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Central-Verein-Zeitung · 1929-07-12 · 28 (12.7.1929) · p. Seite 367

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
Seite 367 (sequence 3)
Language
German
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I „Jieootutüm fei Siems." %ekacd dec QeschmacMosig^keU. )t -I re | l- | ie | 51 n I n;1 s | n 1 > | t. ) c 1 t, | t! i Der jüdische Schriftsteller Wilhelm Braun wollte eine Komödie aus dem jüdischen Leben schreiben; wollte einfache, gutmütige und im Grunde genommen gutherzige Menschen mit ihren kleinen Sticheleien und Verwandtschastsbosheiten auf die Bühne stellen. Wollte ein modernes junges Mädchen, Symbol der heutigen Jugend, als Gegnerin jedweder Heirats- Vermittlung zur Heldin dieses jüdischen Tendenzstückes machen. Also legt Herr Wilhelm Braun in einer kurzen Betrachtung in den „Blättern des Lustspielhauses" Zeugnis von seinem reinen Willen ab. Wir müssen. es ihm glauben: er hatte nicht die Absicht, den judenseindlichen Besuchern des Lichtspielhauses eine Freude zu bereiten, sondern er wollte die jüdischen erfreuen. Die Wirkung ist aber umgekehrt. Dieses Zerrbild einer jüdischen Familienkomödie ist durchaus geeignet, unseren Feinden vermeintlichen Anschauungsunterricht zu geben: „Da seht ihr, wie die Juden sind!" Die Milieuschilderung ist unecht, unwahr und wimmelt von entsetzlichen Taktlosigkeiten. Die schmuckbeladene, ungebildete und unmanierliche Frau Stern zeigt in der Behandlung des christlichen Dienstmädchens ein so widerwärtiges Benehmen, daß man Herrn Braun einen hohen Preis für die Einwilligung bieten würde, diese Szenen auf dem Nationalsozialistischen Parteitag in Nürnberg aufführen zu lassen. Solche Szenen sind Geduldsproben für ehrliebende Juden. Man muß sich stark in der Gewalt haben, um beispielsweise eine der größten Geschmacklosigkeiten über sich ergehen zu lassen: So, wenn das Mädchen beim Staubwischen Kirchenlieder singt, wie: „Vom Himmel hoch, da komm ich her", „O du fröhliche", und Frau Stern dazwischenfährt: „Was erlauben Sie sich, hier Kirchenlieder zu singen. Sing' ich hebräische Lieder?", und sich dann bei ihren Lieben beklagt, daß die „Schickse" durch solche Gesänge ihr die ganze Wohnung „trefe" mache. Da lob' ich mir die Herrenfelds. Die Mauscheleien dort waren noch widerlicher, aber Takt hatten diese Leute . . . Wie sehen nun „die Lieben" aus, die sich um Frau Stern scharen? Der Kaufmann Scholem steht vor dem Konkurs. Sein Sohn ist seine einzige Kapitalsanlage. Der darf ein Mädchen nur zu einem Liebhaberpreis liebhaben. Und die einzige Sorge des alten Herrn Scholem ist, daß sein Sohn ihm das Geschäft „vermasselt" und über der Liebe die Mitgift vergißt. Die 80 000 und 100 000 Mark Mitgift fliegen nur so in der Lust herum, und das christliche Ladenmädchen hinter mir tuschelt mit Recht ihrer Mutter zu: „Da sieht man wieder mal — die haben's!" Wie geschmacklos und wie unjüdisch, wenn ein anderer „Kaufmann" aus diesem Familienkreise ausruft: „Gott soll jeden vor Töchtern schützen!" Daß ein verschmähter Liebhaber James Goldner von dem Dienstmädchen, das von der gesamten Familie nur mit „Schickse" und „Sege" angeredet wird, dauernd als „Herr Schammes" tituliert wird, zeigt deutlich, daß Herr Braun auch witzlos arbeitet. „Seht erzch die Typen an! Wie die gucken!" raunte ein biederes Hausmütterchen neben mir ihren Kindern ins Ohr, als in einem Schlußbild die ganze Sippschaft, die einem anständigen Juden innerlich so fremd bleibt wie eine Kongonegersamilie, auf die Bühne kommt. Unsere christlichen Volksgenossen glauben einen delikaten Blick hinter die Kulissen des jüdischen Familienlebens getan zu haben, und der ehrliebende jüdische Toöesftrahlen. Der Stahlhelnuuann und Monteur Brühahn wurde vom Frankfurter Gericht zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich als Erfinder der „Todesstrahlen" ausgegeben und seinen Geldgebern, unter denen sich vor allem schlesische Adlige befanden, die Möglichkeit ausgemalt, die Berliner Juden auf d e nt Tempelhoser Feld zu sammeln und den Todesst r a h l e n auszufetzen. Innerhalb von drei Minuten würde Berlin „judenrein" fein. Herr Brühahn, Herr der Todesstrahlen, Erfinder (er „erfand" sie bloß). Muß nunmehr seine Zeche zahlen. Vorläufig ist die Welt ihn los. Er hatte viele rnmbekommen. Ihm Gründungskapital zu leih'n, Doch wie die Leute Mumm bekommen, Soll nicht so bald vergessen sein. Schwer war's, bis Brühahn sie umgarnte. Aus Schlesiens Adelsschlössern schmausend. Denn da war etwas, was sie warnte. Was das gewesen? Ei, der Tausend! Den Ludendorfs und andere Götter Zur Hoffnung ihrer Welt gemacht. Und der dann, sehr zur Lust der Spötter, Statt jenen Gold, sich Geld gemacht. Herr Abgebrühahn aber siegte. Zwar: „Völkisch" hätte nicht genügt. Doch sinnend, wie er Gelder kriegte. Hat lächelnd er hinzugesügt: „Ein Druck: ein Berg von Judenleichen Bedeckt das Tempelhofer Feld!" Da ließ sich jedes Herz erweichen: Gemacht! Der Mann bekommt sein Geld! Sie gaben's hin für einen Schemen; Sie sind betrogen, sagen sie. Ist Geben fel'ger nicht, denn nehmen? Sie gaben doch. Was klagen sie? Man sieht mit Schaudern die Enthüllung Des Pakts, der seinerzeit geschlossen. Verlangen sie V e r t r a g s e r f ü l - Das sind ja feine Zeitgenossen!... [hing? Uli. Theaterbesucher kann nur grollend ausrufen: „Herr, schütze mich vor meinen Freunden. . .!" Man werfe nicht ein, daß die Tendenz des Stückes versöhnlich wirkt, wnb daß doch gezeigt werden sollte, wie von der jüdischen Jugend der „mammonistische Geist" der Alten revolutionär abgelehnt wird. Ein lächerliches Komödienspiel, wenn man die Kinder schöne Worte sprechen läßt und die Alten hinter ihrem Rücken vereinbaren, daß 100 000 Mark als stille Teilhaberschaft eingetragen werden. Ilebrigens: Die Heiratsvermittlung ist niemals „Tradition" allein bei unseren Eltern und Großeltern gewesen. Wenn in kleinen Städten Bekanntschaften, die im abgeschlossenen Kreise nicht zu erreichen waren, gesucht werden mußten, war diese Eheanbahnung weit sittlicher als die adliger Offiziere aus Garderegimentern, die stich ihr Wappenschild mit der Mitgift jüdischer Schwiegerväter vergolden ließen. Herr Braun hat entweder bedauernswert falsch gesehen oder jämmerlich schlecht erlebt. Wenn er sich vornimmt, künftighin Komödien aus jüdischem Milieu nicht mehr zu schreiben, wird er der jüdischen Gemeinschaft einen großen Dienst erweisen. Artur Schweriner. Die „harmlose" berliner Stuöentenöemonstration. Am 4. Juli fand vor der Universität eine große Wahlkundgebung der „Allgemeinen Studentenschaft" statt, in deren weiterem Verlauf es auch zu judenfeindlichen Kundgebungen kam. Demonstranten zogen die Linden herauf mit dem Ruf: „Deutschland erwache! Juda verrecke!" Trotzdem bezeichnet die völkische Studentenschaft diese Demonstration als von ihrer Seite aus harmlos. Wie wenig zutreffend diese Charakterisierung ist, möge folgender Vorfall beweisen, den uns ein besonders angesehenes Mitglied unseres Vereins aus Groß-Berlin mitteilt. Er schreibt uns: „Am 4. Juli nachmittags 2 Uhr 30 Minuten fuhr ich mit meinem Auto durch die Dorotheenstraße in Richtung zum Reichstag, als plötzlich der Wagen von einer Horde Studenten umringt wurde, die wild durcheinanderschrien und gestikulierten. In meiner Gesellschaft war ein Berliner Augenarzt. Wir saßen ruhig in unserem Wagen. Von den Rufen, die uns entgegenschallten, war nur zu verstehen, daß sie stich gegen die „reichen Juden" richteten. Plötzlich schlug einer der Studenten mit einer Aktentasche auf meinen Begleiter ein, von der anderen Seite wurde von zwei Studenten gegen den Wagen gespuckt. Ein Wachtmeister der Schutzpolizei konnte die beiden Rüpel feststellen, die einer Anklage wegen tätlicher Beleidigung entgegensehen. Das Verhalten dieser verhetzten Burschen ist deshalb besonders sträflich, weil ich selbst schwerkriegsbeschädigt bin." Wir hoffen, daß die Berliner Polizei auch ein Verfahren wegen Anreizung zum Klassenhaß gegen diejenigen Demonstranten veranlaßt, die „Inda verrecke!" gerufen haben.

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