Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 30 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I I Gespräch mit -em -rutschen Tennismeister prenn. Daniel Trenn. Phot Lotte Schmidt, Berlin-Wilmersdorf. m Unter ungeheurer Spannung der am Tennissport Interessierten der ganzen Welt hat Daniel Prenn im Rot-Weiß-Klub in Berlin - Erunewald vor 14 Tagen die Engländer im Kampf um den Davis- Pokal besiegt. Eine Woche später unterlag er zwar im Kampf gegen die Amerikaner Tilden und Hunter, aber diese Niederlage war ehrenvoll und bewies die außerordentliche Leistung auch der deutschen Meister. Daniel Prenn, der den Ruhm des deutschen Tennissports nun durch die ganze Welt trägt, ist russischer Staatsangehöriger Zührenöe Juden im Tennissport. Zreuöe am Uampfspiel und ist — Jude. Wir haben Gelegenheit genommen, ihn über seinen Werdegang und über die Rolle der Juden im Tennissport zu befragen. Ueber seinen Lebenslauf erzählt Prenn: „Ich bin in Rußland geboren, habe aber bereits seit 1920 in Deutschland die Schule besucht. Ich ging auf das Gymnasium in Zehlendorf, bestand dort das Abitur und ging 4923 nach Lübeck zur Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft. 1924 kam ich zum Besuch der Hochschule nach Charlottenburg und habe 1929 mein Diplomhauptexamen bestanden. In diesen Tagen trete ich als Diplomingenieur für Hock)-, Tief- und Straßenbau in die technische Abteilung der Baukredit-Aktiengesellschast in Berlin ein." „Sind Ihnen Schwierigkeiten als Ausländer oder als Jude hei der Aufnahme in den Tennis- Jdiih gemacht worden?“ „Als ich als Student in Lübeck in den Tennisklub eintreten wollte, da lehnte man meine Ausnahme nicht der Nationalität wegen, sondern lediglich meiner Religion wegen ab. Ich trat dann 1924 in Berlin in den Klub „Borussia" ein. Bereits 1925 wurde mir die Mitgliedschaft im „Rot-Weiß" angeboten und 1926 folgte ich dieser Aufforderung. Im „Rot-Weiß" hat man mir nie irgendwelche Schwierigkeiten gemacht." „Haben wir in Deutschland noch mehr hervorragende jüdisclte Tennisspieler?'' „Jawohl. Frau Neppach und Frau Friedleben sind Jüdinnen, und unter den ersten Spielern in Köln und vielen anderen Städten sind zahlreiche Juden und Jüdinnen. Aber nicht nur in Deutschland, auch sonst in der Welt stehen Juden im Tennissport mit an der Spitze. So sind auch der Weltmeister Lacoste und der hervorragende australische Spieler Patterson Juden. „Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Juden so besonders im Tennissport hervorragen?“ „Nicht mir im Tennissport, sondern z. B. auch im Boxsport, besonders in Amerika, können wir Spitzenleistungen von Juden verzeichnen. Ich glaube, das hängt damit zusammen, daß die Juden durch die tausendjährige Unterdrückung, in der sie gelebt haben, besonders kämpferisch eingestellt sind." „Widerspricht dem nicht, dass so viele Juden Pazifisten sind?“ „Dieser Widerspruch ist nur scheinbar. Denn Pazifismus der Gesinnung vertrügt sich sehr wohl mit der Freude am Kampsspiel." „Beabsichtigen Sie, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben?“ „Ich habe den Antrag noch nicht gestellt; aber es ist für mich selbstverständlich, daß ich die deutsche Staatsangehörigkeit erwerbe, und ich beabsichtige jetzt, die nötigen Schritte emzuleiten." Was sagen die Rassenschützler dazu? Ein Jude, der noch dazu Russe ist — deutscher Tennismeister! Dr. M. E. I Die österreichischen Sunöesbahnen sprechen öas Bundeskanzleramt schweigt. Die Propaganda st ekle der O e st erreich i s ch e n Bundesbahnen hat kürzlich unter anderem auch eine Reihe von Prospekten judenfeindlicher Sommerfrischen (so z. B. der österreichischen Gemeinde Schladm i n g) in ihren Vertrieb übernommen. Daraufhin sandte die Union deutschösterreichischer Juden der Propagandastelle eine Abschrift ihrer in der „C. V.- Zeitung" Nr. 26 vom 28. Juni erwähnten Eingabe an das österreichische Bundeskanzleramt, in der gegen die Haltung jener Sommerfrischen protestiert wurde. In dem Antwortschreiben an die Union nimmt die Propagandastelle der Oesterreichischen Bundesbahnen eine durchaus loyale Haltung ein. Sie verurteilt die judenfeindliche Einstellung gewisser österreichischer Sommerfrischen in entschiedener Weise und schreibt unter anderem: „Wir danken verbindlichst für die Mitteilung Ihrer Eingabe an das Bundeskanzleramt, die wir mit um so größerem Interesse zur Kenntnis genommen haben, als die darin aufgezeigten Mißstände uns in unserer stets vollständig neutralen und unpolitischen gesamtösterreichischen Propagandatätigkeit gleichfalls sehr stark beeinträchtigen. .Wir gestatten uns. Ihnen auch mitzuteilen, daß wir die von der Gemeinde Sch lad m i n g aufgelegten und von unserer Auskunftsstelle in gleicher Weise wie zahllose andere einwandfreie Ortsprospekte zur Verteilung übernommenen Werbebroschüren nicht mehr an das Publikum abgegeben haben. Wir haben auch sogleich eine U e b e r p r ü f u n g sämtlicher uns zur Verfügung gestellter regionaler Ortsprospekte veranlaßt und die Verteilung einer Anzahl davon aus dem gleichen Grunde gesperrt. Wir brauchen wohl nicht erst zu betonen, daß wir als offizielle Propagandastelle der Oesterreichischen Bundesbahnen die von uns herausgegebenen gesamtösterreichischen Werbeschriften selbstverständlich frei von jeder wie auch immer gearteten politischen Einstellung halten. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns fallweise aus den einer unpolitischen Fremdenverkehrsförderung abträglichen Inhalt einzelner regionaler Werbebroschüren aufmerksam machen wollten, weil uns kein anderer Einfluß auf die Abstellung derartiger Vorkommnisse zusteht, als diese von der Verteilung durch unseren Werbedienst auszuschließen." Beinahe die gesamte österreichische Tagespresse kommentiert diese Antwort. So schreibt der Wiener demokratische „T a g" in einem Leitartikel vom 6. d. M.: „Nach der Antwort der Bundesbahnen an die Union erinnert man sich, daß das Interesse des Kanzleramtes unserer Republik an der Beschwerde viel geringer zu sein scheint als das der Bundesbahnen. Hier handelt sich's zwar um Fremdenwerbung und dort um das Staatsgrundgesetz der Freizügigkeit. Aber das Bundeskanzleramt schweigt. . . . Wir möchten seine Meinung hören. Denn sollte sich am Ende Herausstellen, daß Oesterreich von Schladming regiert wird, bei Gott, das könnte auch N i ch t j u d e n zur A u s - w a n d e r u n g bringen. Und am Ende stünden die Schladminger allein in Europa und wären unter sich." berliner gebt itzuartier zum verfaffungstage! Der Ehrenausschutz für die Bundesversassungsfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Hundertfünfzigtausend Reichsbannerkameraden werden zum Verfasiungstage die Reife nach Berlin antreten. Sie eilen herbei, um in der Reichshauptstadt, inmitten einer Bevölkerung von vier Millionen dem Volksstaat Treue zu schwören, dessen Fundament 1919 in Weimar gelegt wurde. Die vielen Zehntausende, die zu uns kommen, werden nach ihrer Rückkehr berichten und erzählen, was sie in Berlin sahen und wie sie von den Berlinern ausgenommen wurden. Darum rüstet euch, ihr Berliner Männer und Frauen, für den Empfang der republikanischeit Kriegsteilnehmer und der republikanischen Jugend. Jetzt hat die Berliner Bevölkerung Gelegenheit, es denen im Reich zu danken. Sie darf nicht dulden, daß die Gäste in unbequemen Massenquartieren untergebracht-werden müssen. Auch im kleinen Haushalt wird Platz für einen auswärtigen Kameraden und Republikaner sein. Männer und Frauen Berlins, beweist eure anerkannte Gastfreundschaft! Anmeldungen sind zu richten an das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold E. V., Gau Berlin-Brandenburg, Berlin 8 14, Sebastianstraße 37/38.