Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- Seite 205 (sequence 9)
- Language
- German
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205 runc runc id „Organisierten Judenhaß gibt es in England nicht wie irr Deutschland. Wir haben keine antisemitische Presse; wir haben auch keine Vereinigungen wie die Hakenkreuzler in Nürnberg." „Sie kennen Nürnberg?" „Ich kaufe dort jährlich mindestens einmal Spielwaren. Sonneburg und Berlin allein genügen leider nicht, sonst würden wir überhaupt nicht mehr nach Nürnberg gehen!" „Hat man Sie dort belästigt?" „Im Gegenteil. Die Engländer werden dort als Kausleute sehr geschätzt. Ich bin beim letzten Besuch in Deutschland mit einem jüdischen Geschäftsfreund aus Fürth in der Elektrischen nach Nürnberg gefahren und habe mir trotz des Protestes des Schaffners den Sitz zu meinem Freund ,hinübergeklappt". Das verstehen wir Engländer nicht, daß man einem den Rücken zukehren muß, wenn man neben ihm sitzen kann. Als ich den Wagen verließ, sagte mir bezeichnenderweise mein Fürther Freund: ,Wenn die im Wagen geweißt hätten, daß du Jude bist...!' Ich erwiderte: ,Jch komme schon Jahre hindurch nach Nürnberg. Den jüdischen Ausländer behandeln sie dort besser als den jüdischen Nürnberger Mitbürger? Die Antisemiten sind als Geschäftsleute jüdischen Ausländern, auch Ostjuden, gegenüber sehr zuvorkommend." Als ich meinen englischen Mitreisenden darauf aufmerksam machte, daß nationalsozialistische Kreise auch Fühlung mit der Spielwarenindustrie in Thüringen haben sollen, befremdete ihn das außerordentlich. „Solche Höflichkeit wie dort, können Sie sich nicht vorstellen. Aber ich gebe Ihnen einen Rat. Zwingen Sie doch die Herren, die Samthandschuhe abzulegen. Wir lassen uns in England nichts, gar nichts gefallen, und würden den Herren auch in Deutschland Zu dienen wissen." „Also gibt es in Wales auch Judenhaß?" „Natürlich, versteckten, gesellschaftlichen. Aber der richtet sich nicht gegen die Juden, sondern gegen alles Nichtenglische. Die Abneigung gegen die Italiener, die den Kaffeemarkt beherrschen, Geld machen und dann Wales den Rücken kehren, ist viel größer als gegen die seßhaften Juden. Uebrigens ist Sir Alfred Mond, als er noch liberal war, in Wales gewählt worden. Man hat ihn verdächtigt, als geborener Deutscher während des Krieges für Deutschland eingetreten zu sein und hat bei dieser Gelegenheit ein wenig in Antisemitismus gemacht. Aber Sir Alfred Mond (jetzt Lord Melchior) hat sich tapfer gewehrt. Daß man ihn verdächtigte. Spionage Zu treiben, sei eine 6. Gvoffer Lpr-iölhaus für feine Herren--Wäsche, Lrilrotggrn ufin. BERLIN W CHARLOTTENSTRASSE 65 FERNSPRECHER: MERKUR 6330 bodenlose Unverschämtheit; daß man ihn Jude nenne, erfülle ihn mit größtem S t o l z." „Lord Melchior ist heute konservativ?" „Das verargt ihm in England niemand. Bei uns wird die politische Anschauung durch die Wirtschaft stark beeinflußt. Auch in Wales w ü h l e n viele Juden, die kein I n t c i* c f \ e ö m Freihandel haben, konservativ. Und daß die jüdischen Schneider Arbeiterpartei wählen, wer wird es ihnen verdenken. Ihr seht in Deutschland die Dinge zu sehr, wie sie sein könnten und nicht, wie sie sind. Auch mit dem Judenhaß ist auf die Dauer kein Geschäft zu machen." „Ist die „Morning Post" nicht judenfeindlich?" „Sie ist m a n d a t s s e i n d l i ch. Das ist ein großer Unterschied. Das Mandat gefällt den Leuten um die „Morning Post" aus machtpolitischen Gründen nicht und. wie ich osfen sagen möchte. weil die Juden ihnen zu klug sind. Die englischen Herrenmenschen befehlen gern, und in Palästina erlauben sich die Juden, eine eigene Meinung zu haben. Natürlich gibt es ab und zu in der P r o v i n z p r e s s e so etwas wie lokalen Antisemitismus. Letzthin ist bei uns ein Jude wegen D i e b st a h l s verurteilt worden. Ueberschrist: ,Ein jüdischer Betrüger'. Wir naben Einspruch gegen diese Taktlosigkeit erhoben, und die Zeitung hat diese Entgleisung bedauert." „Und wie ist es in den Schulen?" „Schwächliche Kinder, die nicht Sport treiben, werden verspottet. Mein 13jähriger Sohn ist ein guter Fechter. Dem tut niemand etwas. Allerdings muß er oft unbeholfenen ostjüdischen Kindern beistehen. Aber auch diese assimilieren sich schnell wie die Alten. Bor 30 Jahren mußten die Ostjuden vor den vornehmen eingeborenen Waliser Juden tief den Hut ziehen. In der Synagoge saßen sie aus der letzten Bank. Heute sind die Ostjuden die Wohlhabenden in Wales und sitzen in den ersten Reihen." Unser Waliser Reisegefährte und seine Gattin leben rituell auf der ..Oxfordshire". d. h. sie nähren sich von Fisch und Mehlspeisen. „riantzö besonders eleganierTrotteur. dunkelbeige mit caramel kombiniert, aus unserer Fabrik, auch mit L,-XV.-Aba, Pumps ist Mode . 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