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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-16 · 33 (16.8.1929) · p. Seite 436

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
Seite 436 (sequence 8)
Language
German
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436 von den spanischen Juden. Sanatorium Rebhad Die wertvolle Forschungsarbeit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Die jüdische Geschichtswissenschaft befindet sich in einer keineswegs beneidenswerten Lage. Für eine freie und unabhängige Forschuugstätigkeit, die ihren Arbeitsplan aus längere Sicht einrichten könnte, fehlen Zumeist die Materiellen Voraussetzungen. So dankenswert die Leistungen der „Außenseiter" — in der Regel jüdischer Theologen, die sich in das Gebiet der Historie begaben — auch sein mögen, sie ersehen doch nicht die planmäßige Berufsarbeit von Historikern, denen die Fürsorge des Staates Existenz verschafft. Uw so mehr haben wir Grund, auf die wenigen historischen Forschungsstellen, die es in unserer Gemeinschaft gibt, unser Allgenmerk zu lenken. Neben, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums verdient in erster Linie die historische Tätigkeit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums weitgehende Beachtung. In ihrem ausgedehnten Arbeitsprogramm ist eine historische Sektion eingegliedert, die an Zwei bedeutsamen Knotenpunkten der jüdischen Geschichte den Spaten angesetzt hat. Die Erkenntnis der Judenemanzipation hat S e l m a Stern durch ihr großes Buch „Der Preußische Staat u n ddie Jude n" wesentlich gefördert. Einer hervorragenden historischen Epoche des jüdischen Mittelalters ist die andere monumentale Verössentlichung der Akademie gewidmet: das von Dr. Fritz B a e r bearbeitete Werk „D i e I u den i m christlichen Spanien" *). Das Werk Dr. V a e r s ist gleich dem Werke Selma Sterns gegliedert. Eine weitschichtige Ilrkundensammlimg belegt die anschließende Darstellung nach allen Seiten hin. Baer sendet feiner Darstellung zwei Bände Urkunden und Regesten voraus, von denen zunächst der erste kürzlich erschienen ist. Der weit über tausend Seiten umfassende und daher etwas unhandliche Band enthält die llrkunden und Regesten, die sich auf die Landschaften Aragonien und Navarra beziehen. Der Zweite, abschließende Mtenband, zu dessen Bearbeitung sich Dr. Vaer nochmals nach Spanien begeben hat, wird die Landschaft Kastilien archivalisch erschöpfen. Fas breitangelegte Werk ist Heinrich Finke und Eugen Täubler „in Dankbarkeit und Verehrung" gewidmet. Diese Zueignung besagt viel, wenn man die Wege zurückverfolgt, die Baer zu seinem Thema führten. Heinrich Finke, der deutsche Erforscher der spanischen Geschichte, der in seinen Acia Aragonensia ein mustergültiges Ouellenwerk geschaffen hat, machte im Jahre 1910 dem jungen Freiburger Studenten den Vorschlag, die berühmte Disputation von Tortosa zum Gegenstand seiner Dissertation zu nehmen. Baer fühlte sich damals der schwierigen Ausgabe noch nicht gewachsen, jedoch die Anregung des großen Gelehrten haftete, und drei Jahre spater lagen seine Studien zur Geschichte der Juden in Aragonien vor. Als nun im Jahre 1919 Eugen Täubler das Forschungsprogramm der Akademie festsetzte, hielt er eine wissenschaftliche Durchforschung der Geschichte der Juden in den christlichen Teilen des mittelalterlichen Spaniens für eine der notwendigsten Aufgaben. Baer wurde mit der Aufgabe betraut und begab sich 1921 an die Arbeit. Anfangs plante er lediglich eine kritische Darstellung der wichtigsten Probleme, die sich nur auf das bereits gedruckte Material stützen sollte. Jedoch im Verfolg seiner Studien erfuhr der ursprüngliche Plan eine mächtige Erweiterung. Auf mehreren Forschungsreisen in Spanien konnte Baer aus den dortigen Archiven ein umfangreiches neues Urkundenmaterial Zusammentragen, von dem er einen Teil in dem vorliegenden Bande veröffentlicht hat. So wird er seine spätere Darstellung aus einer quellenmäßigen Grundlage aufrichten können, wie sie einem deutschen Historiker heutzutage nur in seltenen, besonders günstigen .Fällen zur Verfügung steht. Die Anlage und methodische Durchführung des vorliegenden Dokumentenbandes entspricht der Gewohnheit kritischer Akten editionen. Die vorläufige Ausbeute der archivalischen Forschungen hat einen Grundstock von weit mehr als sechshundert Originalurkunden ergeben, die in verschwenderischer Fülle abgedruckt und fast durchweg mit Kommentar und Regesten versehen sind. Zwei Beilagen, die auf spezielle Probleme entgehen, sowie Bibliographie und ein sorgfältig angelegtes Register runden die .Quellenpublikation ab. Baer, der bei seiner Arbeit übrigens durch einen spanischen Gelehrten unterstützt wurde, ist bei der Auswahl der Quellenstücke bemüht gewesen, ein objektives und möglichst einheitliches Gesamtbild der historischen Entwicklung darzubieten. Er hat sowohl aus die persönlichen Beziehungen, die zwischen den Landessürsterl und einzelnen Juden bestanden, als auch auf die allgemeinen wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse geachtet. Zwei Gesichtspunkte haben seine Stoffauswahl bestimmt. Es kam ihm einmal auf die Sammlung der großen Privilegien der jüdischen Gemeinden, sodann aber auf die Erfassung des gesamten Gebietes der jüdischen Kultur an. Auf diese Weise erhalten wir sowohl in rechts- und versassungsgefchlchtlicher als auch in kulturgeschichtlicher Hinsicht ein ganz neuartiges Panvranra der spanischen Judenheit des hohen Mittelalters. Dies ist um so überraschender, als eine der wichtigsten Quellen, die Archive der jüdischen Gemeinden und Privatpersonen, für immer verschüttet ist. Erst wenn das große Werk, namentlich der darstellende Schlußband, vollendet ist, wird man das Gesamtergebnis überschauen können. Selbstverständlich bleibt es dann der zuständigen Fachkritik Vorbehalten, über die Anlage und den wissenschaftlichen Ertrag des Werkes das endgültige Urteil 31t sprechen. Baer Hai das Gesamtergebnis seiner Forschungen bereits angedeutet. - Während Graetz den Zeitabschnitt der spanisch-jüdischen Geschichte als eine Periode des Niedergangs kennzeichnete, ist Baer zu einer entgegengesetzten Anschauung gelangt. Aus Grunds seiner Erfahrung haben die Juden der Phrenäenhalbinse! eine sinnvolle kulturelle Einheit gebildet. Di-. Fritz Friedlaender. *) „Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums." Historische Sektion, IV. Band. Akademie--Verlag, Berlin, 1929. So Freiburg i. Brfür Innere, Nerven-und StoftwechselkrankA^ Pensionspreis einschliesslich laufender ärztlicher BÄ.m handlung ab 1h— _ 1929 vollständig renovie«^ |t>e: Leitender Arzt: Dr. X.. Mann. Prospekte. Run S. Schachnowitz: „Die MesfiasbrarMhe die Geschichte einer verlorenen Hos«m nnng." Historischer Roman nns de» in 17. Jahrhundert. Herrnon - Verla«!!! Frankfurt a. M., 1928. Das treffliche Buch empfiehlt sich selbst und enf hält viel mehr, als nach dem Titel zu erwarten iji Hat Max Br 0 d sich den David Reubn» flt zum Helden eines Renaissanceromans gewählt, » hat S. S ch a ch n 0 w i tz in S a b b a t a i Z e und der von ihm hervorgerusenen Bewegung de» Stoff für dichterische Gestaltung gefunden. Echo» früher l)at Sck)achnowitz erfolgreich aus dem Cebi« des historischen Romans gearbeitet. Sein neue» Buch ist das Ergebnis schwieriger und ernsthasle» Forschungen über Entstehung und Ausbreitung dl» Sabbatianismus. Wir freuen uns der kraftvolle!! Eigenart, mit der der Verfasser den an sic» schwierigen Stoff gemeistert und in dichterisch! Form gegossen hat. Das Buch bietet nicht ml eine Fülle geschichtlichen Stoffes, sondern auch Ctrl vortreffliche und zuverlässige Einführung in boj Geist und die Kultur des behandelten Zeit! abschnittes. S a b b a t a i erscheint in diese« Roman Zuerst als der begeisterte Schwärmer, desse» Selbstgefühl durch die von ihm ausgehend» fasZiniercnde Wirkung sich ins Unermeßlich» steigert, bis feine durch schlaue und betrügerisch» Sendboten genährte Eitelkeit ihn selbst ans di» Bahn des Betruges und ins Verderben führt. W» sich die Strahlen des Lebens auf mannigfach» Weise in den großen Persönlichkeiten jener Epocl» gebrochen, und in welcher Richtung die Problem» einer von Erlösungssehnsucht durch glühten Zei» nach Klärtlng gerungen haben, erfahren wir anl der meisterhaften Zeichnung eines Spinoza! Re mb ran dt, Ma nasse den Israeli u. a. Die Gefahr der Langeweile, die sich sonst teil der Lektüre historischer Romane leicht einzusteller! pflegt, hat der Verfasser mit klugem Sinn zu» bannen gewußt, indem er die Bilder und Gestalte!» einer an guten und bösen Instinkten.: reichen Ae« unter weiser Berücksichtigung der zeit- und stil» geschichtlichen Zusammenhänge zu neuem Leben er! stehen läßt. Wer sich vor der trockenen Darstellung eines Geschichtsbuches fürchtet, der nehme diesen» Historischen Roman von Schachnvwitz zur Hand» wo die große Masse des Stoffes in der Glut dich» terischen Nacherlebens und Einsühlens urnge-I schmolzen ist. Rabbiner Dr. Bchüftan (Erfurt). Ernst Zahn: „Die Tochter Dodais."» Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1928T Zahn hat seine Erzählung der biblischen Darstellung» entlehnt. Die Geschichte non König David und seinen« Söhnen Salomo, Absalon und Adonio ist unverändert» erhalten, und dichterisch die Person der Tochter» Dodais, Aöisag, in ihrer Liebe zu. Adonio geschildert! Worden. Dieser neue Roman des beliebten Schweizu! Dichters lenkt die Aufmerksamkeit auf bisher wenig! beachtete Stellen der Bibel. Jean Mchard Bloch: „Sirrrler & Co." Anna Westermayer: „Die Thesen Zur neuen Moralnnd Erziehungslehre." Paul Stangl, Verlag, München, 1927. Die Schrift versprich! viel, aber sie hält wenig. Die Verfasserin glaubt, den Ausweg aus den Nöten gefunden Zu haben. Was sie jedoch zu sagen hat, ist weder neu, noch trifft es den wesentlichen Punkt. In völlig unzulänglicher Weise wird eine Reihe von Philosophen lobend oder tadelnd abgeurteilt, wobei vor allem eine naive Auffassung der Knutschen Ethik zum Vorschein kommt. Die Verfasserin glaubt, eine Uebereinstlmmung zwischen der jüdischen Lehre und ihrer eigenen feststellen zu können, „die Juden seien aber durch Inzucht degeneriert". Notapsel-Berlag, Zürich, 1927. Der Roman stellt die Entwicklung einer vorn! Elsaß nach Frankreich eingewanderten jüdischen« - Familie dar. Zu seiner Empfehlung bemerkt kein»3 Geringerer als Romain Rolland in seiner« - Einleitung folgendes: V-j „In der ungeheuren ' Mehrheit zeichnen die«^ Romanschreiber mit der Federspitze. Sie ritzen nmkdie Oberhaut des Wirklichen. Sie erhaschen die« Natur bloß von einer iLeite her als ein Sichtbares,! als ein psychologisch Durchsichtiges, als ein Be-! wegtes oder ein Gefühlsmäßiges. Kaum einen« - kenne ich, der ein ganzes langes Werk hindurch f wie ein Athlet das Leben Brust an Brust um-! klammert hält und die ganze zur Beute erkorener «tto» ÜÜiii Saigs®5

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