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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · p. Seite 259

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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259 | Hitlers Geldquellen. | Das Urteil im Münchener Belei-ignngsprozetz. f In bcnt Pressebeleidigungsprozeß, den Adolf Hitler vor dem Münchener Amtsgericht angestrengt hat, um den oft gegen ihn erhobe- 1 nett Vorwurf zum Schweigen zu bringen, daß er für jetue Bewegung I ausländische Gelder erhalten habe, wurde nunmehr das Urteil ver- I kündet. Wer die Berichte über die Beweiserhebung verfolgt hat, I konnte vom Ausgang nicht überrascht fein. Das Urteil kantete für Z Herrn von G r a e f c, den Redakteur Oster h u b e r vom „Bayer i- 8 scheu Kurier" und den Redakteur Z e r s a ß von der sozialdemokrati- I scheu „Münchener Post" auf je 1000 Mark, für zwei Mitangeklagte, ß sozialdemokratische Parteisekretäre, die ähnliche Borwürse auf einem E Wahlplakat mit ihrem Namen gedeckt hatten, aus je 800 Mark Strafe. 1 Einen besonders pikanten Reiz erhielt der Prozeß dadurch, daß die 1 übrigen Angeklagten sich bei ihren Vorwürfen gegen Hitler auf z Artikel seines früheren Parteifreundes von G r a e f e I berufen konnten. Gegen diesen Angeklagten richtete sich auch der Groll f des Klägers am stärksten. j Das Gericht hat angenommen, daß der d e n A n g e k l a g t e n o b- 9 liegende Wahrheitsbeweis mißlungen sei. Es ist auch I nicht zu verkennen, daß in der Beweiserhebung wohl Verdacht, Vermutungen, Kombinationen, aber keine juristisch zwingenden Beweise zutage gefördert wurden. Was der selbst stark nationalistische Dr. von Breh m e r ü bet feine i n M e r a n und S i z i l i e n l geführten Unterhaltungen mit maßgebenden Faschisten erzählte, konnte das Gericht nicht als beweisend ansehen, weil er kein eigenes Wissen von den Vorgängen hat, sondern! sich auf faschistische Gewährsmänner beruft, deren Namen er nicht angebeu will. 3 ' Der „Bölkische Beobachter" hat schon wahrend des Pro- E zesses den Mund sehr voll genommen, und Hitler wird, wie er ankündigt, am Abend nach der Urteilsverkündung in einer Masfeni Versammlung den „Zusammenbruch der Einheitsfront der Lüge" beß leuchten. Er wird dies sicher mit dem agitatorischen und dema- | gogischeu Geschick tun, das ihn auszeiehnet. Allein, die starken Töne 1 iverden den kritischen Beurteiler nicht darüber hinwegtäuschen, daß j! Hitlers politisches Ansehen d u r eh den Prozeß g keine Stärkung erfahren ha t. Gewiß, der Borwurf des | Herrn von Graefe, daß materielle Einflüsse Hitler | z n r Preisgabe der Deutschen S ü d t i r o l s b e - st i m m t hält e n , blieb u n b e w i e s e n; aber die Tatsache | selbst, das; Hitler unbedenklich die Deutschen in Südtirol Z seiner Politik opfert, wurde nur um so stärker unterstrichen. I Seine nationalen Ziele müssen eben znrncktreten, wo der 1 Glanz t>cx faschistischen Internationale auf dem Spiele | steht. 4 Ebenso iuk der „vt a t i o n a l e M ann" erscheint auch der E ,M rbeite r f ü h r e r" in merkwürdigem Licht. Die Frau des Berj | Der §!uch öes Schlagworts. $ Die nationalsozialistische Schülerversammlung j in Berlin. Wie wir in Nr. 16 der „C. V.-Zeiiung" vom 19. April mittcitten. f liat bei nationalsozialistische Schülerbund durch Flugzettel, die vor Iden Charlottenburger Schulen verteilt wurden, zu einer Schülerversanunlung am Hinunelfahrtstage eingeladen, bei der Reichstagsabgeordneter Lehrer Wagner über das Thema: „Schulkampf" sprechen sollte, lieber den wahren Verlauf der Versammlung, die nach Angabe der Nationalsozialisten von etwa 1500 Schülern besucht P gewesen sein sott — in Wahrheit waren etwa 300 bis 400 dort —, | berichtet nachstehend der bekannte Pädagoge Prof. Dr. Paul | Hildebrandt. Die Schriftleitung. | Es war doch erstaunlich, was die nationalsozialistischen Redner 1 der Berliner Schuljugend höherer Schulen bieten konnten, und 9 für den Lehrer entstand die bange Frage: wenn bei diesen Platt- | h eiten und unbewiesenen Behauptungen, wenn bei dieser Ent- | Wicklung einer „einheitlichen Weltanschauung", in der keine Bejf hauptung zur anderen Paßte, sich in diesem immerhin leidlich 8 gefüllten Saale kein Mensch zum Widerspruch aufraffte, ja eine 1 große Zahl von Zuhörern immer wieder in frenetischen Beifall 8 ausbrach, hat dann die Schule ihre Schuldigkeit getan? Hat sie | wirklich ihre Zöglinge zu einigermaßen logischem Denken erzogen? J Einmal wurde erklärt, der alte Staat habe sich für die nationalen § Werte eingesetzt, dann wieder, man wolle gegen den Byzantinismus J der wilhelminischen Epoche zu Felde ziehen. Einmal behauptete ein ß Redner, in der alten Schule habe man keinen Zusammenhang init dem praktischen Leben gewonnen, dann ein anderer, die neue tauge nichts, weil sie dem politischen Leben zu sehr nachgäbe. Sozialisten sind diese Leute, weil sie in jedem Volksgenossen ihren Genossen sehen. Hetzen wollen sie nicht, aber die Juden müssen verhauen und hinausgeworfen werden! Wahrhaftig — die Leute haben es sich leicht gemacht: die „Arbeitsschule erzieht zum Schwatzen", „wir wollen nicht alle zu jüdischen legers Bruck m a n n und die Frau des Fabrikanten B e ch st e i n bekundeten unter Eid, daß sie und ihre großkapitalistischen Gatten in enger und vertrauter Verbindung mit Hitler stehen, so daß er ihnen -sicherlich anvertraut hätte, wenn er wirklich Gelder aus Italien bezogen hätte. De r Arbei t e r füh rer, der seine io i ch - 11 g ft c n Staatsgeheimnisse tyPi s ch e n Vertretern von A r b e i t g e b e r i n t e r e s s e n bedenkenlos a n vertraut: das ist immerhin ein Gewinn aus der Beweiserhebung. Ein Zeuge, aus den Herr von G r a c f c all seine Hoffnung.setzte, wurde nicht vernommen: der deutsche Gesandte von Neurath in Rom. Der Vorsitzende lehnte seine Vernehmung ab und enthob damit das Auswärtige Amt der Peinlichen Entschließung darüber, ob es aus außenpolitischen Rücksichten die Entbindung des Gesandten vom Berufsgeheimnis versagen sollte. Was Herr v o n N e u r a t h , wenn er hätte aussageu d ü r f e n , hätte aussagen k o n lt e n, das wird man wohl nie erfahren. Der Angeklagte v o n G raese hat sieh unseres Erachtens zu einseitig darauf versteift, beweisen zu wollen, daß Hitler italienische Gelder wissentlich angenommen und sich dadurch zu seiner Preisgabe der Deutschen in Südtirol habe bestimmen lassen, ein Vorwurf, dessen Beweisbarkeit von Anfang an im höchsten Grade zweifelhaft war. Darüber ist aber eine andere Erwägung unter den Tisch gefallen, die zwar Hitlers Charakter persönlich nicht trifft, aber doch zeigt, wie sein politisches Wirken von maßgebenden Stellen int Anstand eingeschätzt wird. Der Kapitänleutnant Wenig hat die schon aus den Verhandlungen des Untersuchungsausschusses bekannte Tatsache als Zeuge bekundet, daß im Jahre 1923 der englis ch e Arbeiterführer Morel dein d ainaligen Geue r eilst a a t s k o m m i s s a r von K a h r b e st i nt ui t erklärt h a b e, H itler b.e k o m m e f ü r seine Bewegung französisches Geld, aber das Geld laufe durch so verborgene Kanäle, daß der E m p s n n g e r selb st seine Herk u n f t gar n i eh t erraten könne. Wenn wirklich faschistische Kreise Italiens die Hitler-Bewegung finanziell unterstützen wollten, wäre es denkbar, daß sie die Herkmtst des Geldes in ähnlicher Weise im Dunkeln hielten, so daß Hitler und seine Kassenführer in i t gutem Gewisse lt in Abrede stellen können, italienisches Geld erhalten zu haben. Wenn nationalistische Kreise im ehemals feindlichen Ausland solche Schleichwege eiuschlagen sollten, um die nationalsozialistische Bewegung zu stärken, so wäre, wir wiederholen es, das kein Beweis für verwerfliche Absichten Hitlers, wohl aber dafür, daß d i e s e A u s l ü n d i s ch e n , Nichtdeutschen, die von jeher heftige Gegner einer A n n ä h e r u n g u n d V e t st ändigung z lv i s ch c n D e u t s ch - taub lt n b fei n c n e h emaligen F e t n b c n iv a reu, d i e iv i r k s a m st e S ch w ü ch u n g der deutsche n R e g i c r u n g unb der deutschen A u ß e n P ol i ti k davon e r tu a x t c it, daß der Nationalsozialismus gestärkt wird. Wie verlautet, werden die Angeklagten gegen das Urteil Berufung entlegen. Es bleibt äbzuwarten, ob in der Berusungsverhandlung vielleicht diese in erster Instanz etwas vernachlässigten Gedankengänge noch eine klarere Beleuchtung erfahren. W. L. Rechtsanwälten erzogen werden" — „kein Lehrer darf die Wahrheit sagen, die er sich -erkämpft hat"; die Direktoren lassen ihre Kollegen im Stich, das Provinzialschulkollegtum ist überflüssig, und der deutsche Buchhandel mußte für die Genehmigung von Lehrbüchern im vergangenen Jahre 180 000 Mark zahlen, die unter sieben Leute verteilt wurden! In diesem Tone geht es weiter, ohne den Schatten eines Beweises, aber dafür mit Faustschlägen auf das Katheder. Schlimm, daß an Stelle von Gründen S ch la gwö r t e r treten, wie: „Deutschland den Deutschen!", oder „Die Bourgeoisie hat versagt, sie soll abtreten!", oder „Die Jugend hat immer recht!", und daß dann dieselbe Jugend, die den Aeußeruugen ihrer Lehrer kritisch, ja skeptisch gegenübersteht, begeistert in die Hände klatscht. Oder ist das doch nur ein kleiner Teil der Schülerschaft, der eben nicht denkt und auf solche Schlagwörter hineinsüllt? Hier haben sich diese Jugendlichen benontmen genau wie die ältere, politisch nicht erzogene Generation bei ähnlichen Gelegenheiten. Allerdings — n a ch eine m M v u a t A g i t n t i o n n u r et w a dr e i h n n d e r t Jungen und M ü d ch e n, von denen itoch ein gut Teil Neugierige waren — das war teilt Heldenstück! Prof. Dr. Pank Hildebrandl. Münchmeper in Dessau. Wir haben in der letzten Nummer unserer Zeitung über eine nationalsozialistische Versammlung in Dessau berichtet, bei der Kuba als Hauptredner sprach. 'Wie stark die nationalsozialistische Agitation auch in Anhalt ist, beweist, daß jetzt am 7. Mai wieder im Kristallpalast in Dessau eine von 1500 Personen besuchte Versammlung unter Leitung des Abgeordneten Löper stattgefunden hat. Diesmal hatte man sich den ehemaligen B o r k u m e x Pfarrer M ü n ch nt eher als Redner verschrieben, lieber diese Versammlung wird uns berichtet: Berichte über die Äuf klär ungsverSammlungen in Bayern Seite 261, 262.

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