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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1929-06-21 · 6 (21.6.1929) · p. Seite 19

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
5 (1929)
Issue
6 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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19 Hierzu schreibt Werner Rosenstodk: Fritz PloLke hat mit seinen Ausführungen recht, und doch hinwiederum unrecht. Er hat recht mit dem, was er als Forderung für die deutsch-jüdische Jugendbewegung aufstellt, und er hat unrecht in der Bewertung des bisher Erreichten und des bisher Erreichbaren. Um mit dem letzten anzufangen: Es ist mehr als einmal schon sestgestellt worden, daß die deutsch-jüdische Jugendbewegung wie die Jugendbewegung überhaupt für viele, die in ihr gelebt hatten, zur Enttäuschung wurde. Meist liegt dies daran, daß die einzelnen es nicht verstanden haben, die Brücke zwischen dein Bunde und den: „Leben" herzustellen. So kommt es denn, daß sie nach Verlassen des Bundes oft entweder einem krassen Individualismus anbeirnfallen oder aber in andere, entgegengesetzt eingestellte Lebenskreise geraten. Und so ist es auch zu erklären, daß der Kreis derer, die nach Durchmessung des bündischen Jugendstadiums und nach Abstreifen der altersbedingten äußeren Lebensformen organisch den Keim ihrer Anlagen sortentwickeln, ein verhältnismäßig kleiner ist. Dieser Mangel an Q u a n t i t a t aktiver Netterer der Jugendbewegung, und so auch des AelterenbundeZ, wird aber ausgeglichen durch die Intensität, mit der der einzelne,'der nun wirklich den Durchbruch zu den realen Aufgaben findet (denn nicht, oder doch nicht nur um der Verbindung zur Jugendbewegung willen besteht der Aelterenbund), seine Arbeit leistet. Und er leistet sie ja nicht für sich, sondern innerhalb des jüdischen Lebens, innerhalb der großen Organisationen. Und so ist die geringe Zahl der Aelterenbündler zwar direkt für die „Masse" scheinbar wertlos, indirekt aber, dadurch, daß jeder an irgendeinem Platze in irgendeiner „Massen"organis-ation steht, auch für die Gesamtheit von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Woran aber liegt es, daß im Laufe der langen Bundesarbeit in jeden: Bunde allmählich Leute abfallen und daß erfahrungsgemäß nur ein kleiner Kreis von aktiv arbeitenden Aelteren übrigbleibt? Bon Schuldfragen kann man bei diesem Problem überhaupt nicht reden. Man kann nicht sagen, die Jugendbewegung oder der Bund hat ihnen dies und das nicht gegeben. Tenn wer ist denn der Bund anders als d i e S u nr m e d e r j e n i g e n, die ihm an gehören und auf dessen Gestaltung jeder zu seinem Teil einen Einfluß hat? Ist also nicht das herausgekommen, was man sich ersehnt hat, so kann man das nicht aus das Schuldkonto eines a b st r a k t e n Etwas, Bund genannt, schieben. Denn das Gesicht des Bundes hängt von den Menschen ab, die in ihm leben, und jede Generation hat die Jugendbewegung, die sie verdient. Wie nun Fritz Plotke richtig seststellt, hat die Generation der Deutsch-jüdischen Jugendgerneinschast, auf die sich seine Ausführungen beziehen und der er angehörte, wenig Kräfte aus den: Bundesleben für die weitere jüdische Entwicklung gezogen. Wäre die jüdische Unzulänglichkeit, gegen die er sich wendet, nur eine durch akute Verhältnisse innerhalb der damaligen D. I. I. G. bedingte, so würden sich weitere Ausführungen über diese rein interne Frage in diesen Blättern erübrigen. Tatsächlich aber ist die Entwicklung, die der Bund inzwischen genommen hat, so charakteristisch und wahrscheinlich auch nicht vereinzelt, daß sie einer näheren grundsätzlichen Untersuchung, bedarf. Die Schwierigkeit der augenblicklichen jüdischen Situation liegt irr erster Reihe nicht darin, daß das jüdische Wissen zu wenig gepflegt wird. Mehr und mehr zeigt sich, daß, gerade beim Jüdischen, das „Lern e n" nitreinen Si n n hat, wenn es von einer tieferen, über den reinen Erkenntnisdrang hinausgehenden inneren B e t e i l i - g it n g getragen wird. Und was uns heute in erster Reihe fehlt, ist nicht das jüdische Wissen als solches, sondern die feste Basis, auf der dieses Wissen und dieses Lernen aufgebaut werden kann: das jüdisch e M i l i e u. So ist es zu verstehen, wenn viele Gruppen der jüdischen Jugendbewegung zunächst allgemein mrlieubildend wirkten, ohne daß in ihrem Gemeinschaftsleben die „eigentliche" jüdische Arbeit eine große Rolle spielte. Und erst nach einem langen Entwicklungsprozeß war der einzelne innerlich prädisponiert, zu den Fragen der Umwelt in einer Weise Stellung zu nehmen, die sowohl über das Politisch-Taktische als auch über das rein Literarische hinansging. Hätte man das Stadium der allgemein-menschlichen Bereitung übersprungen, so wäre die Auseinandersetzung ebenso fruchtlos geworden wie überall dort, wo man von: jüdischen Menschen zu sprechen vermeint, und in Wirklichkeit nur von jüdischen Ideologien spricht, deren Vertreter oft gzar nicht in der Totalität ihrer Persönlichkeit von dem ersaßt sind, für das es zu wirken gilt. So ist erst seit nicht allzu langer Zeit im Bunde der innere Drang 311 einer wirklich sinnhasten jüdischen Auseinandersetzung. Aus der objektiven Frage, was wird aus den Juden, ist die subjektive, brennende persönliche Lebensfrage geworden: Wie gestalte ich mir m e i n Judentum? Und aus dem Bewußtsein der jüdischen Unzulänglichkeit, die in: Laufe der ideologischen Auseinandersetzung immer deutlicher hervortreten mußte, entsprang der Drang zum Vertiefen in jüdische Werte. Wir haben diesen Teil der jüdischen Arbeit in die „Schule der jüdischen Jugend" verlegt. Damit ist aber nicht die Trennung von Bundesleben und jüdischer Arbeit außerhalb des Bundes eingetreten, die Fritz Plotke als falsch hinstellt. Tenn an den Kursen und Arbeitsgemeinschaften der Schule nehm en die Glieder des Bundes gemein sinn, gleich den andern Bünden, teil, und — was noch wichtiger ist und den Gegensatz zu bisher bestehenden Bildungsanstalten (scheinbar) ähnlicher Art darstellt — die Schule wirkt i h r e r s e i t s milieubildend. Natürlich kann — das wissen wir sehr wohl — die jüdische Arbeit des Bundes nicht damit erschöpft sein, daß er seine Glieder neben der selbstverständlichen jüdischen Verantwortung und jüdischen Aktivität zur wissensmüßigen jüdischen Lernarbeit erzieht, obwohl mit diesen Faktoren gewiß schon eine Menge getan ist. Darum kommt es mehr und mehr darauf an, dem Bunde, der nunmehr gemeinschaftsmäßig ein festes jüdisches Milieu bildet, auch einen unmittelbaren jüdischen Inhalt zu geben, und zwar ganz aus den Gründen heraus und in der Art und Weise, wie sie Fritz Plotke ansührt. Und so betrachten wir es z. B. als notwendig, neben der ideologischen Auseinandersetzung auch die jüdischen Formen (Feiern usw.) mehr in das Bundesleben hineinzubeziehen, um uns so wieder auf neuer Grundlage eine, durch die letzten Generationen verschüttete ursprüngliche selbstverständliche Jüdischteit zu schaffen, die heute um uns herum und im Leben fast aller jüdischer Bünde stark zu vermissen ist. Dadurch kann Fritz Plotkes Forderung, dioaus angeführten Gründen vor drei Jahren eine verfrühte war, der Erfüllung nühergebracht werden: über die jüdische Problematik hinaus zur positiven jüdischen Arbeit! 'Rabbiner und Jugend Tagung des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes am 14, Mai 1929 in Frankfurt a, M. Von R. Stahl (Bad Nauheim) Wer sich von dieser Tagung die mit ihr beabsichtigte B e - gegnungder Rabbiner mitder Jugend erwartet hatte, wurde enttäuscht. Denn gerade diese Begegnung brachte sie nicht. Als Gesamteindruck blieb die Tatsache, daß dort einige junge Rabbiner von ihrem Verhältnis zur Jugend und einige junge „Nicht- Rabbiner" von ihrem Verhältnis zum Rabbiner sprachen. Daß es zu einer zentralen Auseinandersetzung'über das Thema „Rabbiner und Jugend" nicht kam, lag wohl daran, daß die anwesenden älteren Rabbiner schwiegen oder — dort zustimmten, wo mau ihren Widerspruch erwarten mußte. So wurden die jungen Rabbiner, die sprachen, zu „Ausnahme"-Rabbinern, die sich mit „der Jugend" nicht auseinanderzusetzen brauchten, weil sie mit ihr übereinstimmten. lieber „R a b b i n e r u n d I u g e n d b e w e g u n g" sp rach Rabbiner Prinz (Berlin), ausgehend von dem Gedanken, daß die Jugendbewegung (sowohl die „klassische", d. h. romantische, wie die folgende) dem Rabbiner feindlich oder gleichgültig gegenüberstehe. Wie diese Fremdheit zu überwinden sei, das jei das ernste Problem. Prinz konnte keine Lösung geben. Denn der von ihm geforderte ,.Jugendrabbiner" ist keine Lösung, sondern nur eine Verewigung des Zwiespalts, und die von ihm in den Vordergrund geschobene Lehrtätigkeit des Rabbiners istHnur eine, aber nicht die eigentliche Funktion des Rabbiners. Franz Wolf (Frankfurt) forderte eine Versachlichung der Tätigkeit des Rabbiners; diese müsse zu den wirklichen Bedürfnissen des Lebens Stellung nehmen und dürfe sich nicht auf allgemeine Sentenzen und Bibelsprüche beschränken. Sie müsse vielmehr mitten in die lebendigen Ströme der Zeit eintauchen und sich mit allem Lebendigen auseinandersetzen (z. B. Psychoanalyse). Am Beispiel der Predigt wurde das Gesagte verdeutlicht. Der zweite Problemkreis der Taguug, „R a b b i n e r u n d Iugendpfleg e", überschnitt den ersten vielfach. Er kam in den Referaten von Rabbiner Grünwald ^Mannheim) uno von Georg Lubinski (Berlin) sehr ernst zur Behandlung: Im Gegensatz zu Prinz betonten beide, daß wirkliche Beziehung des Rabbiners zur Jugend nur bestehen > könne, wenn der Rabbiner in der Gemeinde stehe und in ihr die lebendige und demokratische Haltung verkörpere, die auch die Jugend habe, wenn er sich nicht in klassenmäßig abgestempelte Organisationen ziehen lasse, sondern der Jugend (und zwar der Jugend aller sozialen Schichten) Jugendheime, Landheime und Sportmöglichkeiten schaffe. Trotz dieser Ausführungen blieb für den „Laien" die Frage unbeantwortet, welche spezifisch rabbinischen Beziehungen zwischen Rabbiner und Jugend bestehen, und wie diese Beziehungen allgemeine Regel werden könnten. Zur Stellung dieser Frage in diesem Kreise Gelegenheit gegeben zu haben, war das Verdienst der Veranstaltung. Jüdischer Turnverein Berlin 1905. Sommcrfportpro- 9 r a nx nt : Leichtathletik: Donnerstag, ab 6 Uhr: Training auf dem Sportplatz Schönhauser Allee (Einsame Pappel). Leitung: Dipl.-Spörtlehrer Ed. Larisch. Sonntag: Spiel- und Sportplatz Treptow, Spielwiese 7, Umkleideraum East, am Park, Am Treptower Park 24, Ecke Moßdorfstr. Treffpunkt jeden Sonntag, %2 1U)t, Bahnhof Börse, Uhr. (Leitung: Alfred Löblowitz.) Turnen und Hallentraining: Montag und Mittwoch, 8 bis 19 Uhr, Große Hamburger Str. 27 (Männer-Abtlg.). Mittwoch, 8 bis 10 Uhr: Hinter der Garnisonkirche (Damen- Abtlg.). Anfragen aller Art sind an die Geschäftsstelle James Silberstein (Tel. F 3, Bergmann 3338/59, Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., 81V 48, Wilhelmstraße 147) zu richten.

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