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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-23 · 34 (23.8.1929) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
Seite 448 (sequence 8)
Language
German
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44$ doppelter Säulenreihe umstande n w a r. Ein jüdisches -Kultgerät überkommen hebräischer Art bildete vor allem die Schriftrolle, die sich ans einem Thorasessel, dem sogenannten „Thron Moses", unter einem Thronhimmel an dev Ostwand des Betraums befand. Aus Holztaseln rings den Wänden waren in goldenen Lettern'die zehn Gebote geschrieben. Eine andere holgtasel Predigte das jüdische Verbot, ein Götterbild zu gestalten, und aus einem Tisch standen Leuchter unb Weihrauchgefüsie. An der Westwand der Synagoge war eine abgesonderte Empore für Frauen eingebaut. Innerhalb der vi^r Wände des Betraumes unterschied sich die Synagoge von K a i s a n g f u nicht von den anderen jüdischen Gotteshäusern der Erde; nur von au Yen besehen Passte sich ihre chinesische Architektur dem Stil der Umwelt an. Daviö Grubp. Ein vergessener jüdischer Arzt und Forscher des 19* Jahrhunderts. Grubh wurde in einem kleinen ungarischen, säst südslawischen Ort im Jahre 1810 geboren. Seine Eltern betrieben eine kleine Landwirtschast. Aus diesen Verhältnissen hat er sich durch zähe Arbeit, fast ohne Unterstützung von Hause zu erhalten, emporgearbeitet, bis mm :ym im Herbst 1840 eine Professur an der Universität in Budapest anbot, sofern er sich lausen lassen wolle, denn vor dem Jahre 1818 war es für einen jüdischen Studierenden in Oesterreich und Ungarn nahezu unmöglich, Dozent zu werden. Grubh lehnte dieses Anerbieten ab und folgte vem Rat eines französischen Chirnrgeu, den er gerade um diese Zeit kennengelernt hatte, sein Glück in Paris zu versuchen. Dort machte er seine bedeutenden medizinischen Entdeckungen und entfaltest feine wissenschaftliche Tätigkeit. Im Jahre 1818 wandte er sich von der Wissenschaft ab und widmste sich von da an nur noch seiner ärztlichen Praxis. Eine große Anzahl bedeutender Männer, Künstler und Schriftsteller, zählten zu seinen Patie-nren: C h o p i n, L a m a r - Line, George Sand, Franz Liszt, O l i - vier, A l e x an d er D u m a s Vater und Sohn, T h o m a s und auch Heinrich Heine. Bei ihm soll er im Gegensatz zu anderen Aerzten die richtige Diagnose auf Nückemnarksschwindsucht gestellt haben. G r u b h gegenüber hat H eine eines seiner besten Witzworte geprägt. Der Arzt wollte seststellen, ob Heines Lähmung auch die Lippenmuskeln ergriffen habe und fragte ihn deshalb: „Können Sie Pfeifen?" „Leider nicht kräftig genug, um die Theaterstücke von Scribe auszupseisen", soll H eine erwidert haben. Die deutschen medizinischen Zeitschriften haben von Grubhs Tod im Jahre 1818 keine Notiz genommen. Er war völlig vergessen. Um so mehr sei Professor Kille, der Direktor der Universitätsftinif für Hautkrankheiten in Leipzig, dafür bedankt, daß er die Verdienste dieses Mannes in einem Vortrage in Leipzig wieder ans Tageslicht gebracht hat. Seinen Vortrag schloß er mit folgenden Worten: „Dieser Art waren Lebenslaus und Lebenswerk voll David Grubh, der als Forscher, Lehrer und Arzt, Diagnostiker wie Therapeut, die Wiener Schule gemacht hat. Es mag verlockend sein, hier noch auszuführen, was für Einfluß Grubhs Verbleib in Wien aus seinen Genius wie aus die Entwicklung der Wiener S ch u l e, zumal beim Zusammenarbeiten mit H e b r a (dem Begründer der modernen Lehre von den Hautkrankheiten. Anmerkung des Verfassers.) wohl gehabt hätte. Doch wäre das nur müßiges Mühen, und darum geliebte schola Vinclobonensis rufe ich dir zu: „Wenn dir wieder ein Grubh ersteht, dann stoß' ihn nicht von dir, laß ihn nicht in die Ferne ziehen, nein, halt ihn fest und bleib' ihm hold, ihm zu Dank und dir zu Nutz und Ehr'." Dr. Julius Raff (Augsburg). Neue Bücher Rabbiner Dr. A. Posner: „Die Freitagabendgebete." Selbstverlag, Kiel, 1929. Rabbiner Dr. Posner hat in einer kleinen Broschüre die „Freitagabendgebete" übersetzt sowie sachlich und sprachlich erläutert. Für alle diejenigen, die eine Fortbildung in jüdisch-religiöser Hinsicht wünschen, wird die kleine, aber inhaltsreiche Broschüre eine wertvolle Möglichkeit bieten. Begrüßenswert ist, daß Dr. Posner Lehrern und Jugenderziehern Exemplare zu besonders ermäßigten Preisen abgeben will. Hw worlds religions against war. The proceedings o! ilie preliminary Conference held at G e n e y a, September 1928, to make arangemenis for a universal religions peace Conference. — The church peace union. Paris, New York, London 1928. Wenn die Religionen sich ihres eigentlichen Sinnes erinnern, wenn sie der Aufgabe der Vereinigung des Menschengeschlechtes und des Friedens gedenken, muß es besonders betont werden. Braucht sich doch sonst mir allzuoft ihre beste Kraft in der Vereinigung konfessioneller Gegensätze auf. Sv traurig und beschämend die Feststellung auch ist daß man an sich selbstverständliche und naturnotwendige Willensäußerungen der Religionen im Sinne der Völkerversöhnung als Taten feiern muß, so nötig ist es heute mehr denn je. lind es bedeutet etwas, wenn die Vertreter von 'vierzehn Religionen — unter ihnen auch Juden aller Richtungen und Angehörige aller namhaften christlichen Konfessionen — sich in Gens versammeln und wenn sie für das Jahr 1930 eine allgemeine religiöse Friedenskonferenz in Aussicht genommen haben, deren Hauptthema lauten soll: „Was kann die Religion für die Herrschaft des allgemeinen Friedens leisten?" Eine Fülle von Weisheit und von höchster ethischer Gesinnung atmen die bei der Zusammenkunft gesprochenen Worte, und wenn wir mit Freude feststellen, wieviel davon dem ewigen Schatze des Judentums entstammt, so sei auch die Hoffnung geäußert, daß die Grundidee nuferes Glaubens, der Drang 3itr Verwirklichung, die schönen Reden beseele und sie zu Taten werden lasse, lind da wahrhafter Friede zwischen den Staaten sich nur auf Ausgleich unb Versöhnung im Innern, auf der gegenseitigen Achtung der Menschen voreinander erheben kann, bedeuten die Arbeiten der Konferenz auch eine Stärkung unseres Wollens im Kampf gegen Verhetzung und Judenhaß! Daß dem schönen Anfänge sich weitere bleibende Erfolge anschließen, ist der herzliche Wunsch aller Freunde der Völkerversöhnung rmd der Kultur. Dr. Felix Goldmann. Preiswerter Einkauf erhöht Ihren Umsatz, Ihren Gewinn! Darum besuchen Sie ab^25^Äugust die LeipzigerHerbstmessel929 Sie bietet Ihnen günstigste Einkaufsmöglichkeiten! 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