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Central-Verein-Zeitung · 1929-07-19 · 29 (19.7.1929) · p. Seite 378

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
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37$ jener Zeit als ein Reich harmonisch aufeinander angelegter Kräfte. Im Pantyeismus fand diese Auffassung ihren religiösen Ausdruck." . . „In eindringender Analyse und mit großem spekulativem Scharfsinn zeigt Eucken im Leben des einzelnen wie der Menschheit die Wirksamkeit naturüberlegener Faktoren, das Walten aufstrebender geistiger Energien. Eucken läßt vor unseren Blicken einen Gesamtaufbau des geistigen Lebens sich vollziehen, indem er die Kluft Zwischen Natur und Geist sichtbar macht". . . . „Inmitten einer gegen alles Geistige gleichgültigen, ja häufig feindlichen Natur, inmitten einer um ihre Tagesinteressen kämpfenden Menschenwelt, von den dämonischen Mächten der Geschichte entstellt und verzerrt, stellt sich uns heute das Geistesleben als ein schwer bedrohter Posten dar, dem Untergänge geweiht. Und doch sollen und müssen wir das Geistesleben aufrechterhalten und behaupten, wenn anders wir nicht mit dem, was uns das absolut Wertvolle bedeutet, ins Leere fallen wollen. Hier ist ein Punkt, wo das Leben selbst zu einer Metaphysik drängt. Wir können das Geistesleben nur aufrechterhalten und in ihm die Vernunft unseres Daseins ergreifen, wenn seiner vorliegenden zerstreuten- Form eine geistige Ordnung zugrunde liegt." . . . „Wir gehören von Haus aus nicht Zn einer Welt der Vernunft, wir muffen zu ihr erst Vordringen in lebendiger, sich immer wieder erneuernder Tat. Was wir mit solcher Tat erringen, das hebt unser Leben über den Stand der naturgebundenen Individualexistenz hinaus, das läßt uns teilnehmen an dem ,Kampf der Welten'.^ . . . „sofern von unserer Aktivität die Entfcyeidung über die Verwirklichung des Geisteslebens in unserem Daseinskreise abhängt, be^ zeichnet Eucken seine Anschauung als Aktivrsmus." James, der Amerikaner, lehrte den sogenannten Pragmatismus, nach dem der Maßstav alles Erkennens an seinem praktischen Nutzen zu messen ist und die Wahrheit der Gedanken auf ihrem Arbeitswert beruht. Dieser Weg des Denkens gibt uns Zuerst ein Mittel in die Hand, um überflüssigen Wortstrerr aus der Welt zu schaffen. Gedanken sind wayr, soweit sie uns behilflich sind, uns in entsprechende Beziehung zu anderen Teilen unserer Erfahrungen zu setzen. Der Pragmatismus fördert das Leben. Er lehrt die religiösen Empfindungen der Menschen verstehen. Er beweist die Notwendigkeit eines wahrhaft religiös beeinflußten Denkens und Lebens. Goldstern hat seine Vorlesung von James über „Unsterblichkeit" im „Morgen" veröffentlicht uno hat damit einem großen Leserkreis die Möglichkeit gegeben, bedeutsame Gedankengange dieses führenden amerikanischen Philosophen kennenzulernen. ' Endlich ist es der französische Philosoph Henri Zergson, der Goldsteins Weltbild mitbeeinflutzt und geformt hat. Bergson hat gelehrt, daß wahrhaftiges Erkennen der Wesenheit der Welt nur durch innerliches Einsühlen in die schöpferische Kraft des Lebens selbst möglich ist. Geist und Stoff sind ihm nicht zwei Wesenheiten, sondern nur zwei Ausdrucksformen des als geistig anzusehenden schöpferischen Lebens. Auch hier ist wieder eine Weltanschauung, die aus das Tätige und Schöpferische zielt und somit nicht eine dumpfe Hingabe an das Schicksal, sondern den Glauben an die Macht des Guten, an die Kraft der Persönlichkeit will. Der Lion vital, die Schwungkraft des Lebens, ist eine Hauptgrundlage LerZsonscher Weltanschauung. Wenn Goldstein in seinen „Wandlungen der Philosophie der Gegenwart" diese neuen Bahnen des Denkens gewiesen hat, wenn er in der Einleitung Zu einer Sammlung philosophischer Aussätze „Aus dem Vermächtnis des 19. Jahrhunderts" die Bedeutung der Jarnesschen Lehre gewürdigt hat, so sehen wir in ihm den Mann, der aus religiöser Grundlage das Leben gestalten, es auf Klarheit und Wahrheit begründen will, und der das Menschenleben mit Sinn zu erfüllen gelehrt hat. Die Wirklichkeit ist ihm ein mit der Zeit sich aufrollendes Drama,'dessen Verlauf wir nicht zu übersehen vermögen, dessen Grundlinien aber deutlich genug durchschimmern, um unserem Leben seine Richtung zu geben Der Kultur polittf er. Soll das Leben der Menschen geordneter, sollen die Staaten in sich gefestigter, sollen auch Auseinandersetzungen zwischen Klassen und Nassen in friedlicher Form vor sich gehen, sollen Volksversöhnung und Völkerversöhuung angestrebt werden, so müssen alle Meinungen, die der Wahrheit widersprechen, alle Anschauungen, die, ohne innerlich begründet zu sein, die Menschen gegeneinander ausbringen, zerstört und durch eine Lehre ersetzt werden, welche die innere Harmonie fördert und hebt. Im Dienste der Volksversöhnung und Völkerversöhnung wollen vor allem die Schulen wirken. Auf diesem Gebiete hat Julius Goldstein noch in den letzten Monaten seines Lebens eine Leistung vollbracht, die weiter wirken wird. h Aus einem Vortragsmanaskript von Julius Goldstein. Karlsruher Ursprung 1835 Lebens-, Aussteuerand Mitarbeiter gesucht t t 1 ( <s c i i z i Auf der Jubiläumstagung des hessischen Lcmdes- Lehrervereins am 9. Oktober 1928 führte er in einem Vorträge vor über 1000 Zuhörern aus, was die Schule im Dienste der Volksversöhnung \ und Völkerversöhnung leisten muß und kann, j Unter genauer Würdigung der vorhandenen § Kräfte forderte er, man solle den A d e l des z Erzieherberuses erkennen. Dieser liege darin,? daß der Erzieher in der Arbeit an der Jugend j die Zukunft vorbereitet, „auf daß dereinst ein jj glücklicheres, dumpfem Schicksal entwachsenes f Geschlecht einherschreite aus freiem deutschen I Boden". j So erörterte er in Kürze alle die geistigen! Mittel und Wege, die zur Versöhnung gej eignet und notwendig sind. I Soll ein freies Geschlecht heranwachseu, so! muß die geistige Grundlage, auf der sich sein j Leben aufbaut, gelöst sein von Betrach längs-! weisen, die innerlich längst überwundenen I Welten zugehören. Diesem Dienst am Ganzen j ist Goldsteins bedeutsames Werk „Raffe und f Politik" gewidmet, das ebenso erschöpfend wie f klar und knapp geschrieben ist. Hier widerlegt! Goldstein die größte Fehllehre unserer Zeit, die j immer wieder zu äußerem und innerem Un-! frieden führen muß, nämlich den Glauben, daß j Menschen nach Rasse und nach sogenannter Zui gehörigkeit zu irgendeiner Blutsgemeinschast zu! werten und zu beurteilen seien. Er sagt nicht.! daß Rassen nicht existieren, sondern er zeigt, wie unklar, wie dehnbar der ganze Begriff der Rasse ist, und wie die heute in den Millionen! von Gemütern sestsitzende Ueberzeugung von! dem besonderen Werte der „nordischen" und von dem besonderen Unwert der „jüdischen" Rasse lediglich eine Bemäntelung völkischer, d. h. nicht wissenschaftlich begründeter, sondern par-! teipolitisch abgestempelter Forderungen be- J deutet. Goldstein hat vor allem daraus aufmerksam gemacht, daß sogenannte Rasseneigenschaften, wie sie für die einen und gegen die anderen ausgenutzt werden, überhaupt nicht feststellbar sind, daß sie vielmehr Truggebilde bedeuten; es sei ein Unglück für das ganze Volk und für die Menschheit, wenn die eine Rasse als Segen und die andere als Fluch bezeichnet wird, ja erweist sogar auf einen Bürgerkrieg als notwendige Folge der sogenannten Rassenlehre hin. Weiter lehrt er, daß Nation alles andere als Abstammungsgemeinschaft ist, daß es, wenn man die Geschichte unvoreingenommen betrachtet nichts Törichteres geben kann, als Nation und Abstammung gleichzustellen. Das Werk „Rasse und Politik" ist weit verbreitet. Vier starke Auflagen hat es bis zum heutigen Tage erlebt. Erweitert und ergänzt wird es durch die j letzte größere Schrift aus Goldsteins Feder 1

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