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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-09 · 32 (9.8.1929) · p. Seite 413

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
Seite 413 (sequence 1)
Language
German
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6erUn, -. August 1-2Y VIII, Jahrgang ♦ Nr. 32 Einzelnummer 20 Pfennig fcnft'at v^eitt PWller sür-rlUscktum^ unöllwentum. 'oryan des tenlrül-V^rems örotscl Staatsvüryer iüöiscde»vlmrvens'?v. ^.N^err^eli^s Zeitung des Judentums Bierteliahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SchriftleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 8596. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, WechselstNb-e d, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W8, Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 fllr die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosse» Äormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) fllr Mitglieder des Centralvererns 0,45 Ml, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 --c.il« Damals in Weimar 1W9 Von Wolfgang Heine, Staatsminister a. O. Aus Arrlatz des zehnjährigen Verfassungstages läßt der deutschvölkische Politiker v. Graefe-Goldebee in der Deutschen Buchdruckerei- und Verlags- A. G. eine Schrift „Damals in Weimar — Ein Blick hinter die Kulissen" erscheinen, in der er den Einfluß der Juden und Jesuiten auf die Nationalversammlung „enthüllt". Wir haben Wolfgang Heine, der als aktiver Politiker an der Formung des neuen Staates mitgewirkt hat, gebeten, seine persönlichen Erinnerungen an die Arbeit jener Tage an dieser Stelle mitzuteilen und damit am besten Graefe-Goldebee zu widerlegen. Der Deutschvölkische Herr v. Graefe- G o l d e b e e hat die zehnjährige Wiederkehr der Tage von Weimar und des Versailler Friedens zum Anlaß genonunen, sich auf seine Art in öffentliche Erinnerung zu bringen. Aus etwa 40 Seiten, die den oben wiedergegebenen Titel führen, gibt er sogenannte „Blicke hinter die Kulissen" zum besten und enthüllt, daß Rom, Juda und die Freimaurer, die „überstaatlichen stachle", an dem „Verrat von Weimar" die Schuld trügen. Beweise, speziell dafür, daß jüdische Einflüsse zur Annahme der Versailler Bedingungen geführt hatten, versucht Graefe. nicht an einer einzigen Stelle vorzubringen. Er kann nicht leugnen, daß die drei „Juden", wie er sie nennt, G o t h e i n, S ch i f s e r u n d P r e u ß, gegen die A n n a h m e gewesen und deshalb aus der Negierung ansgeschieden sind. Auch Nies f e r s Stellungnahme gegen den Friedensvertrag kann er nicht verschweigen, aber er tut es in Form der verdächtigenden Frage, ob vielleicht der jüdische Freimaurer dem ultramontanen Präsidenten Fehrenbach die Bälle zugeworsen habe. Das ist alles, was v. Graefe für seinen Kampfruf gegen „Rom und Juda" anzuführen weiß. Das ganze Schristchen ist trotz seiner antisemitischen und republikseindlichen Tiraden in erster Reihe gegen die Deutschnationale Partei gerichtet, die die Verdienste des großen völkischen Führers nicht genug zu schützen weiß. Uebrigens gestehe ich, mir selber nicht merken zu können, welcher völkischen Gruppe dieser gerade angehört oder zu einer bestimmten Zeit angehvrt hat. Es lohnt sich gewiß nicht, diese Ergüfse eines engen und mit den Jahren innner enger werdenden, die Scheuklappen des lächerlichsten Fanatisnms tragenden Gehirns zu beachten und dem häuslichen Streit in den Reihen der äußersten Rechten zuzuschauen. Dennoch gibt Graefes Buch dem, der in Weimar dabei gewesen ist, der selbst dem Diktat der Feinde nicht zugestimmt hat, Anlaß zu einigen Bemerkungen. Wer diese Tage miterlebt hat, dem mußten sie sich wie glühendes Eisen in die Seele brennen. Noch heut vermag ich nicht ohne verzehrenden Schmerz daran zurückzudenken, wie seit dem 31. Januar 1917, der zum Eintritt der amerikanischen Union in den Feindbund führte, das unausweichliche Schicksal dem Blick der Wissenden näher und näher rückte, wie sich seit dem Sommer 1918 der Zusammenbruch vollzog, Schritt für Schritt, erbarmungslos, während noch das Geschrei der gekauften oder genarrten Renommisten vom „Siegfrieden" fabelte. Wie der Aufruf zum nationalen Widerstand aus des edlen Walther Rathenau Munde (eines Juden, Herr v. Graefe!) wirkungslos verhallen mußte, wie die Regierung gezwungen war, den Waffenstillstand anzunehmen, und zwar auf Drängen der militärischen Oberleitung. Wie damit auch die äußere Möglichkeit eines Widerstandes gegen unwürdige Friedensbedingungen aus der Hand gegeben war, ganz unbeantwortet die Frage, ob dies seit Jahren belogene, durch Zwietracht zerrissene, verhungerte Volk, und Heer noch die moralischen Kräfte dazu aufgebracht hätten. Und wie dann das Entsetzliche sich vollendete, die erzwungene Unterwerfung der wehrlosen Nation unter schmachvolle Bedingungen, die das deutsche Volk beim ersten Anhören mit einstimmiger Entrüstung abgelehnt hatte. Jeder von uns könnte die traurigsten Einzelheiten erzählen, keiner kann vergessen, was er damals durchgemacht hat. v. Graese-Goldebee erzählt uns nichts Neues, wenn er von den Redensarten amerikanischer und englischer Persönlichkeiten nicht maß. gebender oder Verantwortlicher Stellung berichtet, die sich gewundert hätten, daß die Deutschen die Friedensbedingungen annühmen. Ach Gott, man hat uns genug Vorspiegelungen dieser Art gemacht; z. B. man sähe ein, daß Deutschland eine stärkere Reichswehr brauchte, als die Versailler Bedingungen gestatteten. Manche von uns — nicht ich — haben es geglaubt, wie manche später beim Ruhr-Konflikt glaubten, England würde uns zu Hilfe kommen. oder andere wieder sich Hoffnung aus die Sowjetarmee machen ließen. Nichts davon entsprach der Wahrheit. Dieses Gerede war nicht mehr wert als die Einflüsterungen von französischer Seite, wenn Deutschland unterschrieben hätte, würde man uns erst die wahren, milden, edelmütigen Friedensbedingungen mitteilen. Es wäre wirklich Zeit, dies ganze Geschwätz ins Gerümpel zu werfen. Herr v. Graefe spricht von der feigen Lüge der Widerstandsnnfähigkeit im Sommer 1919, die er natürlich auch den jüdischen Freimaurern und den Jesuiten in die Schuhe schiebt. Nun, ich habe in den Wochen vor Versailles, um selbst Unsere Leser finden in dieser Nummer Sonderberichte über das Lüneburger Bombenattentat, Seite 4i5 den Nürnberger Parteitag der NSDAP,, Seite 417 den 16. Zionistenkongress in Zürich, Seite 421 u. a. m.

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