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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-13 · 37 (13.9.1929) · p. Seite 495

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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4-ö Pvessesckau. In der ganzen Welk werden die Folgen des Zusammenstoßes zwischen Juden und Arabern eingehend erörtert. Wir haben in der vorigen Nummer unserer Zeitung zu den furchtbaren Ereignissen Stellung genommen. Heute wollen wir unseren Lesern Stimmen aus weit verbreiteten deutschen Blättern zur Kenntnis geben: Im „8 Uhr-Abendblatt" vom 3. 9. 29 schreibt der Staatssekretär August M ü ller einen Artikel „Z i o n i s m u §", in dem die tieferen Ursachen zu den Gegensätzlichkeiten zwischen Arabern und Juden beleuchtet werden. „Ist es Glaubenshaß, sind es Rassengegensatze, die hier aufeinanderstoßeu, oder ist der arabische Fanatismus aus irgendwelchen Politischen Gründen auf die unglücklichen Opfer gelenkt worden, die sich aus dem steinigen, unfruchtbaren Boden Palästinas um eine neue Heimat und um eine neue wirtschaftliche Existenz mühen? Wahrscheinlich spielen alle diese Grunde eine Rolle bei den Vorgängen in Palästina, aber doch wohl nur in sekundärer Hinsicht. Um den arabischen Fanatismus anzustacheln, wird incm immer mit Erfolg an jene mehr oder minder dunklen Gefühle appellieren. die im Reiche des Glaubens und der Politik, wie sie in jenen Ländern um das östliche Mittelmeer üblich ist, gedeihen. Aber der primäre Grund der arabischen Pogromgelüste dürfte kaum hier zu suchen sein. Er ist viel unkomplizierter und auf die Tatsache zurückzuführen, daß Palästina das einzige Gebiet in der islamitischen Welt ist, in dem den Arabern Einwanderer gegenübertreten, die ihnen Konkurrenz auf dem Gebiete machen, das die Araber notwendigerweise als ihre Domäne betrachten müssen." In der letzten Ausgabe der „Wett am Montag" nimmt Herr von Ger lach das Wort in einem Artikel „Judenverfolgung und jüdischer Nationalismus". Auch er beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen Frage und führt aus: „Zweifellos hatte die Menschheit, als Ganzes genommen, nur zu gewinnen, wenn in Palästina an Stelle der Araber die Zionisten säßen. Aber es sitzen nun einmal die Araber da. Trotz der künstlich gesteigerten jüdischen Einwanderung entfielen nach der letzten Zählung von den 816 000 Einwohnern des ganzen Landes nur 154 000 auf die Juden, aber 572 000 aus die Araber. Nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker haben also die Araber das Recht auf die Negierung Palästinas. Wer es ihnen verkürzt, vergewaltigt sie, wenn auch vielleicht aus den idealsten Motiven. England kann die Juden schützen und die Araber in Schach halten, wenn es sehr viel bewaffnete Gewalt ausbietet. Ist das ein Zustand, den ein Kulturvolk, und namentlich ein von einer Arbeiterpartei regiertes, auf die Dauer gutherßen kann? Die Unerträglichkeit des heutigen Zustandes geht schon daraus hervor, daß England es nicht wagen kann, auch nur die Andeutung einer Volksvertretung für Palästina einzusühren. Schreibt es Wahlen aus, so haben die Araber die Riesenmehrheit. Die Juden würden zum bloßen Objekt arabischer Mehrheltsherrschast. Der Gedanke der nationalen Heimstätte könnte nie realisiert werden. Aus die Gefahr hm, manchen mir teuren Zionisten wehe zu tun und den schärfsten Widerspruch anderer zu wecken, meine ich, daß die Katastrophe in Palästina zu der Erkenntnis Zwingt: Die Idee der nationalen Hermstätte ist zum Scheitern bestimmt - . . Das Ideal des Zionismus ist falsch. Er leistet der Menschheit keinen Dienst, wenn er zu den hundert Nationalismen der Erde einen hunderuudersten hinzufügt. Das ist Politik aus der Froschperspektive. Die Menschheitsperspektive gebietet den Juden, aus der Not ihrer tausendjährigen Verfolgung eine Tugend zu machen. Ihr spezifisches Ziel sollte nicht eigene Staatlichkeit, sondern die Üeberstaatlichkeit sein." Im Gegensatz dazu gibt D r. Max Kollen sch er in der „Vosfischerr Zeitung" vom 4. 9. 29 die Hauptschuld der Mandatarmacht England. Er schreibt: „Diese Rechtslage ist allzu stark von der Mandatarmacht selbst verletzt worden. Sie hat sich im besten Falle darauf beschränkt, für Ruhe und Ordnung im Lande zu sorgen. Auch dies kann nicht ohne Einschränkung gesagt werden: Wenn man dem Land keinen militärischen Schutz, sondern ihm nur 600 Polizisten gelassen hat, so ist selbst Sorge für Sicherheit der Einwohner an Leben und Gut damit kaum erfüllt. Wenn man unter diesen 600 Polizisten den Juden nur eine ganz außerordentlich schwache Vertretung gegönnt hat, so war damit nicht einmal das Maß von Gleichberechtigung erfüllt, das Juden als Staatsbürger in jedem Lande zu beanspruchen haben. Wenn man während der Kämpfe jüdische Hilfspolizisten entwaffnet, die Araber aber nicht, so hat man eine Tat begangen. Achtung! Grenzmark! Der Vorstand der Ortsgruppe Flatow des Cerrtral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaudens lädt die aus Anlaß des Jubiläums der Shnagogengememde am Sonntag, dem 15. September, in Flatow anwesenden C. V.er der Grenzmark mit ihren Angehörigen zu einem Tee int Kasino, Pfuhlstratze 21, ein. Beginn des vom Landesverband veranstalteten Tees unmittelbar nach Beendigung der Festandacht in der Synagoge, also gegen 5 Uhr. Syndikus Artur Schweriner (Berlin) wird „Vertrauliches aus der Arbeit d e r C e n t r a l e" berichten. die als Unterstützung des Rechtsbruches aufgesatzt werden muß. Die Juden in Palästina und die 16 Millionen Juden der Welt, für die das Mandat geschaffen worden ist, haben die stärkste Rechtsgrundlage. Ihre Ansprüche richten sich nicht nur an die -örtliche Staatsgewalt; sie sind völkerrechtlich begründet und gehen über den Völkerbund an alle im Völkerbund zusammengeschlossenen Mächte. Die Juden der Welt haben aber darüber hinaus noch einen weiteren Rechtstitel — und das ist ihre Leistung. Was in Palästina seit dem Kriege in wirtschaftlicher, kultureller und Zivilisatorischer Hinsicht Außerordentliches geschaffen wurde, ist auf das Konto der Juden zu fetzen. Ein neues Palästina geschaffen zu haben, der Welt diese enorme Leistung trotz aller passiven Resistenz und trotz allem offenen Widerstand geschenkt zu haben, bleibt nicht nur das unvergängliche Verdienst der Juden, sondern gibt ihnen einen neuen Rechtstitel neben der anerkannten historischen Verbundenheit und neben dem völkerrechtlichen Traktat." Die „Frankfurter Zeitnttg" vom 3. 9. 29 schließt ihre Betrachtung: „Die Tragödie in P a lästt na" mit folgenden Ausführungen: „Die traurigen Vorgänge in Palästina sind ein historischer Skandal. Sie sind von den Arabern her gesehen offenbar eine Antwort auf die Erweiterung der Jewish Agency, obgleich sie seit lungern vorbereitet rvaren. Daß aber die Engländer das nicht wisse r wollten, obgleich man sie daraus aufinerksnrr. gemacht hat, daß sie rrichts getan haben, um diese bedauernswerten Leute zu schützen, daf sie schließlich sogar noch Juden entwaffne-' haben, ohne Sorge, was daraus rwch weite' entstehen könne — das eben ist der Stauda' Man müßte wahrlich, gleichviel ob man Christ oder Jude ist, kein Blut in den Adern haben um nicht empört zu sein über dieses würdelose Theater. Als Akteur tritt jetzt wiederum Her? Balfour auf. Er schreibt an Herrn Dr. Westp mann einen Brief: Das britische Empire habe ein Versprechen gegeben; „verlassen Sie sich daraus, dieses Versprechen wird nicht uneingelöst bleiben". Herr Balfour war, lange genug leitender britischer Staatsmann, daß er all das hätte ausführen können, was er jetzt wiederum verspricht. Vielleicht glaubt er sogar noch an sich selber. Das wäre durchaus englisch, nämlich: Cant." Der „Vorwärts" vom 28. 8. 29 wendet sich wiederum gegen die Fanatiker auf beiden Seiten. Er schreibt: „Die arabischen Fanatiker möchten das Land weiterhin lieber wüst lassen als es von Juden bevölkert zu sehen. Sie haben Sorge, daß das Judentum mit der Zeit Gesamtpalästina an sich reißen wird. Nicht zuletzt tragen daran auch jüdische Nationalisten die Schuld, die kein Zusammenleben mit den Arabern, sondern die Alleinherrschaft im Lande wollen. Die wilden Ausschreitungen der Araber sind teilweise damit zu erklären. Palästina kann jedoch die Heimat beider Völker sein. Die Araber, denen ein großer Teil der vorderasiatischen Länder gehört, sind im Unrecht, wenn sie dem Judentum das Recht auf Siedelung in seiner historischen Heimat Palästina absprechen wollen. Anderseits sind die jüdischen Chauvinisten im Unrecht, wenn sie den reellen Tatbestand verkennen und etwa glauben, daß Palästina mit der Zeit zur ausschließlichen Heimat des Judentums verwandelt werden kann." Die „Neue Züricher Zeitung" vom 6. September bringt ein,.Eingesandt" unter der Ueberschrift: „Die Bilanz des Zionismus": „Auch bei wohlwollendster Beurteilung stellt der Zionismus also nur einen Versuch dar, auf einer noch nicht geklärten, widerspruchsvollen Grundlage eine nationale jüdische Kultur und ein national jüdisches Gemeinwesen in Palästina zu schassen; sowohl aus materiellem als auf kulturellem Gebiet entsprechen die erzielten Leistungen vorläufig in keiner Weise den materiellen und ideellen Anstrengungen." Ein beachtlicher Aussatz des Reichster gsabgeordneten Professor Dr. Willy Hellpach sei auszugsweise wiedergegeben, der in der „Breslauer Zeitung" und im „Heidelberger Tageblatt" am 7. September unter der Ueberschrift „Z um Problem d es Z i o n i s ut us —Volksheimstätte oder Weltghetto" erschienen ist. „Diese Zionisten, hochgesinnte, mutige, meist leidenschaftliche Männer und Frauen, bildeten eine Minderheit im Judentum. Dessen große Mehrheit lehnte die Wiedererweckung der völkischen Idee ab. Die weitaus meisten Juden wollten sich nur noch als religiöse Gemeinschaft verbunden wissen, im übrigen aber aufrichtige Glieder der Nationen sein, in deren Mitte sie leben und mit denen sie, wie erst der Weltkrieg wieder offenbarte, zu einer Schicksalsgemeinschaft verknüpft sind. Auch der strenggläubigste, ritualfrömmste Jude in Deutschland wollte national, politisch und kulturell ein Deutscher sein, ein Deutscher jüdischen Glaubens. Daß er sich im Glauben und in alten Erinnerungen mit dein jüdischen Franzosen, Briten, Spanier, Amerikaner eins fühlte, war nichts anderes als die gleiche Einheit des Fühlens, wie sie zwischen den Katholiken der Erde auch besteht und für die Protestanten der Erde eben heute wiedererweckt wird.

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