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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-09 · 32 (9.8.1929) · p. Seite 414

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
Seite 414 (sequence 2)
Language
German
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414 ein Bild von den militärischen Möglichkeiten zu gewinnen, eine Besprechung mit einem Kreise von Generälen gehabt, nicht etwa besonders dasiir ausgesuchten. Nicht e i n Freimaurer, Jude oder Jesuit war anweserrd, wie ich Herrn v. Graese zu seiner Beruhigung versichern kann. Ich habe nicht das Recht, aus dieser amtlichen Besprechung Einzelheiten mitzuteilen; es wäre ein Verbrechen, wenn ich es tüte. Ich kann mir sagen, daß v. Graefe entweder sehr schlecht unterrichtet ist oder besinnungslos ins Blaue [jiitoin schimpft. Auch ich meine, daß wir die Erlebnisse von 1919 nicht vergessen dürfen,- wer nicht aus solchem Schicksal etwas zu lernen imstande wäre, täte wirklich am besten, sich ins Grab zu legen. Wern aber die Liebe zum Vaterland und das Bewußtsein der Verbundenheit mit der Nation mehr ist als tönendes Erz und klingende Schelle, mehr als wohlfeiler Anlaß zur eitlere Selbstbespiegelung und zu hämischer Bosheit gegen aridere Volksgenossen, dem ist die Erinnerung an diese Ereigrrisse zu bitter ernst, um Schmähschriften daraus 31t fabrizieren, der hat aus den: schmerzlichen Erleben vor zehn Jahren andere Lehren geschöpft. Wäre nicht das deutsche Volk bereits seit der Reichsgrüudung durch innere Zwietracht durch Verachtung und Verfemung seiner tüchtigsten Bestandteile gelahmt gewesen, hätte es sich für seine politische Leitung nach außen und innen selbst verantwortlich gefühlt, anstatt vertrauensvoll alles potenzierter Unfähigkeit zu überlassen, so hätten wir dies Ungeheuerliche nicht zu erleben brauchen. Ich will keineswegs, daß in der Vergangenheit gewühlt wird. Ich halte es für unwürdig, sich mit so kleinlichen Dingen abzugeben, wie v. Graefe es tut, bis zur Kontrolle von Biertischgesprächen und Gastbncheintragungen. Es ist unsinnig, den inneren Hader zu verewigen und für die Schuld an einem weltzerstörenden Schicksal Sündenböcke zu suchen. Es ist hirnverbrannt, Phantasien aufzubauen, in denen Juden, Freimaurer und Jesuiten zu einer Verschwörung zusammeugekoppelt werden. Es wäre ein Verbrechen (vor dem sich übrigens Herr v. Graefe wohl hütet), neuen Krieg gegen unsere Besieger zu fordern; so klug mag er wohl noch sein, daß er derartige Pläne als aussichtlos erkennt. Dafür entschädigt v. Graese sich freilich durch lärmende Predigt des inneren Haders. — Soll das deutsche Volk aus allen Verlusten an Blut, Ehre und wirtschaftlicher Kraft, die ihm Krieg und Niederlage gebracht haben, nichts weiter entnehmen, als daß die alte Ueberhebung und Verlemndung fortgesetzt werden dürfen? Kann ein völkischer Führer zehn Jahre nach Versailles sich zu nichts anderem aufrafsen als 31t monomanischem Haß gegen eingebildete Verräter und zu kleinlichem Parteigezänk mit seinen dentschnationalen Vettern? — Ich habe August Bebel einmal sagen hören: „Der Mann zeigt sich daran, wie er eine Niederlage erträgt." Herr v. Graese imb was um ihn herum ist, haben weder 1919 noch 1929 davon etwas erkennen lassen. Ich will ihnen etwas anderes sagen, woran sie denken sollten, zehn Jahre nach der Gründung der deutschen Republik und in den Wochen, wo Deutschland wieder einmal zwischen Nebermut und Furcht der damaligen Sieger, gegen maßlose und auch, soweit sie formell zu Recht bestehen, kaum erfüllbare Ansprüche seine Existenz wahren und befestigen muß! Als der längst vorauszusehende militärische Zusammenbruch eintrat, und ihm ein Zusammensturz des scheinbar so unerschütterlichen Staates folgte, der alles damals Vorstellbare weit hinter sich ließ, da haben Parteimänner, die in ihren Ueberzeugungen durch weite Raume voneinander getrennt waren, sich zusammengeschlofsen, um wieder ein geordnetes staatliches Leben zu schaffen, das Reich zusammeuzuhalten, dem Vaterland neue Formen seines politischen Daseins zu geben. Wenn wirklich (wie v. Graefe mit hämischer Freude registriert) in den Wahlkämpfen 1919 hie und da etwas mehr als nötig polemisiert worden sein sollte, so war doch der herrschende Grundgedanke in der Wahlagitation, auch in den Verhandlungen des Rütekongresses, der die Einberufung der Nationalversammlung beschloß und in dieser selbst vom Tage ihrer Eröffnung an dieses Bedürfnis nach positivem Schaffen, nach Befestigung Deutschlands. Wir wußten alle, daß wir diesem Ziele große Opfer bringen mußten, jede Partei an ihren in früherer Zeit ausgebauten Programmen, jede Klasse an ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen, jeder einzelne Politiker an persönlicher Ueberzeugung und Popularität. Die Männer von Weimar haben dies und unendliche aufreibende Arbeit auf sich genommen. Wenn v. Graest * dort nicht nur im „Goldenen Adler" gesessen, son- I dern sich um die Beratungen in der National- 6 Versammlung und in den Kabiuetteu gekümmert hat, muß er wissen, welche Mühen es gekostet , hat, die zentrifugalen Kräfte zu überwinden.! einen leidlich einheitlichen politischen Willen zu schassen, die immer neuen Versuche der Zerstörung, die damals in dreister Weise vom Auslande her gefördert wurden, zu bändigen! — Ich bin weit davon entfernt, mit dem Erreichten zufrieden zu sein, und verlange dies von niemand. Damals aber ist das Deutsche R e i d] bonncucm gegründetworden aus dem Boden und mit dem Z i e l e d e s Z u s a m m e n - Wirkens auch getrennter Ueberzeugungen und einander konträrer Interessen zum Wöhle des deutschen Volke s. Der „Völkische" v. Graefe verhehlt seinen Aerger nicht, daß in Weimar sich Sozialdemokraten und „Bürgerliche" 31t diesem Werke verbunden haben, daß sich nicht ein Block gegen die Sozialdemokratie gebildet hat, um — ja nun was eigentlich zu tun? Kann ein guter Deutscher, kann ein halbwegs vernünftiger Mensch glauben, daß es möglich gewesen wäre, das neue Gewand Deutschlands mit der Klassenherrschaft als Aufzug und dem alten Dynastentum als Einschlag zu weben? Niemand, dem das Leben und die Dauer seiner Nation wichtiger sind als Sonderinteressen und äußere Formen, mag auch sein Herz noch so sehr an dem alten Reich gehangen haben, darf vergessen, daß dies alte nicht mehr vorhanden war, auch nach solchen Zerstörungen nicht mehr in seiner Art hergestellt werden konnte, daß vielmehr die Aufgabe war, etwas Neues zu schassen. Friedrich E b e r t war der Mann, dessen Name geradezu ein Symbol für diese selbstlose, aber nicht erfolglose Arbeit geworden ist; von ihm weiß v. Graefe nur sein Eingreifen in den Munitionsstreik von 1918 zu erwähnen, freilich ohne Zuzugestehen, daß auch dies ein Opfer gewesen war, zu dem Ebert sich entschloß, um die Einheit der nationalen Abwehr zu retten. Ebert und v. Graefe-Goldebee! — Man braucht nur diese beiden Namen nebeneinander £ zu nennen, um zu wissen, durch wen Existenz; und Ehre Deutschlands gewahrt worden sind.![ damals in Weimar 1919 . . . | „Wie erziehen wir republikanische Menschen!" Zehn Jahre deutsche Republik! Zehn Jahre schwerster Arbeit und steten Kämpfens gegen Unverstand und Umtriebe. Die republikanische Staatsform hat sich durchgesetzt, und niemand glaubt heule noch daran, daß sie in ihren Grundfesten erschüttert werden könnte. Man erkennt allmählich, daß der Zeitgeist, der Geist der Gegenwart, freie Menschen fordert und keine Untertanen im Sinne des ancien regime gebrauchen raun. Die deutsche Republik ist so weit gefestigt, daß sie ihr Hauptaugenmerk auf die innere Aufbauarbeit richten kann. Und da ist in erster Linie republikanische Erziehung vonnöten, Erziehung zum heutigen Staate und seine Bejahung. Da gerade die Jugend am leichtesten der Demagogie gewisser völkischer Kreise verfällt und die bisherige Unterrichtsmethode der vielfach reaktionär eingestellten Lehrerschaft den besten Boden dazu vorbereitete, muß bei der Jugend die Arbeit beginnen. Daher sind alle Bestrebungen — und solche sind in der letzten Zeit besonders stark hervorgetreten —, - die hier mit ernster republikanischer Erziehungsarbeit einsetzen, besonders zu begrüßen. Zum zehnten Jahrestag der Republik hat Professor Ludwig Hüter eine Schriftenreihe „Republikanische Erziehung" herausgegeben, unter Mitwirkung von Rektor Wilhelm Loos und Studienrat Dr. Clemens Schwarte. (Verlag von Julius Veltz in Langensalza, Berlin-Leipzig 1929.) Die ersten beiden Hefte liegen vor: „Wie erziehen wir republikanische Menschen?" und „Die Verfajsungsseier der deutschen Republik in der Schule". Reichsmiuister Severing, Unterrichtsminister Professor Dr. Becker, Reichsl kanzler a. D. Dr. W i r t h und Reichsminister a. D. Dr. David f, haben Geleitworte dazu geschrieben. Aufrechte republikanische | Pädagogen aller Schulgattungen, von der Volksschule bis zur \ Universität, haben hier in einer Reihe von Aufsätzen dargelegt, wie man die Jugend gewinnen kann, wie man ihnen die republikanischen l Ideen nahebringt und sie erzieht zu aufrechten und freien Menschen, die sich jederzeit ihrer Verantwortung der Gesamtheit gegenüber * bewußt zu sein haben. Wesentlicher Inhalt sind die Erörterung jj folgender Fragen: Grundlagen, Ziele und Mittel der republikani- $ scheu Erziehung in Volksschulen und höheren Schulen, Mitwirkung | des Elternhauses bei der Erziehung des republikanischen Menschen, zweckmäßige Veranstaltung von Versassungsfeiern. Die Aussätze / (Verfasser sind: Universitätsprofessor Dr. Friedrich D e s f a u e r, 1 Frankfurt a. M., Oberschulrat Dr. Heinrich Deiters, Kassel, f Rektor Werner Wickel, Nassau, und Studienrat Dr. Clemens | Schwarte, Wiesbaden) sind getragen von einer tiefen Liebe zum Deutschtum und zur Republik, sie lehren Achtung auch vor der K gegnerischen Weltanschauung und fordern vor allen Dingen fair '! play im politischen Leben. Die Hefte sollten in keiner Schule, vielleicht auch in keinem Hause fehlen; sie sind eine ernste Mahnung an die Lehrerschaft, sich | bei ihrem Wirken auf den Boden der heutigen Staatsform zu | stellen. Die weiteste Verbreitung dieser Schriften liegt im Interesse unseres deutschen Vaterlandes. Sie dienen der Vertiefung fr«? J republikanischen Gedankens, tragen zur Entgiftung der Politischen | Atmosphäre bei und helfen so eine Zukunft vorbereiten, die keinen I Klassen- und Rassenhaß kennt. Margarete Holz. 1

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