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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · p. Seite 257

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
Seite 257 (sequence 1)
Language
German
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", ste ier hl- In- 10rotr.) mg Serlin, 17. Mai 1929 VIII. Jahrgang ♦ Nr. 20 Einzelnummer LSpfennig RFntatt M^eLrr KAter fSröentfcklomd! Bierteljahrsabonnernent 2,50 RM. (Zuzügl. Bestellgeld). 'OrtzM öes iLNtralVereins öeutscksr ^H^srmSims des Judentums Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel* stube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpe^ition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 31<M. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JIM., die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 Die Lehren der WMea Mhlm Der imtionalWaljstiW WdzuMan. / Bon unserem EonderberjAorslatter. ) Im Kampfe der Weltanschauungsparteien — Sozialisten, I Bürgerliche, Nationalsozialisten — um die Seele des sächsischen Volkes haben die Nationalsozialisten einen recht erheblichen Sieg davongetragen. Dieser Sieg wird im allgemeinen leider unterschätzt. Man begeht einen Irrtum, wenn man ihre 130 000 Stimmen etwa mit den 900 O00 sozialdemokratischen oder den 900 000 rechtsbürgerlichen Stimmen zudeckt. Diese Zahlen sind nicht entscheidend. Entscheidend ist, daß die Nationalsozialisten sich als die Universalerben sämtlicher i völkischer Parteien der Vergangenheit erwiesen, daß sie ihre I Niederlage vom Jahre 1923 völlig überwunden haben und « seitdem von Wahl zu Wahl die ansteigende Linie nicht mehr | verließen. Und weiter entscheidend ist, daß die nationali sozialistischen Wählermassen weniger Konjunkturwähler, als | vielmehr Kernbildende darstellen. Die N. S. D. A. P. ist ß heute eine reine Agitationspartei, der es aus nichts als auf ß die Bildung zuverlässiger Zellen ankommt, von denen die I eigentliche Massenbewegung ausgehen soll. Es ist kein Zu- \ fall, daß die nationalsozialistischen Redner in diesem Wahlkamps mehr . als früher betonten, die Nationalsozialisten versprächen nichts, sie forderten nur, denn sie könnj ten nichts versprechen, solange nicht die Massen und damit | die Macht hinter ihnen stünden: ein Appell an die Aktivität ihrer Anhänger. Daß sie dabei indirekt und so aus die jj demagogisch wirksamste Weise alles versprechen, nämlich | die völlige Umgestaltung der Dinge, ist klar; diese Art; Werbung ist nicht neu, sie war immer die weltanschaulicher i Parteien, die sich im Stadium der Kernbildung befanden und zunächst nichts als Gläubige ihrer Heilsbotschaft, Jünger und 4 Verkünder brauchten. Daß sie diese Jünger bekommen und l teils schon besitzen, dafür gibt gerade der sächsische Wahlkampf E eine überzeugende und symptomatische Illustrierung. Das Wesen aller Jüngerschaft ist Aktivität. Die Aktivität,' die von | den Nationalsozialisten in diesem Wahlkampf ausgebracht 1 wurde, steht fast beispiellos da. Ganz Sachsen stand unter J dem Eindruck dieser starken Lebendigkeit. Der folgende Eindrucks- und Tatsachenbericht möge zeigen, mit welcher Hingabe und mit welch weitsichtiger Systematik von seiten der Nationalsozialisten gearbeitet wird. Wie bei allen nationalsozialistischen Unternehmungen, ging auch in diesem Wahlkampf die Initiative von Bayern aus. In den vergangenen Jahren hatte sich Hitler bereits ein Einfalltor nach Sachsen geschaffen, indem er sich von Hof aus in Plauen und im engeren Vogtland eine zuverlässige nationalsozialistische Zelle schuf, die in den Landtagswahlen 1926 den Gewinn von zwei Mandaten durchsetzte. Von Plauen aus, das heute die sächsische Hochburg der N. S. D. A. P. darstellt, gingen die Agitatoren zur Erfassung des Erzgebirges — mit seinen zahlreichen Heimarbeitern, die sich kastenmäßig von der übrigen sächsischen Jndustrie-- arbeiterschast absondern — über; Aue wurde das erzgebirgische Zentrum der N. S. D. A. P. Im diesjährigen Landtagswahlkampf nun setzte sie ihren Hauptstoß gegen diese gut vorbereitete Gegend an. Von den rund 130 0 nationalsozialistischen Wahlversammlungen fand der größte Teil im Erzgebirge statt, während die nördlichen und östlichen Teile Sachsens geringer mit Versammlungen belegt waren. Jeder Ort wurde systematisch bearbeitet; selbst in kleinen Dörfern wurden zwei bis acht nationalsozialistische Versammlungen abgehalten. An Rednern waren rund 60 der bewährtesten Sprecher aus dem Reiche aufgeboten (Hitler, Straffer, Feder, v. Killinger, Göhring. Dauser, Stöhr, Münchmeyer, General von Epp, Reiter usw.). Man ging planmäßig vor, ließ zuerst bekannte Leute, die eine kleine Sensation darstellten, sprechen (Göhring, den Kampfflieger), um die Wähler überhaupt zu interessieren und die Versammlungen zu füllen. In manchen Fällen ließ man in einer Versammlung zwei Redner austreten, den einen als Attraktion, den anderen als Agitator. (So traten zum Beispiel General von Epp und Abgeordneter Straffer zusammen auf: Epp bekKM den Stimmungs-, Straffer den Agitationsteil zugewiesen.) Hitler selbst trat jeden zweiten Tag auf. In riesigen Plakaten und Inseraten angekündigt, sprach er, nach feierlichem Empfang und Sturmtruppausmarsch, vor überfüllten Sälen, trotzdem der Eintritt zu den Hitler-Vorstellungen eine, zwei, ja drei Mark kostete. Sicherlich bestand der größte Teil der Besucher der Hitler- Vorstellungen aus rein sensationell Interessierten — in Zittau zum Beispiel erschienen die Honoratioren der Stadt ziemlich vollzählig, als Hitler sprach —, aber ebenso sicher ist, daß seine Demagogie auch bei den Andersdenkenden und vor allem bei den politisch indifferenten Hörern nicht wirkungslos blieb. Hitler überließ den üblichen Radauantisemitismus seinen Trabanten und versuchte durchweg, einen sogenannten staatsmännischen Eindruck zu hinterlassen. Sorgfältig und umsichtig war vor allem auch der Versammlungs- "und Rednerschutz organisiert. Die Redner waren &UA Hitlers Geldquellen. — Professor Dr. Paul Hitdehrandt: Der Fludi des SAlagworts* — M Unsere Würzburger Proiesiversammlung* — M Dr. HeinreA Levy (Eberswalde): Hugo Dingters M ,,Zusammenbruch der Wissenschaft^. -—Bei- M tage „Von deutsch - jüdischer M .f «« d p n r) * * JV p . 5- I I :t * :$ I £ 1 1 i 1

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