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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. Seite 479

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
Seite 479 (sequence 3)
Language
German
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Prozeß ttt Oranienburg. die doppelte Moral der „Helden vom drillen Reich". — „Haben Sie nicht an Beleidigungen gedacht?" — Oer böse Reinfal! des Herrn Straffer: „Jüdischer" Uebeltater ist Stahlhelmführer. L. II. Die gesäurte Presse hat sich ausführlich mit dem Strafprozeß beschäftigt, in dein der nationalsozialistische Reichstagsabgeorduete und Propagandachef der N. S. D. A. P., Georg Strass e r, sich wegen verschiedener öffentlicher schwerer Beleidigungen, wegen Beschilnpfllngen der Republik und der Reichsfarben zu verantworten hatte. Das Endurteil — eine Gesamtgefä u g n i s st r a f e v o n s e ch s Monaten u n d 300 Rt a r k G e l d - ü rase nebst den erheblichen Kosten — ist bekannt. An dieser Stelle sollen einige Erwägungen angestellt werden, die unter denn unmittelbaren Eindruck der Hnupwerhandlung entbanden sind und die für die Zllkunft von grundsätzlicher Bedeutung sein tonnen. I. Sie Nationalsozialisten b e k ä m p f e n die Jmimniität der Abgeordneten, hu ihrer Programmschrist „Wesen. Grundsätze und Ziele der A S.D. A. P." von Alfred Rosenberg heißt es auf Seite 37: „Die Immunität der Angel)origen der Parlamente ist selbstverständlich abzusepafseu", weil nämlich „unter dem Schutz der unsittlichen Immunität.sich ein Abgeordneter die frechsten Anpöbelungen des deutschen Voltes erlauben darf". Sehr eindeutig und klar geschrieben, aber in der Verhandlung machte der Verteidiger Strassers dem Reichstag die schwersten Vorwürfe, weil er Strassers Juununität aufgehoben hatte, obwohl die von Straffer verantwortlich niachtpolitiicheu Verhältnisse. Eine Ergänzung in der Richtung dessen, was uns die Araber warnend erzählten, finden wir in Tr. W i e n e r s „Kritische Reise durch Palästina": „Stark überheblich ist die Meinung mancher und nicht immer oberflächlicher jüdischer Köpfe, die Araber seien ein ungebildetes und rohes Volk. Also: Sie links liegen lassen und sich nicht weiter um sie kümmern!" Hebron. Hebron hat die fanatischsten Araber. Hetzer haben hier besonders willige Werkzeuge für Ausschreitungen gefunden, die schließlich zu den entsetzlichsten, alle Greuel russischer Pogromisten in den Schatten stellenden Bluttaten geführt haben. In einem bereits vor dem Kriege erschienenen Reisehandbuch heißt es: „Ta die arabischen Bewohner der Stadt fanatisch und fremdenfeindlich sind, ist es ratsam, nicht ohne Führer durch die Stadt zu wandern." H e b r o n i st I u den u n d A r a b e r n gleich heilig. Hebron hieß ursprünglich Kiriath Arba, nach dem größten Riesen, der hier wohnte. Abraham schlug sein Zelt im Haine Mamre zu Hebron ans. In der Höhle Machpela dieses Haines wurden Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea begraben. König David residierte Jahre bis zur Eroberung Jerusalems in Hebron. D i e A r a b e r machten die M a ch p e l a h ö h l e z u ihre m H e i l i g t u in „Haram" und benannten die Stadt nach Abraham „El Ehalil", Liebling Gottes. Tie Moschee ist ein kunstgezeichneten Blätter die schwersten Beschimpfungen gegen hohe Staatsbeamte, Rechtsanwälte und sonstige im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten gebracht hatten. Ein Beweis für die doppelte Moral dieser „Helden vorn dritten Reich" und dafür, was von ihren politischen Zukunftsversprechen 31t halten ist, wie er so einleuchtend selten gesunden werden kann. II. Straffer betonte selbst und wußte es durch seinen Verteidiger noch mehr in den: Vordergrund 31t schieben, in welchen! Maße er ein Feind der Republik, sei. Mit allen Mitteln wolle und werde er die Republik bekämpfen und zu vernichten suchen. Schon einmal sei er wegen Hochverrats verurteilt worden. Er habe dadurch den Beweis geliefert, daß er Manns genug sei, um gegen diesen Staat aufzutreten. Das war eine offene Erklärung, aber sie sta n d inan ße r 0 r d e n tl ich ent Gegens a tz zu der g e lv u 11 b c n e u A r t und Weife, in der er zu E i n z e l s ü l l e n , d i e G e g e n st a n d d e r A n k l a g c lv a r e n , Stellung na h m. Einige Fülle sollen besonders behandelt werden. Bekanntlich haben in der Kundgebung gegen die Friedhofsschändungen, welche der Central- Berein ant 18. Oktober 1928 (vgl. „C. B.-Zeitung" Nr. 43 vom 26. Oktober 1928) im Herrenhaus veranstaltete, unter anderen Rednern der damalige Justizminister K 0 ch unb der Polizeilerisches Bauwerk ersten Ranges. I n H e b r 0 n h a t die jüdische Gele h r s a m k e i t ihre klassische Stätte. Aus allen Ländern kamen jüdische junge Leutly die ihr Leben dem Dienste der Thora weihen wollten, hier zusammen, lveil die Lehrer Ansehen in der ganzen Welt genossen. Ein Sederabend in Hebron bedeutete für man ch en f r 0 m nt en jüdi s ch e n P a - Vizepräsident von Berlin Dr. B. W e i ß ihrem Abscheu über die Friedhofsschändnngen Ausdruck gegeben. Darauf hat Herr Straffer in seinen Blättern von b e lv u ß ter E h r a b s ch n e i d e r e i seitens der Herren Koch und Weiß gesprochen. In der Verhandlung führte er ans, diese Ehrabschneiderei lüge in der Behauptung der beiden, Nationalsozialisten hätten die Friedhofsschändnng begangen. Herr Straffer gestattete sich noch die Bemerkung, er habe wiederholt die F ii h rer des C e n t r a l - v e r e i u s a l s L ü g n e r unb Berle u m - d e r g e b r a n d m a r k t, weil sie die Nationalsozialisten als die Urheber der Friedhossschändungen bezeichnet hätten. Polizeivizepräsident Weiß erklärte als Zeuge unter Eid in Uebereinstinnnung mit dein Bersammlungsstenogrnmm, daß er ebensowenig wie Koch die Nationalsozialisten in der Versammlung erwähnt habe. Und mm kommt der interessante „Dreh" des für die Wahrheit so begeisterten Angeklagten und seines Verteidigers: „Mußten Sie aber, Herr Zeuge", so lautete die Frage an Dr. Weiß, „nicht annehmeu, daß, lvenu in der Versammlung von .Antisemiten' gesprochen wurde, die Nationalsozialisten gemeint seien?" Dr. Weiß konnte auf diese Frage antworten, daß lnan in jener Versammlung gegen die Untat der Friedhossschändungen und ihrer Urheber, aber, nicht gegen die Nationalsozialisten protestiert habe. Der Zwischenfall ist über den Zusammenhang hinaus, in dem er sich abspielte, bedeutungsvoll. Hier liegt ein typisches M a n över vor, das einmal im Interesse der öffentlichen Reinlichkeit beleuchtet werden muß. An sich hatte die Tatsache der E. V.-Veranstaltung und der dort gehaltenen Reden mit der Behauptung, die Herren Koch und Weiß seien Ehrabschneider, nicht das g e r i n g st e zu tun. Um nun irgendeinen Entschuldigungslüst i n e n s e r das Ereignis des Lebens. Noch in diesem Jahre unternahmen viele junge jüdische Menschen am Pessach ihre Pilgerfahrt nach Hebron. Und jetzt ist das Unglaubliche geschehen. Lehrer und Schüler grausam dahingemetzelt .... Der englische Oberkommissar hat ein Strafgericht angekündigt. Hoffentlich hängt man nicht nur die Verführten . . . Jaffa-Tor in Jerusalem, vor dem es zu den ersten blutigen Zusammenstößen kam.

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