Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1929-08-16 · 33 (16.8.1929) · p. Seite 434

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277833-2277866--05434-2286172
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

434 schriftlichen Leistungen lag es gewiß nicht, und die wahren Gründe hat er selber mit einem treffenden Scherze gekennzeichnet. Eines Tages verbreitete sich das Gerücht, er sei Professor geworden. Als er davon hörte, sagte er: „Tie Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" Kruses Buch ist ein beschämender Beweis dafür, daß in manchen völkischen Kreisen die Wissenschaft sich ohne jedes Bedenken der unsinnigsten Methoden und der Form skrupelloser Beschimpfung bedient, sobald es sich um die Juden handelt. Ein Verdienst könnte es freilich haben. Es sollte einem großen Kreise wahrer deutscher Wissenschaftler, der heute den Dingen ruhig duldend znschant, die Augen dafür öffnen, daß solche Vermischung von objektiv sein wollender Forschung und haßerfüllter Politik dem deutschen Ansehen in der Welt nur schadet. Hub wenn es darüber hinaus auch dazu führte, daß die Leipziger medizinische Fakultät sich bei der Zulassung jüdischer Privatdozenten lediglich von wissenschaftlichen Motiven leiten ließe, so hätte es sich als Kraft erwiesen, die zwar das Böse Null, doch das Gute schasst. Dr. Felix Goldmaim (Leipzig). Msklang -es 1ö. Zionistenkongrestes. Sonder bericht für die „C. V. - Z e i t u n 9". Der Störenfrieö der Römgsberger <C. v. - Versammlung verurteilt. Wie wir in Nummer 9 der „C. V.-Zeitung" vom 1. März d. I. berichteten, hatten Nationalsozialisten eine Königsberger Versammlung des Centralvereins, bei der der Syndikus unseres Landesverbandes Groß-Berlin, Artur Schweriner, über das Thema „Ter Nationalsozialismus eine Gefahr für Ostpreußen" sprach, durch Tumulte zu sprengen versucht. Wegen dieser Vorgänge hatte sich der nationalsozialistische Handlungsgehilfe Ernst T u - l o d z i e c k i wegen Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor dem Königsberger Schöffengericht zu verantworten. Wie die Verhandlung ergab, ist der Angeklagte wiederholt wegen Eigentumsvergehen, darunter einmal wegen schweren Diebstahls, vorbestraft. Nach eingehender Beweisaufnahme, in der auch der Vorsitzende unserer Ortsgruppe Königsberg, Sanitütsrat Tr. Pollnow, und der Syndikus unseres Landesverbandes Ostpreußen, Kurt Sabatzki, der als Versammlungseinberufer auch zugleich als Nebenkläger Zugelassen war, als Zeugen vernommen wurden, hielt das Gericht den Angeklagten des Hausfriedensbruches und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt für überführt. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 50 Mark für jedes dieser Delikte, im Unvermögenssalle zu einer Gefängnisstrafe von 20 Tagen. Bei der Strafzumessung berücksichtigte das Gericht als mildernden Umstand, daß sich der Angeklagte in starker Erregung befunden habe. BflDREMHALL das landschaftlich schönste Heilbad in den bayerischen Hochaipen für KATARRHE der oirmn lull». BRONCHITIS, ASTHMA. EHPHySEH, Herz-, Kinder- und Frauenleiden. Grösste Anlegen der Welt für pneumatische Kammern und Inhalationen, stärkste Solequellen des Kontinents. Trinkkur (Kaiser-Karl-Quelle), — Terrainkur, Moorbäder. — Dahreskurbetrieb. Hauptkurzeit: April bis Oktober. Seilschwebebahn auf den 1SOO m hohen Predigtstuhi mit berghotel. Werbeschrift und, Auskunft durch den Kurverein. Zürich, 12. August. »Zionismus" oder „jüöisther Nationalismus". In dem Bericht über den Zionistenkongreß vom 5. August wurde Martin Bubers Rede erwähnt, der warnend aus gewisse Auswüchse des jüdischen Nationalismus himvies. Buber führte u. a. aus: „Es gibt in bezug aus das nationale Problem und die nationale Wirklichkeit nicht etwa zwei Grundanschauungen, wie wir gewöhnlich sagen, sondern drei. Die eine Grundanschauung, die der sogenannten Nichizionisten, meint: Israel ist weniger als eine Nation im modernen Sinn. Die zweite Anschauung meint, Israel sei identisch mit einer Nation, und die dritte sagt: Israel ist mehr als eine Nation, d. h. die nationalen Merkmale im Sinne des modernen Völkerbegrisss gehen wohl auch in die Wirklichkeit Israels ein, aber sie erschöpfen diese nicht. Israel ist ein einzigartiges Gebilde, das wohl den Charakter einer Nation im modernen Sinne einschließt, aber dadurch nicht begriffen wird, vielmehr ein eigenes Gesetz in sich trägt. Zwischen denen, welche der zweiten, und denen, welche der dritten Anschauung sind, gibt es nun schon einen langen geistigen Kaimis. Aber es ist ein Kamps, der bisher ohne Konsrguenzen für den Zionismus war. Nunmehr aber, in dieser neuen Situation, hängt von dem weiteren Gang und von dem Ausgang dieses Kampfes das Schicksal des Zionismus ab. Zionismus ist etwas anderes als jüdischer Nationalismus. Mit großem Recht heißen wir Zionisten und nicht jüdische Nationalisten. Zionismus ist Bekenntnis zn einer Einzigkeit. „Zion" ist^ kein Gatümgsbegriff wie „Nation" oder „LtaatZ sondern ein Name, die Bezeichnung sür etwas Einzigartiges und Unvergleichliches. Es ist auch keine bloße geographische Bezeichnung wie Kanaan oder Palästina, sondern es ist von jeher ein Name sür etwas, was an einem geographisch bestimmten Orte des Planeten w e r d en soll. Was einst werden ^sollte und was immer noch werden soll: in der spräche der Bibel — die Stadt des Königtums Gottes über alles Menschenvolk. Wer sich in Wahrheit zu Zion bekennnt, bekennt sich wohl zu einer nationalen Tatsache, aber mehr noch als dieses: zu einer übernationalen Ausgabe. Es ist das Lebensgesetz Israels, das wir aus jeder Seite ^unserer Geschichte ablesen können: sür Israel ist Selbstbehauptung zu wenig. Die Parole des Saero Egoismo, die vom modernen Nationalismus ausgegeben worden isk,^ gilt sür uns nicht. Gewiß tut die gesunde Selbstliebe einer Gruppe ebenso not wie dem einzelnen. Aber diese s e l b st l i e b e darf nicht wie bei den ineisten modernen nationalen Bewegungen in Selbstsucht der Gruppe ausarten. Gleichviel wie der Weg der anderen ist: sür uns gilt nicht bloß ideologisch, nicht bloß auf der moralischen Ebene, sondern ans der Ebene des Lebens, der Wirklichkeit jeder Stunde: w e n n w 11 u i ch t mehr als das Leben wollen, ge w i n - n e n w i r a u ch d a s L e b e n n i ch t. Wenn Sie mich fragen, wie steht es mit den anderen, so will ich jetzt nicht darüber reden, aber eine Hoffnung ausdrücken: der kommende Nationalismus wird, hoffe ich,, anders anssehen als der gegenwärtige. Es dämmert ein Nationalismus auf, für den Nationalismus nicht Ziel, sondern Voraussetzung ist. And es ist die Hoffnung meines Herzens, als Zionist, daß der wahre Zionismus deA Vortrupp, der Pionier, der Ehaluz dieses neuen Nationalismus ist. Es gibt eine richtige und eine falsche Auffassung der Mission. Wir haben nicht den Gedanken unserer Berufung aufgegeben, sondern nur haben ihn geläutert. Wir haben erkannt, daß wir die nationale Konsolidierung vollziehen müssen um einer übernationalen Ausgabe willen. Aber hüten wir uns, diese Ausgabe als eine Idee über dem Leben zu errichten und Zu ihr verehrend aufzuschauen. Diese Ausgabe wird Zur Lüge, wenn sie zn einem unverbindlichen Prinzip über dem Leben wird, das begeisternd und beruhigend zugleich wirkt. Diese Ausgabe muß beuuruhigend, ausrührend sein und sst muß sich im Volksleben und der Volksarbeit stunde um Stunde manifestieren." Mit dieser wertvollen Rede werden wir uns gelegentlich noch auseinanderzu setzen haben. Rdttf am Palästina-flufbau. Die Debatte nimmt dann ihren Fortgang. Um die wirtschaftlichen Einzelfragen des Palästina-Ausbaus und um die Gestaltung des Budgets kämpfen besonders scharf die Delegierten aus Palästina. Das ist verständlich: für sie sind diese Probleme Lebensfragen, deren Lösung das wirtschaftliche Interesse jedes einzelnen Siedlers berührt, während sür die meisten „Galuth"-Vertreter Einzelheiten der Palästina-Arbeit nur platonische Bedeutung haben. Deshalb ringen die Delegierten aus Palästina um jeden Posten des Haushaltsplans, und sie verstehen in praktischer Kleinarbeit wohl kaum die Klagen, vornehmlich der deutschen Zionisten, die auf diesem Kongreß ideologische Betrachtungen vermißten. Die Kritik der Arbeiter und Siedler gilt in erster Linie dem Mann, der besonders sür die Gestaltung der wirtschaftlichen und politischen Arbeit in Palästina in den letzten zwei Jahren verantwortlich war: Henry Sacher. Ihm, dem erfahrenen englischen Politiker, ist die langsame Konsolidierung der palästinensischen Verhältnisse zu danken. Statt planloser Einwanderung: RückWanderung und scharfe Kontingentierung der Neueimvanderuug, statt planloser Kreditgewährung: das Veto der Exekutive gegen unwirtschaftliche Pläne des Jüdischen Nationalsonds, statt eines aufgeblähten Beamtenapparats: Abbau, statt der Fanfaren in palästinensischen Volksversammlungen : reservierte Zurückhaltung — das macht einen „Minister" nicht gerade volkstümlich. Obwohl er von winer langsamen Sanierung der ungesunden Verhältnisse Tel-Avivs, von einer erfolgreichen Ausgleichspolitik zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, von einer Revision des Zolltarifs, der die palästinensische Industrie und ihre Entwicklung schützt, von einer Behebung der Arbeitslosigkeit berichten kann, liebt man seine Energie nicht; sie hat allzu viele Nutznießer der Planlosigkeit,' die fast zum Zusammenbruch des Aufbauwerks geführt hätte, wirtschaftlich schwer getroffen. Auch gegen die Mandatsregierung Englands hätte mancher Heißsporn gern einen Sturmlans gewünscht. Aber ein verant-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.