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Central-Verein-Zeitung · 1929-06-14 · 24 (14.6.1929) · p. Seite 315

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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Offenbarung. Keine Menschensprache kann das tiefste Geheimnis begreifen, das die Stunde durchflammt hat, in der sich Gott den Menschen geofferibart. Gott teilt sich den Menschen mit — und alle Menschenrveisheit verblasst, alle Enge ist Weite geworden, die Nebel, die auf der Menschheit gelastet und ihr den Anblick zur Höhe verwehrt, verwehen im Sturmwind, und in breitem Strome flutet das Gotteslicht über die Erde. Die Strasse zu Gott ist für jedermann frei — nun k°mnd und wandelt zum Lichte! Bis zur Stunde der Offenbarung war die Wahrheit ein Vorrecht der Priester. Sie verwalteten die himmlische Gnade und den göttlichen Segen. Sie waren die Wächter zum Throne Gottes, die fernen Unbefugten durchliessen. Sie waren die einzigen, welche die Handschrift Gottes zu lesen verstanden. Sie waren die Sprecher, die anderen unmündige Kinder. Am Sinai ward die Menschheit mündig gesprochen. Das Tor zu Gott tut sich weit auf, und alle Menschen sind Priester der Gottheit geworden. Gott öffnet seine Arme und harrt auf seine Kinder. Nun tretet ein, die ihr zu Gott wollt. Ueber drei Jahrtausende sind seit dem Tage von Sinai im Zeitensturme vergangen. Wir sind unendlich reicher an Geist als das Volk* das einst am Sinai gezittert. Wir Menschen haben hunderterlei Geist: Erfindungsgeist und Handelsgeht, Forschungsgeist und Sprachgeist, Zeitgeist und Volksgeist in uns auf genommen. Wir sind ein geistvolles Zeitalter geworden, sprühend von kleinen und grossen Geistesfunken, gesättigt mit alten und neuen Gedanken. Nur ein Geist fehlt uns, der Geist vom Sinai, jener Geist, der nach dem Höchsten ringt, der unter der Enge des Ichs leidet und sich nach dem Du der Gottheit sehnt, in dem das Ich des Menschen und das Du der Gottheit in eins zusammenströmt. Ueber all flackern die Strohfeuer der Schwarmgeister ei, der blutleeren Mystik, der nervösen Empfindsamkeit. Aber die hellen Gottesfeuer vom Sinai haben wir erlöschen lassen. Wir müssen am Wochenfeste mit dem Festtagspropheten beten: ,,0 offenbare dich noch einmal unserer Zeit!“ (Hahak. 3, 2.) Denn „ohne Offenbarung entartet ein Volk, heil ihm, wenn es der Offenbarung sich erschliesst (Spr. 29, 18.) Wir müssen wieder zum Sinai hinauf pilgern, wieder seine Flammen lodern sehen und den Gottesodem der Offenbarung in uns einaimen. Nur dann wird das Endziel erreicht, das der Menschheit einst vom Sinai her gekündet Worden ist: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern und ein heiliges Volksein.“ Siadtrabhiner Dr. Rieger (Stuttgart), (Schluss des Aufsatzes: >}Vom Feldherrn zum Pcl'tiker“.) fahrt von einem Seeoffizier erkannt, der diese Entdeckung dem Kapitän mitteilte. Es war also nicht gelungen, unauffällig Kopenhagen zu erreichen, und der General sah sich nach einigen Tagen von allen Seiten beobachtet, was ihm äußerst unangenehm war. Er besprach sich mit feinem Begleiter, und sie beschlossen, nach Sehweden auszuweichen ..." Den Spaziergang am Brandenburger Tor. . . . „In unsernr Domizil begann ein äußerst betriebsames Leben, das seinen Gipfelpunkt und Abschluß im Kapp-Putsch fand. Anfangs war es ein kleiner Kreis, der Ludendorff umgab. Aber die Zahl seiner Anhänger mehrte sich von Tag zu Tag, und schließlich ging es bei uns zu wie bei einem berühmten Arzt. Die Menschen strömten aus allen Teilen Deutschlands herbei, ein Besucher gab denn andern die Klinke in die Hand, und sie harrten geduldig, bis sie — wie unsere Bekannten scherzhaft sagten — „zur Konsultation zugelassen wurden". In allen Zimmern fanden Besprechungen statt, und alle die Männer, die später im Kapp-Putsch eine Nolle spielten, gingen bei uns ein und aus: General von Lüttwitz, General von Oven, Oberst Bauer, Hauptmann Pabst und andere mehr. Selbst der Abenteurer Trebitsch-Lincoln fehlte nicht, und Kapp selbst kam häufigso daß ich ihn kennenlernte . . . Selbstredend konnte ich mir gusammenreirnen, daß alle diese Männer aus bestimmten Gründen bei uns zusammeukämen. Wegen irgendeines nationalen Bestrebens . . . Um was es sich in Wirklichkeit handelte, wußte ich nicht. In meiner Gegenwart — ich war ja selten bei den Zusammenkünften zugegen — wurden nur allgemeine Themen berührt . . . Ich fragte auch nicht weiter, denn Ludendorfs hatte mir nicht einmal, sondern oft erklärt, ich müßte feinen politischen Unternehmungen sernbleiben, er sei sonst behindert in seiner Bewegungsfreiheit. Es störe ihn schon, wenn er das Gefühl haben müsse, daß ich als Mitwisserin einen Teil der Verantwortung trüge . . . Ich dürfte von dem, was jetzt geschähe, nichts wissen, denn, was man plane und vorhabe, sei ein gefährliches Spiel. Es könne mißlingen, und da müsse ich unter allen Umständen mit reinem Gewissen da stehen und vor jedem Richterkollegium aussagen können, daß ich an den politischen Bestrebungen in meinem Hause keinen Anteil habe. Je näher der Zeitpunkt der Unternehmung kam, mit um so größerer Vorsicht ging man zu Werke. Das war aber auch nötig, denn wir wurden von allen Seiten bespitzelt. Nicht nur Kapps Reden machten auf auch einen tiefen Eindruck, auch Hauptmann Papst mit seinen Borträgen blieb nicht ohne Einwirkung auf mich . . . Aber er war ein Versager und Blender, wie Kapp selbst. Ihre großen Worte standen in keinem Verhältnis zu ihren Taten. Ich habe später, als ich die Zusammenhänge kannte, nie begriffen, daß sich Ludendorff einzig und allein von der bestechenden Beredsamkeit dieser Männer gefangen nehmen ließ, ohne Garantien zu fordern für das Gelingen der großen Sache. Es ist unfaßlich, daß ein Mann wie er, bei seiner Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit sich an einer Sache beteiligte, der jede, aber jegliche Organisation mangelte. Tie in alle vier Windrichtungen geflohenen Kappisten hinterlicfscn, nach Zusammenbruch des Putsches, ein Bureau, das mit beinahe sträflichem Leichtsinn und ohne jede Ordnung geleitet worden war. Nicht einmal die Gehälter hatte man den Angestellten gezahlt..." Der Rosenzüdifer von Mündien. „Ich komme jetzt znrn Hitler-Putsch. Schon Monate vorher war unser Haus der Mittelpunkt, man könnte fast sagen, die politische Zentrale der Nationalsozinlisten. Es ging bei uns zu wie in einem Taubenschlag. Täglich . . . stündlich fanden Besprechungen statt. Damit kein Verdacht aufkam, verstand es Ludendorff meisterhaft und mit großer Geschicklichkeit, sich vor aller Augen im Garten zu betätigen. Er schnitt die Rosen, goß die Blumen und besprengte den Rasen, als ob er der harmloseste Mensch von der Wett wäre, dem jeder Gedanke an politische Umwälzungen fernläge. Hitler kannte ich damals noch nicht . . . . . . Was die Herren sonst noch in unsernr Hause besprachen, weiß ich wicht. Ich hatte keinen Teil daran, wie bei dem Kapp- Putsch auch nicht. Es ging sehr geheimnisvoll zu, und von vielen Menschen, die ständig bei uns aus- und eingingen, wußte ich nicht einmal die Namen. So erfuhr ich erst nach Jahren, daß ein Herr, mit dem ich oft genug freundliche Grüße getauscht hatte, Kapitän Ehrhardt gewesen war. . . . Ueber den Hitler-Putsch brauche ich nichts zu erzählen. Es ist genug darüber geschrieben worden. ... Ich möchte nur schildern, was sich bei uns zutrug am Jahrestage der Republik, als Dr. von Kahr seine Versassungsrede int Vürgerbräu hielt. Bis zum Nachmittag verlies alles normal . . . . . . Ludendorfs war in seinem Arbeitszimmer. Ich hörte ihn ruhelos hin und her gehen, statt daß er, wie sonst, am Schreibtisch saß und arbeitete. Gegen 9 Uhr abends trat er bei mir ein und sagte: ,Jch muß noch in die Stadt fahren, ich werde gleich von einem Auto abgeholt. Man braucht mich aus einer nationalen Versammlung/ Kurz daraus sauste ein Auto in rasendem Tempo heran und hielt vor dem Hause. Die Hupe ertönte, Ludendcwff trat zum Hause heraus, stieg ein, und im nächsten Moment war das Auto fort. Alles war wie ein Geisterspuk an mir vorübergeglitten. Es hatte sich mit solcher Schnelligkeit abgespielt, daß ich nicht einmal meinen Sohn am Steuer des Autos erkannt hatte ... % . . . Aus Anraten Ludendorfss war ein Demonstrationszug unternommen worden, um die Stimmung der Bevölkerung zu prüfen. Ob für Ludendorff und Hitler, also monarchistisch, oder umgekehrt . . . Es war zu dem bekannten Zusammenstoß an der Feldherrnhalle gekommen, und es hatte auf beiden Seiten eine ganze Anzahl Tote nnd Verwundete gegeben. Kurt, unser Diener, war tot, und auch Ludendorss sollte gefallen sein . . . Das Gerücht von seinem Tode war erfunden. Hitler und er waren am Leben, nur unser armer Kurt war im Kampfe geblieben. Ludendorff benachrichtigte mich auch, daß er noch nicht nach Hause kommen könne, da seine Anwesenheit in der Stadt erforderlich sei. Er erschien erst am Abend. Vernehmungen, ans dem Polizeipräsidium und vor Gericht hatten ihn solange sestgehaltcn. Seine Empörung kannte keine Grenzen- Der Hitler-Putsch war in wenigen Stunden endgültig erledigt. . . . Im übrigen war die Organisation der Bewegung ebenso „vortrefflich" wie damals in Berlin! Mitglieder der benachbarten Ortsgruppe Pasing saßen zürn Beispiel friedlich beim Maßkrug zu Hause, ohne eine Ahnung davon zu haben, vaß man in diesem Augenblick im Begriff stand, in München die Regierung zu stürzen und eine nationale Diktatur einzurichten ..."

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