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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · p. Seite 258

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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25$ ständig von Sturmtrupps '— zum Teil aus Bayern herbeordert — begleitet, die in Vereinigung mit den örtlichen S. A.-LeuLen den gewohnten Versammlungsterror ausübten. l Diskussionsredner anderer Parteien kamen fast nie zum Sprechen, während anderseits in den Versammlungen der übrigen Parteien oft drei bis fünf nationalsozialistische Diskussionsredner austraten, unterstützt von einer randalierenden Anhängerschaft. In einer großen Versammlung des Reichsbanners in Neuhausen, Zu der der Führer der nationalsozialistischen Ortsgruppe geladen worden war, erschien der Geladene mit seinem Sturmtrupp, sprach in der Diskussion und hätte zweifellos die auf den nationalsozialistischen Besuch dort vorbereitete, mit starkem Saalschutz versehene Neichsbannerversammlung gesprengt, wenn nicht die Polizei rechtzeitig eingegrisfen hätte. Dieselbe Aktivität wurde von den Anhängern der N. S. D. A. P. bei der Flugblattverteilung und beim Plakatschutz entwickelt. So kam es verschiedentlich zu Angriffen von Nationalsozialisten gegen die Flugblattverteiler anderer Parteien; in Leipzig mußten zum Beispiel vier Nationalsozialisten festgenommen werden, da sie Verteiler von Anti-anti-Flugblättern tätlich angrissen. Von welcher psychologischen Wirkung die Aktivität der Nationalsozialisten war, dafür kann als typisches Beispiel die Haltung der bürgerlichen, vor allem der Generalanzeigerpresse gelten. Während die Berichte über die sonstigen Wahlversammlungen kurz und meist objektiv gehalten waren, erschienen die Berichte über Versammlungen der N. S. D. A. P. selbst in den kleinsten Blättern meist in mehrspaltiger Ausmachung, und sie hielten auch keineswegs mit ihren Shmpathien für die Gedankengänge der Redner hinter dem Berge. So war zum Beispiel der Bericht des „G l a u ch a u e r T a gebt a t t e s" über die Hitler-Versammlung in Glauchau so gehalten, daß der „Völkische Beobachter" ihn in seiner Reichsausgabe in großer Aufmachung kommentarlos wiedergeben konnte. Die Gegenwirkungen gegen die Flut der nationalsozialistischen Agitation war gering. Die bürgerlichen Parteien sowohl wie die sozialistischen glaubten, die Nationalsozialisten ignorieren und sich aus die Treue ihrer Anhänger und den gesunden Menschenverstand der Masse verlassen zu können. Die von jüdischer Seite ausgehende Gegenwirkung war außerordentlich durch den Mangel an Geldmitteln gehemmt. Es entbehrte nicht eines paradox-grotesken Anstriches, daß, wenn man aus nationalsozialistischen Versammlungen — in denen eben die allgewaltige Finanzmacht des Judentums dekretiert und „belviesen" worden war —kam und sich nach den Abwehraktionen des so maßlos attackierten deutschen Judentums erkundigte, erfahren mußte, daß es diesem an allen Ecken und Enden an Geldmitteln hierzu mangelte, und daß auch nicht der zehnte Teil dessen zur Verfügung stand, was zu einer wirksamen Abwehr notwendig war, und nicht der fünfzigste Teil depen, was die Nationalsozialisten schätzungsweise für ihre Aktionen verbrauchten. Auch eine Mahnung für jene Kreise im deutschen Judentum, die glauben, der Abwchrsache passiv gegenüberstehen zu können. Tie zahlenmäßigen Ergebnisse stellen sich folgendermaßen dar: Das Wahlergebnis Wahlkreis Deuts chnationale Nationalsozialisten Sächsisches Landvolk Leipzig . . 25 741 38 504 Landtagswahl 1926 . . . . , 87 029 8 8591) Reichstaqswahl 1928 . . . . > . 49 792 16 9512) 42 416 D r e s d e n . , . 91524 36 580 65 414 Landtagswahl 1926 . . . . . 144175 13 1341) 21 8662) Reichstagswahl 1928 . . . . > . 117175 63 336 Chemnitz . . . 81137 71 471 36 664 Landtagswahl 1926 . . . . , . 109 949 26 088 I 43 7932) — Reichstagswahl 1928 . . . . . 86 705 39 724 Gesamt.. . 217 363 133 792 140 522 Land tags wähl 1926 . . . . . . 341 153 48 081 — Reichs Lagswahl 1928 . . . . . . 254 488 82 610 145 476 Bei insgesamt 2 768 283 Stimmen haben die ausgesprochen judenfeindlichen Parteien 491 677 Stimmen erhalten. Bei den Neichstagswahlen 1928 betrugen die gleichen Zahlen 2 704 891 gegen 482 574. Das Verhältnis zur Gesamtzahl der ab- *) Einschließlich DeutschsoZ. Partei. 2) Einschließlich Völkischnationater Block und Deutschsoz. Partei. gegebenen Stimmen zu den/judenseindlichen hat sich also wenig verändert. Innerhalb der jndenfeindlichen Parteien haben jedoch die Nationalsozialisten außerordentlich Boderr gewonnen. EinZelergebniffe: 1928 1929 Annaberg (AmrZH.) ..... . . . 457 4220 Auerbach (Amtsh.) . ... . . . 381 1367 Bautzen Stadt...... . . . 460 2519 Dresden ^tadt. . . . 8224 13 345 Leipzig Stadt. . . . 9462 13 206 Marienberg (Amtsh.) .... ... 346 1975 Mittweida Stadt. ... 94 1911 Planen (Amtsh.). . . . 1858 5264 Werdau (Amtsh.) ..... ... 698 2933 Zwickau (Stadt).. ... 776 3862 Zwickau (Amtsh.). . . . 719 2286 Bon den 96 Mandaten des neuen Sächsischen Landtages kommen \ die judeufeindlichen Parteien: Bisher Gewinn Verlust Nationalsozialisten . . « 5 2 + .3 Deutschnationale . . . * * 8 14 — 6 Sachs. Landvolk. 5 6 + 5 Gewählt wurden folgende nationalsozialistischen Abgeordneten: Volkswirt Dr. Fritsch-Plauen, Tischler Dönicke-Leipzig, Landwirt Meyer-Weinböhla, Kapitänleutnant a. D. von Killinger-Dresden, Handlungsgehilfe Kunz-Zwickau. C. v.-/lufklämngsversamMlung in Hagen (Wests.) „Stören die deutschen Juden den Wiederaufbau?" Nachdem in den letzten Monaten die Nationalsozialisten mit einer großen Anzahl von Versammlungen und Propagandasahrten und mittels einer eigenen Zeitung „Die neue Front" im westfalischen Jndustrichezirt die Bevölkerung bearbeitet hatten und auch besonders Hagen mit eifriger Tätigkeit überzogen, nahm die Ortsgruppe Hagen des Centralvereins Veranlassung, in einer nur gegen Karten zugänglichen A u f k l ä r u n g s Versammlung am 13. Mai die führenden Kreise der Hagener städtischen Bevölkerung über die „Judenfrage" zu unterrichten. Dr. Alfred Wiener, Syndikus des C. V., behandelte die Frage: „Stören die deutschen Juden den Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes?" Die Versammlung war recht gut besucht. Führende Männer und Frauen der politischen Parteien, der Justiz, der Lehrerschaft, der Kaufmannschaft, des Beamtentums, der Geistlichkeit, der Presse waren anwesend. Auch einige Nationalsozialisten waren gekommen. Rechtsanwalt Eichenwald leitete in Vertretung des durch einen Anfall verhinderten, um die Vorbereitungen für die Veranstaltung sehr verdienten Ortsgruppenvorsitzenden Rechtsanwalt Dr. David die Verhandlungen. Dr. Wiener gab in einem eineinhalbstündigen Vorträge eine sozusagen indirekte Antwort auf die für den Abend gestellte Frage. Er stellte fest, daß Fremde in Deutschland mit einer egoistischen, über das Wohl des Vaterlandes gestellten Moral, mit deutschen Interessen nicht berücksichtigenden, überstaatlichen Bindungen, mit einer nur dem Eigennutz dienenden Wirtschaftssabotage, mit einem nur der Anterhöhlung sittlicher Anschauungen hingegcbeuen Literatentum natürlich ungeeignet wären, für wirtliche und berechtigte vaterländische Interessen einzutreten. In diesem Zerrspiegel Zeigen die Völkischen und Nationalsozialisten das deutsche Judentum. Entspricht dieses entstellte Bild der Wahrheit? Der Redner legte Beweisgrund zu Beweisgrund, objektiv und mit ossener Kritik an unliebsamen Zeiterscheinungen, um den enismerksnmen Zuhörern überzeugend das wahre Gefich des deutschen Judentums zu zeichnen. An den Vortrag schloß sich eine längere, wertvolle Aussprache. Zuerst erging sich der N a t i o n a l s o z i a l i st Vetter in Angrissen gegen das Judentum, nicht minder aber auch gegen andere Gruppen und Parteien. Er zitierte ausgiebig Rathenau und gab persönliche Erlebnisse vor und aus dem Kriege zum Besten, um zu beweisen, daß geheiure Machenschaften, anscheinend jüdische, die Ursachen des deutschen Anglücks seien. Ausgiebig wurden auch Zitate der Zionisten Klatzkin und Klötzel gegen die Heimatsberechtigung der deutschen Juden beigebracht. Ihm entgegnete eine jüngere, parteilose Persönlichkeit, die die Frage auswarf, ob die Nationalsozialisten oder die Juden den Wiederaufbau Deutschlands störten, und sie zuungunsten der Nationalsozialisten beantwortete. Sodann namen verschiedene maßgebende Persönlichkeiten der Justiz und des Lehrerstandes das Wort, darunter auch rechtsgerichtete, die es als für Deutschland gefährlich bezeichneten, in dieser schweren Zeit innere Kämpfe zu entfachen und alteingesessene Teile der Bevölkerung vom Wiederaufbau ausschließen zu wollen. Auch die Ostjudensrage 'wurde angeschnitten. In einenr Schlußwort ging der Vortragende ausführlich auf die Aussprache (Rathenaus 300 Männer, Bolschewismus, Ostjudenfrage, Zitierungsmethoden) ein und betonte, daß Deutschlands Wiederaufbauwillen ein glückliches Gelingen nur dann beschieden sein könne, wenn auch mit dem gegenseitigen Haß, der Verleumdung und Verhetzung im Innern bei allem Bestehen weltanschaulicher und politischer Gegensätze energisch aufgeräumt werde.

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