der Gegenwart. Sie ähnelt in ihrem Geistigen und auch ihrem Politischen so vielfach dem letzten Abschnitt des sogenannten Altertums, daß sie fast wie seine Wiederholung erscheint. Damals wie jetzt hat sich bei aller Verschiedenheit des geographischen und Zivilisatorischen Raumes, den einst und heute dieses Wort besaßt, ein Begriff der Menschenwelt, der ein jeder zu gehöre, gestaltet. Dort wie hier tritt, daraus hervor, die Forderung der Völkerverbindung und Menscheneinheit in das sittliche Denken und auch in das politische Streben ein. Dort wie hier beginnt damit der Pazisismus mit seinem Bild einer weichin reichenden Nechtseinheit, ohne Krieg und Gewalt, eine Hoffnung der Menschen und ein staatliches Programm zu werden. Heute wie damals ist aber der bestimmende Grund und Charakter dieser Richtung durchaus ein zwiefacher und spiespältiger. Das gleiche Wort deckt zwei entgegengesetzte Inhalte. Derselbe Name will das Friedensverlangen der Salten und das der Hungrigen, den Wunsch des glücklichen Besitzes und den der hossenden Entbehrung bezeichnen. Wer saturiert ist, predigt gern die Friedensidee. Er will in seiner Habe, in der Fülle und dem Genüsse dessen, was er sein eigen nennt, nicht beeinträchtigt sein. Er ist befriedigt, und wer ihn in seinem Reichtum und seiner Ruhe stört, soll als frevler Feind des Friedensideals auch hingestellt werden. In der Friedenspolitik und dem Friedensprogramm siegreicher Machte in alter und neuer Zeit ist dieses Bedürfnis nach Obhut für ererbten und eroberten Besitz bewußt oder unbewußt das bestimmende Motiv gewesen; der Friedensenthusiasmus war im Grunde der Enthusiasmus für die Sicherung des Gewinns. Ebenso ist es innerhalb der Staaten nur zu oft gewesen. Erfolgreiche Stände waren immer geneigt und bereit, den inneren Frieden eindringlich zu verkünden, soziale Forderungen, Ansprüche der Zurückstehenden sollten als Vergehungen gegen ihn erklärt werden. Der Friedensgedanke wurde auch hier nicht selten zum Wächter des neuen oder ersessenen Erwerbs gemacht. Es war säst immer so, daß, vier die Macht hat, nicht nur auch Recht haben, sondern auch als Bürge des Friedens in der Welt dastehen wollte. Hiervon völlig verschieden, ja oft diesem allen bewußt entgegengesetzt ist ein anderer, nur gleich benannter, Pazifismus. Er ist das edlere Friedensverlangen der Hungernden und Hoffenden. Auch er will die Ruhe, aber nicht die der Habe, sondern die der Sehnsucht; kein Krieg, keine Gewalt soll ihrem Suchen entgegen sein. Diese Sehnsucht des Entbehrenden und Ausschauenden hat ihre Stärke in dem Wissen, daß sie die gleiche ist diesseits und jenseits aller der Grenzen, welche die jeweilige Macht gezogen hat, daß überall, so verschieden auch die Sprachen sind, dasselbe menschliche Leiden und Bedürfen, dasselbe menschliche Lebensbegehren und Glücksverlangen seine Stimme erhebt. Wie die Macht, als Macht, auch recht haben will und in der äußerlichen Geltung auch in der Tat immer recht hat, da sie Gesetze vorzuschreiben vermag, ähnlich, aber freilich im -innerlichen Sinne und in ganz anderer Bedeutung, gibt dieses Bewußtsein der großen Gemeinsamkeit ein stetiges Gefühl, im Rechte 31t sein. Aus diesem Empfinden einer Wichen, berechtigten Verbundenheit und Einheit kommt dieser andere, bessere Pazisismus hervor. Seine große Predigt ist, daß die Macht immer wieder trennt, aber der Wille zu der einen für alle gleichen, wahren Zukunft immer inniger zusarmnenführ-t, daß aller Zwist urrd Krieg nur der Selbstsucht dient, aber der Frieden den Weg der Menschen zum Glücke zeigt; der Frieden ist hier Beweis und Bürge der Sehnsucht. Jener Pazifismus des Satten ist ein Mittel zu einem Zweck, dieser andere, der des Hungrigen, ist der Glaube au ein Ziel. Aber auch ihm fehlt, so viel des Großen und Idealen mit ihm verbunden sein kann, ein Entscheidendes: der bestimmte Inhalt. Er ist ein Glaube, und aller Glaube, so wie alle Andacht und alle Begeisterung, ist an sich inhaltlos; er erhält seinen Wert erst durch den Wert seines Inhalts. Und auch der Begriff Friede ist im wesentlichen ein leerer Begriff; er ist gleichsam ein bloßer Rahmen, ein bloßes Wort; auch er bedarf des entscheidenden Inhaltes. Ist jener erstere Pazifismus egoistisch — die Selbstsucht ist sein Inhalt —, so ist dieser andere, und das ist sein eigentlicher Mangel, zumeist inhaltlos, Lun» Fest coYtfMl Gbcrreou. rntt nejerbrAtui Chevreeu kombiniert, die herbe». #ch« Farbzusammensieliujig. cu allem passend Eugen Lack - Halbschutt taoderne halbrunde Fons Reizende Herbstneuheit otu schwarzem Somiiolb lacickomblnatlOD. gediegene Verarbeitung Außergewöhnlich I Ein fescher Nadmiittagsschuh ■ot Lock, mtl Samtkalb-AppUkoAoa, elegante, rassige Form 90 M günstige Kaufgelegenheit JRJheingold Halbschult. Originel-Goodyea» cteSser Aparter Lackschuh öamlkalb verzier!. Entzückend« Neuheit mH dem ’/.-Kuba-Absotz Lack-Spangenschuh feil {einfarbigem Aufsatz Grösse 31-95 11,00 Grösse 2T-» 90 Lack* Besatzstiefel Gaston leicht sehr elegant, edelstes mit grau echt Chevreaueinsaln GrJl5136 9,70.25/24 6,90,20-22 5.90 1

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