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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-13 · 37 (13.9.1929) · p. Seite 491

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
Seite 491 (sequence 3)
Language
German
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m AationalsoziaWischer Wahlalarm. In Nürnberg rechtsradikal - in Berlin revolutionär-sozialiftisch. In der letzten Nummer des „Angriff" kommt Herr Goebbels mit einem furchtbar revolutionären Ausruf für die Kommunalwahlen heraus, dessen Sprache so erschröcklich ich daß ängstliche Gemüter um die Nachtruhe kommen tonnten. . . . Also spricht Herr Goebbels: „Zum erstenmal in ihrer Geschichte wird unsere Partei den Kampf um eine Vertretung im „Noten Hause" führen, und es ist darum einleuchtend, daß dieser Kamps unsererseits jetzt schon mit Zähigkeit und Jntensivität eingeleitet wird. . . . Wir betrachten den kommenden Gemeindewahlkampf lediglich als einen TeiLkampf unserer Revolution, als Etappe zum Ziel. . . . Wir denken nicht eine Minute daran, irgendwie in der verschuldetsten Stadt Deutschlands etwa mitverantwortlich zu sein oder gar positive Aufbauarbeit zu leisten. . . . Unsere positive Mitarbeit wird darin bestehen, vornehmlich den sozialistischen Charakter unserer Partei in Anträgen und Forderungen im Roten Haus zu bekunden. . . . Wir werden auch mit der Obstruktion nicht sparen und der Berliner Einwohnerschaft beweisen, daß wir nicht als Zierpuppen, sondern als revolutionäre Sozialisten und Nationalisten \ ins Gemeindeparlament gegangen sind . . / I Gut, daß wir das jetzt schon wissen, ver- I ehrter Herr Goebbels: Sie wollen als revolu- I tionürer Sozialist den Kommunalwahlkamps! führen. Es wird uns im Berliner Wahlj kmnpf im besonderen eine wirkliche Freude bereiten, Ihren Radikalsozialismus in bengalischer Beleuchtung zu zeigen, und wir hoffen, daß uns Ihr Freund Otto Straffer, der Ihr revolutionäres Herz ja bestens kennt, j weiter behilflich sein wird. Ihnen die Maske! vom Geficht zu reißen. In Nürnberg j er. t rem mo n a rchi stis ch - f a schi sti s ch, I in Berlin extrem sozialistisch — eine dankbare Aufgabe für uns, diese unehr-! liche KampfesweLfe den Berlinern recht anj schaulich vor Augen zu führen. . . . \ Und weiter sagt Herr Goebbels: „Um allen politisch und organisatorisch j in den Sektionen und Stützpunkten verl antwortlichen Parteigenosten genaue und : laufende Richtlinien für die Führung des Wahlkampfes geben zu können, die notwendig und entscheidend für den Erfolg sind, schuf die Organisationsabteilung für die Dauer des Wahlkampfes die „Blatte r f ü r d e n B e r l i n e r W a h l k a m p f"... Das eigentlich tragende Fundament ist das Stratzenzetten-System, das im Verein mit der kampfgewohnten Berliner S. A. den Erfolg bringen muß. . . . Der kommende Wahlkampf wird nicht nur eine Flut von Versammlungen bringen, da Berlin zum Grohkampfgebiet der Gesamtpartei erklärt wird, sondern zum ersten Male in der Geschichte unserer Organisation wird eine systematische Kleinarbeit von Häuserblock zu Häuserblock durchgeführt werden, an der sich die gesamte Parteigenostenschaft zu beteiligen hat. . . . Propaganda-Autos, Sprechchöre, Umzüge werden die Mittel und Formen sein, mit denen wir die Berliner Bevölkerung wachrufen werden." Wer nur ein klein wenig mit wahltechnischen Dingen Bescheid weiß, den uberkommt Neid, Neid . . .! W a s m u ß H e r r Goebbels für hochwertige Schecks in Händen.haben, um Wahlarbeit in solchem Ausmaße vorbereiten zu können. Wir kennen Herrn Goebbels: er ist in geschäftlichen Dingen ein sehr gewandter Mann, zeigt er doch in Riesenlettern sein Buch „K n o r k e" in der letzten Nummer des „Angriff" mit dem Hinweis an: „Kauft schnell, denn der Centralverein hat Antrag auf Beschlagnahme des Buches gestellt!" Die großen Geldgeber wissen, daß das radikalsozialistische Programm des Herrn Goebbels Bluff ist und daß Herr Hitler die Partei ins rechtsradikale Fahrwasser steuert. Arm in Arm mit Großindustriellen und Großgrundbesitzern. Wir werden in der Kleinarbeit mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln den plumpen Wahlschwindel ans Tageslicht zerren, vor allem dort, wo Herr Goebbels besondere „Ansklärungspropaganda" plant: im Wedding, Neukölln, Friedrichs Hain, Lichte n b e r g und Prenzlauer Berg, das der Nationalsozialismus in Berlin feierlich zu Hauptkampsgebieten erklärt. Der „Angriff" schließt: „Wir werden immer wieder vorstoßen, bis unser Ziel erreicht ist: die national¬ D (Schluß: „Spaziergänge".) | sich nicht wundern können, wenn diese Bezeicht nung auch in solchen Kreisen zu Mißdeutungen | Anlaß gibt, die keineswegs auf ein judenß gegnerisches Programm eingeschworen sind. | Mau kann überzeugt sein, daß eine große An- | zahl derjenigen Männer, die in der Kundgebung gesprochen und ihren Liesen Schmerz 1 über die Ereignisse in Palästina ausgedrückt J haben, die Bezeichnung a l l j ü d i s ch sowohl I ihrem W o r t l a u t a l s ihre nt I n - | halte nach durchaus ablehnen. Für u n s | jedenfalls gibt es keine all jüdische | Kundgebu n g> und keine a l l j ü d i s ch e % Gedankens ft h r u n g. Alle Juden ver- | bindend, aber nicht alljüdisch ist dasjenige, | was in religiöser Beziehung die Juden g der ganzen Welt eint und was sie cm Ewigkeits- I werten besitzen. Seit Jahren bekämpft der 8 Centralverein jeden Chauvinismus, mag es sich um deutschen, französischen, englischen oder jüdischen Chauvinismus handeln: immer ist Chauvinismus verwerflich. Die Jewish Agency soll dazu dienen, Zionisten und NichLzionisten zu fruchtbarer Arbeit zu vereinen. Wenn das offizielle Blatt der Zionistischen Vereinigung die erste Kundgebung der deutschen Mitglieder der Jewish Agency als eine „alljüdische Kundgebung" bezeichnet, so werden die nichtzionistischen Mitglieder der Agency eine solche Verschiebung der Begriffe ablehnen müssen. Sie werden aufs neue genötigt, sich die Frage vorzulegen, wieweit sie die Verantwortung für eine Haltung tragen können, die ihrer Ueberzeugung von der Verwerflichkeit jeder nationalistischen Ueberspannung, heiße sie Alldeutfchtum oder Alljudentum, zuwiderläuft. Im „Tagebuch" äußerte Albert Einstein vor kurzem, haß die starke Gegnerschaft gegen die Zionisten zeitweise durch allzu starke Besozialistische Revolution und der aus ihr entstehende nationalsozialistische Staat." . Wir sind dankbar dafür, in. derselben Rümmer des „Angriff", im „P olitische n Tagebuch" des Herrn Goebbels lesen zu können, - wie es in diesem Staat aussehen wird. Eine Kritik am Oranienburger Prozeß beendet Goebbels wörtlich: „Nnn richtet Ihr! Für «ns ist vorerst, bis ioir einmal reden können mit Beil und Strick, der Rest Schweigen." Unsere Freunde im Reiche und in Berlin haben zu entscheiden, ob wir im C. B. H anuttct oder Amboß in diesem Wahlka m p f, der die größte Machtprobe der Nationalsozialistischen Partei darstellen wird, die wir erlebt haben, sein sollen oder nicht. Wir haben das Vertrauen zu der bewährten Opserwilligkeit unserer Mitglieder, daß eine große Stunde nicht ein kleines Geschlecht finden wird. Die Kommunalwahlen sind nicht, wie vor dem Kriege, von untergeordneter Bedeutung, sie tragen den Kamps bis ins kleinste Dorf. Wenn wir bestehen sollen, wird unsere Aufklärungsarbeit einen weit größeren U m f a n g haben müssen als bei den letzten Reichstagswahlen. An die Arbeit, Freunde, ungesäumt an die Arbeit! Artur S ch w e r i n e r. wieöer einer... Nationalsozialistischer Abgeordneter wegen Beleidigung verurteilt. Direktor Dr. Ludwig Holländer war von dem Landtagsabgeordneten G r o h, Braunschweig, der als verantwortlicher Redakteur des in Hannover erscheinenden „N i e d e r s ä ch s i s ch e n Beobachters" zeichnete, beschimpft worden. Der Angeklagte Groh wurde in einem von Dr. Holländer gegen ihn angestrengten Beleidigungsprozeß vor dem Amtsgericht Hannover wegen öffentlicher Beleidigung zu 15 0 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Verhandlung war Dr. Holländer durch Rechtsanwalt L i ch t e n b e r g, Groh durch Rechtsanwalt A l P e r s, Braunschweig, vertreten. Alpers lobte den Idealismus seiner Parteigenossen und betonte, daß sie selbst vor Todesopfern nicht zurückschrecken würden. Nimmt man eine solche ideale Gesinnung für sich in Anspruch, so muß man mit der Ehre anderer etwas vorsichtiger umgehen, als es Herr Groh getan hat. tonung n a t i o n a l i st i s ch e r Gesinnung aus zionistischer Seite genährt worden ist. daß aber die Folge des K o l o n i s a t i o n s w e r k e s in Verbindung mit der Erkenntnis der wohltätigen moralischen Erfolge die Widerstände allmählich erlahmen ließ. Wenn es sich um ein reines Kolonisationswerk handelte, und wenn die Bedeutung gerade des rein Kolonisatorischen immer mehr erngesehen würde, so würde der Widerstand gleich Null sein. Je mehr aber der jüdische Nationalismus trotz der unsäglich traurigen Ereignisse im Heiligen Lande sich breitmacht, desto mehr wird nicht Ausbau, sondern Zwietracht und Niedergang die Folge seiner Tätigkeit sein. Für all jüdische Kundgebungen werden sich deshalb diejenigen bedanken, die in Palästina allen beit unglücklichen Juden ein freies und glückliches Leben wünschen, die aus politischen und wirtschaftlichen Gründen in dem Lande ihrer Geburt nicht leben können.

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