Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 39 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- Seite 518 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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51$ hätten, mit alter Kraft an der Errichtnag der jKdisch-nationalen Heimstätte in Palästina mitznarbciten". Hierzn erklärt der Arbeitsausschutz des C. B. zur Vermeidung von Mitzdcutuugeu folgendes: 1. Am 24. März 1929 hat der Hauptvorstand des C. B. ausdrücklich beschlossen, von der Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency abznsehen. Die obige Behauptung trifft also nicht zu. 2. In detr zahlreichen Entschlietznngen unserer Hauptversammlung und des Hauptvorstandes, die unverändert in Kraft find, hat der C. V. unbeschadet seiner Stellung zu Kolonisationsfragen, gegen alle jüdisch - nationalen Bestrebungen Stellung genommen. den zahlreichen jüdischen Müttern und Großmüttern gegenüber, die so viele deutsche Adelssamilien aufzuweifen haben! Der Verfasser möge nur einen Blick in den völkischen „Senn Gotha" (nach Abstrich selbst der inhaltlichen Fehler) werfen oder auch nur einen Teil von Dr. Arthur Dinters Behauptung glauben, boij gegen 3000 deutsche Adelsgeschlechter jüdisch vermischt seien*), um zu erkennen, daß er nicht das Judentum, sondern den deutschen Adel mit dieser wissenschaftlich ebenso falschen wie menschlich abstoßenden „Feststellung" trifft. In solcher Gemeinschaft fehlt natürlich auch nicht der bekannte alldeutsche Führer Justizrnt C l a ß : „So ist es sicher, daß das deutsche Voll bis zum Entstehen der sozialdemokratischen Bewegung durchaus Adenfeindtich eingestellt wer und eigentlich immer und überall auf deutschem Boden in den Juden nicht nur Landfremde, sondern für Deutsche ewig wesensfremde Eindringlinge gesehen hat. . . Erst durch die Sozialdemokratie, die durch imd durch undentfcher Herkunft ist, gelang es deren Führern, von denen die maßgebenden selbst Juden uhucii, in steigendem Maße Volks gen offen für sich zu gcwinnen, mit dem letzten Erfolge, daß das heutige Reich recht eigentlich jüdisches Ansbeutumsigebiet geworden ist." („Kampf dein widervölkischen Staat!" von Jnstizrat Claß, „Tenn sches Adelsblatt" vom 1. Juli 1027.) ' Es wird wohl so sein, daß mancher Jude der angeblich „Landfremde", weit Länger auf deutscher Erde wohnt als mancher Adlige mit französischem, polnischem oder anderem ausländischen Namen. Und die „maßgebenden jüdischen Führer" der Sozialdemokratie sollten allein die Marx und Lasalle, die Singer und Frank und nicht vielleicht „auch die Nichtjudern Bebel und Legion, Scheidemann und David, Hermann Müller und Sabbath und viele andere sein? — So sehen die, gelinde gesagt, „Halbwahrheiten" eines ganz deutschen Mannes aus. Der deutsche Adel, den Zwar Tradition und wirtschaftliche Gestaltung auf eine politische Reciüsorientierung hindeuten, den aber keine praktischen und keine verstandesmäßigen Erwägungen mit irgendwelcher inneren Notwendigkeit ins Lager der Judenfeinde führen, läßt es ohne Widerspruch geschehen, daß sein eigenes Blatt das deutsche Judentum in unvornehmer und un-wahrhaftiger Weise bekämpft. Er sieht nicht oder will nicht sehen, daß zu diesem Kampfe ein ganz besonders trauriger Mut gehört, weil mit den versehmten „Fremdstämmigen" ja auch die begeisterten Verehrer und klassischen Schilder cr des Adels, der Franzosenabkömmling Fontane und der märkischem Boden zeitlebens verhaftete „Asiate" Moritz H eim an n, in Acht und Bann getan werden! Und daß zu diesen bürgerlichen Lob sänge rar des Adels auch viele, viele adlige Namen als „Rassen,schänder" und „Eindringlinge" sich gesellen. Das Gericht hat geprüft, der Rechtsspruch ist ergangen. Aber uns will es dünken, das; sich hinter dem Symptom, das es getroffen hat. der Verfall wertvoller Charaktereigenschaften des deutschen Adels offenbart: Wir verstehen unter adlig eine freie, mutige Sprache: wir erleben entehrende Beschimpfungen. Wir verstehen unter adlig vornehme, untadelige Kampfesweise wider jedweden wirklichen oder vermeintlichen Gegner: \mx erleben die Verwendung falscher Behauptungen, unwahrer Tatsachen und die uneingeschränkte Beteiligung an einem ungerecht verallgemeinernden Kampfe. Adel kommt von edel. Das Verhalten des „Deutschen Adelsblattes" zum deutschen Judentum verdient dieses Beiwort wahrhaftig nicht. *) Reichsparteitag der NSDAP, 1927. S. 28. Noblesse oblige. Der Geist öes „Deutschen fiöelsblattes". Die Verurteilung des verantwortlichen Schriftleiters des „Deutschen Adelsblattes" wegen Beleidigung des Schriftstellers Arnold Zweig gibt uns Veranlassung, einiges Grundsätzliche über die Methode dieses Blattes zu sagen. Die Schriftleitung. Ter verantwortliche Schriftleiter des „Deutschen Adelsblattes", Zeitschrift der deutschen Adelsgenossenschaft für die Aufgaben des christlichen Adels, Herr von Bogen, ist vom Landgericht II, Berlin, zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Der Grund dafür lag in einer Kritik über Arnold Zweigs Kriegsroman „Ter Streit um den Sergeanten Grischa", die der Chefredakteur veröffentlicht hatte, ohne, wie er das selbst als seine Gewohnheit in anderen Fällen bezeichnete, ausgesprochene Schimpfwörter wie „asiatischer Schmutzfink" daraus zu streichen. Er hat diese Unterlassung teuer bezahlen müssen und wird in Zukunst genauer darauf bedacht sein, die elastischen Grenzen der journalistischen Freiheit nur noch bis zum äußersten Grad ihrer Dehnbarkeit auszuweiten. Seiner Leserschast ist darnit nicht geholfen; denn nicht das Juristisch-Greifbare ist es, das systematisch ihre Gehirne verwirrt und ihre Urteilsfähigkeit umnebelt; es ist viel eher der j u r i st i s ch unfaßbare Geist des „Deutschen Adelsblattes", der eine Zurechtweisung erfahren müßte. Von B o g e n hat den inkriminierten Ausdruck selbst als zu weitgehend bezeichnet, hat aber ausdrücklich betont, daß er dem Sinne nach zu Recht bestehe und nur aus formellen Gründen besser ersetzt worden wäre. Eines deutlicheren Beweises für die Gründlichkeit einer Gesinnung, deren allzu unvorsichtige Aeußerung das Gerichtsurteil getroffen hat, bedarf es nicht. Wird die Lektion Nutzen stiften? Die deutsche Adelsgenossenschaft ist eine Organisation vorbildlichen inneren Zusammenhalts. Der moderne Gesellschaftswissenschaftler, der in der in beziehungslose Atome zerfallenen Gesellschaft der Gegenwart vergebens Ansätze zur Gemeinschastskultnr sucht, verweilt vielleicht mit romantischer Liebe bei dieser Gruppenerscheinung, die noch alle Zeichen organischer Geschlossenheit an sich trägt.' Und die deutsche Judenheit ganz besonders, die sich so gern mit einer etwas schmerzlichen Selbstironie den ältesten Adel der Menschheit nennt, tüte manchmal gut daran, die Gesetze des Gruppenlebens gerade beim deutschen Adel zu studieren. Unnötig., zu sagen, daß von einer jüdischen Abwehrstellung gegen dieses Gebilde alter Kultur keine Rede sein kann. Umgekehrt aber ist es anders. Das „Deutsche Adelsblatt" ist inmitten des völkischen Orchesters ein tapferer Musikant, der in allen Tonarten von der Verwerflichkeit und dem Unwert des Judentums zu blasen versteht. Es ist noch nicht lange her, daß ein ehemaliger Ofsizier, Walter von Keifer, in einem Artikel „Krieg und Judentum" den Juden nacheinander die Schuld am Ausbruch des Krieges und an Deutschlands Niederlage ausbürdete. Seine von Haß und Vorurteil diktierte Darstellung gipfelte in dem Versuch einer Ehrenrettung für den Judenemanzipator Freiherrn vom Stein. Dieser echt deutsche Mann, schreibt von Keifer, ahnte eben nicht, „in welch schamloser Weise dies hochherzige Geschenk durch orientalische List und Verschlagenheit mißbraucht werden würde". Walter von K e i s e r wagt es weiter, folgende Zeilen zu schreiben: „Jedes metaphysische Denken, der Sinn für Heldentum und Opferwille, das Sterben lediglich um einer Idee willen, sei es für das Vaterland, sei es für andere ideelle Zwecke, erscheint dem jüdischen Geiste unfaßbar, ja Lächerlich. . . . Nimmt man dazu das starke Nassegesühl des Inden, der sich trotz seiner Zerstreuung über den ganzen Erdball als ein einiges Volk fühlt, vergegenwärtigt man sich seinen fest eingewurzelten Glauben an die kommende Weltherrschaft des jüdischen Volkes, so wird man begreifen, daß der Jude nicht gewillt ist und nicht gewillt sein k a n n , für Freiheit, Ehre und Ruhm anderer, ihm wesensfremder Völker sein Leben einzusetzen." Ist das adelige Gesinnung, die sich nicht scheut, so böswillig das deutsche Judentum zu verleumden, das durch seine Blutopfer während des Weltkrieges und während der Kämpfe gegen polnischen Chauvinismus seine Hingabesähigkeit für die Idee des Vaterlandes genugsam bewiesen hat? Aber es bleibt nicht allein bei der Beschimpfung der jüdischen Gefallenen. Auch die folgendem beiden Beispiele kennzeichnen Denkweise und Gesinnung zur Genüge: „Es ist ein Kampf, in dem sich alle zersetzenden Elemente, mögen sie in unserem eigenen Volke liegen, mögen sie von Fremdrassigen eingesetzt worden sein, zusammengesunden Haben, um das Werk zu vollenden, an dem Judentum und Marxismus seit vielen Jahrzehnten arbeiten." (Ans dem Artikel „Werberus!", 1. Oktober 1926, unterzeichnet: Der Adelsmarschall von Berg-Markienen.) Und weiter: „Die Namenkunde lehrt, daß deutsches und jüdisches Blut nichts miteinander zu schaffen haben und daß es daher ganz ausgeschlossen ist, daß die Juden sich je mit den Deutschen verschmelzen, daß sie ganz in ihnen ausgehen könnten. Sie lehrt ferner, daß eine Verbindung zwischen Deutschen und Jüdinnen, die man früher vielleicht als Geschmacklosigkeit bezeichnen konnte, bei dem heutigen Stande der Nassenkunde als Sünde wider das Blut und — nennen wir das Kind beim rechten Namen — als Nafsenschande bezeichnet werden muß." (Aus „Deutsche Lebensaussassung" von K. von Hagen, „Deutsches Adelsblatt" vom 21. August 1925.) Eine sonderbare Nassenkunde, die diesen Unsinn lehren soll! Eine tief verletzende Haltung,