Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- Seite 273 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 24. Mai 1929 VHI. Jahrgang * Kr. 21 Einzelnummer 20Pfennig _’±-a Witter sürDrulsrdtmnMj «ndlluoenwm Bierleljahrsabonnemenl 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). 'vryaa-es üntM-1-erüas-eollÄrw Allgemeine Zeirun^ des Judentums »erlag u. Cchristleitung: Berlin «8, Lindenstr. IS. Fernsprecher: Amt DSnhofs »594,85SS. Postscheckkonto: Berlin 80t72. Bankkonto: Dresdner Bank. Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin f 8. . „ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpe^ition Rudolf Mosse, Berlin SVf 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIS. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilemnester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder ü. Centralvcreins 0,45 JIJL, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JIJ*» Die deutsche Zretmaurerel / BetrachlMMN MO südlichen MimaurM. | Vor mir liegt ein hübsch ausgestattetes Buch: „Die Frei-; maurerei, ihr Ursprung, ihre Geheimnisse, ihr Wirken." Von Gregor Schwartz - Bostunits ch, ehemaligem russischen;i Hochschullehrer, Alexander Duncker-Verlag, Weimar. Das :j Buch ist mir oft in Buchauslagen des In- und Auslandes an 1 bevorzugter Stelle begegnet. Es ist mit zahlreichen Bildern 1 versehen. Der Verlag hat sich die Herausgabe des Werkes 1 etwas kosten lassen, es muß sich also doch um eine markt- | gängige Ware handeln. 5 Bücher über die Freimaurerei finden stets einen gewissen i Absatz, namentlich wenn sie mit Bildern versehen sind, die den Eindruck erwecken, daß man aus ihnen wahre Angaben t über das Brauchtum der Freimaurer entnehmen kann. Alles, | was mit dem Reiz des Geheimnisses ausgestattet ist, wird stets!| die Neugierde erwecken, obwohl nichts in der Freimaurerei J existiert, was nicht schon längst auch in ernsten Schriften Publij ziert ist. Hier handelt es sich um eine wertlose Schrift, die j. nach keiner Richtung geeignet ist, Kenntnis von der Frei- | maurerei zu verbreiten. Jeder Kenner der Freimaurerei kann | die aufklärenden Mitteilungen des Buches nur mit lautem | Lachen lesen. Bei den Bildern wird eine längst beliebte Meä thode gewählt: einige wenige Bilder, die übrigens allgemein 1 bekannt und längst veröffentlicht sind, geben wirkliche freiß maurerische Vorgänge wieder, alle übrigen sind Phantasie- J bilder, die elenden Hetzschriften entnommen sind oder zu Hetz- | zwecken hergestellt sind, wobei ich durchaus unterstellen will, 1 daß der Verfasser gutgläubig hineingefallen ist. Ich möchte f dies selbst von der Abbildung annehmen, die einen Ausschnitt Inns dem freimaurerischen Todesurteil enthält, das, einen Monat nach dem Erscheinen der ersten russischen Ausgabe des E Werkes im Jahre 1922, in Belgrad dem Verfasser Zugestellt wor- | den sein soll. Ich will auch hier annehmen, daß das Buch in I einem geistvollen Witzbold einen Scherz ausgelöst hat, den der E Verfassers ernst genommen hat. f Vom Standpunkt des jüdischen Freimaurers führen solche J Bücher aber zu folgenden Betrachtungen: I Zunächst ein Sathrspiel. Die Freimaurerei ist eine Ein- | richtung, die an den einzelnen ihr zugehörigen Menschen außer- *) Die Schrift ist eine Hetzschrift gegen die Freimaurerei und vor allem gegen den jüdischen Einfluß in den Freimaurerlogen. Wir finden nicht nur Kapitel über die Geheimgefellfchaft der Inden, über Nitualmord und Vlutopfer, über das Ziel der Juden und die jüdische Weltherrschaft, sondern beinahe durch das ganze Buch geht die Anschauung, daß die Logen von den Juden Zweckbewußt zur Verbreitung der jüdischen Macht benutzt werden. Das Buch steht in dieser Hinsicht etwa auf der Höhe der berüchtigten Broschüre von Erich Ludendorfs: „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse", wenn auch Schwartz- Vostunitsch die Enthüllungen von Ludendorff über die symbolische Veschneidung nicht mitmacht. Es lohnt sich nicht, auf die judenhetzerischen Ausführungen der Schrift näher einzugehen, es genügt, folgendes niedriger zu hängen: Der Verfasser läßt es ünuntersucht, ob die „Protokolle der Weifen von Zion" gefälscht sind. Er begnügt sich hinzuzufügen: „Ist das Protokoll gefälscht, so ist sein Fälscher das größte Genie, denn Schritt für Schritt sieht man die einzelnen Punkte verwirklicht werden." Bei den üblichen Ausführungen über den Nitualmord zitiert er überzeugende Ausführungen aus dem „Hammer": „Man mag über die sogenannten jüdischen ordentliche Anforderungen stellt. Jeder Mensch hat eine eigene ihm vom Schicksal gegebene Aufgabe zu lösen. Er soll seitr Menschentum zu einem harmonischen Kunstwerk gestalten. Unterscheidungen nach Abstammung. ..Rasse". Glauben kommen dabei nicht in Betracht. Aber die Freimaurerei besteht nicht aus Engeln, sondern aus ringenden Menschen mit all ihren Schwächen. Ihre ganze Lehrart verkennt dies nicht. Sie huldigt keinem verstiegenen Mystizismus. So bleiben, wenn es auch dem Wesen der Freimaurerei und insbesondere der deutschen Freimaurerei entspricht. Politik aus ihrem Tempel zu bannen, doch, wie die Menschen nun einmal sind, politische Infektionen nicht an der Pforte des freimaurerischen Tempels stehen. Auch die völkische Infektion nach dem Kriege hat die sreimaurerischen Kreise nicht verschont. Diese Infektion, die selbstverständlich nicht in hetzerischer Form auftrat. sich aber stark gegen die..Judenlogen" richtete, beschränkte sich durchaus nicht aus die sreimaurerischen Logen des sogenannten christlichen Prinzips, über welches noch ein Wort zu sagen sein wird. Die völkische Hetze hat aber keine Unterscheidung gemacht. Sie hat die Logen christlichen Prinzips genau so begeifert wie die sogenannten humanistischen L o g e ne Schriften wie die von Ludendvrff und die von Schwartz-Bostunitsch machen keinen Unterschied zwischen diesen beiden Systemen. Für sie sind alle Freimaurerlogen durch ..jüdischen Einfluß zersetzt". Offiziersbünde haben die Freimaurer, gleichgültig, welchen Logen sie angehören, aus ihren Reihen auszuschließen versucht, und es hätte nicht viel gefehlt, daß die deutschen Burschenschaften diesem Beispiele folgten. Nicht einmal an der Person des Reichspräsidenten von Hin» d e n b u r g wurde halt gemacht, als dieser bei einem Empfange deutscher Freimaurer darauf verwies, daß sein Vater ein eifriger Freimaurer gewesen sei. Diese Erlebnisse haben ernüchternd gewirkt und die Besinnlichen gestärkt. Die völkische Einstellung verliert zweifellos auch innerhalb derjenigen Logen, die ihr zugänglich gewesen sind, den Boden. Die sogenannten humanistischen Logen haben übrigens außer- Kindermvrde denken wie man will, so bleiben doch immerhin drei Umstände ausfallend: 1. daß dabei stets ein starker und von Tatsachen gestützter Verdacht auf einzelne Juden fällt, 2. daß dabei immer eine gewisse unnatürliche Vlutentziehung entstand, 3. daß dabei nie ein nichtjüdischer Täter gefunden oder auch nur verdächtigt wurde." Ein sehr interessanter Beitrag zu dem kürzlich in dieser Zeitung erschienenen Aufsatz des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß: „Wie Nitualmordgerüchte entstehen." Das Bedecken des Hauptes im sreimaurerischen Tempel ist ein jüdischer Brauch. Der Verfasser weiß offenbar nicht, daß der spanische Grande als Zeichen seiner Freiheit in Gegenwart des Königs sein Haupt bedeckte, daß der deutsche Richter, wenn er den Eid abnimmt, sein Haupt mit dem Barett bedeckt, daß der Soldat bei feierlichen Handlungen den Helm auffetzt! Den Höhepunkt bildet eine Darstellung der sreimaurerischen Grade, bei der über dem 33. Grade, den es übrigens in Deutschland nicht gibt, als einer der drei nur den höchsten Würdenträgern zugänglichen Grade die Alliance Isra&liteUniverselle >dargestellt wird. Man könnte über solche Narrheiten lachen, wenn es nicht so tief traurig wäre, daß solche Bücher ihre Leser finden, und daß solche Ausführungen sogar geglaubt werden.