Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- Seite 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Der zweite Mücke-Srief. Die Wirkung des Schreibens, das Hellmuth von Mücke als nationalsozialistischer, Sächsischer Landtagsabgeordneter an die S. P. D. und die K. P. D. richtete, ist noch in lebendigster Erinnerung. Die politischen Folgen dieses Briefes werden sich in ihrem ganzen Umfange erst dann und immer dann erweisen, wenn nationalsozialistische Fraktionen notwendigerweise, nur ihre Wählerschaft zu beruhigen, an die ernsthafte parlamentarische Arbeit heran müssen. Der Krach, den der Mücke-Bries auch im eigenen Lager hervorgerufen hat, ließ die Presse von hüben und drüben in alten und neuen Geschehnissen nachspüren, und aus einmal war ein neues Schreiben des Herrn von Mücke da, das wir im Wortlaut der „Fränkischen Tagespost" vom 3. August hier in seinen wichtigsten Teilen zitieren wollen: Mücke schreibt: „Die Aufforderung, für den Landtag zu kandidieren, kam von derReichspart e i l e i t u n g ohne jedes Zutun von mir. Es ist unrichtig, daß irgendwelche engeren Parteifreunde meine Mandatsniederleguug gefordert hätten. Wahr ist dagegen, daß eine bestimmte Kamarilla. dies tat, daß damals aber Herr Hitler noch die Macht hatte, die Machenschaften dieser Kamarilla zu ersticken. Wahr ist, daß ich eine ganze Anzahl Schriftstücke in der Hand habe, ans denen hervorgeht, daß die Neichsparteileitnng der NSDAP, meinen Politischen Standpunkt im Parlament in jeder Beziehung deckte. Wahr ist aber auch, daß ich aus dem Parlament gegen den Wunsch der Reichsleitung austrat, weil Herr Hitler nicht imstande war, mir gegebene Zusicherungen organisatorischer Art gegen den Willen der erwähnten sächsischen K a m a r i 1I a dnrchznsuhren, die sich über unmittelbare Befehle der Reichsleitung der NSDAP, einfach h i n w e g s e tz t e. Richtig ist, daß ich nicht als Mitglied in Sachsen geführt wurde, sondern von der Reichsparteileitung verlangt habe, in lii nchen geführt zu werden, um unabhängig zu sein von den Machenschaften der erwähnten Kamarilla. Die Reichs- Parteileitung der NSDAP, wollte auf meine Forderung zunächst aus formalen Gründen nicht eingehen und tat dies erst, als ich die Erfüllung meiner Forderung zur Bedingung für mein weiteres Verbleiben bei der Partei machte. Von Versuchen der Mgeordneten Straffer und Goebbels, mich aus der Reichsparteileitung hinauszudrängen, ist mir nichts bekannt. Richtig ist allerdmgs, daß ich schon lange wußte von den Versuchen der päpstlich-römischen Richtung innerhalb der Partei, mich l a h m znlegen. Es ist unrichtig, daß mir eingeredet worden wäre, den bekannten Brief an die Linksfraktionen des Sächsischen Landtags zu schreiben. Nichtig ist vielmehr, daß ich Herrn Hitler, der mich in meiner Wohnung in Dresden aufsuchte, und aus dessen Aeußerungen zu entnehmen war, daß weder Reichsparteileitung noch sächsische Landtags¬ Geschwindigkeit ist keine Hexerei! Aus der NedalLionsstube des „Angriff". Daß dem klugen Herrn Goebbels so etwas passieren kann! Am Sonnabend, den 3. August, war der „Angriff" in Berlin erhältlich; das Blatt ist also spätestens am Freitag, den 2. August, gedruckt worden. Herr Goebbels, der Vorkämpfer für Wahrheit und Recht, hat das journalistische Taschenspielerkunststück fertig gebracht, den Kops dieser Nummer des „Angriff" mit einer D e - peschenNachricht aus Nürnberg zu Zieren, die vom 3. August datiert ist. In überschwenglichen Worten wird darin prahlerisch verkündet, daß die Teilnehmerzahl gegenüber dem letzten Parteitag sich mehr als verdoppelt habe und daß vor allem die Ostpreußen und Danziger herzlich gefeiert wurden. Ja, ja, Geschwindigkeit ist keine Hexerei! Als die Siegesnachricht den „Angriff" erreichte, waren die Ostpreußen und die Danziger überhaupt noch nicht in Nürnberg. Die Befraktion sich im klaren darüber waren, wie sie sich nun eigentlich verhalten müßten, von mir aus eine bestimmte Anzahl von Vorschlägen gemacht habe, darunter auch den Vorschlag, als Ministerpräsidenten Herrn Bänger zu benennen und ebenso den Vorschlag der Fühlungnahme mit den Linksparteien für den Fall eines Sturzes der bürgerlichen Regierung Bünger. Alle meine schritte geschahen im Einverständnis mH Herrn Hitler ... . . . Die Gründe meines Austritts waren vielmehr unter anderem folgende: 1. Herr Hitler ist im Laufe dev letzten Jahre mehrmals nicht imstande gewesen, mir gegebene bindende Versprechen gegen den Willen des sächsischen Gauleiters, des SPitzenfabrikanten Herrn Muts ch mann in Plauen, durchzudrücken. Ich verspreche mir nichts von der Zukunft einer Partei, deren Führer sich nicht einmal innerhalb der Partei durchsetzen kann, wobei es ein offenes Geheimnis ist, daß der Einfluß des Herrn Mutschmann darauf beruht, daß er als reicher Fabrikant Herrn Hitler sich finanziell verpflichtet hat. 2. Insbesondere war mein Austritt bedingt durch die kürzlich erfolgte Aufnahme des jetzigen Vorsitzenden der Landtagssraktion der NSDAP, im Sächsischen Landtag, des Kapitänleutnants a. D. Manfred v. Kill in g er. Dieser war seinerzeit Mitglied der Brigade Ehrhardt. Gleichzeitig war er Mitglied eines Geheimb u n d e s, der sich „Kampsverband Sachsen" nannte und desien Führer ein Major a. D. Schaffer, Dresden, Weißer Hirsch, Bautzener Straße 84, war. Letzterer ist gleichzeitig Mitglied des Deutschen Offizierbundes der Ortsgruppe Dresden. Sein Name ist bekannt in Verbindung mit den Prozessen, welche sich nnknttpficn an die Unterschlagungen, welche vorgekommen waren beim sächsischen Volksnotopfer. Der Major a. D. Schaffer hat damals lange Zeit wegen dringenden Verdachts d e s M e i n e i d e s in Untersuchungshaft gesessen. . . . sucherzahl des Parteitages konnte höchstens in einem Trancezustande festgestellt werden, denn der Parteitag b e g a n n j a e r st a nt 2. August, und der disziplinierte Aufmarsch, von dem die erdichtete Nachricht weiter kündet, hat sich erst 48 Stunden, nachdem der Hellseher Goebbels das große Ereignis gepriesen hatte, abgespielt. Ist das treudeutsch, Herr Goebbels? Nein, nein, das ist so ein bißchen . . . corriger la fortune, für das man in anständigen Journalistenkreisen kein Verständnis hat. Jnnnerhin sind wir dankbar für diesen Blick hinter die Kulissen der Redaktion des „Angriff". 8edr. desirafte nationalsozialistische Rohlinge. Vor dem Königsberger Schöffengericht hatten sich die beiden Nationalsozialisten, der Monteur Hans P ö ck lind der Kraftwagenführerlchrling Oskar Binder wegen groben Unfugs, Körperverletzung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und versuchter Gesangenenbefreiung zu vercmt- Nach Auflösung der Ehrhardt-Brigade versuchte der K a p i t ä n l e u t n a n t a. D. v. Killinger bei allen möglichen Verbänden unterzukommen, insbesondere auch beim Stahlhelm in Sachsen. Da ihm dies bei keinem der V e^r b ä n d e glückte, wandte er sich an die NSDAP. Trotzdem Herrn Hitler die üblen Handlungen des Kapitänleutnants a. D. v. Killinger bekannt waren, und trotzdem er selbst, die persönliche Eignung und die Charaktereigenschaften des Herrn betreffend, bisher ein vernichtendes Urteil gefällt hatte, nahm er jetzt nicht nur Herrn v. Killinger in die Partei auf, sondern machte ihn auch znm Vertreter der Weltanschauung der NSDAP, im sächsischen Parlament. Er kapitulierte damit nochmals vor dem Druck der Gruppe Mutschmann. Mein persönliches Reinlichkeitsgefühl verbietet es mir, in einer Partei zu bleiben, welche M e n - s ch e n aufnunmt, die solche Handlungsweisen begangen haben, wie der jetzige Vorsitzende der sächsischen Landtagssraktion^ der NSDAP., Herr v. Killinger. Da im übrigen gelegentlich der Maßnahmen bei Bildung der sächsischen Negierung Herr Hitler sich wiederum nicht an die getroffenen Vereinbarungen hielt, nirgends zu erreichen war, es ruhig zuließ, daß eine von irgendeiner Stelle der Neichsleitung aus verbreitete wissentlich unwahre Darstellung in der Presse gegeben wurde, außerdem die sächsische Landtagsfraktion es unterließ, eine von mir geforderte Klarstellung im Parlament abzugeben, wobei ich davon absehe, sestzustellen, ob Herr Hitler einen entsprechenden Befehl gegeben hat oder nicht, ergab sich für mich das Bild einer vollkommen inneren FLihrerlofigkert und Zersetzung der NSDAP., i die sich durch ihr Verhalten zu einen: 1 willenlosen Anhängsel der bür-; gerl ich-kapital: st ifchen Richtung I gemacht hat. j Das Gesamtbild veranlaßte mich, | meinen Austritck zu erklären mit einem i Schreiben des Inhalts, datz ich mir für die j Partei zu gut vorkäme." Worten. Die Angeklagten Hallen an einer nationalsozialistischen Demonstration am Abend des ü. Mai j in Königsberg teilgenvmmen. Nach der Auslösung jj des Zuges begaben sich Pöck und andere Nationalsozialisten nach ihrem Verkehrslokal. Auf dem I Heimwege belästigten sie dann eine Reihe von I Passanten. In der Münzstraße rief Pöck zwei jungen Leuten zu: „Ihr wollt Arbeiter sein I und laßt e u ch von den Juden b e -? stechen!" Trotzdem die jungen Leute auf diefe j Anrempelei nicht reagierten, versetzte Pöck mit I seiner Trmnpete einem der beiden einen so heftigen j Schlag, daß et ihm einen Zahn ausbrach. Der jj Vorgang wurde von Polizeibeamten beobachtet, die j Pöck, der erheblichen Widerstand leistete, sofort derj hafteten. Binder versuchte vergeblich, Pöck zu bei freien, wurde aber selbst verhaftet. \ Das Gericht verurteilte Pöck wegen gesähr- \ licher Körperverletzung und Widerstandes gegen die [ Staatsgewalt zu zwei Monaten, einer Woche Ge-! fängnis, und rügte besonders die außerordentlich rohen Ausschreitungen gegen friedliche Straßen- I Passanten. Binder wurde an Stelle einer verf wirkten Gefängnisstrafe von zwölf Tagen zu einer Geldstrafe von 60 Mark wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und versuchter Gefangenenbesreiung verurteilt.