Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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24* Fachinger Versandstelle, Berlin SW 11, Schöneberger Strasse 16 a. Tel. Lfitzow 8260/61. Zur Gesundhaltung! NalMches Kinerahesser jüdischen Senatoren ressortmäßig nicht das mindeste zu Lun. Es handelt sich um den Finanzminister Dr. Kamnitzer und den Senator für Handel und Gewerbe I e w e l o w s k i. Die ganze Angelegenheit ist vielmehr von: Präsidenten des Senats, Dr. h, c. S a h m, und dem Senator des Innern A r c z y n s k i bearbeitet worden. Diese beiden Herren, zusammen mit dem Polizeipräsidenten und einen: Oberregierungsrat, beide gleichfalls Nichtjuden, haben auch die Verhandlungen mit dem Danziger Stahlhelmführer, Major a. D. Wild, geführt, um die Tagung in bescheidenerem Umfang Zu ermöglichen. Infolge des schroffen und beleidigenden Auftretens des Stahlhelmführers brach der Präsident die Unterredung ab, und es blieb bei dem Verbot. Seitdem vergeht kein Tag, an dem nicht der Senatspräsident Sah m, der politisch der Deutschen Volkspartei nahesteht und ein Freund Dr. Luthers ist, in wüstester Weise Persönlich angegriffen wird. Offiziersverbände kündigen ihm den Ehrenvorsitz, Deutschnationale und Nationalsozialisten laufen im Danziger Voltstag gegen ihn Sturm, ja sogar Nationalliberale stimmen in den Chorus ein. Das Wort von den „Polnischen Judenjuugen", die den Senat beherrschen, wurde von einem Nationalsozialisten in besonders geschmackvoller Weise variiert. Das war in einer Donnerstagsitzung des Danziger Parlaments. Am nächsten Tage bereits zeitigte die Hetze ihre Folgen auf der Straße, indem ein junger -Mensch an der Schaufensterscheibe einer jüdischen Firma seine Wut über die Regierung ausließ. GessenMche C. v.-versamm!ung in Hof. V o r b e r i ch t. In Hof (Bayern), das in den letzten Monaten ganz besonders von bn nationalsozialistischen Agitation berannt wird, sprach am 6. Mai in st a r k besuchter öffentlicher V e r s a m m l it n g Rabbiner Nr. N e u h aus (Mülheim a. d. Ruhr) über den „Talmud". Trotz starker gegnerischer Störungsversuche gelang es, die Versammlung e r f o l g r e i ch d u r ch z u f ü h r e n. Vor kurzem hatte erst in einer geschlossenen Austlärungsversammlun-g des C. P. in Hof der stellvertretende Syndikus des Centralvereins, Arthur Schweriner, gesprochen. Volksgenossen! Der bayerische Kultusminister gegen die Mauauer Ritualmordhetze. Vor einigen Tagen hatten Vertreter des bayerischen Gemeindeverbandes, der Rabbinerkonfereuz nnd des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit dem bayerischen Kultusminister, Dr. Goldenberger, eine Unterredung, um aus die verderblichen Folgen der hemmungslosen Manauer Nitnalnwrdhetze hinzuweisen. Für den Centralverein war Sanitätsrat Tr. Baron, Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes, erschienen. Dr. Eoldenberger hat im Anschluß an diese Unterredung die Schulbehörden durch einen Erlaß angewiesen, inben obere n K lasse n den Schulkindern Aufklärung über die gänzliche Unhaltbarkeit der R i t u n l m o r d l e g e n d e 3 it gR b e n. In: Haushaltsausschuß des bayerischen Landtages kam der Abgeordnete Stang von der Bayerischen Volkspartei' ans diesen Erlaß zurück und 'billigte ihn ausdrücklich. Ein n a t i 0 n a l s 0 z i a l i st i - scher Abgeordneter hielt an seiner Meinung fest, daß es gewisse Richtungen im Judentum gäbe, die auch heute noch den: Aberglauben des Ritualmordes huldigten. Auf diesen Einwurf hin erklärte Minister Dr. Goldenberger, daß er z u s e i n e m Erlaß st e h e. Er halte es für seine Pflicht, Maßnahmen gegenüber Vorgänger:, durch die die jüdischen Volksgenossen sich ernsthaft bedroht f ü f} len, zu erwägen. An dieser Stelle der Rede wurde von Nationalsozialisten mit fragender Betonung dazwischengerufen: „Volksgenossen?", woraus der Minister mit erhobener Stimme erwiderte: „Jawohl, sie sind Reichsbürger, wie wir alle, sind Volksgenossen, sind Deutsche." Sanatorium Hehhaus, Freiburg L Br. für innere, Nervenu. Stoffwechseikranke. 1929 vollständig renoviert. Leitender Arzt: Dr. I. Mann. Prospekte. Skandal 11m Raiffeisen. Als der Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen im Notwinter 1846/47 in Weyers dusch auf dem Westerwald mit Unterstützung der wohlhabenden Einwohner des Städtchens einen Konsum- Verein gründete, geschah es, um den durch Mißernten verarmten Bauern zu helfen. Er wollte sie schützen vor jeder Ausbeutung durch Vermittler verschiedenster Herkunft, die die Notlage der kleinen Landwirte mißbrauchten. Gelang es hier, mit den Mitteln der Wohlhabenden den Armen zu Helsen, so faßte der genossenschaftliche Gedanke der Selbsthil f erst in oem Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein Fuß, den Raiffeisen 1854 ins Leben rief, nachdem er in diesem bei N e u w i e d gelegenen Ort Bürgermeister geworden war. Damitz war der landwirtschaftliche D a r leh n s ka ss e live r e i n entstanden. Er sollte die Spargroschen der Bauern ansammeln, um sie anderen kleinen Landwirten als Personal- oder Betriebskredit oft auf lauge Frist zu gewähren. Daneben sollten diese Darlehuskaffen durch den Einkauf landwirtschaftlicher Bedarfsartikel oder durch den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse dazu beitragen, das deutsche Bauerntum zu kräftigen und unabhängig zu machen. Hunderte ähnlicher Genossenschaften entstanden in allen Gegenden. Raiffeisen wachte darüber, daß sie sämtlich erfüllt seien von dem Gedanken christliche r N ä ch st e n l i e b e, daß jeder der Genossen bereit sei, für den andern einzu treten. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landwirts sollte nur dazu dienen, seine Bildung zu heben und ihn zu einem sittlichen Menschen zu erziehen. In den Mustersatzungen des Generalverbandes der deutschen Genossenschaften ist dieser Gedanke verwirklicht, wenn es dort heißt: „Der Verein will weniger geschäftliche Gewinne erzielen, als vielmehr die wirtschaftlich Schwachen stärken und das geistige und sittliche Wohl seiner Mitglieder fördern." Was würde der Vater der landwirtschaftlichen Genossenschaften sagen, wenn er sehen könnte, was heute aus seinem Werk geworden ist? Wie jene Männer, die sich rühmten, seine wahren Erben zu sein und sich damit brüsteten, den Landwirt vor „jüdischer Ausbeutung" bewahrt zu haben, den Riesenbau des Raiffeisen-Verbandes an den Rand des Abgrundes geführt haben? Heute steht die Deutsche R a i f f e i s e n - B a n k vor ihrer L i q u i d a t i 0 n. Die noch von Raiffeisen selbst im Jahre 1876 gegründete Landwirtschaftliche Zentral-Darlehuskasse für Deutschland, die vor wenigen Jahren in diese Bank mngewandelt wurde, wird nicht mehr lange existieren. Anstatt den Bauern zu helfen, hätte der drohende Zusammenbruch der Raiffeisen-Bank Tausende von Existenzen kleiner Landwirte vernichtet, wenn nicht der preußische Staat schon im Jahre 1926 durch die 'Preußenkasse dem Raiffeisen-Institut einen zwölsjährigen Kredit von 40 Millionen eingeräumt hätte. Inzwischen sind aber die Verluste der R aiss eise n -B ank auf 60 Millionen a n g e w a ch s e n. Denn nicht das „jüdisch verseuchte System", von dem kürzlich im preußischen Landtag der nationalsozialistische Abgeordnete bei der Debatte über diese Dinge sprach, ist an dem Zusammenbruch schuld, sondern eine G e s ch ä s t s r ü h r u n g streng rechtsgerichtetertzerre n, die sich sonst nicht genug damit tun konnten, die deutsche Republik der minderwertigen Finanzgebarung zu verdächtigen. Unter der Herrschaft des deutschnationalen Vizepräsidenten des Reichstags, Geheimrats Dietrich, und des ebenfalls deutschnationalen Abgeordneten Dr. S e e l m a n n - E g g e b r e ch t, der bei den Untersuchungen des Barmat-Lkandals im parlamentarischen Ausschuß ein unermüdlicher Inquisitor war, geschah es, daß die Verluste der Raiffeisen-Bank von Tag zii Tag sich vergrößerten. Man half nicht, wie es Raiffeisen gepredigt hatte, dem Nachbarn in wirtschaftlicher Not, sondern vergab die GePder an Abenteurer und Glücksritter. Das waren keine „jüdischen Spekulanten", die mit Staatsgeldern versuchten, einen Konzern auszubauen. Es war vor allem ein übelberüchtigter Nrrsfe, bn es verstand, mit zaristischer Uniform solcher: Eindruck zu erwecken, daß man ihm allmählich Kredite von über 20 Millionen gab, mit bcuen er das Zentralinstitut der landwirtschaftlichen Genossenschaften zu Geschäften führte, die alles andere waren — nur nicht Unternehmungen zur Hebung der Lage der Bauern. Hotels, Pianosortesabriken, Frachtdampfer blieben schließlich der Raisfersen-Bank aus der Erbschaft dieses notorischen Schwindlers übrig. Man hatte dem Geiste Friedrich Wilhelm Raiffeisens zuwidergehandelt und sich in die übelsten Spekulationsgeschäfte eingelassen. Man hatte nicht die Gelder, die von Milsionen von Landwirten stannnten und dazu bestimmt waren, anderen Landwirten zu helfen, im Sinne der Hilfe des einen für den andern verwandt, sondern zu leichtsinnigsten Unternehmungen. Aber bei dieser Betrugsaffäre warf mau die Schuldigen nicht ins Gefängnis. Noch wandelt der russische Glücksritter Uralzesf ungehindert einher, noch sind die streng völkisch gesinnten Männer, die jene Millionenverluste verschuldet haben, sämtlich in Amt und Würden. Wir haben kein Interesse an einem neuen Riesenprozeß und einem neuen Urteil von abermals 1900 Seiten Umfang, wie einst in Sachen Varmat, aber wir glauben, daß gerade jene Kreise, die immer gleich von „jüdischer" Korruption sprechen, alle Veranlassung hätten, sich an die eigene Brust zu schlagen. Niemals sind bisher den preußischen Geldinstituten Millionenverluste in solcher Höhe entstanden wie durch diesen Skandal um Raiffeisen, K. Z.