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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-24 · 21 (24.5.1929) · p. Seite 274

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 ordentlich schnell in sich die Kraft gefunden, die Infektion zu bekämpfen und zu beseitigen, allen voran die Hamburger und die Frankfurter Großloge. In den Erörterungen hat natürlich das sogenannte christliche Prinzip eine große Rolle gespielt. Es ist wichtig, gerade jüdische Kreise über die Bedeutung dieses Prinzips aufzuklären. Ist doch oft genug in neuerer Zeit die Frage gestellt worden, ob denn überhaupt ein selbstbewußter Jude noch Freimaurer sein könne. Das sogenannte christliche Prinzip ist fast so alt wie die moderne Freimaurerei überhaupt. Unsere gegenwärtige Freimaurerei, wiewohl sich Abhängigkeiten aus früheren Zeiten nicht leugnen lassen, stammt aus dem Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, als sich in England aus den alten Werkmaurerbünden Logen entwickelten, die eine Konstitution sich in den sogenannten „Alten Pflichten" schufen. Diese Konstitution ist aus James Anders o n in London zurückzusühren. Freimaurer kann hiernach „ein freier Mann von gutem Ruf" werden. Die Zugehörigkeit zur Loge soll ihre Mitglieder „nur zu derjenigen Religion verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen". Von den englischen Logen leiten sich fast alle als echte Freimaurerlogen anerkannte Logen ab. Eine der ersten von England aus gegründeten Großlogen in Deutschland war die G r o ß e L o g e v o n Hamburg, der Männer wie Friedrich der Große, Goethe, Lessing, Wieland angehörten. Sämtliche deutschen Großlogen mit Ausnahme der sogenannten Altpreußischeu Logen beruhen aus dem Prinzip der Altenglischen Logen und nennen sich, wie auch die Mehrzahl der Logen der ganzen Welt, humanistische Logen, weil die Entwicklung des Menschen ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis Ziel und Zweck ihrer Arbeit ist. Die Großlogen von Hamburg und Frankfurt haben sich jederzeit als Hort des humanistischen Gedankens bewährt. Als in Preußen im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts die Große National mutter löge zu den drei Weltkugeln und dann die Landesloge der Freimaurer von Deutschland gegründet wurde, ersetzten diese die Bestimmung, daß jeder freie Mann von gutem Ruf der Loge zugeführt werden könne, durch die Bestimmung, daß nur ein freier Christ von gutem Ruf Mitglied ihrer Logen werden kann. Worauf dieses sogenannte christliche Prinzip historisch beruht, ist sehr zweifelhaft. Es sprechen teilweise dabei Erinnerungen an die Satzungen alter christlicher Orden mit. Es war auch, und zwar sehr erheblich, die Erwägung maßgebend, daß die katholische Kirche die Freimaurer als Gottesleugner befehdete, und daß deshalb vor der Welt das Bekenntnis zum christlichen Glauben betont werden sollte. Eines stehk aber fest, daß die Abänderung der altenglischen Verfassung bei Gründung der sogenannten Ältpreußischen Logen nicht von Erwägungen beeinflußt war, die man heute als judenfeindlich bezeichnen könnte. Juden kamen damals in Preußen ernstlich als Mitglieder der Logen überhaupt nicht in Betracht. Die dritte Altpreußische Loge, die Große Loge von Preußen, genannt „Royal Zork zur Freundschaft", ist als humanistische Loge gegründet worden. Ihr haben viele Juden, angehört, nur am sog. „Inneren Orient" nahmen jüdische Mitglieder der Loge nicht teil, weil dort sich positiv christliche Anschauungen im Brauchtum geltend machten. Diese Großloge hat im Laufe des Krieges die Bezeichnung „Royal Pork" aus ihrem Namen gestrichen und ist nach dem Kriege zum christlichen Prinzip übergegangen. Es ist nach echter -freimaurerischer Anschauung zwischen den humanistischen Logen und den Logen christlichen Prinzips nur ein Unterschied in der Lehrart. Während die humanistischen Logen die Entwicklung zum Menschen als die höchste Aufgabe ansehen, sehen die Logen christlichen Prinzips in der Person Christi die absolute Vollendung des Menschentums. In dem Streben nach der Vollendung des Menschen wußten sich echte Freimaurer beider Lehrarten stets eins. Der echte Freimaurer kennt nur Brüder-Freimaurer, wenn auch verschiedener Lehrart. Sämtliche Logen standen bis zum Kriege in innigster brüderlicher Verbindung. Jeder Angehörige einer Freimaurerloge war in jeder anderen Loge jeglicher Lehrart willkommen. Die Altpreußischen Logen haben in Deutschland eine überragende Stellung, weil in einem Edikt „wegen Verhütung und Bestrafung geheimer Verbindungen" vom 20. Oktober' 1798 der König Friedrich Wilhelm II. alle geheimen Verbindungen verboten hatte und eine Ausnahme nur für die drei Altpreußischen Logen und deren Tochterlogen machte. Dadurch war es 1 seit dem Jahre 1798 sämtlichen deutschen Großlogen unmöglich 1 geworden, Tochterlogen in Preußen zu errichten. Es war die | Großtat des Professors Hermann Settegast, daß er \ dieses Monopol der Altpreußischen Logen beseitigt hat. Sette- 'i gast, der dem der Freimaurerei zugehörigen Kaiser j Friedrich nahestand, war der höchste Würdenträger der 1 Großloge „Royal Ljork zur Freundschaft". Er legte am 15. Sepi tember 1889 all seine Würden nieder, weil er zu der lieberj Zeugung gelangt war, daß ehrenvollen und wertvollen Juden, 'ß lediglich weil sie Juden waren, die Aufnahme * in die Loge versagt wurde. Settegast gründete mit einer Anzahl von Freunden eine neue selbständige Großloge, die den Namen ü „Große Freimaurerloge von Preußen", geh nannt „Kaiser Friedrich zur B u n d e s t r e u e", sich | beilegte. Die Gründung wurde dem Berliner Polizeipräsidenten j angezeigt, der unter Berufung auf das Edikt von 1798 der § Loge verbot, sich als Freimaurerloge zu bezeichnen. Gegen B dieses Verbot gingen S e t t e g a st und sein Mitkämpfer Justiz- [1 rat Hugo Alexander-Katz vor. Im Verwaltungsstreithi verfahren wurde die Verfügung des Polizeipräsidenten unter der Feststellung aufgehoben, daß es keinerlei privilegierte Ver- P eine mehr gebe, daß vielmehr alle Vereine gleichmäßig dem j Gesetze unterliegen. Die weitere Entwicklung der sogenannten p Settega st-Logen interessiert hier nicht. Sie gingen p später ehrenvoll in die Hamburger Großloge über. Durch;j Sette gast war erst die Möglichkeit geschaffen, daß nunmehr jj die außerpreußischen Großlogen, die sämtlich auf humanisti- $ schem Standpunkt standen, Tochterlogen in Preußen gründen fj konnten. Hiervon haben die sämtlichen außerpreußischen huma-!j nistischen Großlogen in weitestem Umfange Gebrauch gemacht. p Die damals gegründeten Tochterlogen der humanistischen Groß- $ logen sind zu höchster Blüte gelangt. Seit dem 22. April 1893, ]\ dem Tage des oberverwaltungsgerichtlichen Urteils im Settegast- || Streite, gehören zahlreiche Juden, zum Teil in führender Stellung, den Tochterlogen der humanistischen Großlogen in jj Preußen an. Unter den besten Freimaurern unserer Zeit werfl den deutsche Juden in hohen Ehren genannt. Sie haben nie- 'j mals Tageserscheinungen mit dem großen Gedanken des [j Menschheitsbundes der Freimaurerei identifiziert, und es muß p festgestellt werden, daß sie hierbei, von immerhin geringen p Ausmchmen abgesehen, Hand in Hand mit ihren christlichen :j Brüdern humanistischer oder christlicher Lehrart freundschaftj lich zusammengearbeitet haben. J Das Bild hat sich seit dem Kriege getrübt, aber es fehlt j auch hier nicht an dem Silberschein am Horizont. Im Kampfe I gegen Tageserscheinungen der Nachkriegszeit dienten jüdische Freimaurer und ihre sehr vielen christlichen Freunde aus Logen ß aller Systeme den besten Traditionen der Freimaurerei. Es 1 gebührt den jüdischen Freimaurern höchste Anerkennung, daß j sie aus ihrer hohen freimaurerischen Anschauung heraus die i Freimaurerlogen nicht verlassen haben. Sie beginnen, auch außerhalb der humanistischen Logen, die Früchte dieses Mutes;■] zu ernten. Die Zeit bis zur vollen Ernte darf man nach dem | Ungeheuren, was man seit dem Kriege erlebt hat, nicht zu kurz bemessen. Die Ernte wird kommen, nicht im Sinne „jüdischer Herrschastsgelüste", sondern im selbstlosen Dienste an den ' hohen Aufgaben der Freimaurerei. J .Ml MM M-MWMl in WM." Sechs Spalten breit, in größten Lettern, reckt sich diese Ueberschrift ,'j über einen Triumphartikel des „Völkischen Beobachte r s" h (16. Mai). Keine Gegend Schlesiens blieb unberücksichtigt. All die Z nationalsozialistischen Agitatoren, die man aus den Berichten der 1 völkischen Presse kennt, reisten von Ort zu Ort. . Im April wurden i allein in einer Woche 100 Versammlungen mit ] glänzendem Erfolge durchgesührt und in i 80 Versammlungen 30 000 Besucher gezählt. Mit! besonderer Freude vermerkt der Bericht, daß die A r be i t er s ch a f t einen hohen Prozentsatz der Versammlungsbesucher gestellt habe. | Gerade indenJndustrieortenwar dieAnteilnahme J der Bevölkerung am stärksten. Die nationalsozialistische Agitation hat bei ihrer Arbeit in Schle- J sten dieselben Methoden angewandt, die sich bei den sächsischen U Wahlkämpfen so gut bewährt haben. In Schlesien und in ß anderen Landesteilen wird allerdings noch einige Zeit vergehen, \ bis politische Wahlen etwaige Erfolge der Nationalsozialisten j deutlich machen werden. Diese Zeit gilt es zu nutzen. -- Die Ergebnisse unserer Tätigkeit haben gezeigt, daß, wo Menschen, I auf die notwendigen Mittel gestützt, sich an die Arbeit begeben, auch i tatsächlich wertvolle Arbeit geleistet werden kann. Diesen Bors bildern wird zu folgen sein. | i

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