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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. Seite 519

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
Seite 519 (sequence 3)
Language
German
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„^Deutscher Wichel, manu machst du auf?" Ausdm JMpGcmaämsldefeMdes 2Utm Walle. Thomas Mann läßt in den „Buddenbrooks" die Tochter eines norddeutschen Patrizierhauses aus München schreiben: „Dort ist der Katholizismus, ich hasse ihn, wie Ihr wißt." Dieser Haß ist heute vielleicht lebendiger denn je, die katholischen Teile des deutschen Volks und ihre Kirche verbindet mit den deutschen Juden das gemeinsame Geschick, Gegenstand einer ebenso fanatischen wie skrupellosen Hetze zu sein, die sich von Zeit zu Zeit in lauten Demonstrationen Lust schafft, deren wenig vornehme, ja häufig rohe Form tief zu bedauern ist; man denke nur an die beschämenden Exzesse, denen die ehrwürdige Person des Kardinals Faulhaber anläßlich der Münchener November-Ereignisse ausgesetzt war, an die hemmungslose Agitation gegen Erzberger, an die Anpöbelungen, die der geistliche Rektor der Wiener Universität noch vor kurzem durch völkische Studenten erfuhr. Die Hauptträger dieser Bewegung sind, wie erst in der vorigen Nummer der „C. V.- Zeitung" in dem Bericht von der Rostocker Reichstagung der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung zu lesen war, die Bölkc schen Wullescher Richtung; sie haben den Kampf gegen Rom und Juda auf ihr Hakenkreuzbanner geschrieben und kredenzen in den Spalten ihrer vertraulichen Jnformations- und Jnstruktionsbriefe ihren Anhängern immer von neuem das Drachengift der Volksverhetzung. Mit Recht hat der Zentrumsabgeordnete Dr. S ch w e r i n g in der „C. V. - Zeitung" darauf hingewiesen, daß diese Kreise schärfer als früher beobachtet werden müssen, und es immer wieder wichtig sei, den Sinn ihres vergiftenden Wirkens herauszuschälen. Man muß daher dem Zufall danken, der uns einige der vertraulichen Jnformationsbriefe, die der bekannte deutschvölkische Führer Richard Wulle an seine Getreuesten versendet, auf den Schreibtisch weht. Zweimal im Monat wird dort den Gläubigen die allein seligmachende, unverfälschte völkische Heilslehre verzapft, deren wesentlichstes und scheinbar einziges Dogma darin besteht, alles, was nicht gläubig zu Wulle und Ludendorff emporschaut, als ausstoßungswürdige Schädlinge und Verbrecher des deutschen Volkes Zu brandmarken. Dee Heid -geqm die ceichen!Bcüdec. Man wußte ja auch vorher, wie liebreich diese „Erneuerer" Deutschlands untereinander zu verkehren pflegen. Hitler nennt die Bombenfabrikanten von Holstein und Lüneburg „Verbrecher" und spornt den Pflichteifer der Berliner Polizei durch Aussetzung von Geldprämien an, Ehrhardt erteilt ihm dafür einen geharnischten Rüffel — wie jedoch Wulle und Ludendorff der erfolgreicheren nationalsozialistischen Konkurrenz zu Leibe gehen, ist ungewöhnlich und des Beifalls aller Edlen wert. Wenn Adolf Hitler Heine kennen würde — er möge diesen sicher unbegründeten Verdacht verzeihen —, so könnte er mit dem Rabbi in der „Disputation" den deutschvölkischen „Mönchen" zurufen: „Um für eure Saat zu düngen meines Geistes dürren Acker, mit Mistkarren voll Schimpfwörtern habt ihr mich beschmissen wacker." Ein Beispiel für viele. Unter der Ueberschrift „Kampf bis aufs Messer" druckt Wulle eine Erklärung Ludendorfss ab, in der dieser sich gegen die von Münch meyer und Hitler betriebene nationalso-zialistifche Wühlerei gegen ihn und seine Freunde wendet. „Giftiges Geifern" nennt er das nationalsozialistische Vorgehen gegen ihn, das „an die Propaganda entarteter Feinde gegen unser Heldenvolk im Weltkrieg erinnere", und er meint weiter, „eine Partei, die solches Treiben dnlde, scheidet sich selbst ans einem sittlichen Volke aus, auch wenn sie heute noch Aussicht hat, dadurch rasch anzuschwetten". In der Freude, einmal mit dem General einer Meinung sein zu dürfen, wollen wir uns jeder eigenen Stellungnahme zu diesen beachtlichen Feststellungen enthalten, so erstaunlich diese- Sprache unter den alten Kampfgefährten vom Bürgerbrüukeller auch klingen mag. ..Die Vetludunq. dec tDecseitigm" Tüofiec stemmt das Wissen? Selbstverständlich findet auch das Judentum in den Wnlle-Briefen reichste Berücksichtigung. Besonders fesselt am Schlüsse jedes Briefes eine Rubrik „Die Verjudung der Derzeitigen", eine Art schwarze Liste, die alle Namen vom größten bis Zum allerbescheidensten Klang vereint, bei denen der fürchterliche Verdacht besteht, daß in den Adern ihrer Träger, ihrer Frauen, Großtanten oder Schwiegermütter ein Tröpfchen jüdisches Blut rollt. Erstaunlich diese Zusammenstellung. Man ist von der Fülle großer Namen förmlich geblendet, das Blutströpschen verwischt alle sozialen Gegensätze und Rangunterschiede. Vom christlichsozialen Gesandten Oesterreichs in Berlin bis zu S t r e s e m a n n , vom General von S e e ck t bis zum adligen Präsidenten der Brandenburgischen Provinzialshnode, vom preußischen Gesandten in Dresden von Berger bis zum deutschen Gesandten in Bolivien und von all diesen Würdenträgern bis zu Herrn Mendel Beiroch T e i t elb a u m , jetzt durch Verleihung des preußischen Justizministers „Martin T e i t", ist nach Wulle nur ein Schritt. Die vom preußischen Justizminister genehmigten Namensänderungen erfreuen sich überhaupt Wulles besonderen Interesses. Er verfolgt sie bis in das Jahr 1813 zurück und hält z. B. dem Pressechef der Neichsregierung, Dr. Zechl i n, vor, daß damals zwei Juden, Jerrmias und Ezechiel Bendix, den Namen Zechlin angenommen hätten. Diese zunächst nur erheiternden Ahnensorschungen hinterlassen doch einen ernsten Nachgeschmack: das Akten-« material des Justizministeriums wird vertraulich behandelt. Welche besonderen Beziehungen ermöglichten also Herrn Wulle die Einsicht? Der preußische Justizminister sollte einmal nachprüfen, ob hier nicht ein Bruch der Amtsverschwiegenheit vorliegt. Die „EntschCeiecmg.” des Jesaitismas' Die stärksten Energien seiner Kampfkraft richtet Wulle jedoch nicht gegen das Judentum, sondern — erstaunlich genug — gegen den Katholizismus und seine Kirche. Schon die meist an erster Stelle gleichsam als Leitartikel der Briefe fungierenden Aufsätze beweisen dies. Titel wie „D?r Vormarsch Roms", „Der Jesuitismus und sein Geheimziel", „Warum lehnen wir ein Nomgebundenes Kaisertum ab?" sprechen eine deutliche Sprache. Diese Artikel sind geradezu eine Fundgrube überraschender historischer Entdeckungen. Den Vogel schießt zweifellos Käte Bayer ab, eine „Katholikin und vielleicht am besten über den Jesuitismus unterrichtet", wie Wulle empfehlend beruerkt. Warum gerade eine Frau über diese ausschließlich männliche Organisation „am besten nnterrichtet" sein soll, bleibt dunkel. Alle Bedenken müssen jedoch gegenüber der Größe und historischen Bedeutung ihrer Entdeckungen verstummen, ist ihr doch „die Entschleierung des großen Rätsels, das der Jesuitismus seit Jahrhunderten für alle Geschichtsforscher bildete, und daß nicht einmal alle Jesuiten, sondern nur ihre obersten Würdenträger kannten", gelungen. Dabei ist die Lösung des Rätsels verblüffend primitiv. Die verblendete Welt, die bisher die 1540 durch Ignatius von Loyola gestiftete „Gesellschaft Jesu" als Kerntruppe der Gegenreformation, als eine Art „Triarier" des Katholizismus anzusehen gewohnt war, wird dahin belehrt, datz die Jesuiten in Wahrheit eine Delegation des Talmud-Judentums znr Ver- Dr. Goebbels, der fetzt so viel genannte Führer der Berliner Nationalsozialisten. MW Er kämpft „für den Zusammenschluss des nordischen Elements zur Herrschaft über Europau. Den so ersehnten „nordischen" Typ vertritt er selbst ausserlieh allerdings nur mangelhaft

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