Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- Seite 507 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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507 kale Bewegung aus. Stark und machtvoll geworden, wagt sie sich an die entscheidenden Gegner. Wird sie gefaßt, geschwächt, niedergeworfen, dann reicht die Kraft wieder nur noch zum Haß und zum Kampf gegen das Judentum aus, — bis es wieder von vorn anfängt! Gammelt die Kräfte! Die deutschnationaleu „Lübeckischen Anzeigen" schreiben (13. September): „Es kann und darf nicht so weit kommen, daß sich unverantwortliche Menschen auf dem Umweg über Bomben zu Terroristen entwickeln. Wenn die Zusammenhänge der Taten erst aufgeklärt sind, dann wird es Zeit sein, über die Ursachen zu reden . . ." Noch deutlicher druckt sich der „Bayrische Kurier" in einem Leitartikel „Terror" (13. September) aus. Das führende Blatt der Bayerischen Volkspartei stellt die moralische Mitverantwortung aller radikalen Gruppen fest und schließt: „Ohne die Hoffming, Rückhalt und Anerkennung zu finden bei den gleichgesinnten Kreisen, ohne die Ueberzeugung, daß die eigene Tat von der ,öffentlichen. Meinung" der Machen" und Mutigen" in Deutschland gebilligt werde, sind politische Terrorakte, wie sie jüngst verübt wurden, schlechtweg unverständlich. Soweit also die nationalistischen Parteien und ihre Presse durch ihre Agitation und ihre Politik solche Hoffnung genährt und gefördert haben, soweit tragen sie auch eine moralische Mitverantwortung für das Geschehene. . Wir, die wir Jahre hindurch ohne Widerhall unsere Stimmen erhoben, begrüßen den Chor, zu dem der Warnruf, die Forderung zur Besinnung, zur Sammlung, zum gemeinsamen Aufbau anschwillt. Sieben Jahre sind seit der Attentatsserie verflossen, an deren Ende Rathenau siel. Stehen wir, anders als im stimmungsvollen Abschluß so manchen Volksstückes „Nach sieben Jahren . . vor neuen schweren Erschütterungen? Freudigkeit, Opferwillen, Kraft dürfen die besten Deutschen sieben Jahre lang nicht vergebens dahingegeben haben. Wir haben an unserem Platze, nach unserem Vermögen und über unsere Kräfte hinaus kämpsend und warnend unseren Mann gestanden. Als man die Nationalsozialisten noch belächelte, haben wir auf die Momente hingewiesen, die sie emportragen würden. Wir haben unermüdlich in jeder geeigneten Weise die Zusammenhänge nachgewiesen, die von den Judenfeinden zu den S t a a t s feinden, zu den Terroristen führen. Wir haben uns nicht gescheut, die schmutzige Verleumdungskanonade von Gegnern ans uns zu lenken, deren Kaliber aus Zahlreichen Zitaten erkennbar geworden ist. Keine nationalsozialistische Zeitung, kein nationalsozialistischer Referent geht ins Land, ohne daß der Centralverein beschimpft. wird. Bis zur Mordverdächtigung steigern sich die Verleumdungen. Urteile, die für uns sprechen, werden rücksichtslos mißachtet. Man prägt den Begriff „C. V.-Jude", um damit den Inbegriff dessen Zu bezeichnen, was dem Nationalsozialisten hassenswert sein muß. Wir werden auch in Zukunft unsere Haltung nicht ändern. Unsere Arbeitsfreudigkeit wird in dem Maße steigen, in dem wir nicht allein bleiben. An jedes Mitglied, ob es nun in den gefährdeten Orten Norddeutschlands oder in den ruhigeren Gegenden wohnt, ergeht der Ruf, rnitzuwirken nach Maßgabe seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten. Als einmal in der französischen Kammer ein Bombenatientat erfolgte, dämpfte der Präsident die Erregung durch die Worte, die geflügelte wurden: „Die Sitzung dauert an." Wir sagen zu den Bombenattentaten: sie mögen die Lauheit, die Stumpfheit, die Unentschiedenheit unterbrechen. Sie mögen wecken. Die Bomben sind gefallen. Unsere Arbeit dauert an! Dr. Alfred Hirschberg. «Hriefe an öie öeutfthe Iran/ Die nationalsozialistische Frauenzeitschrift. „Lassen Sie sich nicht verleiten, ein Werk zu bestellen, das Sie später gar nicht verwenden können und Ihren Aerger daran haben —" Das ist ein Satz aus dem Prospekt des Bücherhauses Schwarz (Magdeburg), das seinen Kunden „diskrete, individuelle Behandlung" zusichert und .. Leser für die,Briese an die deutsche Frau, erste antisemitische Frauenkampfzeitschrift für nationalsozialistische Weltanschauung"" wirbt. Die Briefe muß jede deutsche Frau lesen, „weil sie die einzige Frauenkampszeitschrift sind, die den überstaatlichen Mächten entgegentreten, den Mächten, die bewußt aus dem Dunkel heraus versuchen, das Wesen der deutschen Frau und des deutschen Mädchens zu zersetzen und zu entrassen, um damit — durch die Frau —- das ganze deutsche Volk zu treffen." So wird hier die deutsche Sprache vergewaltigt. Und Schlimmeres. Die Schamröte steigt einem ins Gesicht bei dem Gedanken, daß ein heranwachsendes Geschlecht von Frauen diesem Haß ausgeliesert sein soll. Es gibt kein Verbrechen, keine abgrundtiefe Gemeinheit in der Welt, die nicht von Juden begangen wäre, das stellen die „Briese an die deutsche Frau" „mit unerschütterlicher und untrüglicher Sicherheit" fest. „Die Juden sind unser Unglück", so springt es einem ans jeder Seite entgegen, Der Jude ist überall, er wird sich aber hüten, fern wahres Gesicht zu zeigen, er weiß ängstlich darüber zu wachen, daß du nicht erfährst, daß er dich schänden darf nach seinen Gesetzen, die ihm sogar unsere Kinder freigeben." Einmal atmet man auf: in den Mitteilungen des Verlags und der Schristleitung heiA es, daß ein Drucker sich weigerte, seinen Namen unter solche „wüste Schimpfereien" zu setzen. Dieser Drucker hat wohl das wahre Gesicht des Dr. med. Karl Betz (Darmstadt) erkannt, der in seinem Aufsatz „Achtung! Gefahr! Rauschgift!" in einer „unerläßlichen Abschweifung" feststellt, „daß die Juden gerade das Heilwesen zu einem ganz besonderen Ausbeutungsgegenstand gemacht haben. — Wie auf anderen Gebieten wird auch hier das Niveau des gesamten Arzttums durch das Judentum teils mittelbar, teils unmittelbar mehr oder weniger bestimmt. Das sind recht traurige und bedenkliche Zeichen der Zeit, um so trauriger, weil sich deutsche Menschen, und besonders deutsche Frauen und Mädchen, diesen Vertretern einer minderwertigen Rasse mit Leib und Seele anvertrauen." Als „deutschbewußter Arzt" hält es dieser famose Dr. Betz für seine Pflicht, die Leserinnen der Briefe zu ermahnen, „in diesem Sinne aufklärend zu wirken, daß sie sich in ihrer leiblichen und seelischen Not an einen .deutschblütigen" Arzt wenden", Die Reichstagung der beutschvölktschen Freiheitsbewegung in Rostock. Gegen Inden und Rom. — Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin gibt eine Sympatyieerklärung ab. Auf der Neichstagung der deutschvölkischen Freiheitsbewegung, die am 7. und 8, September in Rostock stattfand, war von positiver Arbeit für Volk und Staat keine Rede. . Das Programm versprach in weltanschaulicher Hinsicht, wenn auch nichts Neues, so doch - Interessantes, nämlich eineu Bericht von Neinhold Wulle: „Der völkische Freiheitskampf als geschichtliche Notwendigkeit", einen Vortrag von Professor Heinrich Wolf (Düsseldorf): „Der römische Imperialismus" und schließlich eine Rede des bekannten Professors Gregor Schwarz (Bostunitsch) über den „jüdischen Imperialismus". Neinhold Wulle begann bei den Uranfängen der Welt. Der völkische Freiheitskampf fei eine geschichtliche Notwendigkeit für die ganze Welt. Unsere im Germanentum wurzelnde Freiheit könne keine Macht der Erde brechen, wohl aber feien überstaatliche Mächte in der Lage, sie zu gefährden. Diese überstaatlichen Mächte seien das Judentum und der Katholizismus. Die Politik des Christentums sei stets eine verlogene Politik gewesen, und sie sei es noch heute. Durch die schon im römischen Reich verkörperten und mit dem Christentum nach Deutschland gekommenen vaneuropäischen Gedanken sei das hehre GermaMntmn der stolzen Riesenhüuptlinge verlorengegangen. Durch den Katholizismus und seine weltliche Organisation, das Papst- # tum, sei das germanische Rassenbewußtsein von Rom aus planmäßig zerstört worden. In'diesem Tone ging es weiter gegen die zweite überstaatliche Macht, das Judentum, das sich, obwohl sie Todfeinde seien, mit Rom Zusammengefunden habe im Kampfe gegen die Nationalstaatsidee. Er „wies dann nach", une das Judentum den Marxismus nach Deutschland gebracht und so den Ruin Deutschlands herbeigeführt habe. Der zweite Vortrag konnte nur verlesen werden, da der Referent durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. Er wandte sich im wesentlichen in „geschichtlichem" Rückblick gegen die Entartungen der römisch-jüdischen Mischkultur, die sich in der deutschen Volksseele eingenistet Hütten. Für die deutschvölkische Freiheitsbewegung beginne der Kulturkampf von neuern, rrm der römisch-jüdischen Mischkultur den Todesstoß zu geben und der wahren Religion Jesu, die in Wittenberg, Weimar und Potsdam erklärt sei, zum Siege zu verhelfen. Das letzte der Referate hielt der ehemalige russische Hochschullehrer Professor Gregor Schwarz. Wulle und Wolf waren geradezu vornehm gegenüber diesem Russen. Selbst wenn man jegliches Feingefühl verloren hat, ist es nicht möglich, auch nur annähernd das wiederzugeben, was der Herr Professor Schwarz als das Ergebnis seiner „wissenschaftlichen" Forschungen und als beweisbare Wahrheiten vorzutragen hatte. Ladenhüter ältester Sorte wurden als Wissenschaft zu Gehör gebracht. Während die Stadt Rostock einen Vertreter nicht entsandt hatte, war der Ministerpräsident von Mecklenburg- Schwerin anwesend, der n. a. in seiner Begrüßungsrede erklärte, daß daK Staatsministerium sich mit der D.V.F.B. eins wisse in dem Ziel seiner Politik.