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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. Seite 202

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
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202 gehörigkeit Zu einer Gemeinschaft beschuldigt werden, der sie sich nicht bewußt sind. Glaubt ^ber Herr Led-ermann hier hel f e n zu können mit einem Vortrag des bisweilen nicht allzu beliebten Religionslehrers über „Etwas vom Hakenkreuz"? Es können hieraus sehr schwere Schäden für die gesamte Personlichkeit erwachsen, mögen sie sich nun in einem übertriebenen Assimilationsb-edürsnis oder in einem Negativismus auswirken, die beide wir bei uns Juden vielfach beobachten können, wirklich helfen, kann nur die Positivierung dieser objektiv gegebenen Lage, die sich in einer stärkeren Bindung an die jüdische G em einfchast ausdrückt. Wenn das Elternhaus, wie es heute Vielfach xst, nicht dazu in der Lage ist, so soll es die Kinder in In g endb ünde oder ähnliche Einrichtungen geben, die fähig sind, die Besonderheit als Stolz und Verantwortung empfinden zu lassen. Nichts erreichen wird man aber mit einem „Wehrunterricht", der bestenfalls die wenige Zeit, die der jüdische Unterricht heute hat, noch mit einem neuen überflüssigen Lehrstoff wegnehmen wird, ohne wirkliche Werte zu schaffen. Es gibt heute eine ganze Anzahl jüdischer Jungen und Mädchen, die mit ihren christlichen Kameraden ausgezeichnet a u s k o m in e n. Aber das wird durch diese Art „Wehrunterricht" erfolgreich bekämpft. Denn letzten Endes v e r a l l g e m e i n e r t doch das jüdische Kind nicht weniger als das christliche, und wird, wenn man ihm Waffen gegen Judenfeinde in die Hand gibt, glauben, daß es sich gegen alle Nichtsjuden wehren soll. Nach all dem scheint mir nur eine Stellung jüdischer Jugend zum — „Wehrunterricht" möglich: s chä r f st e Ablehnung! Schlusswort Von Jakob Ledermann Die Bezeichnung „W ehrunterrrch t" hat vielfach Widerspruch geweckt. Sie ist manchem in die Glieder gefahren. Wir legen uns auf das Wort nicht fest, sondern auf die Sache. Wenn wir es statt „Abwehrunterricht" oder „Abwehrkunde" wählten, so geschah es, weil es uns muterfüllter dünkt. Wenn aber eine Zeitung, die der angeschnittenen Frage einen langen Artikel widmet, meint, wir trieben es nicht ganz so weit, Unterweisung in der Bedienung von Maschinengewehren usw. zu fordern, so kann das nur als guter Scherz gedeutet werden. In Wahrheit sind wir gar nicht so kriegslustig, uns hat das Erlebnis „Krieg" seelisch und auch körperlich sehr schwer berührt. Wir legten uns bei der Benennung einiger Themen für das geforderte Wehrbuch nicht fest, sondern nannten zwanglos Beispiele. Aber wie kann erwartet werden, daß die Behandlung der Drückebergerlüge Kriegsfreudigkext in der jüdischen Jugend wachrusen könne! Hat dieser Vorwurf nicht zu den schwersten Angriffen gegen unsere jüdische Gemeinschaft Anlaß gegeben, Angriffen, die sich gegen unser staatsbürgerliches Bewußtsein und damit gegen die Grundlagen der Gleichberechtigung richteten?! Trotz großer Erfolge ist es dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten heute noch nicht gelungen, diese Verunglimpfung der toten wie der überlebenden jüdischen Frontsoldaten zum Schweigen zu bringen. Und damit soll unsere Jugend nicht vertraut gemacht werden? Heißt das: das Kriegsandenken verewigen? Geht es hier nicht vielmehr um Dinge der jüd"chen Ehre? Kann man überhaupt das Erlebnis des Weltkrieges vor der Jugend verschweigen? Drei Generationen werden seine Folgen noch gegenwärtig bleiben. Ist es nicht da in die Hand des Lehrenden gegeben, das namenlose Unglück eines solchen Ereignisies den Kindern eindringlich zu Gemüte zu führen? Nie wird ein Problem, das fragend und a lt f r ix 11 e I n b a xt unsere Iugendlichen I) e r aix tritt und sie tief in ihr jüdisches Herz trifft, den Kriegsgeist züchten könne n! Zwei Zuschriften befürchten es dennoch. Die Mehrzahl der übrigen Zuschriften sprechen sich anscheinend für den angeregten Gedanken eines Wehrunterrichts aus. Unser Vorschlag war materiell und lehr technisch nur skizziert. Es ist natürlich und es wird dankbar begrüßt, daß Anregungen, Erweiterungen und Vertiefungen das Problem besser fassen wollen. Wir sind mit dem meisten einverstanden, weil es der Sache nützlich ist. Eine Zuschrift glaubt befürchten zu müssen, daß durch die Behandlung der Frage „Sind wir Deutsche oder Fremde?" der Kamps u m d e n Zionismus in die Jugend getragen wird. Wird er nicht eher vermieden? Wenn man dem Kinde sagt, wie lange es mit der deutschem Erde verbunden ist, und ihm klarmacht, daß das Land seiner Vorgeschichte das heilige Land Palästina ist, in dem sich jetzt ein bedeutungsvoller Aufbau vollzieht^ wird da nicht die Synthese im jüdischen Menschen vorbereitet, die für den Frieden innerhalb des jüdischen Lebens, für einen friedlichen Ausgleich der Gegensätze, um den sich die besten Köpfe des Judentums bemühen, von bewegender Bedeutung ist? Wenn inan glaubt — u n d namhafte Fachleute müßten es b est ä ti g en —, daß die Anregung zur Erteilung eines Wehrunterrichts von Wert ist, dann arbeite man an ihrer Verwirklichung. Man prüfe in den Lehrerverbänden die Frage, und nxan hole Gutachten herbei und schreite zur Tat! Landschaftlich schönster Kurort in den bayer. Alpen.-Seit 60 Jahren bewährt .. bei; Asthma.Bronchitis Hals - N&sen-u.Kehlkopfieiden Die gesundheitlichen Nachwirkungen der Grippe werden durch, einen Aufenthalt in diesem heilkräftigen 0ad beseitigt. ,,Unfreiheit"? Eine zionistische Stimme zum Kapitel Wehrnnterricht. Die „Jüdische Rundschau" vom 9. April berichtet in einem Brief aus Duisburg von einem Diskussionsabend, der über das Thema „Friedensbewegung und Judentum" in der Zionistischen Vereinigung Duisburg stattfand. In diesern Bericht heißt es: „Es wxxrde weiter in der Diskussion hervorgehoben, daß man nicht, wie der C. V. es immer in seinem Blatte tue, versuchen solle, bei den unpassendsten Gelegenheiten mit den gefallenen Inden des Weltkrieges Reklame zu machen. (Von uns fett gesetzt. Die Schristleitung.) Besonders zu verurteilen sei der Vorschlag des C. V., den nur zweimal in der Woche stattsindenden Religionsunterricht zu kürzexr zugunsten eines Wehrunterrichts, in dem den Kindern Themen nahegebracht werden sollten, wie die folgenden: Juden im Flugzeug und Unterseeboot. Waren die Juden Drückeberger? Feldpostbriefe usw. Das sei ein aus Unfreiheit fließendes Beweisenwollendes Mehr als seine Psncht tuw." Diejenigen Zionisten, die glauben, durch derartige Argumente besonders durchschlagende Wirkungen in Diskussionen zu erzielen, mögen für ihren engen Zuhörerkreis vielleicht recht haben. Die größere jüdische Oessentlichkeit, die den Bericht in der „Jüdischen Rundschau" zu Gesicht bekommt, wird dagegen etwas überrascht sein. Die Voraussetzung einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Gegner ist, daß man ihm dieselben Arbeitsmethoden Zuerkennt, die man selbst anwendet. Die zionistische Palästina- Agitation weist nun gegenüber allen Angriffen auf das Palästinawerk darauf hin, daß diese letzten Endes nur ideologischer Natur seien, daß aber der P a l ä st i n a a u f b a u als folcher eine Wirklichkeit darstelle. Die Wirklichkeit, die Palästina für die Zionisten darstellt, bedeutet Deutschland für uns Deutschjuden, und jeder Tatsache, die die Wirklichkeit „Palästina" bestärkt, darf gerechterweise jedes Monxent entgegengehalten werden, daß unsere Wirklichkeit „Deutschland" unterstreicht. Wenn die Zionisten der Meinung sind, daß man mit hohen, erhabenen und vielleicht auch leidvollen Geschehnissen nicht agitieren solle, nun gut, so mögen sie es lassen. Vorher aber lüge es im Interesse der Würde der innerjüdischen Auseinandersetzung xxnd gebietet es die Rücksicht auf die judenfeindliche Bewegung, die sich gegen die Z i o n i st e n , so lange sie noch in Deutschland leben, genau so richtet wie gegen die Deutschjuden, Wendungen wie „Reklame mit den gefallenen Juden" zix vermeiden. Zahlreiche gute Zionisten haben die seelische Fundamentlosigkeit der nationaljüdischen Weltanschauung bei vielen „Auch"-National-Juüen durch ihren begeisterten Heldentod für ihr deutsches Vaterland erwiesen. Deshalb xnüßte auch ihnen der Gedanke an die 12 000 gefallenen Juden zu heilig sein, als daß das Wort „Reklame" in Zusammenhang damit gebracht werden könnte. Die Ironie gegenüber dem Gedanken des Wehrunterrich ts ist billig, aber ebenso unlogisch wie das eben erwähnte andere Argunxent. Unseres Wissens werden in zionistischen Kreisen sehr eifrig hebräischer U n t e t r icht und Palästinakunde getrieben. Das liegt jenen Herrschaften begreiflicherweise rxahe. Aber wenn sie diese Betätigung für die von ihnen gewünschte Zukunft außerhalb Deutschlands für notwendig halten, so müssen sie uns, die wir u n f e'r e Z u k u n f t für jetzt und füralle Z e i t x n D e u t s ch l a n d sehen, schon gestatten, d i e - j e n i g e n M i 11 c 1 z u e rwägen, die un s für d i e V erwirk l i ch u n g Unserer W ü n s ch e i n u n s e r e m Vaterlaube z w eckmnßi g er f ch einen. „Unfreiheit"? Wir haben bisher ixnxner gemeint, es sei ein Zeichen der Unfreiheit, sich zw ducken und zu 'schweigen, Z e i ch e n d e r F r e i h e i t, s i ch z u w e h r e n u n d zu sprechen. Al. H. 1 I , r l*... . - — —— ‘

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