Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- Seite 415 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Bombenattentat von Lüneburg. Wer sind die Täter? — Republikieindlidte oder judenieindlidie Motive? — Erklärung des Oberpräsidenten von Hannover. Sonder bericht für die „C. V. - 3 e i t u n g". Dr. M. E. L ü nebu r g, den 5. August. An der alten Kaufmannsstraße, die von Lübeck über Hamburg nach Braunschweig und Frankfurt am Main führte, liegt die Hansastadt Lüneburg, mit ihren noch wohlerhaltenen Giebeln und Kränen, ein Zeichen mittelalterlicher, deutscher Kultur und schassenden Fleißes. Eine Tat häßlichster Unkultur und blinden Zerftorungswahnes wurde dort in der vorigen Woche begangen. In der Nacht vom 1. zum 2. August legten noch unbekannte Täter, wie in der Tagespresse berichtet wurde, Bomben an die Häuser der Landkrankenkasse und unseres Freundes Rechtsanwalt Dr. Strauß. Es waren die Tage, in denen aus der alten Handelsstraße Lastwagen mit Nationalsozialisten rollten, die zum Parteitag nach Wrnburg fuhren. Noch wissen wir nicht, wer diese Tat begangen hat; aber der räumliche und zeitliche Zusammenhang j zwischen der Ankunft der Gäste aus dem Norden, wo erst vor wenigen Wochen ähnliche Terrorakte verübt wurden, und den Lüneburger Er-! eignissen liegt so nahe, daß auch die Kriminal-! Polizei es für richtig hält, nach dieser Seite hm! Lpuren zu suchen und zu verfolgen, j Tie Spuren sind gering, und manche veri meintliche Spur hat sich schon als harmlos I erwiesen, sobald man die Verfolgung ausnahm, j Die in der Tagespresse viel besprochene! Margarinekiste mit dem Vombeninhalt, die k man an der Landkrankenkasse fand, weist Fingerabdrücke auf; vielleicht werden sie zur Ergreifung der Täter führen können. Hnrburger. Lüneburger und Berliner Polizei bemüht sich um die Aufklärung dieses Verbrechens, das in der gesamten Bevölkerung starke Beunruhigung hervorgerufen hat. Der Harburger Polizeipräsident W e n t k e r als Leiter der zuständigen Landeskriminalpolizei führt die Verfolgung selbst, denn auch er ist der Ansicht, daß nur ein energisches Durchgreifen der Behörden und Gerichte derartige Terrorakte für die Zukunft unmöglich machen werde. Erst Holstein — dann Lüneburg• Die Terrorakte in Schleswig-Holstein, deren mindestens geistiger Zusammenhang mit den Lüneburger Geschehnissen wohl nicht in Zweifel zu ziehen ist, richtete sich im wesentlichen gegen die republikanischen Behörden, die verhetzte Teile der Landbevölkerung für die Schuldigen an ihrem Unglück hielten. Die politischen Verbände, die diese regierungsfeindliche Stimmung in die Bauernschaft hineintragen, sind — wie aus ihren Veröffentlichungen eindeutig hervorgeht — stark judenfeindlich, bisher hat sich nur ihre Boykottpropaganda gefährlich ausgewirkt; jetzt zum erstenmal ist ein jüdisches Haus von einer Bombe bedroht worden. Und wenn auch manchen die jndenfeindliche Absicht fernzuliegen schien, so ergeben doch die näheren Tatmnstände wohl zweifelsfrei, daß die Verbrecher die Juden Lüneburgs ltnb in Dr. Strauß den Exponenten dieser Lüneburger Juden treffen wollten. Die Darstellllng, daß inan sich an Dr. Strauß als dem Anwalt der Landkrankenkasse, der sich durch energisches Eintreiben der Beitragsgelder bei den bäuerlichen Arbeitgebern unbeliebt gemacht habe, habe rächen wollen, ist irrig. Dr. Strauß vertritt die Landkrankenkasse in Nechtsstreitigkeiten zwischen ihr und den Aerzten, bei Kompetenzkonflikten zwischen verschiedenen Kassen und dergleichen, hat aber niemals Krankenkassenbeiträge cingezogen, denn für diese Zwecke stehen der Krankenkasse ohne vorhergehendes^ Gerichtsverfahren eigene Zwangsbefugnisse zu. Auch eine andere Version, daß man vielleicht gar nicht das Halls von Dr. Strauß, das zu der Lüneburg benachbarten Gemeinde Lünen gehört, gemeint habe, sondern die Bombe an das benachbarte Haus des Amtsvorstehers von Lünen habe legen wollen — in der Dunkelheit sind diese schlichten, unauffälligen Häuser nicht ' leicht zu unterscheiden —, entbehrt jeder Wahrscheinlichkeit; denn der Gemeindevorsteher ist ein deutschnationaler Herr, der weder rechts noch links politische Feinde haben soll. Anders liegt es bei Dr. Strauß, der sich wegen seines mutigen Kampfes gegen die Völkischen schon seit 1923/24 manche Anfeiudling hat gefallen 8 8 8 Vas Haus von Vr. Sirauss nadi der Explosion. -' i Ä-*: « WM-: EFT ‘ t' '/■ - " - , Der verwüstete Keller.