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Central-Verein-Zeitung · 1929-07-19 · 29 (19.7.1929) · p. Seite 379

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
Seite 379 (sequence 3)
Language
German
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37- „Deutsche Volksidee und deutschvölkische Idee". In ihr untersucht er, inwieweit die sogenannte deutsch-völkische Idee den inneren Frieden und die Versöhnung bringen kann. Goldstein untersucht hier die Frage: Wer gehört zum Volke? Er fragt: Ist es das Merkmal des Willens, der Sprache, der Ueberzeugung, das die Volksgemeinschaft unter den Menschen begründet, oder ist allein die Abstammung, das fogcnannte Blut, das man nicht andern kann, imstande, den Menschen trotz allerinneren Ueberzeugung und trotz allen äußeren Handelns aus ewig aus der .Volksgemeinschaft auszusondern? Die völkische Idee wird wissenschaftlich untersucht, der ganze Begriff des Volkstums klargestellt, eine große Reihe von geschichtlichen Jrrtümern, z. B. der Unfug, den viele heute mit der Persönlichkeit Fichtes treiben, wird auf ihren wahren Inhalt zu rückgeführt. So hat Goldstein die große Aufgabe erfüllt, wissenschaftlich darzulegen, daß wir Juden in Deutsch, land mit ebensoviel Recht Deutsche sind wie alle die anderen Volksgenossen. Vor. urteilslose Betrachtung ergibt, daß wir in diesen beiden Werken keine Parteischristen, sondern gediegene wissenschaftliche Arbeit "vor .uns haben. Die meisten Gegner der Republik und ebenso die Gegner der Juden haben sie totgeschwiegen. Niemals ist auch von jüdisch-nationaler Seite eine Widerlegung der Goldsteinschen Lehre erfolgt. religiöse Problem soll erörtert werden, und alle Bekundungen sollen im Hinblick auf die gegenwärtigen Fragen unserer gesamten Geistesfultur erfolgen. Aus diesem Wollen ist der „Morgen" entstanden, und damit hat er bis zum heutigen Tage viele Tausende von Lesern gefunden. Goldstein selbst hat in dieser seiner Schöpfung starke persönliche Zurückhaltung walten lassen. Seine Bedeutung liegt darin, daß er es verstanden hat, Menschen der „Der Morgen." Bei seinen Studien hak sich für Goldstein immer mehr die Bedeutung des Judentums für die gegenwärtigen Fragen der Geisteskultur erschlossen. Er sah, wie die großen Glaubensgemeinschaften ihre Auffassung vom Religiösen, ihre Stellung zur Kultur und Wissenschaft in bedeutsamen Zeitschriften der modernen Welt vortrugen. Er schätzte das katholische „Hochland" und sah in der evangelischen „Zeitwende" einen bedeutsamen Niederschlag evangelischer Ueberzeugung. Um in gleicher Weise die Werte des Judentums zu erschließen, gründete er eine großangelegte Zeitschrift, die dem geistigen Schicksal des deutschen Judentums dienen itnb seine religiösen Gedanken fördern soll. So sollte all das in den Sprach- und Anffassungsformen unserer Zeit wieder offenbar werden, was unsere Vorväter erfahren und festgehalten haben. Dabei soll philosophische Kritik einfetzen. Das universal- & v %^fj| '\'r‘ s ' MIM - " Geboren 29. Oktober 1873 — Gestorben 25. Juni 1929. verschiedensten religiösen und politischen Ueberzeuguugen zur Mitarbeit heranzuziehen, und die von ihm gefundenen Fragestellungen von Sachverständigen erster Art bearbeiten zu lassen. In der außerordentlich sorgfältigen Redaktion des „Morgen" steckte ein hohes Maß wissenschaftlicher wie auch verantwortungsvoller Tätigkeit. Tie Liebe zur Sache hat Goldstein auch in ben schwersten Stunden seiner Krankheit' dieses sein Werk immer weiter ansgestalten lassen. Gelöstem und wir. Das Bild unseres Freundes würde nicht abgeschlossen sein, wenn wir nicht auch seiner unmittelbaren Mitarbeit an unseren Aufgaben gedenken würden. Nie war er ein Parteimann in dem Sinne, daß er etwa irgend etwas an unserer Gemeinschaft beschönigt hätte. Gerechtdenkende Gegner hat er immer gewürdigt, ihre Gründe geprüft und Abhilfe verlangt, wo mit Fug getadelt wurde. So hat er der deutschen Judenheit stets einen Spiegel vorgehalten und war in seinen Borträgen nicht nur Lehrer, sondern auch M a h n e r und W a r n e r. Unverständlich blieb ihm das mangelnde Interesse einer großen Zahl von jüdifchen Deutschen für die speziellen Ausgaben unserer Zeit, die wir im Centralverein verfechten. Er konnte nicht begreifen, wie gering die Opserwilligkeit mancher aus unseren Kreisen für die Zwecke der Selbstachtung und der Selbstwehr ist. Er konnte vor allem nicht verstehen, aus welchem Grunde die letzte und entscheidende Frage unserer Zukunft von vielen Berufenen nicht beantwortet und nicht einmal gestellt wurde, die Frage: „Wie kann ein Umschwung in der Gesinnung der Geistigen des deutschen Volkes einsetzen, die zu einem erheblichen Teile völkischen Auffassungen huldigen?" Hier sah er die große Kulturaufgabe des Central. Vereins. In wissenschaftlicher Arbeit die Werte der jüdischen Gemeinschaft der Allgemeinheit zugänglich zu machen, die Verbundenheit Zwischen jüdischen und nichtjüdischen Schichten des deutschen Volkes immer wieder aufzuweisen und damit auch in unseren eigenen Reihen die Irrlehre eines verstiegenen jüdischen Nationalismus zurückzuweisen, schien ihm die entscheidende Tätigkeit für die Zukunft zu sein. So wichtig die Tagesarbeit des Centralvereins ihm erschien, das Wesentliche war für Goldstein ihre wissenschastliche Begründung und geistige Durchdringung. So sah er unsere Aufgaben. Und mit Betrübnis hat er an seinem Lebensabend beobachten müssen, wie in unseren eigenen Reihen Interesselosigkeit, Bielbeschäftigtheit und Mangel an Sachlichkeit um sich griffen. Wollen wir sein Erbe verwalten und .mehren, wollen wir ihm Dank erweisen, so kann dies nur geschehen, indem wir unbeirrt von Strömungen des Tages, von Neidern und von Kleinkrärnern deu großen Gedanken Goldsteins in die Tat nmsetzen. Er sah allein in Deutsch-

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