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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. Seite 201

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
Seite 201 (sequence 5)
Language
German
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201 und Abweh r"-Vuch im Auge Hütte..sind praktisch und notwendig in wilden Zeiten, wo man jeden Augenblick in die Lage kommen kann, irgendeinen vernünftigen oder unvernünftigen Angriff aus dem Stegreif begegnen zu müssen. Was der Jude von heute darüber hinaus braucht, das ist ein möglichst eindringendes Verständnis der Judenfrage. Da diese Frage aber in alle Kulturprobleme der Zeit verflochten ist, dazu nur historisch und sozial-psychologisch zu begreifen ist, ergibt sich ohne weiteres, daßsienichtisoliert, sondern nur in st ändigerEingliederung in die entsprechenden allgemeinenProblemebe handelt werdenkann. Darum ist es in unterrichtlicher Hinsicht vor allem notwendig, daß die jüdische Geschichte aus ihrer Isolierung herausgehoben und in innigste Beziehung zur allgemeinen gesetzt wird. In der j ü d i f ch e n Schule, auch in der einfachsten, bietet den- Unterricht Ansatzstellen genug für eine vielseitige Behandlung des Judenproblems. Nicht zu vergessen ist als wertvolles Hilfsmittel für die aktuellen Fragen die Lektüre geeigneter Zeitungen und Zeitschriften, auch gegnerischer. Das Ziel: Erlebtes Judentum Von Lehrer Leopold Weil (Hof) Es. hieße Aufgabe, Ziel und Zweck des jüdischen Religionsunterrichtes völlig verkennen, wenn man den ungeheuren Fragenkomplex, der durch den Antisemitismus — sowohl in bewußt hetzerischer wie auch manchmal, das dürfen wir nicht verkennen, in edelster Absicht der Angreifenden — täglich aufgerollt wird, vom jüdischen Religionsunterricht fern halten wollte. Aber nicht nur und in erster Linie das Zweckhafte des Problems — Ausbildung an künftigen Kämpfern — kann und muß den Erzieher zwingen, diesem Gebiete besondere Aufmerksamkeit und Arbeit zu widmen, weit mehr noch scheinen mir erzieherische Momente — das Wohl und Wehe des Kindes, die Erziehung der Jugend zu jüdischen Menschen — hierfür bestimmend zu sein. Darum muß der Religionsunterricht der jüdischen Jugend den seelischen Halt geben, den sie braucht, um später ein würdiges Glied unserer Glaubensgemeinschaft und damit auch ein tapferer, mutiger und erfolgreicher Kämpfer für die Ehre des Judentums werden zu können. Die Hauptfrage ist, ob dieser Unterricht, als eigene Disziplin neben den anderen Religionsfächern einher laufend, in besonderen Unterrichtsstunden erteilt werden Das erste Heft der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Herausgeber: Ismar Elbogen (Berlin), Aron Freimann (Frankfurt a.M.), MaxFreudenthal (Nürnberg) ist soeben erschienen. dem Inhalt: STRAUS, Zur Forschungsmethode der jüdischen Geschichte KOBER, Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre * LEVI, Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland, mit Nachbemerkungen der Herren ßlaufuss, Behrens, Neeb und Oxe * ELBOGEN, Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland FREUDENTHAL, Die Verfassungsurkunde einer reichsritterlichen Judenschaft LOEWE, Die Juden in Deutschland. Bibliographische Notizen Bücherschau * Nachrichten. Jahresabonnement 4 Hefte M. 10,—. Einzelheft M. 2,75. Pitilo Vertag und Buchhandlung BERLIN SW 68. oder ob er aus den einzelnen Fächern des Religionsunterrichts organisch herauswachsen soll. Maßgebend für die Entscheidung dieser Frage muß das Ziel sein, das dem Unterricht im allgemeinen und dem Religionsunterricht im besonderen gesetzt ist. Ziel und Zweck jedweden Unterrichts aber ist nicht nur der Erwerb von Kenntnissen und die Aneignung von Fertigkeiten, fondern die Erziehung und Formung von Menschen, tn der deutschen Schule von deutschen Menschen und im Religionsunterricht von jüdischen Menschen. Die Einrichtung eines Wehrunterrichts als besonderes Fach des jüdischen Religionsunterrichts würde bei der Aktualität, die dieser Unterrichtsgegenstand gegenüber den anderen Religionssächern haben und erhalten würde, nicht nur beim jüdischen Kinde, sondern vor allem bei der Masse unserer jüdischen Eltern, die dem Religionsunterricht ohnehin schon mehr oder weniger gleichgültig, wenn nicht überhaupt feindlich gegenübersteht, die Meinung reisen lassen, Sinn und Ziel dieses Unterrichts sei die Erziehung der Jugend zu sogenannten „A b w e h r j u d e n*. Das kann und darf nicht sein! Wenn es uns erst gelingt, jüdische Menschen zu formen, die ihr Judentum aus den Quellen kennen und nicht nur schablonenhaft aus Flug- und Streitschriften, dann werden wir auch die Gewißheit haben, daß diese Juden, eben weil sie ihr Judentum kennen, es auch lieben werden, daß sie, von Stolz und gesundem Selbstbewußtsein erfüllt, ihre staatsbürgerlichen Pflichten und die, welche die Glaubensgemeinschaft von ihnen verlangen darf, erfüllen werden. Solche Juden aber werden auch zu jeder Zeit treue, mutige und vor allem erfolgreiche Kämpfer bei unser er A b w e h r - arbeit sein. Bedenklicher Unterrichtsstoff Von Paul Bichhardt, cand. für. Wir alle, die wir einmal eine ch ristliche Schule besucht haben, mußten wohl ab und zu „ein Wort, einen Vorwurf hören, die sich gegen unser Judenherz wandten". Aber ohne vorerst überhaupt auf das Problem einzugehen, ob es ratsam ist, einen Kampf in unsere Jugend zu tragen — ich sage „Kampf", auch wenn der Kampf nach Herrn Ledermann „Frieden" bedeutet, möchte ich gleich einen der Punkte herausgreisen, die als Programmpunkte zur Besprechung vorgeschlagen wurden. So soll eine Frage lauten: „Waren die Juden Drückeberger im Weltkriege?" Ist sich Herr Ledermann bewußt, daß die Kinder, welche 1915 und in den folgenden Jahren geboren wurden, überhaupt nichts von einem Kriege wissen, daß sie sich darunter nichts v 0 r - stellen können? Sollen wir die Gefahr auf uns laden, die unschuldigen Herzen der Kinder zu beunruhigen und ihr Gemüt in Aufregung und Erregung zu bringen durch die Schilderung eines Krieges in all seinen Greueln? Herr Ledermann sagt: „Unsere Jugendorganisationen werden die Wichtigkeit solch eines Unterrichts einsehen, sie müssen seine Einführung geradezu fordern." Ja, diesem Wunsch kann man sich nur anschließen. Aber nicht in der Schule! Wenn einem Kinde ein Vorwurf gemacht wird, dann sollen seine Eltern versuchen, ihm die nötige Aufklärung zu geben. Was soll ein Kind mit statistischen Tafeln anfangen, was mit Feldpostbriefen, und wie soll es seine Kenntnis anderen gegenüber verwerten? Ich glaube, daß es Zeit genug sein wird, wenn man sich der jungen Menschen dann in obiger Weise annimmt, wenn sie die Schule verlassen haben. Sie dann auszuklären, ist zu fordern. Vorher aber wird nichts Ersprießliches geleistet werden können, weil die Nachteile weit überwiegen werden. Jugendbünde, nicht die Schule Von Ernst Stillmann (Berlin) Das Wort „W e h r u n t er r i ch t" klingt so schön, daß es zum Schlagwort prädestiniert ist. Es wird gut sein, erst einen Schritt zurück zu gehen und zu Prüfen, wie der Angriff wirkt, der diese „Wehr" nötig machen soll. Dabei zeigt sich, daß Herr Ledermann die Lage des jüdischen Kindes und Jugendlichen nicht ganz richtig sieht. Das wird deutlich, wenn man feststellt, daß es zwei Type n gibt, die auf diesen Angriff verschieden reagieren. Es gibt Menschen, die von diesen Angriffen s a st unberührt gelassen werden. Ihre Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft ist so eng, daß sie durch Schmähungen nicht verletzt wird. Sie werden, wenn ihnen dergleichen entgegentritt, Eltern oder Führer fragen und fast immer aus Grund Persönlicher Erlebnisse oder des verbreiteten Aufklärungsmaterials ausreichende Auskunft erhalten. Herr Ledermann meint aber wohl mehr den anderen Typ, der keine Verbindung außer der schicksalhaft erzwungenen mit der jüdischen Gemeinschaft hat. Diese Menschen werden b e st ü r z t u n d tief verletzt durch a n t i s e m i t i s ch e Angriffe. Was sich aber aus der persönlichen Erfahrung und der vielfachen Literatur gerade darüber ergibt, ist nur zum geringsten Teil aus die Nachwirkung gerade dieses oder jenes Vorwurfes zurückzusühren. Dre meisten leiden darunter, daß sie schicksalsmüßig in einen Konflikt hineingezogen werden, der nicht der ihre ist. Daß sie der Zu-

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