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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. Seite 247

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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247 Aus einer nattonaWaliUchen a%. m «i < / Ein Bericht für viele C8 ist weder lohnend noch möglich, über alle Vorträge zn berichten, die von judenseindlicher Seite in allen Orten Deutschlands täglich gehalten werden. Sie sind alle nach einem Schema gearbeitet! Deshalb genügt es, wenn wir hin und wieder über einen Abend berichten, um dadurch ein Bild von der judenseindlichen Propaganda zu geben. Don durchaus Zuverlässiger Seite ist uns ein Bericht über eine Versammlung der Nationalsozialisten Hitlerscher Richtung zu gegangen, die unter Vorsitz des Abgeordn eten L v p e r im ,,Schwarzen Adler" in D e s s a u am 3. April stattsand. Redner war der preußische Landtagsabgeordnete K u b e. . Der sehr temperamentvolle Bericht über die Versammlung, den wir, um den frischen Eindruck unverfälscht wiederzugeben, im Wortlaut hier abdrucken, lautet: „Ter Saal ist wieder überfüllt. Viel Frauen und Dessauer Geschäftsleute. Die Presse ist durch den „An Halter Anzeiger" und durch den Verleger der „A n h a l t e r Woch e" vertreten. Ter Geist der Versammlung ist teilweise aus fanatische Anhängerschaft und teilweise auf Neugierige eing e st e l l t. Die Redner verstehen es, die M e n g e b i s zur Siedehitze a u f z u r e i z e n, um dann im gegebenen Moment abzuschwächen; z. B. K u b e läßt keinen guten Faden an der Negierung, den Ministern, dem gangen System der „glorreichen Republik". Es erfolgt der Zwischenruf: „Hangt die Lumpen auf!" Daraus Kube: „Nein, bitte, keine Gewalt, nur immer auf legalem Wege, genau wie am 9. November 1918 ..." Wenn man dann den Ton hört, merkt man die Absicht. Sonst natürlich F a h n e n s ch m u cf. Zeit u n g e n werden verkauft. Der Klingelbeutel toird in der dreistesten Weise gehnndhabt, obwohl schon dreißig Pfennig am Saaleingang erhoben worden sind. L ö p e r eröffnet um 8 Uhr 20 Minuten, betont, daß es heute die neunte Versammlung i n Dessau ist, eine besser besucht als die andere, trotzdem die gesamte Presse sie totschweigt. Keine Partei wagt es, heute noch eine Versammlung einzuberufen, obwohl Stoff genug vorliegt. Alle Parteien fürchten sich, nur feine Partei klärt das Volk auf und bringt Wahrheit über den ungeheuren Schwindel, der getrieben wird. 20 000 Versammlungen sind bisher abgehalten worden, eine immer besser besucht als die andere. T e r N a t i o n a l s o z i a l i s m u s m a r s ch i e r r. Kube erhält das Wort. Er spricht in ganz grober Art über die bestehenden Verhältnisse, geht ganz sprunghaft von einer Sache zur anderen. Es ist nicht möglich, im Zusammenhänge darüber zu berichten. Er bezeichnet die Negierungen seit 1918 als total unfähig. Nicht den Aufstieg des Volkes, sondern den Bettelstab haben sie gebracht. Und trotz dieser Notzeit lassen sich dickbäuchige G ew e r k s ch a f t s b o n z e n die h ö ch st e n M i n i st e r g e h ä l t e r und Pensionen zahle n. Dein dummen Volke werden die letzten Steuergroschen dafür äbgenommen. Zur Inflation spricht er in der bekannten Art vom Volksbetrug, der die jüdischen Banken reich gemacht hat und unter deren Zinsknechtschaft das Volk heute noch leidet. A l l e s i st f a u l b e i u n s. Sinngemäß sagt er z. B.: Der deutsche Richter kann nicht mehr Recht sprechen, solange er mit den „b l a u rasierte n" (soll heißen: jüdischen) Staatsanwälten und so weiter durchsetzt ist, diesen Rassefremden, Undeutschen usw . . . Wenig später fehl rächt er ab und behauptet, daß es unter den Richtern außerordentlich anständige, hochachtbare Leute gibt. Kube führt noch dazu aus, daß, wer dem republikanischen Richterbund angehört und sich recht bemerkbar macht, auch sehr bald befördert wird. Es erfolgt ein Sprung nach P a r i s , w o I n d e n z u s a m m e n - s i tz e n u n d über das d e u t s ch e Volk entscheide n. Seine Partei habe beantragt, dorthin einen Bauern, einen Handwerker und einen Arbeiter zu senden. Nur diese allein wären in der Lage gewesen, zu erzählen, was Reparation und Dawes-Abkommen für Unheil angerichtet haben. Statt dessen gehen Herr Schacht (mit 3 1 000 0 Mark Gehalt) und der Vertreter der Großindustrie hin. Beide haben ja die Not am eigenen Leibe schon verspürt! Kube hält dann den Parteien ein Sündenregister vor. Ohne Ausnahme. Gesinnungslumperei ist das Wenigste, was er ihnen vorwirft. Die So z i a l d e m o trat e n kommen zuerst dran Kube bringt ein Gedicht aus denn „Vorwärts" von 1914 zu Gehör. Darin wird der Kaiser verherrlicht. Und ehe der Hahn dreimal krähte, hat diese Partei das Vaterland verraten. — T i e Z e n t r u m s p o l i t i k ist genau so untüchtig. Wenn auch zurzeit aus der Regierung ausgeschieden, so hat doch der ehemalige Minister nunmehr seine Pension von 28 000 Mark, während er sonst etwa 7000 bis 8000 Mark gehabt hätte. — Volk s p arte i. Partei Drehscheibe. Mampe usw. Mit Herrn S t r e s e m a n n. Was kann man schon von Strafe m a n n verlangen? Festessen, j a! Aber keine erfolgreiche Politik. — Die Demokraten werden nur erwähnt, weil sie S t r e s e m a n n zum Eintritt in die Partei aufgefordert Hütten. — Die Deutschnationalen schicken Ergebenheitstelegramme an den Kaiser und stimmen gleich danach für die Verlängerung des Republikschutzgesetzes. Kube spricht über den Kapp-Putsch und über das tapfere Verhalten der Negierung, die geflohen ist. Geflohen ist aus dem roten Berlin mit 100 000 Reichsbannerleuten. („Wo waren denn die; die tönneu 31t der Zeit doch nicht noch alle in den Windeln gelegen haben?") Es ist nicht recht verständlich, wen Kube meint, scheinbar aber das Reichsbanner. Er ruft auf zur Vergeltung an dem Blute der fünfzig Ermordeten aus seiner Anhängerschaft. So redet Kube weiter, ohne Zusammenhang und Sinn, n u r a u f p e i t s ch e n d , u i ch t d i e I u d en vergessend, die überall die Hand im Spiele haben. Er fordert auf, in eine Aussprache einzutreten, nicht immer so feige zu sein. Er würde schon autreten. Am Ende seiner Rede, die mit viel Temperament vorgetragen ist, erntet er starken Beifall unter Heilrnsen. Schon während des Verlaufs der Rede wird er durch großen Beifall unterbrochen. Besonders die Frauen sind t e i l w e i s e ganz w i l d. Es Ware wirklich irrsinnig, wenn sich ein Gegner znm Worte melden wollte, zuui Gaudium der Anwesenden. Von den Parteien meldet sich denn auch niemand. Nur ein angeblicher Beamter, der sich zur Verfassung bekennt, weil ihm der Eid heilig ist, spricht, weil er die Wahrheit sucht, mit einigen stammelnden Worten. Schlußrufe! Der Sprecher geht verwirrt ab. Nunmehr spricht Löper zum anh attischen Etat, verbreitet sich über sein Parteiprogramm, bei dessen Verwirklichung alles mit einem Schlage besser wird, und preist die n a t i 0 n n l - sozialistische Fahne. Hitlers Flagge wird dereinst über ganz Deutschland ansgehen. Schwarzweißrot, aber in ganz anderer Zusammensetzung. Das große rote Feld versinnbildlicht den Zusammenschluß aller Deutschen. Das weiße Feld ist die Wahrheit und Klarheit. Das schwarze Hakenkreuz ist das Symbol der Nassen rein heit. Der Mann, der zehn Jahre für die Freiheit des Volkes gekämpft, Adolf Hitler, wird als Diktator über Deutschland stehe n. Er wird das Volk fragen: Willst du frei sein? Und man wird ihm zujubeln, dem M a n n e, der das Volk wieder zur Sonne führen w i r d." Das Danziger Stahlhelmverbot — eine Iudenrnache? Eines Abends wird einem Schuhgeschäfts ans dem Holzmarkt in Danzig, dessen Inhaber Jude ist, die Schaufensterscheibe eingeworfen. Der Täter wird von der Polizei gefaßt und befragt, wie er dazu komme. Antwort: „Weil der Stahlhelmtag verboten ist und die Juden daran schuld sind." Der Hörer faßt sich an den Kops. Was haben die Juden, von der betreffenden Schuhfirma schon ganz abgesehen, mit dem Stählhelmtag zu tun? Um diese Frage zu beantworten, sei eine kurze Darstellung des Sachverhalts gegeben. Die Freie Stadt Danzig ist in den letzten Jahren auf Grund eigener Bemühungen wie auch gleichgerichteter Wünsche im deutschen Mutterland der Tagungsort zahlreicher Kongresse aller Art gewesen. Kulturelle und wirtschaftliche Verbände. Beamte und Ingenieure, Kommunalpolitiker und Esperantisten haben sich in der letzten Zeit in der schönen alten Hansastadt an der Mvttlau ihr Stelldichein gegeben. Die Danziger Regierung hat all diese Tagungen stets auf das herzlichste begrüßt und gefördert, weil sie in den Besuchern die lieber- Zeugung vom deutschen Charakter der Bevölkerung zu bestätigen vermochten. Auch in diesem Jahre wird eine Reihe von Kongressen in Danzig tagen. Der Danziger Stahlhelm kündigte für April eine Tagung an, Zu der aus ganz Deutschland Gäste erscheinen sollten. Während die Danziger Gruppe nur etwa 600 Mitglieder^ zählt, sollten Taufende von Stahlhelmern aus dem Reich kommen, ^onderzüge wurden bestellt, Dampfer belegt, in der Presse kräftig die Werbetrommel gerührt. Gleichzeitig erfuhr man durch die Vorankündigungen, was an diesem Stahlhelmtag vor sich gehen sollte. Zwischen Paraden und Feldgottesdienst sollten Kundgebungen stattfinden, bei denen dpe leitenden Persönlichkeiten znm Ansdruck bringen sollten, was der Stahlhelm znm Danziger Problem zu sagen habe. In welchem Sinne diese Kundgebungen gehalten sein würden, darüber ließen die Pressemitteilungen keinen Zweifel . . . Das hat die T e u t s ch 11 n 11 v n a l e n nicht gehindert, die Regierung voegen dieses provozierten Verbotes in allerschärfster Form anzngreiseu. Den Ton dieser Angriffe gab der Brandenburger Führer des Stahlhelms an, indem er erklärte, die Danziger Regierung stände unter dem Einfluß polnischer Judenjungen. Durch die ganze deutsche Rechtspresse ging ein Sturm gegen Danzig, das sein Deutschtum verraten und sich an Polen verkauft habe, und man darf annehmeu, daß die Danziger „Judenregierung" noch wiederholt von dieser Seite wegen des Stahlhelmverbotes als undeutsch hingestellt werden wird. Nun ist bereits ansgeführt worden, daß s ä m t l i ch e S e n a t s m i t g l i e d e i\ z w e i n n dzwanzig an der Za h l, dem Verbot z u g e st i m nt t u n d daß auch die Deutschnationalen früher nicht anders gehandelt haben. Aber darüber hinaus haben gerade mit dieser Angelegenheit die beiden

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