Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- Seite 229 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin» 3. Mai 1-2- VIII. Jahrgang «Nr. IS Einzelnummer LHpfennlg Untval wein '--v> plüllrr snrprulscdtmn^doryon des LutnüVerems örutscker mwIluverUum.^^ W StmUsvüraer iiiMchcn AanvenÄÄ» B^ierteljahrsabonnement 2,5V NM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Allgemeine Zeitung des Oudenmms 3, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 8593. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, WechselrtrrT , . . . fhtbc O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Eoldschmidl.Rothschild & Co., Berlin W 8. - Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-ExpkUitwn Rudolf Mosse, Berlin 8W 166, und deren^Filialen. Anzeigenpreise: 6,90 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Rormalzeilenmeiser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lentralvereins 0,45 JIM, die 96 mm breite Reklarnezeile 4,80 JIM* Landtagswahlen in Sachsen. Von Alfred Brodaus, Richter in Ehemnitz. Durch den bekannten Spruch des Staatsgerichtshofs für das Deutsche Reich ist die Regierung des Freistaates Sachsen genötigt worden, Neuwahlen für den L a n d ta g ausgrschreiben. Es ist hier nicht der Platz, sich mit dein Spruch, der scharfe Kritik gefunden hat, auseinanderzusetzen, nur das sei bemerkt: es ist eine reichsgesetzliche Regelung notwendig, die es für die Zukunft ausschließt, daß die Wahlen zu einem Landtag noch dltrch eine Klage beim Staatsgerichtshof angefochten werden können, nachdem bereits zwei Jahre seit den Wahlen vergangen sind. Die Neuwahlen fallen in eine Zeit, die dem Radikalisnnrs links imb rechts günstige Aussichten eröffnet. Gründen einerseits die Kommunisten beider Richtungen ihre Wahlhoffnungen auf die ungünstige wirtschaftliche Lage, mit der gerade in Sachsen besonders großen Zahl von Arbeitslosen, so kommt anderseits die allgemeine politische Lage dem Rechtsradikalismus zustatten. Die Krise des Parlamentarismus, an der es lag, daß erst fast zwölf Monate nach den Reichstagswahlen die Regierung auf breitere Basis gestellt werden konnte, hat unzweifelhaft wieder denjenigen Boden bereitet, die denr Parlamentarismus grundsätzlich den Kampf angesagt haben und das Heil, in einer Diktatur erblicken: den Nationalsozialisten Hitlers, die eine ganz ungemeine Rührigkeit entfalten. Es müssen ihnen große Geldmittel zur Verfügung stehen, die ihnen offenbar aus solchen industriellen Kreisen zugehen, die von der Nationalsozialistischen Partei erwarten, daß sie in Arbeiterkreisen auf Kosten der linken Parteien Anhang wirbt und findet. Daß es der Partei gelungen ist, auch in solche .Kreise einzudringen, ist nicht zu verkennen. Als bei den Reichstagswahlen vom Mai 1924 zum erstenmal außerhalb Bayerns die Hitler-Bewegung in die Erscheinung trat, hatte diese in Sachsen ihre größten Erfolge zu verzeichnen. Die Nationalsozialisten brachten hier zusammen mit der an Zahl wesentlich geringeren Gruppe der Antisemiten um Kunze rund 203 000 stimmen auf und gelangten zu zwei Mandaten: es zogen damals Theodor Fritsch für Leipzig und der bayerische Fanatiker Gottfried F e der für C h e m n i tz - W e st s achse n in den Reichstag ein. Bei den Reichstagswahlen vom Dezember 1924 ging die Stimmenzahl der Völkischen beider Richtungen aus rund 70 000 zurück; Theodor Fritsch fiel aus, F e d e r blieb. Die Landtagswahlen von 1926 brachten den beiden völkischen Gruppen einen weiteren Rückgang; immerhin gelangten sie mit 48 000 Stimmen zu zwei nationalsozialistischen Mandaten. Bei den letzten Reichstagswahlen zeigten sie sich aber bereits wieder im Aufstieg, sie erzielten ritnb 74 000 Stimmen, und diese werden sie nach aller Voraussicht jetzt erheblich steigern. Namentlich ist das Vogtland und das Erzgebirge von ihrer Agitation bedroht. Hier ist es ihnen schon bei den letzten Reichstagswahlen in einer Reihe von industriellen Städten gelungen, die Sozialdemokraten und 'Kommunisten an Stimmenzahl zu erreichen oder gar zu überflügeln. Nur zwei charakteristische Beispiele: In der vogtländischen Stadt M a r k n e u k i r ch e n wurden 955 nationalsozialistische Stimmen gezählt neben 331 sozialistischen und 206 kommunistischen und wesentlich niedrigeren Ziffern der verschiedenen bürgerlichen Parteien. In A n n a b e r g im Erzgebirge steigerten sie ihre Stimmenzahl von 435 bei der Landtagswahl von 1926 auf 1708; sie wurden damit unmittelbar nach den Sozialdemokraten (1984) die weitaus stärkste Partei. In der intensiven Weise, wie sie schon damals Annaberg bearbeitet hatten, sind sie inzwischen in vielen anderen Orten vorgegangen. Dem Verfasser dieses Artikels liegt ein an falsche Adresse geratenes, für die Ortsgruppenmitglieder bestimmtes Rund s ch reiben der Nati o n also z i a l i st i s ch en Partei einer Mittelstadt des Erzgebirges vor, das für den Mo n a t März 1 929 nicht w cntflcr als z w ö l s P a r t e i v e r a n st a l t n n gen, darunter vier öffentliche Scrsantmlangen u n d zwei W erb e a b e n d e in der Umgebung vor - sieht und mit den Wo rten schließt: „Es lebe die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Revolution! Es lebe Adolf Hitler! Vorwärts z u r TatV Ihre Versammlungen mit den wüstesten Hetzreden haben meist einen Massenandrang zu verzeichnen! Unter den bürgerlichen Parteien war bisher in Sachsen bei allen Wahlen seit der Nationalversammlung die stärkste die gerade hier sehr judenseindliche Deutschnationale Partei (14 Mandate). Diese Stellungwird sie voraussichtlich behaupten, wenn auch nur dadurch, daß sie der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung mit einer besonderen „LandbundAiste aufwartet. Ihr am nächsten kam bisher mit zwölf Mandaten die Deutsch e Volkspartei, die in Sachsen der Deutschnationalen Partei nähersteht als der demokratischen. Entschiedenen Kampf gegen den Antisemitismus führt — neben den linksstehenden Parteien — nur die bisher über fünf Mandate verfügende Demokratische Partei, der aber in Sachsen Ctm i Dr, Jakob Ornstein (Wien): Kein „Selbstmord“, sondern Gewissenskonflikt! — Setma Stern (Heidelberg): Die „Zeitschrift für die Geschichte der Jaden in Deutschland“. — Dr. Martin Salomonski (Berlin): Michael Holzmann. — Theodor Kappstein: Das GeseHschaftsproblem zwischen Juden und Christen (HL Teil). 1