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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-25 · 17 (25.4.1929) · p. Seite 221

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
17 (25.4.1929)
Date
1929-04-25
Page
Seite 221 (sequence 9)
Language
German
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sie ein gar nicht qualvoller Zustand, ein sanfterLurzer. Ohnmachtsanfall, der sie wie Iphigenie in Aulis oder wie einen der verwundeten homerischen Helden aus einer Wolke von dannen.trug. Es war nur eine Pause zwischen zwei seligen Bildern, vermeinte sie mm, als sie wieder ihre Augen aufschlug und statt der Zärtlichkeit ihrer beiden männlichen Hausgenossen nun ihre Besorgtheit vor sich sah. Angstvoll standen sie um sie herum, das grobe und das kleine Kind Hensel. Und besonders die Hilflosigkeit des Aelteren tat ihr beinahe wohl, diese Lebensschwäche ihres Gatten, der ohne sie. wie sich nach ihrem Tod Herausstellen sollte, völlig zusammenbrach und entkräftet verkümmerte wie eine alte Eiche, die nur durch den Efeu, der sie umwand, zusammengehalten wurde. Wie nötig war sie, die unansehnliche zwergenhafte Frau, der Knirps ..Fenchel", wie ihr Bruder sie wohl nannte, für diesen ihren reckenhaften Gatten, mutzte sie denken. Wie nötig für dies sein Heim, das sie in diesem biedermeierlichen Gartensaal gemeinsam führten, den ihnen ihre liebevollen reichen Eltern als Wohnstätte neben der ihrigen in der Leipziger Straße zur Verfügung gestellt hatten. Wie nötig für seine nahe gelegene Malerwerkstatt, die immer gleich verstaubte und in ein Durcheinander versank, wenn Frau Fanny nicht allwöchentlich Ordnung hineinbrachte! Wie nötig für die Sonntagsmusiken. die musikalischen Veranstaltungen, die allsonntäglich hier im Gartensaal unter ihrer Leitung mit einem kleinen Chor, Sologesängen oder Trios und Streichquartetten stattsanden und viele neue Tonwerke zum ersten Male herausbrachten. Und wie nötig schlietzlich für den einzigen Sohn Sebastian, der, als ein schwächliches, zerbrechliches Kind zur Welt gekommen, noch dringend der seiten mütterlichen Stühe bedurfte! Und gerade dies starke Gefühl von ihrer Unentbehrlichkeit für ihren kleinen häuslichen Kreis spannte die mutige kernhafte Frau, die bald ein schmerzloser freundlicher Tod mitten aus den anregendsten Proben zu einem von ihr gesetzten neuen Trio hinwegnehmen sollte, zu einem seligen Befinden. „Wie kann man nur verdienen, zu den so wenigen Glücklichen in der Welt zu gehören!" lächelte sie jetzt die beiden Männer, den kleinen und den großen, die so ganz von ihr abhingen, zu ihrer Seite an. Und völlig Enkelin des biederen gottesfürchtigen Moses Mendelssohn in diesem herrlichen Augenblick fügte sie. selig erdentrückt in das Erhabene sinnend, hinzu: „Laßt uns fromm sein, auf daß wir verdienen, so glücklich zu sein!" Lebenserinnerungen eines russischen Richters. Jacob Teitel: Aus meiner Lebensarbeit. Erinnerungen eines jüdischen Richters im a l t e n R u tz l a n d. I. K a u f f m a n n V e r l a g , Frankf u r t a. M. 1929. Die vielen Verehrer von Jacob Teitel, seit Jahren eine der markantesten Persönlichkeiten der russischen Flüchtlingskolonie in Berlin, sind für die Veröffentlichung dieses ersten Bandes der Erinnerungen dem Verfasser dankbar. Man sollte das Buch nach dem Vorbild von Malwida von M e y s e n b u g „Erinnerungen eines Idealisten" nennen. Der feurige alte Herr, dessen Temperament und Arbeiissreudigkeit die Jahre nichts antun können, erzählt ein Leben, das nicht nur an Erlebnissen reich ist, sondern im Dienste einer Idee sich mit der Gradlinigkeit abwickelt, die alles Große auszeich.net. Eine von liberalem Geiste angehauchte Jnstizreorganisation führt zu seiner Ernennung als Untersuchungsrichter. Ein Jude wird zu diesem Amte berufen, das noch besonders dadurch erschwert wird, daß Rußland damals den Versuch machte, die Ermittlungen im Strafverfahren den Verwaltungsbeamien zu entstehen und ans Richter zu übertragen, ein Wandel, der nur unter schweren Kämpfen mit den bisherigen Organen der Strafuntersuchung durchgeführt werden konnte, doppelt schwer, wenn noch der Untersuchungsrichter ein Jude ist und seine Ausgabe darin sieht, mit warmem Herzen und frei von allen politischen Vorurteilen sein Amt zu versehen. Teitel weiß durch seine echte Menschlichkeit alle Widerstände zu beseitigen. Er gehörte zu den geborenen Strafrichtern, wie sie leider nur selten sind, die niemals Routiniers werden und in jedem Unglücklichen, mit dem jie zu tun haben, den menschlichen Kern suchen. Als die Zeiten sich rn Rußland ändern, schwinden die wenigen jüdischen Richter und es wird von reaktionärer Seite mit Hochdruck gearbeitet, um auch Teitel zu stürzen. Teitel. ein echter russischer Patriot, der sich an Männern wie Paul Nathan begeistert, den er als deutschen Patrioten und zugleich guten Juden feiert, wird politisch verdächtigt. Man vermerkt. daß in seinem gastfreien Hause Männer aller politischen Richtungen verkehren. Man notiert, daß er mit größtem Eifer allen jüdischen Arbeiten aus humanitärem Gebiete dient. Aber man findet kein Mttel. um diesem lauteren Manne einen Strick zu drehen. Der Mnister versucht, ihn zum freiwilligen Rücktritt zu bestimmen. Stiller das Haus dar gute» QaafHäfen! Tonangebend und führend in der Sdmh-Mode! Echt Chevreau karamei, hell abgesetzt Versand noch ausserhalb durdt Zentrale Stiller, Berlin SW 19, Jerusalemer Str. 32—35 Trotte ur zweifarbig die grosse Mode Zweierlei Farben echt rahmen' genäht „ „ _50 Lindenblüt dunkelfarbig abgesetzt Braun breite Form, echt rahmengenäht nrnen- Besonders billige Angebote! Grösste Auswahl! Beste Qualitäten! Schönste Modelle! Billigste Preise! Aul merksamste Bedienung! 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