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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-03 · 18 (3.5.1929) · p. Seite 230

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
18 (3.5.1929)
Date
1929-05-03
Page
Seite 230 (sequence 2)
Language
German
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JbL Karlsruher Lebensaersicherungsb anh HO. Ursprung 1835 Lebens*, Aussteuer* und Studiengeld* Versicherungen. Mitarbeiter überall gesucht. der Kampf deshalb besonders erschwert ist, weil sie nahezu ohne Presse dasteht. Während das Zentrum in Sachsen mit der ganz überwiegend evangelisch-lutherischen Bevölkerung keine Rolle spielt und es höchstens, wie einmal bei einer früheren Wahl, auf ein Mandat bringen kann, hat die Wirtschaftspartei eine besonders starke Stellung (zehn Mandate) erlangt. Ob sie diese Zahl allerdings wird erhalten können, ist zweifelhaft, nachdem sie in den letzten Jahren den Finanzminister gestellt und mit diesem manche Hoffnung enttäuscht hat. Auch die Auswertungs- Partei, die bisher mit vier Mandaten vertreten war, wird ihre letzte Stimmenzahl kaum behaupten. Das voraussichtliche Resultat dieser Neuwahlen, die für das ganze Deutschland als Stimmungsbild Bedeutung haben, läßt sich nach alledem dahin zusammenfassen: Rückgang der bürgerlichen Stimmen im allgemeinen, Stärkung des Radi k a l i s m u s auf beiden Flügeln. * Dieses allgemeine Stimmungsbild des bekannten Politikers ergänzen die nachstehend wiedergegebenen Berichte unserer Freunde aus den wichtigsten sächsischen Wahlkreisen. Dr. Golümann, Vorsitzender des Landesverbandes Freistaat Sachsen des Lentralvererns, ruft die Einsichtigen zur Teilnahme am Wahlkampf auf: Die sächsischen Wahlen, die am 12. Mai stattfindeu, werden in ihren Ergebnissen symptomatische Bedeutung für die fernere Entwicklung der deutschen Politik haben. Es wird sich entscheiden, ob die Neigung znm Radikalismus nach rechts und nach links seit den ReichstagZwahlen Fortschritte gemacht hat oder nicht. Da zurzeit in den anderen Ländern Wahlen nicht in Sicht sind, kann sich das ganze Gewicht der Arbeit aller Parteien nach Sachsen legen. Und wenn man ans der Emsigkeit der Wahlvorbereitungen und der Wucht der Propaganda einen Schluß auf den Ausgang der Wahl ziehen dürfte, müßte man heute schon feststellen, daß die Radikalisierung gewaltig Angenommen hat. Denn in der Mitte herrscht noch absolute Ruhe, während an den Flügeln, insbesondere am rechten, wirklich intensiv gearbeitet wird. Für das deutsche Judentum haben die Wahlen darum besondere Wichtigkeit, weil die nationalsozialistische Propaganda sich so rege zeigt wie nie zuvor. Die radikalsten Führer aus allen Landesteilen reisen im Lande herum, und das kleinste Dorf — insbesondere int Vogtlande und im Erzgebirge — wird mit Veranstaltungen bedacht. Ein Redner b etz a u p t e t e j ü n g st i n einer a n t r s e nt i t is ch e n V e r s a m m l u n g, d a ß d i e nationalsozialistische Partei w ährend der Mahlzeit e i n t a u s e n d zw e i - hundert Vorträge im kleinen Freistaat S a ch s e n halten lasse, und der Augenschein lehrt, daß er die Wahrheit gesagt hat. Dazu wird antisemitische Literatur in Massen verbreitet. Man muß zugestehen, daß die unbekannten Geldgeber der Nationalsozialisten es sich etwas kosten lassen, um insbesondere die Arbeiterbevölkerung und die Landbewohner zu gewinnen. Und wenn auch der Erfolg kaum den aufgewendeten Mitteln entsprechen wird, so lehrt die politische Erfahrung doch, daß auch diese Giftsaat des Hasses mtb der Volksverhetznng böse Früchte reifen lassen kann. Die Iu d en beteiligen sich im Freistaat Sachsen am politischen Leben leider nur in sehr ger ingeui M a ß e. Keine Partei hat demgemäß jüdische Mitarbeiter in Verantwortlichen oder leitenden Stellungen, t'aum eine hat einen jüdischen Kandidaten, selbst au ganz aussichtsloser Stelle, aus die Vorschlagslisten gesetzt. Daher mag es auch kommen, daß man nirgends die Gefahr erkennt, die ' das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung für alle anderen Richtungen bedeutet. Ueberall begegnet man der nicht immer ausgesprochenen, aber doch empfundenen Meinung, daß ein Kampf gegen die Hitler-Garde jH\n Interessen des Judentums diene! Und wie verderblich ein Lieg des Nationalsozialismus für das Wirtschaftsleben, für den inneren und den äußeren Frieden werden könnte, beginnt erst allmählich zu dämmern. Im Abwehrkampfe gegen den organisierten Judenhaß haben wir in Sachsen nicht allzu viele Bundesgenossen. Ein schwerer Kamps ist darum den sächsischeil Juden auferlegt. Gering an Zahl — es dürfte im ganzen Freistaat kaum 19 000 deutsche Juden geben —, sehen sie sich von einer Propaganda bedroht, die über eine vorzügliche Organisation und unerschöpflich erscheinende Geldmittel verfügt. Leider begreift auch die große Mehrzahl unserer Mitglieder und Freunde nicht, wie dringend erforderlich die Anspannung aller Kräfte ist, damit den Lügen und Verleumdungen der Judenfeinde gegenüber Aufklärung gebracht, damit der verhetzenden Phrase das schlichte Wort der Wahrheit und des Friedens entgegengestellt werde. Allzu groß ist gerade in Sachsen die Selbsttäuschung über die Größe der Gefahr, die bekämpft werden mutz. Und auch an dieser Stelle will darum der Landesverband alle seine Anhänger dringend und herzlich ersuchen, im Interesse der jüdischen Ehre und der jüdischen Stellung wirkliche Opferwilligkett zu beweisen und zu den großen K o st e n des Wahlkampses beizutragen. Jede Verkennung unserer elementaren Pflichten gegen das Gebot der Selbsterhaltung und des Schutzes unserer Gleichberechtigung könnte sich stlrchtbar rächen. Die nationalsozialistische propaganöa im vogtlanö. j J>r. C*g;- Plauen, den 27. April 1929. I Obwohl nur noch 14 Tage bis zmn Wahltage für den sächsischen 1 Landtag vor uns liegen, haben bisher in der Hauptsache nur die Kom- \ munisten und die Nationalsozialisten mit großer Energie ihre Vcr- '< sammlungstätigkeit vorgetrieben. Es scheint, daß, wie bei der letzten $ Reichstagswahl, auch diesmal der eigentliche Wahlkampf sich aus die s letzten drei bis vier Tage vor dem Wahltage beschränken wird. Dies 1 hängt u. a. auch damit zusammen, daß die Ausstellung der Kandidaten- | liste bei den einzelnen Parteien erst in diesen Tagen zu Ende geführt f wurde. Um so ausfälliger ist die Propaganda der Nationalsozialisten, Sie haben schon während der Ruhepause nach der letzten Reichstags- I Wahl sich auf die künftigen Wahlen vorbereitet und seit dem Sommer i 1928, insbesondere aus dem Lande, eine überaus rege Tätigkeit ent- \ faltet. Int Herbst 1928 haben sie ganze Serien von öffentlichen Versa nt tu l it n gen, U m z ö gen, S pre ch a b c n d c n 2 u s w. i n n a h e z u s ä m 11 i cf) e u O r t s ch asten der l ä u d -;f liche n Bezirke veranstaltet. Namhafte Redner der Partei haben ß in zahlreichen Städten und Ortschaften des Vogtlandes und der an- 1 grenzenden Gebiete gesprochen. Hitler selbst hat in Bad Elster r;1 eine Tagung abgehalten, zu der die führenden Persönlichkeiten der. 1 Nationalsozialisten ans ganz Lachsen gekommen waren. Wenn dann; auch die ungewöhnlich tmgünstigen Witterungsverhältnisse dieses Win-;; ters in den nachfolgenden Monaten die Propagandatätigkeit der Nationalsozialisten eingeschränkt haben, so haben sie doch dort, wo die i Nationalsozialisten eine Ortsgruppe oder eine Wählergruppe hinter ß sich sahen, selbst in diesen ungünstigen Monaten nirgends geruht, und | unmittelbar nach der Entscheidung des Ltaatsgerichtshofs, welche die 3 Auflösung des Landtags herbeigesührt hat, haben die Nationalsozialisten 's in verstärktem Maße die Wahlpropaganda ausgenommen. In allen b größeren Städten und Ortschaften des Vogtlandes und den angrenzenl? den Gebieten haben sie im April öffentliche Versammlungen und 2 Sprechabende abgehalten, in vielen Ortschaften sogar mehrmals in 1 einer Woche. Redner sind hierbei der frühere' Kapitänleutnant; v. K i l l i n g e x , der auch an hervorragender Stelle auf der Kandii datenliste steht, der bayerische Landtagsabgeordnete S ch e m m, der [: frühere badische sozialdemokratische Abgeordnete Friedrich uns l- Karlsruhe, der bayerische Landtagsabgeordnete D a u s s e r. Auch der 2 ehemalige Pfarrer M ü n ch m e y e r hat in mehreren Ortschaften 2 unseres Bezirks in stark besuchten Versammlungen gesprochen, und § selbst Herr K u n z e, bekannt unter dem Namen Knüppel-Kunze, hat k für seine antisimtitischen Ausführungen ein übervolles Haus gefunden, t Bemerkenswert ist überhaupt, daß alle diese Versammlungen sehr stark % besucht werden. Die Plauener Versammlung, in der v. K i l l i n g e t § sprach, mußte sogar wegett Ueberfüllung polizeilich 8 a b g e s p e r r t werden. In ben Versammlungen sieht man nicht nur \ die der Bevölkerung meist bekannten organisierten Mitglieder der D Nationalsozialisten, sondern Angehörige aller Berufsgruppen. Es ist bezeichnend für den Fortschritt der Propaganda, I daß aus der in Hof am 21. April d. I. abgehaltenen Lehrer- [1 tagung, die von Lehrern aus Sachsen, Thüringen und Franken sJ zahlreich besucht war, die Gründung des „National- /! sozialistischenLeh rerb nndes" vollzogen w urde, dem j sich etwa 60 der anwesenden Stndienräte, Schulleiter, Oberlehrer, f Lehrer und Hilfslehrer angoschlossen haben. In den Arbeitsausschuß I dieses Bundes ist n. a. gewählt worden: Lehrer Walter Schneider A aus Plauen, Gewerbestudienrat Dr.-Jng. Walther K n a u t h aus Z w i ck a u i. S. Auch auf der Kandidatenliste der Nationalsozialisten zum sächsischen Landtag besiudet sich ein Lehrer, nämlich der Schulleiter EmilFischer aus Plauen. Ganz unbegreiflich ist, daß sich insbesondere die Wirtschaftspartet bisher eitlen so starken Ein-

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