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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-16 · 33 (16.8.1929) · p. Seite 435

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
Seite 435 (sequence 7)
Language
German
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435 mortungsbewußter Politiker wie Lerter beschwichtigt und nimmt eher Unpopularttät in Kauf als eine Trübung der politischen Beziehungen zur Mandatarmacht. Deshalb kann er auch die Klagen über die mangelnde Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei Re-- qierungsausträgen nicht voll beschwichtigen. England richtet sich nach dem Grundsatz des billigsten Angebots und es denkt nicht daran, den aus europäischen Verhältnissen stammenden teuereren jüdischen Arbeiter aus ideellen Gründen dem billigen, asiatisch-anspruchslosen Araber vorzuziehen. Nach langen Mühen ist es gelungen, wenigstens in beschränktem Maße Die französische Rammer gegen öen Ulasienhaß. Tie französische Kammer hat, wie wir einem Aussätze im „Tagebuch" vom 3. August entnehmen, die nachfolgende Resolution angenommen: „Die Kammer, getreu den unsterblichen Prinzipien, die die Erklärung der Menschennnd Bürgerrechte inspiriert haben, verwirft und verurteilt alle konfessionellen, Nassen- und Kastenvorteile, anerkennt und proklamiert die völlige Gleichheit aller Menschen, ohne Unterschied der Abstammung und Farbe vor den Gesetzen «nd ihr Anrecht ans den Schutz dieser Gesetze. Sie rechnet darauf, daß die Negierung die Achtung vor den Gesetzen erzwingt und mit der nötigen Entschlossenheit alle Verletzungen des Gesetzes ahndet, die auf nationalem Gebiet begangen werden, einerlei, wer die Täter und wer die Opfer sind." Tiefe unzweideutige Erklärung verdient der deutschen Oefsentlichkeit in möglichst weitem Umfange bekanntgegeben Zu werden. jbon der Negierung die Anerkennung zu erreichen, daß'sie verpflichtet sei, „jüdische Arbeit bei öffentlichen Arbeiten unter für Juden erträglichen Bedingungen zu verwenden", (llebrigens mußte sich auch ein Delegierterden ^Vorwurf gefallen lassen, daß er aus seinem Boden nur arabische Arbeiter beschäftigt.) j Auch die Kolonisation wird nicht im Eiltempo gefördert werden. Man muß froh sein, Ifo bekennt Sacher nüchtern, wenn man die Siedlungen fertigstellen kann. „Aus dem Gebiet der Kolonisation halte die! Palästina-Exekutive die schwere Bürde einer verfahrenen Situation zu tragen. Man muß verstehen, daß eine Politik der Gründung zahlreicher Siedlungen, deren Fertigstellung sich dann über eine Reihe von Jahren ausdehnt, die Kolonisten Zu Leiden und die Zionistische Organisation zu finanziellen Verlusten verurteilt." Ebenso heiß umstritten wie diese Fragen der Wirtschaft ist das Schulwesen; es wird :>on dem einzigen weiblichen Mitglied der Exekutive, M i s s S z o Id, einer bewundernswerten siebenundsechzigjährigen Dame, zielbewußt verwaltet; sie betreut auch die Aufgaben eines ^Wohlfahrtsministers", der für bevölkerungspolitische und hygienische Maßnahmen IlKrankenhausneubauten) mit großer Sachkenntnis sorgt. Malaria und Tuberkulose, "euoemische Augenkrankheiten, ja eine Typhusepdemie in Liberias machen ihrem Ressort Mel zu schassen. Finden auch ihre sanitären Pläne volle Anerkennung, so stößt doch ihre Schulpolitik auf Widerspruch bei dem Misrachi. Ihm geht es uin die Wahrung der orthodoxen Tradition in den Schulen, um die Erhaltung und Vermehrung traditionell-religiöser schulen; er hat ein Schnlmonopol, das nach . Ansicht der Exekutive die verwaltungsmäßige Einheit des Schulwesens beeinträchtigt. Der Misrachi beklagt sich über zu geringe Toleranz gegenüber seinen Schulen; er deutet an, daß Intoleranz die einzig religiöse Partei durch die zionistischen vertreiben könnte. §ür und rviöer Sie hebräische Sprache. Auch in den Fragen der allgemeinen Kulturarbeit teilt der misrachistische Flügel nicht den Standpunkt des offiziellen Zionismus. Der polnische Abgeordnete G r ü n b a u nt sieht ebenso wie Jabotinskh den Hanptsaktor jüdischer Kulturarbeit in der Pflege der hebräischen Sprache überall dort, wo Juden leben. „Man muh hebräisch nicht nur im Haus, sondern auch auf der Straße sprechen." Ein besonderer Fonds für Hebräisierung des Galuth soll „die Nenaissanee hebräischer Kultur" sichern. Und er klagt über die Gleichgültigkeit der Zionisten, die keine Mittel für diese Aufgabe übrig haben. „Die neuen Sprachen und Kulturen fassen .immer mehr Boden unter uns, die Juden passen sich immer mehr an und werden auch der Palüstinasprache entfremdet." Ein wesentliches Eingeständnis, wesentlich, weil es aus dem Munde eines radikalen Zionisten kommt, der die Verhältnisse des Polnischen Ostens und der Randstaatengebiete als Polnischer Abgeordneter wohl gut kennt. Es ist, selbst für die Kreise, die nicht in emanzipationsbereiten Ländern leben, schwer, eine tote Sprache zur Umgangssprache zu machen und die gewohnten Laute zu verdrängen. Und auch der Nationalist Jabotinskh verkennt nicht, daß „viele junge Frauen ihrer Seele einen Zwang antun, wenn sie mit ihrem Kind hebräisch sprechen; denn hebräisch ist nicht die Sprache ihres Gefühls". Und trotzdem verlangt er das Opfer und glaubt damit die wesentlichste Voraussetzung für das Leben einer neuen jüdischen Kultur zu schassen. Er muß sich von dem deutschen Misrachisten Dr.Wolfsberg sagen lassen, daß „Sprache" noch nicht das Wesen einer Kultur ausmacht. „Sprache" sei selbstverständliche Voraussetzung der Wiedergeburt, nicht Inhalt einer neuen Kultur. Einen Knlturinhalt schaffe nach Meinung des Misrachi allein die Tradition. „Sie ist ein Weg zur Repatriierung und die Repatriierung ein Weg zur Tradition." Denkt man an die starke areligiöse Arbeiterbewegung und an die Schicht von Zionisten, die zum Nationaljudentum gekommen sind, weil ihnen Religion nicht mehr Inhalt ihres Judentums war und ihnen auch nicht den Fortbestand des Judentums zu sichern geeignet schien, so wird man die Schwierigkeiten, eine jüdische Kultureinheit zu schassen, ermessen können. Die Verfassung der Jewish .Agency wurde nach langen Kämpfen mit großer Mehrheit .■jK-Sfldb —Schweif Moderne physikalisch-diätetische Kuranstalt u. Erholungsheim. Nähe Strandbad. Arzt. Deutsches Haus, das ganze J ahr "besucht Pension von M. 8 — an. Prospekt. gegen die Stimmen der Radikalen irnd Revisionisten angenommen. Man hält dieses Ereignis für den bedeutendsten Vorgang im Zionismus seit Schaffung des Basler Programms. Müßig, darüber zu rechten, ob der Verzicht auf den Ausbau Palästinas allein durch Zionisten eine Niederlage des Zionismus ist oder ein Sieg, weil er auch Nichtzionisten für die Mitarbeit gewonnen hat. In der Praxis wird die Jewish Agency sich zu bewähren haben, ehe man urteilt, und man wird insbesondere abwarten müssen, ob es den nichtzionistischen Vertretern gelingt, nationalistische Experimente zugunsten sachlicher Kolonisationsarbeit zu verhindern. Die Wahl öer Exekutive. Der Kongreß fand nach zweimaliger Verlängerung am Sonntag mit der Wahl der Exekutive sein Ende. Bei der Zusammensetzung der Exekutive sind die Wünsche aller Parteien berücksichtigt und die neue zionistische Leitung wesentlich vergrößert worden. Sie besteht aus folgenden Persönlichkeiten; Dr. W e i z m a n n (Präsident der Zionistischen Organisation), Nahum S o k o l o w (Präsident der Zionistischen Exekutive), Lazarus Barth und Rabbi M e i r, Berlin (Vertreter der orthodoxen Misrachi), Kaplansky und Sprinzak (Vertreter der Arbeiterparteien), Professor Brodetzty (Leeds), Miß Henriette Szold, Louis Lipsky, Harry Sacher, Felix Rosenblüth, Dr. Rupp i n. Dr. Hans Reichmann. Die Gründung öer Jewish Agency. A. W. Zürich, 13. August. Am Sonntag, den 11. August 1929, wurde in Zürich unter starken! Andrang des Publikums die J e w i s h Agency gegründet. Die erste Sitzung brachte im wesentlichen Begrüßungsreden hervorragender nichtzionistischer Mitglieder der Agency aus den verschiedenen Ländern. Hervorzuheben sind nach einer Eröffnungsrede Professor Weizmanns, der die Verhandlungen leitete, die Reden von Louis Marshall und Felix M. Marburg (Amerika), 8ir Herbert Samuel-unb Lord Melchett (England), Direktor Oskar * Wasserma n n und Professor Albert Einstei n(Deutschland), wie des Abgeordneten Leon B l u m (Frankreich). Am zweiten Sitzungstage (Dienstag) skizzierte Professor W e i z m a n n grundlegend die Ausgaben der Agency. Eine umfassende Generaldebatte über diesen entscheidenden Punkte knüpfte sich daran. Auf die wesentlichen Fragen werden wir in einem besonderen Aufsatz später eingehen. N£UE WANDERER-WERKE A.-6. SCHOHW; SCHÖNAU b. CHEMNITZ

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