Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 17 (25.4.1929)
- Date
- 1929-04-25
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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217 j Fest der Freiheit. Z Eine Pessachbetrachnmg von Rabbiner Dr. Vleuhaus E Mülheim, Ruhr). i; Moses und Aron verlangen in: Namen Gottes von dem Aeghpterkönig Freiheit für Israel. Freiheit für die Sklaven, Necht für die Unterdrückten — ist ihre Forderung. Pharao lehnt ab. Allein die jj Stimmen kommen zehnmal wieder und verlangen zehnmal j das gleiche: „Gerechtigkeit für ein Volk". Lauter und immer lauter! wird der Schrei nach Recht und Freiheit. Ihm wird Erfüllung zui teil, Pharaos Stolz gedemütigt. Israel zieht frei aus „dem eisernen Z Schmelztiegel Aegyptens". 1 Was einst das edle Vrüderpaar beansprucht, hat ganz Israel durch f die Jahrtausende von der Menschheit als sein angeborenes Recht er- Z beten, gewünscht, gefordert. Aber Pharaonische Menschen und Völker l lehnten dieses Recht der Freiheit ab. Erst das tausendfach erschütterte s und aus dem Schlummer erweckte Gewissen der Völker gab auch endl lieh Israel sein Recht und damit das Gefühl der Freiheit. I Allein wieder dieselbe Erfahrung nach dem von Breysig auf- 8 gestellten Gesetz der Stetigkeit und des Wandels in der Geschichte: * Pharao bedauert, die Freiheit Israel gegeben zu haben (II. B. M., j 14, 5). — Teile unseres Volkes wünschen zwar für sich Gleichheit l und Gleichberechtigung, aber Israel versagen sie die freiheitlichen! Grundsätze. Deshalb kann und darf der Kampf für unser Recht nicht erlahmen, es ist ein sittlicher Kampf, da es um unsere Rechte als Menschen * und Juden geht. Mazzoh (wörtlich Kamps!) bleibt daher auch Symbol für unser Ringen. Allein, wer kämpft, weiß, daß Bitteres ihm nicht erspart bleibt, Uoraur („Bitterkraut") — dieses Bittere darf unseren Kampf nicht erlahmen lassen, sondern Ansporn sein auf den Etappen unseres Weges, der zum dritten Symbol des Festes, zu?688aeb, zur Freiheit führt. Pessach, mazzoli, moraur — d i e drei Grundlagen unseres Fe st es — die drei Grundlagen unseres Kampfes. So sind uns Ziel und Ende vorgezeichnet. Wie die Haggada, jene alte, gemütvolle Darstellung des Aegyptenauszuges, mit Erinnerung an Elendsbrot beginnt und mit dem Jubelgesang des Hillel über erlangte Freiheit nach Ueberwindung des bitteren Sklavenloses freudig schließt, so wissen wir aus unserer, an traurigen Momenten so überaus reichen Geschichte, daß — misehiduä UZ'uloh der Aufstieg mit der Knechtschaft angefangen — mit der Erlösung gekrönt wurde. Diesen Kampf wollen wir mannhaft und aufrecht durchfechten. Moses und Aron kamen selbstbewußt, im Vertrauen auf ihre Sendung, zu Pharao und fürchteten sich nicht. Wie sie — diese unsere leuchtenden Vorbilder — so müssen wir auftreten in dem klaren und ehrlichen Bewußtsein, das uns Pessach lehrt: „Recht bleibt Recht; es dringt durch und gelangt endlich zum Siege." Der Feinde gibt es gar viele, die uns in Knechtsgestalt wieder sehen möchten, bettelnd um unsere Ehre und Gleichberechtigung wie um ein Stückchen Brot. Jugend tritt gegen uns auf und will uns verfassungsmäßige Rechte auf Bildung und Erkenntnis beschränken. Alter steht gegen uns auf und will uns zu Bürgern zweiten und dritten Grades degradieren. Da entbietet Pessach, unser Fest der Freiheit, allen Kämpfern um die heilige und gerechte Sache des Judentums seinen alten und ewig jungen Freiheitsgruß, der ihnen voll Hoffnung zuruft: „Dieses Jahr Knechte, im künftigen Jahre freie Leute." ) Bon Angaben und anderen j hebräischen Handschriften. | Von Professor Jsmar Elbogen. ■ Vor einigen Jahren saß ich in der Landesbibliothek in Dresden vor einer hebräischen Foliohandschrist. Mein Nach* 1 bar, der mit bibliographischen Arbeiten beschäftigt war, kam t an jenem Vormittag mit seiner Aufgabe nicht recht vorwärts;; die Bilder und Zeichnungen der von mir benutzten Handschrift i fesselten ihn derart, daß sein Auge immer wieder davon angezogen wurde und sr mich nach der Bedeutung des Werkes und der Malereien fragte, die er als Christ zum erstenmal sah. Die Handschrift enthält ein Machsor aus dem Mittelalter nach deutschem Ritus, das herrlich illuminiert ist. An den Hauptstellen, zu den Anfängen der Festtage, zieren es Vollbilder, imposante Darstellungen aus der biblischen Geschichte von kühnem Entwurf, ausgezeichneten Perspektiven und noch heute frischen Farben. Hebräische Handschriften besitzen fast alle größeren öffent- | lichen Bibliotheken Deutschlands^ namentlich die der Landes- I Hauptstädte. Sie entstammen zum Teil fürstlichem Privatj besitz, zum Teil sekularisterten Klöstern; vielfach sind sie den J Juden gewaltsam weggenommen oder von ihnen bei der Flucht I vor Verfolgern zurückgelassen, mitunter aber auch von wiß- J begierigen Gelehrten für die Fürsten angekauft worden. Der 1 gelehrte Herzog Karl von Braunschweig z. B. hatte .j ein so ernstes Interesse» für religiöse Fragen, auch jüdische, daß | er eigenhändig die Uebersetzung des gesamten Gebetbuches | nach sephardischem Ritus niederschrieb und seiner Bibliothek in Wolfenbüttel einverleibte. 1 Manche von den hebräischen Handschriften der deutschen j Bibliotheken sind weltberühmt. An erster Stelle ist da die | Münchener Handschrift des babylonischen Talmuds zu nennen, die fast den ganzen Talmud enthält und an Umfang von keiner anderen erreicht wird. Sie ist 1342 in Nordsrankreich geschrieben, kam auf dem Wege über Italien um 1480 nach Schwaben, in jüdischem Besitz ist sie zuletzt in Pfersee bei Augsburg festzustellen; dann wunderte sie in das Kloster Pollingen und gelangte 1806 in die Staatsbibliothek in München. Der wissenschaftliche Wert dieser Handschrift ist ungeheuer, da sie in ihrem Umfang einzig dasteht; darum hat sie auch der bekannte Talmudforscher H. L. Strack mittels Faksimile- Lichtdrucks veröffentlicht (Leiden 1912). Eine ältere, 1184 in Gerona (Spanien) geschriebene Talmudhandschrift besitzt die Stadtbibliothek in Hamburg, aber sie enthält nur etwa ein Sechstel des babylonischen Talmuds, die drei zivilrechtlichen Traktate. Ihres hohen textkritischen Wertes halber hat Lazarus Goldschmidt, der verdiente Talmudübersetzer, sie in (photozinkographischer) Faksimile-Reproduktion, und mit textkritischen Scholien versehen, herausgegeben (Berlin 1914). Auch die Universitätsbibliothek in Göttingen besitzt aus dem Nachlaß Paul de Lagardes eine Pergamenthandschrift von nur 10 Blatt aus der zweiten Ordnung des Talmud, die etwa aus derselben Zeit stammt und sehr beachtenswerte Text- Varianten enthält. Eine andere sehr berühmte Handschrift ist der Codex Reuchlinianus der Landesbibliothek in Karlsruhe — eine Bibelhandschrift aus Italien, die nach jedem Satze des hebräischen Textes die alte aramäische Uebersetzung, das Targum, bringt und von diesem einen so ausgezeichneten Text bietet, daß er noch heute als die beste Ueberlieferung gilt. Berlin besitzt in den aus der Erfurter Sammlung übernommenen Handschriften eines der ganz wenigen Manuskripte der Tosefta" (geschrieben vor 1260) und unter den aus dem Hemen gekauften Handfchriften die unter dem Namen Midrasch Hagadol bekannte Sammlung alter Schriftauslegungen. Auch die berühmt gewordenen Elefantine-Papyri der Berliner Museen wären in diesem Zusammenhang zu erwähnen, ebenso wie die zwar jüngeren, aber in das gleiche Gebiet gehörenden Fragmente der Heidelberger Akademie und der Frankfurter Stadtbibliothek. Sehr bekannt ist in den letzten Jahren eine illustrierte Haggada der Landesbibliothek in Darmstadt geworden, sie liegt gegenwärtig in einer vorzüglichen Reproduktion vor, und jedermann ist in der Lage, sich von der reichen Ausstattung und der künstlerischen Ausführung dieses Prachtwerks zu überzeugen. Sie verdient nach dem Urteile eines Fachmanns „die vornehmste aller frühen nordischen Haggadoth und die repräsentativste überhaupt genannt zu werden". In dem diesem Werke gewidmeten lehrreichen Buche von Bruno Italiener (Leipzig 1927) sind auch alle anderen bekannten illuminierten Haggadas behandelt, von denen eine beträchtliche Anzahl in großen deutschen Bibliotheken zu finden ist; vor allem seien ».Beftellungeii aufFefitagskaffee unter Aufficht des Rabbinats geröftet, \ werden durch alle meine Filialen ausgeführi. I -Ä-Zrmtz jel-Wwe.