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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-23 · 34 (23.8.1929) · p. Seite 447

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
Seite 447 (sequence 7)
Language
German
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I 447 Eirre Zrage und eine Antwort. . mm, 16. August. (I. T. A.) Die Union deutschösterreichischer Juden veröffentlichte in der Presse eine Erklärung, in der sie „die schärfste Verwahrung" einlegt gegen jeden Versuch, die Jewish Agency als eine „jüdisch-nationale oder als eine internationale jüdisch-politische Institution hinzustellen". „Die Juden Oesterreichs", heißt es weiter, „lehnen jede nationale Minderheitspolitik entschieden ab." Sollte dennoch die Jewish Agency eine politische Tätigkeit entfalten, so werde die Union ihre Vertreter aus dieser Körperschaft Zurück- Ziehen. Als Antwort auf diese Erklärung sandte das zionistische Landeskomitee für Oesterreich eine Mitteilung an die Presse, in der es heißt: „Aus dem Palästina-Mandatstext § 4 geht es klar hervor, daß die Jewish Agency ein Instrument Zum Aufbau des jüdischen nationalen Heims in Palästina ist, dessen Errichtung durch den Mandatar (England) und den Völkerbund garantiert ist. Es handelt sich also um eine weltpolitische und nicht um eine philanthropische Angelegenheit... Selbstverständlich bedingt der Eintritt in die Jewish Agency eine Bejahung ihrer Funktion, beim Ausbau des jüdisch-nationalen Heims in Palästina mitzuhelsen, und die Uebernahme der Mitverantwortung dafür." Am 29. Juli d. I. veranstaltete der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Köln, im großen Saal der „Harmonie" eine öffentliche Versammlung über das Thema: „Ter Ritualmord, historisch und rassisch begründet?". Als Hauptreserenten sprachen: Rabbiner Tr. Eschelbacher (Düsseldorf), Rabbiner Dr. R o s e n t h a l (Köln). Eingeladen war die gesamte Bürgerschaft Kölns. lieber den Verlaus der Versammlung haben wir bereits berichtet. Heute mögen einig-e Stimmen der Presse folgen: Die „Kölnische Volkszeitung" vom 30. Juli 1929 schreibt: . . . „Tie Kölner Nationalsozialisten hatten am vergangenen Freitag zu einer Versammlung, deren Thema den Ritualmord behandelte, ausgerusen. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Köln, hatte nun seinerseits zu einem Vortrag über das Thema: „Der Ritualmord, historisch und rassisch begründet?" für Montag abend eingeladen. Schon vor Beginn mutzte die Versammlung wegen Uebersüllung geschlossen werden. Ungezählte fanden keinen Zugang mehr. Nach der Eröffnung der Versammlung gab Rabbiner Dr. Rosentha! einen Brief des Erzbischöflichen Generalvikars bekannt, in dem bedauert wird, am Besuch der Versammlung behindert zu sein, in dem aber die volle Sympathie mit der Versammlung,-die der Wahrheit, dem Rechte und dem Frieden dienen wolle, zum Ausdruck gebracht wird." Tie „Kölnische Zeitung" vom 30. Juli 1929 schreibt: . . . „Zunächst ging Rabbiner Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) ausführlich aus die kriminelle und psychologische Seite der sogenannten Ritualmordprozesse der letzten sieben Jahrhunderte ein. Immer wieder hätten sich bei diesen Prozessen, die erst mit Beginn des 13. Jahrhunderts sestzustellen seien, dieselben Merkmale menschlicher Unvollkommenheit gezeigt: Der Hauptbelastungszeuge werde immer erst spät im Prozeßverlaus herbeigeschasst; die Zeugen bekunden Dinge, die sie nie gesehen hätten; in allen Prozessen würden seltsamerweise immer wieder dieselben Aussagen gemacht. Es bestehe eine ausfallende Aehnlichkeit der Ritualmordprozesse mit den Hexenprozessen, in denen Folter und Martern als Mittel' der Rechtsfindung ebenfalls die Hauptrolle gespielt hätten. Als anschauliches Beispiel dafür, wie leicht es sei, ganze Völker mit einer zweckbestimmten Psychose zu erfüllen, erwähnte Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) die dem deutschen Volk im Weltkrieg von gegnerischer Seite angedichteten Kriegsgreuel. Daraus beleuchtete Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln) das Thema eingehend in geschichtlicher und kultureller Beziehung... Die Bibel habe die gesittete Menschheit vom Wahn des Menschenopfers befreit, dadurch, daß ihr Gott der Gott der Kulturmenfchheit geworden sei. Daß die Beschuldigung des Ritualmordes auch noch im 20. Jahrhundert nicht verstummen wolle, sei eine Tragik des Weltgeschehens, der gegenüber jede Vernunft und Logik versage ... Das „Kölner Tageblatt" vom 30. Juli 1929: Eine eindrucksvolle Kundgebung gegen die nationalsozialistische Hetze. . . . „Was vom jüdischen Standpunkt aus zu der für das 20. Jahrhundert gewiß beschämenden Legende der Ritualmorde zu sagen ist, wurde gestern in zwei ausführlichen und tiefgehenden Referaten: „Der Ritualmord, historisch und rassisch begründet?" von den Rabbinern Dr. Rosenthal (Köln) und Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) dargelegt. Störungen der Versammlung von gegnerischer Seite wurden durch ein starkes Polizeiaufgebot verhindert." „Stadt-Anzeiger für Köln" vom 30.Juli 1929: „Die Apostelstraße bot aus Anlaß der Versammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schon von 8 Uhr abends an den Stempel des Ungewöhnlichen. Ein Mcnschenhause, der jeden Verkehr hemmte, bis die Polizei mit großem Aufgebot erschien und Lust schasste. Zweifellos waren Störungen in großem Ausmaß beabsichtigt; aber die Hüter der Ordnung waren auf dem Posten. Mehrmals schob die Schutzmannskette den Knäuel mit mehr oder weniger sanfter Gewalt auseinander. Einige Verhaftungen machten die Widerstrebensten unschädlich. Im großen Saal der Harmonie, der selten eine so stark besuchte Versammlung gesehen haben dürste — und offenbar höchstens zur Hälfte Juden! —, wirkten die blanken Tschakos der Schutzleute (im Saal, ans den beiden Seiten und auf der Galerie immer paarweise zusammen) überaus beruhigend, abkühlend, vorbeugend. Zwar beherrschte eine starke Spannung die Massen. Unwillkürlich drehten sich die Köpfe nach hinten, wenn von der Straße durch die geöffneten Fenster Geschrei und Gejohle hereindrang. Aber es blieb ruhig. Der nüchtern sachliche Hinweis des Versammlungsleiters, daß er bei jeder beabsichtigten Störung von seinem Hausrecht Gebrauch machen werde, erfüllte seinen Zweck. Gelegentlich während der nachfolgenden Reden ein paar unwillige Zwischenrufe, die in dem Massenchor der Antworten schier verschwanden — sonst nichts." „Rheinische Zeitung" vom 30. Juli 1929: „Die ,blutd ürste nd en* Semiten. Kein Unsinn ist so absurd, daß er nicht geglaubt würde — in Köln nämlich. . . . Sie war ein Akt der Notwehr, diese Riesenversammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, geboren aus der Notwendigkeit, der blödesten aller Schimpfereien und Hetzereien, mit denen eine verleumderische Hetzpresse die jüdischen Staatsbürger und ihre Religion in der letzten Zeit überschüttet, ein Ende zu machen., „Ist der Ritualmord historisch und rassisch begründet?" Ein Thema, das im Köln der jüngsten Zeit besondere Bedeutung durch den Gotteslästerungsprozeß gegen den fanatischsten aller Judenhasser, den' völkischen „Chemiker" Dr. Ley, gewonnen hat, ist Inhalt und Basis der Debatte, die sich in der Massenversammlung ausklärend auswirken soll." Das Gesundheits* ^2222^* wasser! Fachinger Yersandstelle, Berlin SW 11, ScFöneberger Strasse 16 a. Telefon: Liitzow 8260161. Jüdische Tempel in China. Von Dr. A. S. Frischarrer (Wien). Einem christlichen Missionar, der im achtzehnten Jahrhundert nach Kaisangfu in China kam, ist die Erhaltung der Kenntnis um das jüdische Gotteshaus im fernen mongolischen Osten ZU verdanken. Der Pater hat die Gebäude des geheiligten jüdischen Bezirkes im Orte Kaisangfu geschildert, und Zeichnungen halten die Erinnerung an diesen östlichen Vorposten des Judentums wach. Die Revolution des Jahres 1853 hat das israelitische Kulthaus zerstört und die Gemeinde dezimiert. Die jüdische Kolonie, die ein Jahrtausend oder noch länger in China existiert hatte, begann im neunzehnten Jahrhundert, dessen revolutionierendem Ausklärungsgeist auch die chinesische Mauer des ewigen Reiches der Mitte nicht standhalten konnte, sich in Mischehen aufzulösen und mit Verlust überlieferter hebräischer Schriftgclehrsamkeit ihr Sonderwesen zu verlieren. Es steht nicht eindeutig fest, wann zum erstenmal jüdische Einwanderer nach China kamen. Man weiß nicht mit Bestimmtheit, ob cs schon zur Zeit des Jahrhunderts geschah, als der Perser Nebukadnezar die Israeliten besiegte und in babylonische Gefangenschaft führte, oder erst nach dem Katastrophenjahr 73 nach Christi Geburt, nachdem der römische Kaiser Titus zum Zeichendes Verschwindens selbständiger jüdischer Staatsgewalt den Tempel in Jerusalem zerstörte. Mit nachweisbarer Gewißheit hat die Diaspora die heimatlos gewordenen Juden im neunten Jahrhundert über Persien nach Osten geführt. In dieser Zeit hat es Ueberkieferungen gemäß in China Synagogen gegeben, und die Herrscher der mächtigen Tang-Dynastie räumten ihren israelischen Untertanen sogar das Recht eigener Gerichtsbarkeit ein. Aus Kosten der Regierung beginnt im Jahre 1163 der Bau eines jüdischen Gotteshauses in Kai san gs u. Eine erhaltene Steintasel vermerkt die Errichtung dieses Baues und seine Vergrößerungen und Umbauten in den folgenden Jahrhunderten. Die steinerne Chronik stammt aus dem Jahre 1489 und stellt auch den Zuzug von siebzig jüdischen Familien aus dem Westen um die Mitte des zwölften Jahrhunderts fest, sowie ihren Tribut an den chinesischen Hos in Form von Baumwollzeug. Ter Ueberlieserung zufolge entsprach der Bau der jüdischen Synagoge in Kaisangfu chinesischer Baustile. Vier kleine Pavillons schlossen sich zum Tempelbezirk zusammen. Die einzelnen Bauten waren durch Höfe voneinander getrennt und gleichmäßig nach Westen, in die Richtung nach Jerusalem orientiert. Eine Ehrenpforte chinesischen Stils geleitete den Besucher zum ersten Hos, daran grenzte das Badhaus (zur Reinigung vor dem Eintritt in das Gotteshaus), dann folgte das Aufsehergebäude mit Pagodendach und eine Kapelle für Wohltäter. Erst der vierte Hof barg den eigentlichen Tempel, eine Halle, die von Nur Simson-Supra! ■12|60 PS. Für Reise, fjor Hfillforho U/onon I 2 > 4- und 6$itzig, Sport und Beruf. UCl UtHliatillC ff ayuiü offen u. geschlossen. 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