Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 17 (25.4.1929)
- Date
- 1929-04-25
- Page
- Seite 222 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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er lehnt dies ab, über schließlich erfaßt ihn der Ekel vor der dauernden Unterminierarbeit. Er legt sein Amt nieder, aber er verlangt im Interesse der von ihm vertretenen Idee, daß er vorher zum Wirtlichen Staatsrat ernannt wird. Es mag dem bescheidenen Manne schwer gefallen sein, ein solches Verlangen zu stellen, aber es galt sestzustellen, daß ein Jude sein Hobes Richteramt in vorbildlicher Weise ausgejüllt hat. Bei seinem Entschlüsse war auch maßgebend, daß er durch die Befreiung von seinem Amte sich nunmehr ganz seiner idealen Arbeit widmen konnte. Es galt insbesondere, den Schwierigkeiten zu begegnen, die den Juden in Rußland bei dem Besuch der Hochschulen, bei den Hvch-- schulprüfungen und bei Ausübung akademischer Berufe bereitet wurden. Er erkannte, daß er der verzweifelnden Jugend nur dann einen Halt geben könne, wenn er ihr die Möglichkeit eröffnete, außerhalb von Rußland den Studien und eventuell auch der Vorbereitung für die Hochschulen nachzugehen. Im Dienste dieser Idee reist er mit seiner Gattin, die ihm auch hierbei als treuer Kamerad zur Seite steht, durch die ganze Welt. Persönlich in den bescheidensten Verhältnissen lebend, wirbt er nicht bloß um Geld, sondern auch um menschliche Förderung für die jüdische Jugend Rußlands. Seine Arbeiten werden durch den Krieg unterbrochen. Die politische Umgestaltung setzt dieser Arbeit ein Ziel. Seit jener Zeit widmet er sich der Aufgabe, als Gründer und Leiter des Verbandes russischer Juden in Deutschland für seine geflüchteten Landsleute einzutreten. Ein echter Humanist und ein echter Jude, geht er trotz aller fürchterlichen Erlebnisse, die einen Schwächeren niedergedrückt hätten, erhobenen Hauptes, ungetrübt in seiner Begeisterung und fest im Vertrauen darauf, daß keine ehrliche Arbeit im Dienste der Menschheit vergeblich sein kann, durch das Leben. Wo es galt, russische Inden gegen Unrecht zu verteidigen, war und ist Teitel zur Stelle. Als er gegen die Ritualmordlüge als russischer Richter kämpfen mußte, wurde ihm von zionistischer Seite nahegelegt, doch Rußland, wo er als ein Fremder betrachtet werde, zu verlassen und den Weg nach Palästina zu finden. Er hielt diesen Gedankengang dem der Nichtzionisten gegenüber: In Rußland sind wir geboren, die russische Literatur war unsere Erzieherin, die besten russischen Männer sind mit uns eines Sinnes und gemeinsam mit ihnen wüsten wir die Unwissenheit und Finsternis im russischen Volke überwinden. Teitel schreibt, daß er keine Entscheidung treffen wollte, welcher Gedankengang der richtige sei. Aber er blieb in Rußland. Als ein allmächtiger Funktionär des Zarismus ihm nahelegte, im Interesse der Erleichterung seiner umrncyen Stellung zum griechischorthodoxen Glauben überzutreten, erwiderte er: „Bei uns ist ja alles käuflich, selbst ein Lächeln oder ein Händedruck, aber jeder Mensch muß doch wenigstens einen Punkt haben, wo er unverkäuflich ist. Dieser Punkt, sagen Sie das bitte dem Minister, ist mein Judentum, und dieses werde ich nicht verkaufen/ Dr. Julius Brodnitz. Neue 9ücher. (Besprechung der Bücher Vorbehalten.) Dr. Philipp FrieDmann: „Die gcrlizischen Juden im Kampf um ihre Gleichberechtigung (1848—1.868), Bd. III. I. Kaufmann, Frankfurt a. M., 1929. — ,,Centre internationale d‘6tudes sur ie Fascisme“, diverse Mitarbeiter, Sociale Edition, Bruxelles, 1928. — Oskar Wolfsberg: „Nehemias Anton Nobel", I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1929. — Fritz fSrtPt** ..Dia ‘-tnhi'lt irrt rfirH’Kirftprr finn-titon" OlVonnttfior» 1111h Cßonorrrr Akademie-Verlag, 1929. — Paul Krannhals: „Das organische Weltbild", Bd. I n. II. F. Fruckmann A.-G., München, 1928. — Eduard Mugler: „Die pharisäische Gesetzesreligion und Jesus. 1. Buch: Gottesdienst und Menschenadel, 2. Buch: Israelitische Volksrelrgion und die Propheten", Fr. Fro» manns Verlag (H. Kurtz), Stuttgart. — „Unseren gefallenen Kameradeil", herausgcgeben von der Ortsgruppe München des R. j. F., B. Heller, München, 1929. — Karl Glaser: „Der Jude in der europäischen Welt. Das Problem seiner Sendung", Schriftenreihe der jüdischen Rundschau, Verlag Jüdische Rundschau, Berlin, 1929. — Rosenfslder: „Hebräisches Lehrbuch", 2. Teil, Selbstverlag, 1929. — Ludwig Lewisolm: „Der Fall Herbert Crump", Drei Masken-Verlag, München, 1929. — Dr. Albert LeWToWitz: „Bericht des Jüdisch-theologischen Seminars. I. „Renaissance", Th. Schatzki, Breslau. — Martin: „Zehn Jahre Stahlhelm". — Encyclopaedia Iudaica, Band Hl, Eschkol A.-G., Berlin - Charlottenburg, 1929. — Dr. Rudolf Esler: „Wörterbuch der philosophischen Begriffe", Band I und II, Mittler u. 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Meyer, 1929. — Professor Dr. Rudolf Kittel: „Die Religion des Volkes Israel", Quelle u. Meyer, 1929. Kelvmator das unübertroffene Vorbild der elektris ch-automatis chen Kühlung Eine Information über Kel vinator wird Ihnen grosse Vorteile bringen. Wir bitten um die Mitteilung Ihres Interesses. Kelvmator Elektro-Kühlanlagen A.-G. $r*ma' 0> Damen. Höhere Vorb.-Anst. Weigel,Arekburg t.Vr. FveibnesMig« T öchterheirn Cohn-Bern st ein. Staatlich zugelassene Fortbildungsschule; praktische, theoretische, Sommer-, W hauswirtschaftliche Ausbildung, untersport. Erste Referenzen. IresöM-A. Zölhterpensjonat SSTeTs Fküll Lim MilMiN hni 3nh.: Margarete Walle, stein I Villa Frohsinn, kaatl. geprüfte Lehrerin. Gegründet 1884. (Wissenschaften, Sprachen, Hauswirtschaft, gefell- I schastl.Fortbildung. Fachausbildung auf Wunsch. Töchierpenstmat Kieler j Konstanz a. 3. * Billa Seegarien. Wissensch., hauswirtsch. u. gesellsch. Ausbildung. Turnen u. Sport. Idealer Erholungsaufenthalt f. d. ganze Jahr. Bes. 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