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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-16 · 33 (16.8.1929) · p. Seite 430

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
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auf die Leistungen unserer Krieger ebenso stolz gewesen wie diese; wir haben Siegesfeiern veranstaltet wie sie; unsere Rabbiner haben den Segen des himmlischen Vaters auf die deutschen Waffen herabgefleht wie die christlichen Pfarrer und Pastoren. War das eine geistige Verwirrung, war es eine fluchwürdige Blasphemie, nun, so haben wir teil daran wie die anderen. In deutschen Lesebüchern stehen neben Kriegsgedichten von Christen auch solche von Juden — Hugo Z u ck e r m a n n, Walter H e y m a n n u. a. —, die zu den Perlen der neueren Lyrik gehören. Es soll auch in diesem Zusammenhang einmal daran erinnert werden, daß einer unserer bedeutendsten jüdischen Schriftsteller, dessen Antikriegsroman so viel Aufsehen gemacht hat, im Jahre 1914 eine Kriegsgreuelgeschichte aus Belgien geschrieben hat, die so blutrünstig war, daß sie selbst der deutschen Zensur auf die Nerven fiel. Wir sind also immer dabei gewesen, im Guten wie im Schlimmen. Wenn nun hinterher, nachdem die Sache schief gegangen ist, mancher jüdische Literat und Politiker jene Vorgänge und die dabei führend beteiligten Persönlichkeiten, oft auch die Erinnerung daran, mit der ätzenden Lauge ihres Sarkasmus übergießen oder nach der Parole „Immer feste druff!" die Peitsche ihrer Kritik darüber schwingen, so gehört dazu weder Mut, noch verrät ihr Gebaren Geschmack. Was es aber verrät, das ist ein auffallender Mangel an Objektivität, eine aufreizende Rücksichtslosigkeit gegen berechtigte Empfindungen und — eine verhängnisvolle Unkenntnis der deutschen Psyche. Sie wissen auch gar nicht, daß sie deutsche Geschichte und Literatur in derselben Manier behandeln, wie die Völkischen Bibelkritik und jüdische Geschichte treiben. Mit solchen Methoden festigt man auch nicht die Republik und die Demokratie. Man gewinnt damit bestenfalls den jubelnden Beifall der ebenso verblendeten Zunftgenossen, treibt dagegen so manchen, der unserer Sache gar nicht feindselig gegenübersteht, allein schon durch den Ton ins gegnerische Lager. Das ist dann der sogenannte „jüdische Geist", der in Wirklichkeit nur der Geist einer Handvoll Schreier ist und der nur so lange als „jüdisch" charakterisiert werden kann, als wir Juden selber ihn uns widerspruchslos gefallen lassen. II. Der Jude auf der Bühne ist uns schon immer ein beliebtes Objekt der literarischästhetischen und psychologischen Betrachtung gewesen; die Juden im Parkett sind aber auch des Ansehens wert. Im allgemeinen stehen wir dem jüdischen Sujet auf den Brettern sehr kritisch gegenüber. Dabei sind es nicht in erster Linie künstlerische Gesichtspunkte, die unsere Einstellung bestimmen, sondern sachliche: wir verlangen vom Autor Objektivität Juden und jüdischen Dingen gegenüber. Wir lassen es uns nicht gefallen, daß er uns und unsere Welt zur Karikatur verzerrt; geschieht es trotzdem, so setzen wir uns energisch zur Wehr. Und nicht mit Unrecht! Es ist hier nicht die Frage zu entscheiden, inwieweit der Künstler ein Recht zur freien Gestaltung seiner Motive hat. Der moderne Bühnenschriftsteller — Bühnendichter wäre wohl zuviel gesagt — ist — von wenigen Ausnahmen abgesehen — Lende n z schriftsteller, der in der Wahl seiner Motive wie in deren Behandlung sich weniger von künstlerischen Absichten als von der Wirkung auf das Publikum leiten läßt, und wie die Leute vom Bau behaupten, spielt dabei auch der Einfluß der Theaterleiter eine gewichtige Rolle. Kein Mensch aber und keine Gemeinschaft braucht sich oder eine Institution als Freiwild behandeln zu lassen, zur größeren Gaudi eines sensationshungrigen Publikums oder zur Rettung eines dem Zusammenbruch geweihten Theaterdirektors. So reizbar wir Juden nun in solchen Dingen find, so bewundernswert ist dagegen recht oft unsere Vorurteilslosigkeit, wenn die kitzligen Angelegenheiten anderer Leute dort oben zur Diskussion stehen. Die Szene braucht übrigens nicht immer die Bühne zu sein; sie kann nach Bedarf auch in die Gemäldegalerie oder in die graphische Ausstellung verlegt werden. In den Problemen, die hier abgehandelt werden, ist der objektive Verstand durchaus nicht immer der oberste Schiedsrichter; wenn irgendwo, dann findet hier das subjektive Gefühl seine Zuständigkeit. Und noch eins mögen unsere Nur-Modernen begreifen: man dokumentiert seine Fortschrittlichkeit, seine innere Freiheit noch lange nicht dadurch, daß man jedem modernen Popanz nachläuft, wie es anderseits noch lange kein Zeichen von Banausen- und Muckertum ist, wenn man so vielen sogenannten künstlerischen Erscheinungen unserer Zeit ablehnend gegenübersteht. III. Es sind gewiß immer nur einzelne, welche die von uns als Dissonanz empfundenen Töne angeben. Darum haben wir uns immer dagegen gewehrt, daß man die Ausschreitungen einzelner dem Judentum als Gesamtheit an die Rockschöße hänge. Wesentlich ist aber, wie sich die Gruppe zu den Tonangebenden verhält. Und da läßt es sich doch nicht leugnen, daß schon immer beachtliche Kreise der unsrigen einen bedauerlichen Mangel an Einsicht und Objektivität bekundet haben. Unser Großstadtjudentum, namentlich aber manche Kreise der Großstadt Berlin zeigen eine kritiklose Anerkennung der Leistungen jüdischer Persönlichkeiten, wenn sie es schon zu einen, Ruse gebracht haben. Diesen Snobismus finde! man allenthalben. Daß er sich auch bei uns in einem gewissen Umfange zeigt, macht die Sache nicht besser. In der Kleinstadt und aus dem Lande hoi man ein viel feineres Empfinden für die Schwingungen der nichtjüdischen Seele. Vielleicht, weil dort die Isolierung noch nicht so weit vorgeschritten ist wie in der Großstadt, und weil man sich dort mehr aus seinen Instinkt verläßt. Es ist darum kein Zufall, daß sich Kritikei, jüdischen Wesens ausschließlich gegen großstädtische, sagen wir es gerade heraus, gegen Berliner Erscheinungen und Zustände richten. Daß wir diese Gefahr erkennen, genügt nicht Wir müssen den Mut haben, einen unleugbaren Mißstand offen aufzudecken, vor allem aber unseren v e r b l e n d e t e n M a s s e n die Augen zu öffnen. Nicht nur Wohltätigkeit beginnt im eigenen Hause, auch die Reinigung einer vergifteten Atmosphäre, wenn die Schwaden das Haus so vergast haben, daß sie den Blick für die Umwelt trüben. Will man ernstlich die Volksgemeinschaft, dann muß der Abbau der störenden Hindernisse, der Ausbau einer neuen Geistigkeit von allen Seiten der Gutwilligen erfolgen. Predigen wir also nicht den anderen, was sie zu tun haben, richten wir einmal den Blick auf die eigenen Zustände. Wir werden da Arbeit genug finden, und wenn wir diese Arbeit mit dem gehörigen Ernst und Nachdruck anfassen, dann dürften die Auswirkungen dieser Jnnenarbeit auch nach außen hin den Erfolg zeitigen, den die unmittelbare Außenarbeit leider oft vermissen läßt. I»! BMiffllllfMMMMBMBBflBBWBBMMMKJtMBMäBftMBii r h> sc 6 ö a b 6 r i i i Sport am verfassungstag. Das Sportfest -es hakoah. Etwa 6000 Zuschauer folgten mit Aufmerksamkeit den festlichen und sportlichen Veranstaltungen, die sich im Poststadion am Nachmittag des Verfassungstages abwickelten. Die Jüdische Gemeinde Berlin hatte, wie wir bereits meldeten, das Protektorat über das internationale jüdische Sportfest übernommen, das sich zwischen Hakoah, Wien, H a g i b b o r, Prag, Var K o ch b a, Berlin, sowie zum Schluß als Fußballkampf zwischen M a k k a b i, Paris, und H a k o a h , Berlin, abspielte. Nach dem Aufmarsch sämtlicher Teilnehmer würdigte namens der Reichs- und Staatsbehörden sowie der Stadt Berlin Ministerialrat Dr. M a l l w i tz die Bedeutung der Reichsverfassung, erklärte, er fühle sich unter den ausgezeichneten jüdischen Sportlern wohl, und schloß mit einem Hoch auf die deutsche Re p u - b l i k, in das alle Anwesenden einstimmten, woraufhin das Deutschlandlied von der mehrtausendköpsigen Menge stehend gesungen wurde. Der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Direktor Georg Kareski, würdigte den freiheitlichen Geist von Weimar und die Verfassung, die allen Deutschen Gleichberechtigung gebe und auch die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft sichere, und erklärte, daß die deutschen Juden nach wie vor zur Weltgeltung Deutschlands, das sie mit Stolz ihr Vaterland nennen, und zur internationalen Völkerverständigung beitragen werden. Er begrüßte die jüdischen Sportler aus Deutschland und dem Ausland und versicherte, daß sich die Jüdische Gemeinde stets für die körperliche Ertüchtigung der Jugend einsetzen werde. Von den sportlichen Ergebnissen sei zusammenfassend berichtet, daß BarKochba, Berlin, bei den Leichtathletikkämpsen siegte, und daß der Fuhballkamps von Berlin mit 2 :0 gewonnen wurde. Die Iiu-Ktfu-Gruppe -es N.j.Z. gewinnt -en Ehrenpreis -es Reichspräfiöenten! Nach vierzehntägigen, äußerst schweren Ausscheidungskämpfen gelangte die Jiu-Jitsu - Gruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in die Endrunde des vom Neichsverlmnd für Jiu-Jitsu ausgeschriebenen Verfassungsturniers um den Ehrenpreis des Reichspräsidentenfür den besten Berliner Klub. Ausschreibungsgemäß mußten alle Gewichtsklassen gestellt werden. Drei Gewichtsklassen konnte die Gruppe bis in die Endrunde bringen. Das lang erstrebte Ziel der Gruppe ging in Erfüllung: gegen die stärksten Gegner errang sie mit 2 Punkten Vorsprung den Endsieg, an dem jeder der Kämpfer seinen mühevollen Anteil hatte. Die Siegpunkte für die Druppe errangen N e u - mann, Wittenberg und Steinhardt. Neumann wurde für den schnellsten Sieg des Tages über einen Berliner Meister auch noch mit dein Ehrenpreis der Stadt Berlin ausgezeichnet. Ein schöner Erfolg langer, mühevoller Trainingsarbeit.

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