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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-30 · 35 (30.8.1929) · p. Seite 472

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
Seite 472 (sequence 20)
Language
German
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472 Bücher zum Dem deutschen Volke ein Bild'eines seiner bedeutendsten jüdischen Kopse, jeder religiösen Gemeinschaft eine Schilderung eines von wahrhaftem Gottesgeiste bewegten Mannes zu geben, ist das Ziel des Merkchens*), das der bekannte Pädagoge Jakob Seifensieder in Nürnberg über Moses M e n d e l s s o h n verfaßt hat. Allgemein verständlich und fesselnd geschrieben, gibt das Buch eine lebensvolle Darstellung des Kulturzustandes vor etwa 200 Jahren. Der Kreis um Lessing wird besonders eingehend geschildert. Die großen Fragen, welche damals die Welt bewegten, werden erläutert. Die Figur Moses Mendelssohns, „märchenhaft" aus der Urkultur der damaligen Judenheit hervorquellend und in die höchsten Kulturkreise des deutschen Voltes hineinragend, sieht der Leser plastisch emporsteigen. Diese außerordentlich wesenhasten Zeitumstünde, im Mittelpunkt die Figur Moses Mendelssohns, erfahren eine Schilderung, aus der die heutige Nachwelt unendlich viel für ihr Deutschtum, für ihren Charakter und ihre Zielsetzungen lernen kann. Die deutschen Juden werden ersehen, wie in Wandel, Tat und Gesinnung einer ihrer ersten Vorkämpfer für tiefste Religiosität und echteste Kulturverbundenheit mit dem Gesamtvolke zusammengewachsen war. Die Schrift ist trefflich geeignet, weiten Kreisen, für die Mendelssohn bisher nur einen leeren Begriff bedeutete, das Wesen und Wirken des großen Mannes nüherzubringen. Eine glückliche Ergänzung der Seifensiederschen Biographie bildet die im Verlage I. Kauffmann, Frankfurt am Main, erschienene Auswahl aus Mendelssohns Schriften und Briefen („Moses Mendelssohn"), die von Levy und May mit geschickter Hand getroffen worden ist. Die Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Philo-Verlag, Berlin) bringt in ihrem dritten Heft Aufsätze über Moses Mendelssohn. Albert Lewkowitz würdigt den großen Menschen, Ludwig Gold sie in schreibt über „Moses Me ndelssohn und seine Zeitgenossen", und Bertha Badt-Strauß gibt ein Bild von „Mendelssohns Tochter" Dorothea. *) „Moses Mendelssohn, das Märchen seines Lebens." Von Jakob Seifensieder. Berlin 1929. Philo- Verlag und Buchhandlung G. m. b. H., 96 Seiten. Preis br. 2,30 Mark, geb. 8,50 Mark. Drei Freunde. UM, „Sulamith und Eusebia“ eine Trauerkantate auf den Tod Moses Mendelssohns von Friedrich Ramler (1786) „7 7 7 Strömt fort, ihr Quellen meiner Augen! Versieget nie! Brecht auf, ihr Wunden meiner Seele, Und heilet nie! Die Weisheit, Redlichkeit und Güte Bedeckt sein Grab, Mein tiefgebeugtes Volk! Dein Mendelssohn vernichtete Den grauen Wahn der Völker um Dich her: Dass unter Dir nicht Weisheit wohne, Dass Dir die Tugend fremde sei. Der beste Freund des Besten Stand auf der höchsten Stufe Des ganzen Israels, Steht in der ersten Reihe Des menschlichen Geschlechts.“ Mendelssohn-Tage. Das dritte (Oktober-) Heft der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" wird .ausschließlich Moses Mendelssohn gewidmet sein. Eine große Anzahl bedeutender Forscher um Gelehrter hat sich Zusammengefunden, im das Ereignis seines '200. Geburtstages nickt so sehr zu feiern, als vielmehr seine Bedeutung in der Geschichte der deutschen Juden und des Judentums wissenschaftlich zu würdigen. I. Elbogen wird mit seiner Festrede, die er zum Jubiläum in Dessau hält, vertreten sein. M. Wiener berichtet über Mendelssohn und die neueren religiösen Gestaltungen. Max Freudenthal stellt die Mutter des Philosophen biographisch dar. Martin Sommerfeld würdigt seine Stellung innerhalb der geistigen Kultur der Zeit. Ludwig Feuckstwanger hat das Bild Mendelssohns bei seinen Gegnern bis zum Tode Hegels erforscht. Willy Cohn schreibt von Mendelssohns bekanntem Freunde Ehr. Will), v. Dohm. Eine reiche Anzahl von kleineren Beiträgen (Miszellen) sowie ausführliche Nachrichten über Mendelssohn-Bücher-Ausstellungen und -Feiern runden das Heft ab. Man darf seinem Erscheinen mit berechtigten Erwartungen entgegensetzen. Vorausbestellungen auch aus das Einzelheft schon jetzt erbeten an den Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Sanitätsrat Max Ehrerrfried, Kattowih, gestorben. In K a t t o w i tz ist plötzlich der ehemalige Vorsitzende unserer Ortsgruppe Kattvwitz, Sanität s r a t Max E h r e n s r i e d, in die Ewigkeit abberufen worden. Ehrenfried gehörte zu denjenigen Mauern von altem Schrot und Korn, dis ganz aus dem Boden des C. V. stehen und für dessen Ideale allezeit eingetreten sind. Die politischen Verhältnisse brachten es mit sich, daß er in den letzten Jahren nach der Trennung der Stadt Kattowitz von Deutschland sich nicht mehr D an den politischen, Wohl aber an den kulturellen §j Ausgaben des C. V. beteiligen konnte. Er war ein k mutiger, ein treuer, ein warmherziger Mann, von | einer seltenen Gradheit, von einer bewunderungsj werten Energie und von einem Charakter, den nur j derjenige würdigen kann, der Diesem Feuerkopse | nahegestanden hat. Sein Haus war der Musik gef weiht. In all den schweren Stunden, die er durch- 1 leben mußte, war sie ihm eine Trösterin. Er war | stets unserer Sache ein tätiger Freund, und wir wußten ihn als einen unserer Treuesten und . . Diese drei eng verbundenen Freunde, welche wöchentlich wenigstens zwei- oder dreimal zusammenkamen, waren sich darin gleich, dass sie in der gelehrten Welt gar keinen Stand, keine Absichten, keine Verbindung, keine Aussichten auf Beförderung hatten oder suchten, und selbst in der bürgerlichen Welt ohne alle Verbindung oder Bedeutung waren, auch keine verlangten . . . Ihre Studien und ihre Unterhaltungen hatten nichts als bloss die Erweiterung ihrer Kenntnisse und die Schärfe ihrer Beurteilungskraft zum Zwecke . . 7 Von allen aufgeworfenen Fragen ward beständig das Dafür und Dawider von einem oder dem anderen der Unterredenden auf genommen, niemals aber darauf ausgegangen, einen zur Meinung des anderen schlechterdings zu bekehren; sondern jeder blieb selbständig . . . Lessing und Moses waren sich einander ganz gleich an freimütiger Verwerfung aller Vorurteile, beide gleich reinen Herzens, gleich edelmütig, Besten zu schätzen. Zu früh ist er der Menschheit gleich frei von aller Prätension, gleich scharfsinnig im schnellen Entwickeln, genauem Unterscheiden und deutlichem Bestimmen \ der Begriffe. Lessing war lebhafter beim Suchen der Wahrheit i und bot seinen Scharfsinn nicht selten auf, bloss um zu verteidigen oder zu widerlegen, was noch nicht stark ge-nug verteidigt oder j widerlegt schien; Moses war bedächtig, mit deutlicherer Rücksicht j auf Resultate; Nicolai ihnen wenigstens gleich an lebhafter Wahr- | heitsliebe, an gutem Willen und Freimütigkeit . . . alle drei Waren 1 heiteren Geistes, so dass ihre Unterhaltung oft mit Scherzen und Witzen gewürzt war, ohne dass je wechselseitige Achtung wäre vergessen worden, daher auch in vieljährigem genauesten Um- | gange . . . nie das geringste Missverständnis, noch weniger je ein Zank unter diesen zur beständigen Untersuchung der Wahrheit verbundenen Freunden entstand. Abwesend, so wie gegenwärtig, blieb unbefangenes Zutrauen wechselseitig immer eben dasselbe, die offenherzigste Mitteilung von Gedanken war beständig allen dreien gemein(Aus Nicolais Selbstbiographie.) Nur Simson-Supra! «»äßa 12|60PS.FürReise, |)or rioilferhoUfanMll 2‘' 4‘ 6-ikig, - Sport und Beruf. IlCi UCUlobllt? fluyCÜ i offen u.geschlossen. Waffenfabriken Si ui s o n & Co., Abf. Antomobilfabriken - Suhl i.Thür.

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