Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 39 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- Seite 517 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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cnmu Serlin, 27. September 1-L- VIII. Jahrgang ♦ Nr. 3- Einzelnummer 20 Pfennig .. zi« Plätter für-eutsclitwn^' unöluöenwm Viertelrahrsabonnement 2,5V RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SchriftleUmrg: Berlin SW 68, Lindenstr. 18. oryan des üttlrnl-Vmins örutsckrr EtaatsvÄwer ifiMgfam VlMtdens'Ly Allgemeine Zeitung des Judentums .... Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 394 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6-, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. rM . - Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90für die 7gespaltene Zerle nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 die 62 mm brerte Reklamezeile 3,50 Eine notwendige Klarstellung. von Ludwig hollän-er. Die blutigen Ereignisse in Palästina wachen es schwer, innerjüdische Problenie aufzuwersen; denn im Augenblick beklagt die jüdische und nichtjüdische Welt die unglücklichen Opfer der politischen Entwicklung. Und doch must es geschehen. In den Tageszeitungen ist in den letzten Wochen ein Aufruf der deutschen Mitglieder der Jewish Agency, des Initiativkomitees für die Erweiterung der J-ewish Agency in Deutschland, und des Präsidiums des Keren Hajessvd erschienen. Die gleichen Kreise haben in Berlin eine große Versammlung veranstaltet, in der zu den furchtbaren Vorkommnissen in Palästina Stellung genommen wurde. Diese beiden Tatsachen haben int Zusammenhänge mit den Züricher Verhandlungen und den Ereignissen in Palästina eine Reihe angesehener deutscher Politiker, wie Hellpach und H. v. Gerlach, zu Aeutzerungeu in der Tagespresse veranlaßt. Der Kern ihrer Ausführungen wurde in der „C. V.- ocihinig" wiedergegeben. Auch wir können an den Vorgängen nicht vorübergehen, schon mit Rücksicht auf Mißverständnisse, die wir im Kreise unserer Mitglieder feststellen; wir dürfen daneben aber auch die Warnungen bewährter nichtjüdischer Freunde immerhin nicht überbören. Wir müssen Prüfen, wo der Grund dafür liegt, daß solche Mißverständnisse entstehen konnten, vielleicht sogar entstehen mußten. Zunächst enthält der Ausruf der Jewish Agency eine wesentliche Unrichtigkeit, wenn es in ihm heißt, daA die Repräsentanten der jüdischen G e m e i n fdj a f t c n aller Länder sich verpflichtet Hütten, mit aller Kraft an der Errichtung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina mitzuarbeiten. Bekanntlich hat der Eentralverein als solcher die Entsendung von Repräsentanten in die Jewish Agency in seiner letzten Hauptvorstandssitzung abgelehnt, wenn er auch dem einzelnen seine Stellungnahme zur Agency — selbstverständlich unter unbedingter Wahrung unserer weltanschaulichen Stellung — nicht beschränkt hat. Eine weitere Unklarheit entsteht durch die Betonung der „nationalen Heimstätte"; denn bei der in Deutschland . üblichen Auslegung wird durch diese Betonung der Anschein erweckt, als wenn alle, die den Aufruf der Agency unter-- schrieben haben, jüdisch-nationale Gedanken-- gange sich zu eigen machen. Der Begriff „nationale Heimstätte" ist aus der Balfour-Deklaration und damit aus der englischen Sprache übernommen. Er stellt, wie wir schon oft dargelegt haben, eine höchst ungenaue Uebersetzung des englischen „ckewlsh national home" dar. Im angelsächsischen und amerikanischen Sprachgebrauch hat das Work „national" einen anderen Kern als m Mittelnnd Osteuropa. Bei uns löst das Wort politische Spannungen aus, die bei den angelsächsischen Ländern dabei nicht Mitschwingen. Wir hatten es begrüßt, wenn die nichtzionistischen Mitglieder ihren Einfluß dahin ausgeübt hätten, daß diesen Bedenken in dem Aufruf Rechnung getragen worden wäre. Schon bei den Verhandlungen, die in Zürich geführt wurden, haben unsere Freunde mit Bedauern festgestellt, daß die Bank der Richtziouisten es nicht für nokwendig gehalten hat, die außerordentlich wichtigen und in ihrem Denken, Fühlen und Handeln maßgeblichen Unterscheidungen in der Frage der Volkszugehörigkeit und der Zukunft nach jeder Richtung hin ausreichend zu betonen. Dies hätte in den von Berlin ansgegangenen Kundgebungen nachgeholt werden können und müssen. Demgegenüber sei nochmals sestgestellt, daß der Centralverein im Gegensatz zu der nationaljüdischen Auffassung die . deutschen Juden nur als Bestandteil des deutschen Volkes betrachtet und jene Auffassung ablehnt, die in der Judenheit der ganzen Welt ein durch das Band des gemeinsamen Volkstums verbundenes Volk im politischen Sinne sieht. Auch in der großen Verscmnnlung der Jewish Agency, die in Berlin abgehalten wurde, ist dieser grundsätzliche Unterschied in der entscheidenden Auffassung des Wesens und des Inhalts unserer Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft nicht genügend betont worden. Zwar hat Dr. Friedrich Brodnitz, der Sohn des Vorsitzenden unseres Centralvereins, bei dieser Gelegenheit auf den Unterschied ausdrücklich aufmerksam gemacht. Aber gerade diese Worte wirken in dem Bericht der „Jüdischen Rund- AUS DEM INHALT: Studienrat Dr. F. Wachsner: Audi wir müssen von den anderen lernen. Seite 521. — Rabbiner Dr. L.Baeck: Weltgeschichte. Seite 523. schau" anders, als es das gesprochene Wort tun kann. So hat die Mitarbeit einzelner unserer Freunde in der Agency in weiten Kreisen der deutschen Judenheit Mißverständnisse und Be« unruhigung hervorgerusen — und das ist durchaus verständlich. Die Stellung unseres Centralvereins ist in Resolutionen eindeutig festgelegt. Man weis;, daß die Mitglieder des Centralvereins dem Ägency-Gedanken kritisch gegenüberstehen, daß sie die Existenz eines politischen jüdischen Volkes ablehnen, den jüdisch-nationalen Gedanken verwerfen, allein auf nationaldeutschem Standpunkt stehen, sich dem deutschen Volkstum, seiner Wesenheit und seiner Zukunft innig verbunden fühlen, und daß sie im Aufbau Palästinas nicht chm einen Weg zur Lösung der Judenfrage sehen. Nicht nur die Aufsätze des Herrn v. Gerlach und des Herrn Hellpach, sondern zahlreiche Aeußerungen aus den verschiedensteu Lagern beweisen die entstandene Verwirrung. Plan glaubt, es sei eine große neue Einheit stabilisiert, gewissermaßen eine magna Charta, in der alle Unterschiede Zwischen Zionisten und Ntchtzionisten verschwunden sind. Auch diejenigen unserer Fxeunde, welche für ihre Person sich an der Jewish Agency beteiligen, stehen auf unserem Standpunkt. Es wird ihre Sache sein, darauf zu achten, daß dieser Standunkt auch in allen künftigen Kundgebungen der Jewish Agency in einer Mißverständnisse ansschließenden Weise gewahrt bleibt. Angesichts der eingetretenen Beunruhigung hat der Arbeitsausschuß des C. V. die Vorgänge in seiner Sitzung vom 22. September eingehend erörtert. Allein maßgebend für ihn war die Resolution, die der Hauptvorstand des Centralvereins im März dieses Jahres angenommen hat. Der Arbeitsausschuß hat als Ergebnis der Beratungen die folgende Entschließung gefaßt: Die deutschen Mitglieder der Jewish Agency fiir Palästina, des Jnitiativ- Komitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland und das Präsidium des Keren Hajesfod veröffentlichen in der Tagespreise einen Aufruf, in welchem behauptet ist, „datz die Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaften aller Länder sich verpflichtet