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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-30 · 35 (30.8.1929) · p. Seite 464

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
Seite 464 (sequence 12)
Language
German
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7Ty < tysv -i O'!. i£j /^vX^tU-) 'iU-fiU-fUcJ /io rr , n /. A , *) / * fat V/ih^ 'Oil</-u )CX^D kstcsV * P&, ^7U^vt^P Jt, A-s-pP^^-P) <j(?.j&xx) t/^j Vt-, ./ /\ t^p -0-i* t«,?' /^.;* r// -pp r/ r / jf - Beginn und Ende eines Briefes Mendelssohns an seinen Freund Hennings. — Wiedergabe des bisher noch nicht veröffentlichten Originals aus dem Privatbesitz und mit Genehmigung der Familie Mendelssohn. Fritz Bamberger: Der Aesthetiker. Mendelssohns Werk und Mendelssohns Lebensart gehen darin ganz zusammen, daß sie beide sich als Mischung von Modernität und Ueberlieferung darstellen. Und im Geistigen sowohl als auch in seinem äußeren Leben war es Mendelssohns Bemühen und Mendelssohns Leistung, diese Mischung harmonisch und überzeugend zu gestalten. Ganz so ist es auch in der Aesthetik; auch hier finden sich — in allen Stadien, die Mendelssohns Anschauung über die Schönheit und die Kunst erfahren hat — diese zwei Faktoren beieinander: die überlieferte Anschauung, die Schultradition, von der er ausgegangen ist, und die neuen Gesichtspunkte, die die überlieferte Anschauung angreifen und neu gestalten. Nirgendwo aber ist die Macht der neuen Gesichtspunkte so stark und ungehindert wie in der K u n st - lehre, nirgendwo ist Mendelssohn so fortschrittlich und neue Wege weisend wie hier, und von keinem anderen Ausgangspunkt aus revidiert sich so leicht und klar das Vorurteil derer, die in Mendelssohn einen Platten und nüchternen „Aufklärer" sehen. Das Verhältnis der Mendelssohnschen Aesthetik zur zeitgenössischen Literatur stellt sich als ein Hin und Her, als gegenseitiges Geben und Nehmen dar. Die Kunstlehre zieht ihre Anregungen aus dem lebendigen literarischen Schaffen, und ihre Formulierungen wirken wieder auf dieses zurück. Sie tun das deswegen, weil hier keine Theorien geschaffen werden, die dem schaffenden Künstler gleichgültig sein können, weil sie so allgemein und so weit gespannt sind, daß er die in ihm selbst wirksamen Tendenzen darin nicht wiederfindet. Mendelssohns ästhetischer Standpunkt ist eine Entscheidung im Kampf der verschiedenen Richtungen der Literatur. Zwei Parteien, die sich arg bekämpfen, stehen sich gegenüber. Den einen find die Franzosen Vorbild: sie schulen ihren Geschmack an Corneille und Racine, ihr Heiligtum ist die Regel, deren Beobachtung ein Kunstwerk gut oder schlecht macht. Wer nicht die streng festgelegten Regeln beherrscht oder wer sie außer acht läßt, ist nicht Dichter. Der Anfang und der Maßstab des Kunstwerks ist die Poetik, das Lehrbuch der Dichterei. Der lauteste Rufer im Streit ist aus dieser Seite Gottsched, der eine „kritische Dichtkunst" versaßt, von der er selbst rühmt: „Anfänger werden dadurch in den Stand gesetzt, alle üblichen Arten der Gedichte auf untadelige Art zu verfertigen." Den Gottschedianern stehen die anderen gegenüber, die wissen, daß Regeln eine nützM Sache sind, Miste! einer Technik, bii schwer zu entbehren! ist, daß aber dieK keine Handwerkskunst! ist. Die Geburt des ' Kunstwerkes erfolgt nicht aus dem Geist der Regel; Genies produzieren, ohne ums Regeln zu wissen; sie schaffen „Ungeheuer < (Mendelssohn), von Regelwidrigkeit! strotzen, und dost höchste Kunst sind. Vorbild dieser Anschauung ist Sh a ke-ß speare und Klopst o ck ihr bester lebender Vertreter. Den Auseinandersetzungen beider Anschauungen fand sich Mendelssohn gegenüber, als er ans'ing, auf ästhetischem Gebiet zu schreiben, kr fand weiter einen Zusammenhang von philosophischen Sätzen vor, der gerade begann, sich zu einer besonderen Wissenschaft der „Aesthetik" zusammenzutun, die vorher unbekannt gewesen war, philosophische Sätze, deren Anschauungs- und Veweismaterial aus antiker Dichtung geholt wurde und die zu zeitgenössischerKunstkeine Beziehungen hatten. Mendelssohn aber war nicht nur Philosoph und Aesthetiker, sondern auch Kritiker, durch seine Rezensententätigkeit und durch persönlichen Umgang mit der Literatur feiner Zeit genau bekannt. Er hatte die Möglichkeit, aber auch die Fähigkeit, Dichtung und Theorie miteinander zu vergleichen. Er kannte die Ergebnisse künstlerischer Produktivität und besaß das Einfühlungsvermögen, in deren Art zu schaffen; er sah die Mängel der Theorie, die Stellen, wo Kunst und Kunstlehre sich nicht deckten, und sah als Gegenstand seiner Bemühungen in der Aesthetik dies: das Wesen des Schönen zu bestimmen, aber nicht bevormundend der Kunst gegenüber, sondern ihr nachempfunden. Die philosophische Aesthetik, von der er ausging, konstruierte; sie wies im Rahmen ihres philosophischen Systems dem Schönen einen Platz an, sie gab der künstlerischen Funktion in der Reihe der menschlichen Tätigkeiten einen Ort, der ihre besondere Art unterdrückte und verfälschte. Mendelssohn ging neue Wege; er baute die knappen Anregungen zu einer neuen Behandlung der Aesthetik aus; er zergliederte das Schöne und die Empfindung des Schönen ohne Vorurteil und sah, von Abhandlung zu Abhandlung immer deutlicher und von der Schulanschauung, von der er ausgegangen war, immer weiter entfernt, daß das Schöne etwas Besonderes sei, das

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